Ausgabe 
16.7.1872
 
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Deutsches Reich. Daemstadt. Oberförster Alexander Neid⸗ hardt wurde zum Forstmeister des Forstamts Schotten ernannt.

Die Gr. Ministerien baben nunmehr alle Behörden aufgefordert, Listen über die nicht defi⸗ nitiv angestellten Staatsdiener und deren Salair einzusenden und steht die Aufbesserung deren Ge halte in nächster Aussicht.

Zwei für das Gemeindeleben wichtige Ge⸗ setzentwürfe, die Gemeinde- Ausgaben und das Recht der Forenzen bei Aufstellung der Gemeinde- voranschläge betr., wurden unlängst, wie gemeldet, den Ständen vorgelegt und sind nunmehr im Druck erschienen. Der erstere enthält im Wesent⸗ lichen die Bestimmung, daß der in Art. 82 und 83 der Gemeinde Ordnung, bezw. Gesetz vom Jahr 1858 begründete Unterschied der Gemeinde⸗ umlagen aufgehoben werden soll, und hält an dem Grundsatz fest, daß zur Bestreitung der Gemeinde- bedürfnisse in erster Linie das Gemeindevermögen zu verwenden sei, während für das etwa noch Mangelnde, einzelne Fälle ausgenommen, das Ge⸗ sammtsteuercapital der Gemeinde aufzukommen habe, was seither nicht in dieser Weise der Fall ge- wesen. Zur Wahrung der Interessen der Forensen sollen diese bei den ihre Beitragepflicht berühren⸗ den Angelegenheiten durch einen stimmberechtigten, von ihnen zu wählenden Vertreter in der Gemeinde vertreten sein. Zum Berichterstatter über genannten Gesetzentwurf ist der Abg. Kempff ernannt.

Das Ministerium des Innern hat zwei Vorlagen, die längst ersehnte Aufbesserung der Gehalte der Volksschullebrer und die Erhöhung der Minimalgehalte der Geistlichen betreffend, den Ständen unterbreitet.

Es wird gemeldet, daß das neue Wahl gesetz erst mit dem Schluß der gegenwärtigen Landtagsperiode an die Stände gelangen wird.

Mainz. Von einem Garnisonswechsel des 118. mit dem 117. Regiment ist hier nichts be kannt. Es scheint der im nächsten Monat ge legentlich der großen aus und auf der Festung bevorstehenden Manöver fixirte Ausmarsch dieser Regimenter in Cantonnements und Bivouaks in der hiesigen und Maingegend jener Annahme zur Unterlage zu dienen.

Berlin. DerReichsanzeiger trägt zu der publicirten Ausführungsverordnung zum Jesuiten- gesetze folgende Bundesrathsbeschlüsse nach: Die Bundesrathsregierungen mögen die Internirung auf Fälle beschränken, wo der zu Internirende außer Stande ist, selbst einen bestimmten, ihm nicht versagten Aufenthaltsort zu wählen: die Re- gierungen mögen ferner jeden einzelnen Fall der Auflösung einer Niederlassung, der Ausweisung oder Internirung unter Nennung der Namen und Personalverhältnisse dem Reichskanzleramte anzeigen, sowie binnen dreimonatlicher Frist über das Resultat ihrer Erhebungen betreffs der verwandten Orden und Congregationen berichten.

Nach einer etwas mysteriösen Notiz der Post wird dahier in gewissen Kreisen die Frage ventilirt, wie es das Kriegs winisterium mit solchen Offizieren, die notorisch Affiliirte des Jesuiten- ordens sind und von denen einige hohe Stellungen in der Armee und als Adjutanten haben sollen, halten werde. Man deutet diese Anspielung u. A auf den Fürsten Radziwill, der ein militärisches Hofamt bekleidet und dessen Einfluß, zumal in der Zeit der Schulaufsichtsdebatte, dem Fürsten Bismarck sehr hinderlich gewesen sein soll.

Von der deutschen Militärverwaltung ist, derKöln. Ztg. zufolge, in Erwägung gezogen worden, in wie weit die Luftschifffahrt militärischen Zwecken dienstbar gemacht werden könne. Das Ingenieur-Comite hat Ermittlungen angestellt, welche wesentliche Unterstützung durch verschiedene Vorschläge von Privatpersonen erhalten haben.

Beendigung desselben zur Aufbewahrung in Köln befand, soll deßhalb hierher gesandt worden sein.

eröffnung der Landtagssession dem Abgeordneten hause eine Vorlage bezüglich des Wegfalls der

ein Wechslergeschäft unter der FirmaBanque de

Es taucht das Gerücht auf, der Finanz- minister Camphausen sei gesonnen, nach Wieder-

Zeitungssteuer zu machen. Unterrichtete Personen setzen hinzu, dieser Steuerreform-Entwurf schließe solche Vorlagen nicht aus, die, ähnlich der vor⸗ jährigen, eine Entlastung der ärmeren Volksclassen bezwecken. Möglich, daß mit der Zeitungssteuer gleichzeitig der Kalenderstempel fällt.

Eisleben. Das Comite des Vereins für ein in Eisleben zu errichtendes Luther Denkmal macht bekannt, daß gegenwärtig eine Summe von 9000 Thylr. vorhanden ist. Die Ereignisse der Jahre 1870 und 1871 haben eine Unterbrechung der Sammlungen bewirkt. Das Comite wendet sich deßhalb von neuem an die gesammte evange: lische Christenheit um Beiträge.

Hannover. DemFr. J. schreibt man: Es regt sich die Besorgniß, daß das Bundes- schießen in Hannover zu einem Tummelplatze der Parteileidenschasten gemacht werden könnte. Man fürchtet namentlich, daß von außenher Mißbellig- keiten in das Fest getragen würden, weil es nicht unbemerkt geblieben, daß z. B. der deutsche Schützen- bund in Wien seinen Theilnehmern am Schießen eigenthümliche Instructionen für ihr corporatives Verhalten gegen die Welfen ertheilt hat. Straßburg. Ueber die Befestigung von Straßburg meldet dieDeutsche Presse: Im Norden zwischen Ill und Rhein wird die Enceinte der Stadt drei Kilometer von der gegenwärtigen Front bis an den Canal, der Ill und Rhein mit einander verbindet, vorgeschoben werden, und zwar in der Weise, daß die schönen Promenaden zwischen der Robertsau und dem Robertsplatze von der Enceinte mit einbegriffen sein werden. Dort wird man einen Hafen und einen Canal bauen, der vom Rheine herkommt und über Kebl eine leichte Verproviantirung gestattet. Oberhalb der Front, die nach Frankreich hinschaut, als derjenigen, die natürlicherweise eine bessere Vectheidigung bean- sprucht, errichtet man ein weites und verschanztes Lager, das eine Armee von 200,000 Mann auf- nehmen kann und mit Straßburg durch fünf große, sternförmige Forts in Verbindung steht. Auf dem Rheine über Kehl, ist es immer möglich, aus Deutschland Hilfe jeder Art nachzusenden.

Ausland.

Oesterreich. In ungarischen Blättern spukt das Gerücht von einem gegen den Kaiser von Rußland beabsichtigten Attentate. Eine mächtige geheime Verbindung sei über ganz Rußland ver- breitet, die eine Verfassung für das Land verlange und da deren Häupter, denen der Czarewitsch nicht fern stehen soll, sahen, daß der Kaiser ihrem Wunsche nicht stattgeben werde, denke man an die Beseitigung des jetzigen und Erhebung des Groß- fürsten Thronfolgers zum Kaiser, dessen erster Akt dann die Unterzeichnung einer Verfassung sein soll. Der Großfürst Thronfolger werde deßhalb zur Zeit militärisch überwacht und mehrere Verschwörer seien bereits ohne Aufsehen nach Sibirien gebracht.

Frankreich. Paris. Ein Deutscher, Namene Mayer, welcher auf dem Boulevard Poissonnière

Change betrieben hatte, ist kürzlich von Paris verschwunden, ein Deficit von 250,000 Franken zurücklassend. Besonders leiden darunter kleine Geschäftsleute, welche ihre Ersparnisse dem ge nannten Hause anvertraut hatten.

Versailles, 12. Juli. Die Nationalver⸗ sammlung setzte heute die Steuerdebatte fort. Im Verlaufe derselben ergriff Thiers das Wort, um neuerdings die Nothwendigkeit der Amortistrung der Staatsschulden zu betonen, sowie das Postulat

Zur gründlichen Prüfung sind nun von dem In- genieurcomite praktische Versuche angestellt worden, welche auf einem an der Ecke der Kurfürsten- und Schillerstraße gelegenen Terrain vorgenommen wurden. Das gesammte eronautische Material

aus dem verflossenen Feldzuge, welches sich seit halten zu wollen, und kündigte an, daß er vor

von 200 Millionen, welche von der Regierung behufs der finanziellen und militärischen Reorgani⸗ sation und der Herstellung des Budgetgleichge- swichts verlangt worden, zu rechtfertigen. Der Präsdent der Republik wiederholte hierbei die Erklärung, die conservative Republik aufrecht er⸗

Beginn der Ferien eine Darlegung der politischen Lage machen werde.

13. Juli. Die Nationalrersammlung hat in ihrer heutigen Sitzung den ersten Theil des Gas⸗ londe'schen Antrages, durch welchen die Patent- steuer um 60 Cent. per Franc erhöht wird, an⸗ genommen, dagegen den zweiten Theil desselben, welcher eine Erhöhung der Thüren⸗ und Fenster⸗ steuer, sowie der Personal- und Mobiliarsteuer bezweckte, mit 336 gegen 309 Stimmen verworfen.

Gießen. Im Laufe dieses Frühjahrs hatte man in unserer Nachbargemarkung Wieseck ein sehr reichhaltiges Lager gelben Ockers entdeckt, der mitunter in einer Schichte von mehreren Fuß Durchmesser ungefähr 2 4 Fuß unter der Erdoberfläche zu Tage tritt. Die von Sachverständigen vorgenommene Untersuchung und Prü⸗ fung dleses Farbstoffs hat ergeben, daß derselbe an Güte und Reinheit den meisten anderen Ockern(namenllich auch dem Pfälzer) bei weitem vorzuziehen ist. Einige unternehmende Industrielle unserer Stadt haben berests das betreffende Gelände pachtweise erworben und mit der Ausbeutung des Lagers begonnen.

Schlüchtern. Ueber einen auf der Elm⸗Gemündener Bahn neulich vorgekommenen Mordanfall erfährt man folgendes Thatsächliche: von Gemünden kommend fuhren zwei bei dem Bahnbau beschäftigte Arbeiter in einem Coupe dritter Classe, wo sie wegen einer Proceßsache in heftigen Streit gerieihen. Als der Zug durch den Rienecker Tunnel fuhr, zog der Eine das Messer, um seinen Gegner zu erstechen, traf aber nicht diesen, sondern einen andern Passagier, welcher sich gerade zum Fenster hinauslehnte. Der Getroffene wird schwerlich zu retten sein. Der Thäler ist flüchtig.

Frankfurt. Wie hiesige Blätter berichten, sollen die Vogelsberger in offenem Ausstande gegen die Frank⸗ furter Quellwasserleitung sein; sie wollen ein für allemal die Legung der Röhren durch ihre Fluren nicht gestatten. Die Graben, welche unter dem Schutz der Polizei bei Tag gezogen worden sind, werden des Nachts wieder zugeworfen. Eine Commission, an ihrer Spitze Herr Oberbauinspector Lange, hat sich an Ort und Stelle begeben.

Darmstadt. DieHess. Volksblätter berichten von einem woblihuenden und erfreulichen Zug dankbarer Er⸗ innerung eines französischen Soldaten an den einstigen Aufenthalt und die humane Behandlung in Feindesland, indem wir von einem dem Gastwirth B. in Niederram⸗ stadt vor Kurzem aus weiter Ferne zugegangenen Souvenir feurig flüssiger Art hiermit öffentlich Notiz nehmen. Fern aus dem Süden, von den weingesegneten Ausläufern der Pyrenäen, aus der sonnigen Gegend von Carcasonne, empfing nämlich Hr. B. von einem bei demselben vor Jahresfrist in Diensten gestandenen kriegsgefangenen Fran zosen ein unverhofftes Präsent in der Gestalt einer ½ Ohm köstlichen Purpurweins, der ebenso dem Herzen des dank baren Soldaten wie dem feurigen Heimathlande des gene rösen Gebers die vollste Ehre machte.

Paderborn. Eine abscheuliche That passirte in einem Eisenbahnzuge bei Altenbecken, indem einer Dame aus Berlin, welche zum Besuche ihrer Eltern nach Werl reiste, von zwei mitreisenden Schwindlern während der Fahrt im Tunnel ein angeblich mit Chloroform getränktes Taschentuch unter die Nase gehalten und hierauf deren umgehängte Geldtasche geraubt werden sollte. Glücklicher weise hatte das angewandte Betäubungsmittel seine Wir kung noch nicht gethan, als durch das Hülferufen dei Dame die Passagiere in dem daneben anstoßenden Coupe aufmerksam gemacht wurden, worauf nach stattgehab iel Meldung an den Zugführer der Zug zum Stehen gebracht und die beiden Thäter verhaftet wurden. Dieselben sind gefänglich hier eingebracht worden.

Berlin. Nach den vorläufigen Ergebnissen del Vollszäylung vom 1. Dez. 1871, mitgetheilt von preußischen statistischen Bureau, stellt sich die Bevölkerung, des deuischen Reiches wie folgt:

1) Königreich Preußen:. 24,643,410

Herzogthum Lauenburg.. 9933 9,65ʃ 2) Königreich Bayern 3 1 Sachen 4) Wüfttem berg 1,818,480, 5) Großherzogthum Baden- 1,461,420 60 5 r 852,840 7 5 Mecklenburg(beide zu⸗

sammen) 4. dete e 654,879 8) Großherzogthum Oldenburg 314%½% 9 5 Sachsen Weimar.. 285,188 10) Die 5 Herzogthümer Braunschweig, An-

halt, Sachsen- Meiningen, Sachsen⸗

Coburg⸗Gotha, Sachsen-Altenburg

1,019, 11) Die 7 Fürstenthümer Schwarzburg⸗ ö Rubolstadt und Schwarzburg-Sonders⸗ hausen, Waldeck-Pyemont, beide Reuß,

Schaumburg-Lippe, Lippe-Detmold. 476,200 12) Lüber 52,198 13) Bremen ie enen 122.505 14) Hamburg 338,974 15) Elsaß⸗ Lothringen 1,549,405

Oder in größeren Gruppen zusammengefaßt 1) Preußen und Lauenburg 24 2) Die 3 Königreiche 3) Die 5(bezw. 6) Großherzogthümer.

5) Die 3 freien Städte 6) Elsaß⸗Lolhr ingen

e Summa 41, 058,1