Nan fürchtet in Rückblick auf die vorhergehenden Liqui⸗ ationen, daß die bevorstehende Ultimoabwickelung eine ohr schwierige sein werde, da die Geldverhällnisse noch mmer keine Wendung zu einer wesentlichen Besserung ge— zommen haben. In Berlin, wo man sich derselben Ansicht ingibt, siellt sich der Zinssatz für Prolongationen bereits auf 7½—8%. Das Geschäft leidet unter diesen Einflüssen hr und ist eine übrigens nur Billigung findende Zurück altung der Speculation ersichtlich. Einen Beweis für je Besorgniß vor der demnächstigen Gestaltung des Geld⸗ narkts geben die Gerüchte, welche an den Börsen über die age der Londoner Bank umgehen. Während man in Zerlin gestern die Befürchtung einer Diskontoerhöhung in ondon als überwunden betrachtete, wurde das Gerücht eute an hiesiger Börse colportirt, es stehe in Folge be— eutender Goldausfuhren eine abermalige Erhöbung bevor. die heutige Börse eröffnete unter dem Einfluß nicht un⸗ ünstiger auswärtiger Course ziemlich fest, besonders für Staatsbahn, welche mit 365 einsetzten, jedoch nach und ach verflauten und mit 364 schlossen. Trotz der geringen Nindereinnahme von fl. 7000., schritt ein Theil der Speculation zu Realisationen des genannten Effects, da r den gegenwärtig erreichten Cours als einen verhältniß⸗ wäßig hohen ansieht und da außerdem die Nähe des ultimo solche Realisationen, die zur Verminderung der üngagements dienen sollen, nothwendig macht. Auch für se übrigen Speculationswerthe trat im Laufe des nicht hr animirten Geschäfts eine allmälige Ermattung ein, edem die oben berührten Umstände, sowie nicht weniger ze wieder stark hervortretende Unsicherheit der Dinge in srankreich verstimmend einwirkten. Creditactien mit 363 vöffnend, schlossen 362, Lombarden hielten sich relativ u, indem sie schließlich 217 nach 216 notirten. Silber⸗ unte zeigte sich behauptet zu 64⅝. In Oesterreich. Bahn⸗ lctien und Prioritäten wenig Umsatz. Für Banken trat, al Gegensatz zu gestern, wieder einiges Animo zu Tage aid blieben dieselben ziemlich fest. Wiener Bankactien fragt zu 1058— 60. Von hiesigen Banken Deutsche Lereinsbank um 1 höher. In der gestrigen Sitzung s Aussichtsraths dieser Bank berichtete die Direction ider die günstige Entwickelung der Geschäfte und bean⸗ tagte die Vollzahlung der Actien. Der Aussichtsra lh beschloß daher die Ausschreibung einer 20% Einzahlung af den 1. Januar und 1. März n. J. Wechslerbank und Hahn'sche Effectenbank höher. Würtemberg. Vereins⸗ tunk fest zu 198. Provinzial⸗Diskonto um 2% höher. Wechsel unverändert.
Die Sturmfluth an der deutschen Nordküste.
Ein erschreckendes Bild von dem unermeßlichen Unglücke, velches die Sturmflulhen des 12.—14. November ange⸗ rchtet haben, geben folgende Berichte: Aus Ecke rnförde, bes am schlimmsten gelitten zu haben scheint, meldet die „E. Z.“, daß dort ganz zerstört sind 87, arg verwüstet 138 Häuser in der Stadt; in Borby sei die Verwüstung un Häusern verhältnißmäßig eben so groß. 50 bis 60 zzmilien sind obdachlos. Der Sturm hat das auf der Eüdschanze stehende Monument soweit vernichtet, daß nur roch der eigentliche Gedenkstein auf dem Sockel stehen ge⸗ lieben ist. Manche Leute sind so arm geworden, daß sie nut mehr ihre Familie und die Kleider noch besitzen, die eben irugen.— Die Niederung vom Fehmarnsund bs tief ins Land hinein stand fast vollkommen unter Wasser, und hätte sich nicht der Wind südlich gewendet, wäre die Rettung der dort liegenden Dorfschaft Großen⸗ bede unmöglich gewesen. Das Lootsenhaus am Fehmarn⸗ umd ward buchstäblich von der fast häuserhoch gehenden krandung aufgehoben und ins Meer hineingetragen. Der Wotse halte sich mit seiner Frau und Kindern auf's Dach flüchtet, und dieselben sind einer nach dem andern vom Keere verschlungen worden. Ebenso betrübend lauten die Vachrichten aus andern Gegenden des öflichen Holsteins und besonders sollen die Ortschaften Grube, Dahme,
Grömitz ic. furchtbar gelitten haben.— Der Sturm sollte besonders dem kleinen Fischerort Wenningbund an der aus dem deutsch⸗dänischen Kriege wohlbekannten Bucht gleichen Namens am Mittwoch verhängnißvoll werden; von der ganzen Ansiedelung steht heute kaum mehr Stein auf Stein. Mit ungewöhnlicher Schnellig— keit wuchs das Wasser im Lause des Vormittags, so daß es geschehen konnte, daß sich die Bewohner der Fischer⸗ häuser zu ihrem Enssetzen plötzlich von den wogenden Fluthen umgeben sahen; da die meisten Boote bereits zertrümmert waren, schien wenig Aussicht zur Rettung. Freilich wurden nach den anderen Dörfern Wagen abge⸗ sandt, um Boote herbeizuholen; doch langten diese erst etwa um 4 Uhr Nachmittags an, als die meisten Häuser bereits zertrümmert, aber auch das Werk der Rettung an den unglücklichen Insassen der bedrängten Häuser voll⸗ bracht war. Das stärkste aller Boote hatte den Wogen⸗ schlägen widerstanden und sich von dem Pfahl losgerissen, an den es gebunden war. Den vereinten Anstrengungen Vieler gelang es, das an den Strand geschleuderte Boot aus der brandenden Fluth zu retten und über ein Acker⸗ feld auf die jetzt mit tiefem Wasser bedeckten Wiesen zu bringen, an deren Ausgang die bedrohten Häuser lagen. Nach halbstündiger Arbeit gelang es, die Insassen des ersten Hauses, 9 Personen, sicher ans Land zu bringen. Viermal mußte die Fahrt unternommen werden, es galt, etwa 36 Personen zu retten; die eben geretteten Fischer
waren zum Theil wieder die Ersten, die ihr Leben an die
Retlung der Nachbarn wagten. Unterdessen rissen die Futben unter donuerndem Gepolter das eine Haus nach dem andern nieder. Ein mit Ziegeln gedecktes Haus stürzte unter Geprassel ein, als noch alle Bewohner darin waren, zehn Personen, wotunter einige kleine Kinder. Und dennoch wurden auch diese von dem schon heran— nahenden Boot sämmtlich gerettet, da noch ein Theil des Daches zusammenhielt, an das sie sich klammerten, Leider waren durch das über alles Erwarten geglückte Rettungs- werk Einige verwegen geworden und machten die Fahrt noch einmal, um ein paar Schaafe zu holen, die auf den Boden des einen Hauses gebracht waren. Während sie beschäftigt waren, die Thiere zu retten, stürzte das Haus ein. Einer kommt auf einem Theil des Daches über die Fluthen getrieben, Zwet retten sich auf einen Baum, Einer büßt seine Verwegenheit mit dem Tode. Es gelang, auch zur Rettung der zwei in einem Baume hängenden Männer Leute zu gewinnen; halb todt vor Erkältung, wurden endlich auch sie ans Land gebracht. Bei Dunkelheit standen am Abend noch drei Häuser; am folgenden Morgen waren auch diese verschwunden. Wo Tags zuvor ein Fischerdorf mit 10 Häusern und 15 Familien stand, wogte nun die Fluth ohne eine Spur menschlicher Wohnungen. — Ueber das Unglück der Stadt Stralsund berichtet die„Strals. 31g“ unter dem 13. d. M.:„Heute früh bot der Hafen ein trostloses Bild der Ueberschwemmungen dar; von der äußeren Stadtmauer an war alles eine tobende Fluth, aus der nur die Speicher am Hafen hervorragten; brausend und brandend rollten mächtige Wogen bis auf die Zugbrücken der äußeren Thore; die Schiffe im Hafen und die Fahrzeuge im Canal wurden von Wind und Wellen bin und her und gegen einander geschleudert. Aber nicht genug des Schreckens und der Gefahr: dem einen schrecklichen Elemente, dem bereits jede menschliche Kraft rathlos gegenüberstand, gesellte sich noch das Feuer zu. Bald nach 6 Uhr gerieth eine Kalkniederlage außer⸗ halb des Badenthores in Brand. Es war ein grauener— regendes Bild, das jeder Beschreibung spottet, diese funken— sprühende Feuerinsel inmitten der tobenden, alles über— fluchenden Wassermassen. Außerhalb des Hafens, hart an der Pfahlreihe, befanden sich auf dem Mast eines gesunkenen Schiffes zwei Menschen, verzweifelnd um Hülfe rusend, aber alle Rettungsversuche erwiesen sich bei der Brandung und dem rasenden Sturm als unaussührbar.“— Aus Flensburg schreinz en vom 14.:„Bei der gestrigen Ueberschwemmung was der Wasserstand 28 Zoll höher als bei der größten Wasserfluth, von der hier Aufzeich-
nungen vorhanden sind. Von der Furchtbarkeit der Natur⸗ erscheinung kann man sich eine Vorsiellung machen, wenn man hört, daß das Meer 11½ Fuß über den gewöhnlichen Wasserstand gestiegen ist, schon glaubte man gestern Nach⸗ mittag 2 Uhr, daß die Hauptgefahr vorüber, als plötzlich binnen 10 Minuten das Wasser 3 bis 4 Fuß auf einmal sich hob. Da namentlich begann das grausige Werk der Zerstörung, und der an der Schiffbrücke(d. h. an dem Bollwerk, das die Stadt vom Wasser trennt) belegene Theil bietet heute ein jammervolles Bild. Yachten, Boote, Balken, Bretter, Tonnen, Kessel, Laternenpfähle, Mobilien aller Art liegen bunt durcheinander und der breite Quai ist mit Trümmern übersäet. An vielen Gärten ist die Umzäunung eingedrückt, die Gartenhäuser sind vernichtet, krumm und schief von den Wellen geschlagen oder ganz weggeführt, ebenso manche Brücken. Zwei große Schiffe liegen halb auf dem Bollwerk; ein drittes, noch größeres, nagelneues, mitten im Quai. Als das Wasser so plötzlich zu steigen begann, war in den überschwemmten Quartieren an ein Retten der Mobilien nicht mehr zu denken. Alles schwamm durcheinander und zerschlug sich. Schrecklich sieht es in den ersten Stockwerken der überschwemmten Quartiere aus. Fußböden, Zwischenwände, Oefen zerstört, alle Fenster zerschlagen, Thüren weggerissen, Tapeten halb weggefegt, die Wände öd und kahl. Bei dem Norderthor bildet ein riesiges Kohlenlager eine förmliche Barrikade, die schweren schwedischen Balken von den Holzlagern waren an vielen Orten die Sturmböcke, welche das untere Stockwerk mancher wohl verwahrter Häufer einstießen. Gegen 4 Uhr wurden viele Leute mit Böten aus den Häusern gerettet. In der Stadt selbst ist Niemand ver⸗ unglückt. In der Nähe ertrank ein Bauer, der mit seinen Pferden durch das Wasser, das die Chaussee über⸗ fluthete, jagen wollte. Trautig lauten die Nachrichten auch aus nächster Nähe. So sind in Sandacker(Halte⸗ station der kleinen Föhrdedampsschiffe) alle die einstöckigen Häuser weggeschwemmt, ein Strohdach davon kam in Flensburg an. Der ganzen Osiküste, Heiligenhafen, Neu⸗ stadt, Kiel, Schleswig, Eckernförde, Kapeln, Apenrade ent⸗ lang, scheinen die Meeresfluthen gleichfalls furchtbar ge⸗ wüthet zu haben.“
Productenbörse zu Friedberg am 21. November.
Heutiger Preis loco Waizen, gute Qualität, fl. 14. 30—40. Korn, fl. 9. 45— fl. 10. Gerste, fl. 10. 15-30. Hafer, fl. 7. 15. Kartoffeln, fl. 2. 15.
Alle Preise verstehen sich 200 Pfund- 100 Kilo. Nächste Börse Donnerstag den 28. November.
Bitte.
Da wir beabsichtigen wiederum eine Christ— bescheerung für die Kinder, welche die hiesige Kleinkinderschule besuchen, zu veranstalten, so bitten wir die Bewohner unserer Stadt uns dazu mit Gaben, zu deren Empfang jede der Unterzeichneten bereit ist, freundlichst unterstützen zu wollen. Bei der theilweisen Theue⸗ rung und den sonst doch günstigen Verhältnissen hoffen wir um so mehr auf milde Herzen fur unsere Kleinen. Frühzeitige Einhändigung der uns zugedachten Geschenke wäre sehr erwünscht.
Hilda Dieffenbach. Johannette Klipstein.
Wilhelmine Diegel. Elise Trapp.
Auguste Klipstein. Christiane Werner.
3131 Für bevorstehende Saison empfehle eine große Aus wahl in Herrenartikeln, als: fertige hemden, Kragen, Manschetten und Chemisetten, alle Sorten Herrenbinden, Foulards, seidene und wollene Herrentücher, Chales, leinene und baumwollene Taschentücher, Glacé⸗, Wasch⸗ der- und Bulskin⸗Handschuhe, wollene Hemden, wollene und baumwollene Unterjacken und
hosen, Hosenträger u. dgl. m.
Hemden nach Maß
werden in kürzester Zeit auf das Sorgfältigste angefertigt.
Hemden Einsätze in schöner Auswahl stets vorräthig. Hermann Bechstein
in Friedberg, Ludwigstraße 70.
Mein Porzellan-
3232 ist auf's Reichhaltigste assortict und bringe in empfehlende Erinnerung.
Louis Simon Wittwe, der Post gegenüber.
und Glas-Lager
Unser großes Lager fertiger
3246
errenkleider,
durch gute Stoffe, solide Arbeit und billige Preise bekannt, empfehlen wir bestens.
J. Fürth's Erben.
Packflachs
3206 ist zu haben in bester Qualität bet Friedberg. M. D. Loeb.
Neue Kastauien Louis Simon Wittwe.
Steinerne Töpfe und Krüge 3243 in allen Größen find wider eingetroffen det Fried Hilbrecht Wittwe am Bahnbof.
neue und alie Pferdeteppiche,
3244 grau und weiß, zu baben bel 7 Schwarz, Hoftaxator.
Mehrere Fenster
3242 in gutem Zustand, sowie 2 große Haustbüren sind billig zu verkaufen bei
griedberg. Oberlieutenant Mieß Wittwe.
Atepshuchen!
2402 ftels frisch von der Müble bei Wilb. Fertsch.
3234 bet
.
————


