Berlin. Das„Intelligenzblatt“ brachte vor einigen igen die frohe Mahr, daß eine kleine Wohnung, aus (tube, Kammer und Küche bestedend, zu vermiethen sei, ind diese Mähr schlug unter Anderen auch an das ver— ungende Ohr eines Stubenmalers, der, mit seinem Burschen un einer früh beendigten Arbeit zurückkehrend, sich flugs ni diesem in eine Droschke warf, indem er sagte;„Mann Ules mit rinn, Wilhelm, die Töppe, Pinsel un Alles! wenn ick die Wohnung miethe, dann malen wir ihr gleich f!“ Zehn Minuten darauf hielt die Droschke, aber ach! won auf dem Flur des Hauses begegneten dem Maler nehrere Personen mit sehr langen Gesichtern und er erfuhr un diesen, daß die empfohlene Wohnung ein„wahres sundeloch“ sei. In der That lag„Stube, Kammer und lüche“ auf dem Hofe über dem Pferdestall und übertraf des Dagewesene an Luft⸗ und Lichtmangel im vollsten aße.„Un det soll kosten?“ fragte der Maler kopf⸗ hüttelnd.„Sechsundneunzig Thaler jährlich, aber prä— umerando vierteljährlich!“ entgegnete der Wirth. Das mr dem wackeren Künstler zuviel und er wiederholte ent— üstet das Wort vom„wahren Hundestall“, worauf der Lärth von„Peunbrüdern“ sprach, die überhaupt keine Lohnung nöthig hätten.„Was, Pennbrüder?“— rief i Maler, dem die Galle überlief,„na warte, das will „ Dir anstreichen!“ und mit diesen Worten drückte er im Unverschämten mit kräftigen Fäusten in eine Ecke. Det Anstreichen werde ick besorgen, Meester!“ sagte der zursche, indem er den Pinsel in die Farbe tauchte, und im Hauswirth von oben bis unten mit schöner himmel— Auer Farbe anzustreichen begann. Darauf machte sich tis Künstlerpaar eilig davon und der Hauswirth verfolgte üsselbe mit lautem Geschrei bis auf die Straße. Aber us schallende Gelächter, das seine ultramarinfarbene Er— beinung dort bervorrief, und der Spott der lieben Schul⸗ jgend veranlaßten ihn, bald genug den Rückzug in sein nus anzutreten, wo er Rache brütet, ohne zu wissen, c wem er sie kühlen soll, da er leider nicht nach dem amen dessen gefragt, der ihm den„Pennbruder“ so schön cigestrichen hatte.
Aus München 6. Juli wird berichtet: Nach dem ute ausgegebenen Polizei⸗Rapport bot hier vor einigen zugen in der Gabelsbergerstraße eine alte, an einer Ecke
lauernde Frau, welche ein etwa 1½j̃ähriges hübsches Knäb⸗ chen, ihr Enkelkind, auf den Armen hielt, dasselbe einem vorübergehenden Bürger zum Geschenk an, da sie dasselbe nicht zu unterhalten vermöge, die Mutter sei gestorben und der Vater bezahle nichts für dasselbe.— Der Bürger besann sich nicht lange. Er rief eine Frau als Zeugin bei und nahm das Kind zu sich, um für dessen Unterhalt und Erziehung weiterhin zu sorgen. Auf die Bemerkung der Großmutter,„daß sie doch wenigstens eine halbe Bier
für das Kind erhalten möchte“, reichte ihr der Bürger
einen Sechser und trug in freudigster Stimmung den Kleinen nach Hause.
Freiburg i. Br. Die hiesige Handelskammer bringt Folgendes zur öffentlichen Kenntniß:„Von den badischen Zehngulden-Noten des Staatspapiergeldes(also nicht Bankscheine) befinden sich Falsificate im Umlauf. Dieselben sind hauptsächlich daran leicht erkennbar, daß ihnen der Wasserstempel entweder ganz fehlt oder daß er nur ganz matt erscheint. Der Druck, die Umrisse der Bilder sind nicht so ausgeprägt und scharf als bei den ächten Scheinen das Papier ist auch eiwas dünner. Die Anfertigung scheint auf photographischem Weg bewerkstelligt worden zu sein.“
D. Frankfurt a. M., 13. Juli.(Börsenwoche vom 8.— 13. Juli.) Je näher die gigantische Anleihe der französischen Regierung rückt und je ungewisser man noch über den eigentlichen Subscriptionstag und den Emissions— kurs ist, desto empfindlicher wird die Börse. Auf der einen Seite große Vorbereitungen der großen Finanziers, welche dadurch der Börse Geld entziehen, auf der andern die Geldnoth der Kleinen, welche sich in den Spielpapieren in der Hoffnung auf eine Julihausse stark engagirt halten und sich nun festgerannt sehen. Das Alles lähmt den Verkeyr und zwingt die Kurse zum Rückgang. Credit— actien verloren während der ablaufenden Woche 4 fl. und Staatsbahn ca. 7 fl. Nur Lombarden wußten sich beliebt zu machen, und waren sie auch schon auf 218 zurückge— gangen, so holten sie diese Einbuße heute doch wieder nach. Oestreich. Nationalbank litt unter großen Verkaufs⸗ aufträgen, denen keine Käufer gegenüberstanden und ver⸗ loren so 8 fl. Für Bahnwerthe war relativ nur wenig Nachfrage. Elisabeth, Nordwest und Galizier gaben nach,
während Franz Joseph und Rudolph, auf faule Treiberei hin, an Preise stiegen, welche Steigerung sie aber schwer⸗ lich lange behaupten werden. Bayr. Ostbahn, zu Anfang der Woche weichend, besserten sich gegen den Schluß wieder. Pfälzer Max- und hess. Ludwigsbahn gleichfalls billiger. Besser war das Geschäst in Prioritäten, wo mehr Kauflust vorhanden war und die Preise theilweise in die Höhe gingen. Von Benken verloren Darmstädter 2½ fl., Meininger 1 fl., östreich. Union aber volle 13 fl. Besser bezahlt wurden Luxemburger, und ein paar Tage lang auch Frankfurter Bankverein. Deutsche Effectenbank und die übrigen Localbanken fest bei guter Frage. Oestreich. Papierrente verlor in dieser Woche den lange innegehabten Kurs von 58, und auch Silberrente verfolgte weichende Tendenz, ebenso wie 50% Ungarn, 4% Luxemburger und Russen von 1862. Dagegen stiegen Russen von 1872 um 20¾. Amerikanische Staatenbonds ohne wesentliche Veränderung. Von Städten 70% Francisco besser, 60% Washington schlechter. Prioritäten still. Cairo-Vincennes, Morris-Essex, Oregon und Südmissouri nachgebend, New⸗ Vork Oswayo, Pacific Missouri und Omahabrücke besser. Von Loosen wurden östreich. 1854 r. um ½% und bayr. 100 fl. Loose besser bezahlt. Kleine Darmstädter büßten 1½ fl. ein. Sonst sebr wenig Veränderung.
Landwirthschaftliches.
Die Ameise scheint den Feldraupen der gefährlichste und erbittertste Feind zu sein, der sie nicht nur verfolgt und erwürgt, sondern den sie auch in blinder Hast fliehen, wenn schon sie darüber verhungern. Ein Bericht des Oeko⸗ nomie-Commissarius Sterneborg aus Lippstadt über die Erfahrungen, welche über das Auftreten der Ameisen gegen die Feldraupen gemacht worden sind, meldet: Im Jahre 1861 war der Garten des Posthalters Ludwig zu Rüthen arg von Raupen heimgesucht. Dem Kohl und Weißkohl drohte gänzliche Vernichtung. Da holte ein Arbeitsmann einen Sack voll großer Waldameisen und streute dieselben über den Kohl. Sofort ergriffen die Raupen die Flucht; in der größten Angst eilten sie über Mauern und Zäune und am anderen Tage war im ganzen Garten keine einzige mehr zu sehen.
Garten ⸗Versteigerung. 1790 Donnerstag den 15. August d. J., Vormittags 1. Uhr, soll in hiesigem Rathhause ein dem Glaser— trifler Johannes Wetzsteln dahler gehörendes Grundstück: Gemarkung Friedberg.
Flur. Nr. Klftr.
5. 103. 100. Grabgarten am Mainzerthor, iffentlich meifbietend versteigert werden.
Friedberg am 28. Juni 1872.
Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. Foucar.
iert ng. 116 Donnerstag den 18. d. Mis., Vormittags 10 Uhr, wird der Bedarf an Brennholz auf 1 Jahr für die (arnison Butzbach auf dem Bürcau der unterschriebenen derwaltung mittelst öffentlicher Soummission in Liefe- ming vergeben. Die Lieferungsbedingungen liegen auf hnanntem Büreau jederzeit zur Einsicht offen und sind de Soummissionen denselben entsprechend portofrei anher tmzureichen.
Butzbach den 11. Jult 1872. Großberzogliche Garntsonverwaltung. von Stockbausen, Grünig, Ritimeister und Eskadronchef. Wachtmeister.
8 0 Holz⸗Versteigerung. 115 Donnerstag den 18. d. Mts., Vormittags 9 Uhr, len in dem Freiherrlich von Roihschild'schen Walde
„Altenberg ⸗ 2 Raummeter Eichen⸗Schäl⸗Prügelholz, 8700 Stück 5„ Prügel und Reis⸗ holz-Wellen, 1 Stämmchen 22 Centimeter Durchmesser und 6 Meter Länge Nientlich meistbletend verffeigert werden. Okarben am 11. Juli 1872. Frelherrlicher Revierförster. Hilgentreiner.
Schafpferch⸗Versteigerung. 1.37 Mittwoch den 17. Juli d. J., Vormittags 11 Uhr, ten in hiesigem Ratbhause 10 bis 15 Schafpferche a den Melsibietenden verstetgert werden. Frledberg den 13. Jult 1872. Großherzogliche Bürger meisterei Friedberg. 3. B. di: Der Großherzogliche Beigeordnete Steinhäußer.
er stei gerung. 138 Mittwoch den 17. Juli l. J., Vormittags 11 Uhr,
mird in hlesigem Ratbhause die Kleenutzung auf der]!
flädtischen Sauwelde öffentlich melfsbietend versteigert. zrledberg den 13. Juli 1872.
Großherzogliche Bürgermeisterel Friedberg. B. d. B.:
Der Groß derzogliche Belgeorbnete Stein häußer.
Domänenversteigerung
bei Großherzoglichem Rentamt Friedberg. 1935 Der am 5. August d. J. bestimmte Verkauf des Mineralbrunnens nebst dazu gehörigen Gebäulichkeilen zu Vilbel, wie solche in Nr. 63 dieses Blattes aus— führlich beschrteben waren, wird hiermit in Erinnerung gebracht.
Frtedberg den 15. Juli 1872.
Großherzogliches Rentamt Friedberg. aer.
Bekanntm ach unn 1949 Donnerstag den 18. Juli d. J. Vormittags 11 Uhr, soll in hiefsigem Rathhause von mebreren Aeckern Korn, Gersie und Klee, sowie Gartengewächse in Friedberger und Fauerbacher Gemarkung gelegen, dem Joseph Geck II. dahter gehörend, an den Meist— bietenden versteigert werden.
Feldschütze Kopp dahier und Feldschütze Stumpf zu Fauerbach b. Fr. find beauftragt, nähere Auskunft zu erthellen.
Friedberg den 13. Juli 1872.
Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. n
Der dlenftälteste Gerichtsmann Fal ck.
Due vate iage rung. 1939 Zur Concursmasse des Heinrich Simon II. von Nieder-Rosbach wird Mittwoch den 17. d. Mts., Vormittags 9 uhr, eine trächtige Fabrkuh öffentlich meistbietend auf hlesiger Rathsftube gegen gleich baare Zahlung versteigert. Nleder⸗ Rosbach den 12. Juli 1872. Groß berzogliches A Nieder⸗Rosbach. Gro
Bekanntmachung.
1940 Die abgebaltene Holzverstetgerung am 5. Jult l. J. im Nieder-Weiseler Gemeindewald bat die Genehmigung nicht erhalten und wird auf Mittwoch den 17. l. M. einer nochmaligen Versteigerung ausgesetzt über Buchen— und Klefern⸗Stockholz. Eichen- und Tannen⸗Stangen⸗
holz und einige Tausend Eichen Schälholzwellen und Tannenwellen. Die Zusammenkunft ist auf dem Hinterftenkopf.
Nleder⸗Weisel den 12. Jult 1872. Großherzogliche Bürgermeisterei Nleder-Weisel.
Nin
Mühlsteine
Friedr. Holl in Worms.
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Dof- Apotheker.
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