Dresden. Hochzeitsfeier des königlichen Paares haben am 7. d. begonnen. Zunächst brachte die Deputation des Landtags dem königlichen Paare seine Glück⸗ wünsche dar und überreichte zwei Stiftungen von je 100,000 Thaler für allgemeine Bildungszwecke und zum Besten des weiblichen Geschlechts. Die Deputation der Stadt überbrachte 20,000 Thaler zu Wohlthätigkeitszwecken. Am 8. empfing das Königspaar zur Beglückwunschung mehrere fremde Deputationen, das diplomatische Corps ꝛc. ꝛc. und nahm von zahlreichen Deputationen des Landes reiche Ehrengaben an. Nachmittags traf die Königin- Wittwe Elisabeth von Preußen, die Zwillings- Schwester der Königin von Sachsen, ein. Die Stadt ist festlich geschmückt und beflaggt.
— Aus Berlin ist die Genehmigung des Kaisers zur Entfestigung von Dresden eingetroffen. Dieses Jubiläumsgeschenk des Kaisers wird in diploma⸗ tischen Sphären als eine neue Gewähr für die guten Beziehungen zwischen Preußen und Oester⸗ reich erachtet.
Detmold. Auch dem neuen Ministerium des Lippeschen Landes will die Herbeiführung ge⸗ ordneter verfassungsmäßiger Zustände und die Schlichtung des zwischen Regierung und Bevölke- rung bestehenden Conflictes nicht gelingen. Die kürzlich ausgeschriebenen Wahlen zum Landtage sind theilweise gar nicht zu Stande gekommen, theils haben die Gewählten zwar die Wahl an⸗ genommen, aber ausdrücklich erklärt, daß sie sich dei den Berathungen des Landtags nicht bethei— ligen würden. Die Regierung erklärt deßbalb, sie sehe sich genöthigt ohne Mitwirkung einer Landesvertretung die Staatsgeschäfte fortzuführen, und will dieß mit dem vollen Bewußtsein ihrer Verantwortlichkeit so lange thun, bis es gelingt, einen beschlußfähigen Landtag durch die Wahl von Männern zu bilden, welche ein Mandat zum Landtag annehmen— nicht um es niederzulegen, sondern um es zum Besten des Landes auszuüben.
München. Die hiesige Polizei Direction hat ein autographirtes Schreiben an sämmtliche Gastwirthe und Wirthe versendet, worin sie die selben auffordert, wegen der möglichen Verschleppung der Cholera von Wien an den Münchener Platz schon jetzt die geeigneten Vorsichtsmaßregeln ein- zuleiten.
In der Pfalz hält die Tabaksteuer Frage die Landwirthe noch immer in Athem; die enorme Erhöhung der Steuer, welche Preußen vorschlägt, wird von ihnen als der Ruin des pfälzischen Tabakbaues, jedenfalls so weit er von kleinen Landwirthen betrieben wird, erkannt, und man will nicht glauben, daß der Bundesrath es über sich gewinnen könne, den Säckel des Reichs auf Kosten der Existenz eines Theils der Bevölkerung füllen zu wollen.
Karlsruhe. Die Staatsregierung hat den Anfang gemacht mit der Durchführung des im April d. J. erlassenen badischen Gesetzes, welches den Mitgliedern von Ordens ⸗Congregationen die Lehrwirksamkeit entzieht. Den sogenannten Pader- borner Schwestern, welche in Constanz ein Lehr- institut mit Pensionat halten, ist die Eröffnung gemacht worden, daß sie binnen 4 Wochen ihre Lehrthätigkeit einzustellen hätten. Ferner muß die sogen. Diez'sche Klosterschule in Walldürn inner- halb 4 Wochen geschlossen werden, und haben alsdann die dortigen Pflegekinder die Volksschule zu besuchen. Die gleiche Eröffnung ist auch den in Stißlingen wirkenden Münchener Schulschwestern zugegangen, und wohl auch noch anderwärts.
Straßburg. Der„Köln. Ztg.“ geht von Berlin ein Dementi der in verschiedene Blätter übergegangenen Nachricht zu, daß Bischof Räß in der ihm vor einigen Wochen zu Baden Baden vom Kaiser gewährten Audienz für den Fortbe— stand der geistlichen Ordensschulen besondere Zu⸗ sicherungen erbeten und erhalten hätte. Diese Ausstreuung wird nach zuverlässiger Information als gänzlich unwahr bezeichnet.
Kolmar. Die„N. Mülh. Ztg.“ bringt den Anfang eines Verzeichnisses derjenigen Personen, deren Options ⸗ Erklärungen für die französische Nationalität wegen unterlassener Verlegung ihres
Die Festlichkeiten der goldenen
Domieils nach Frankreich von der Kreisdirection zu Mülhausen für ungültig erklärt worden sind. Zunächst werden die Namen von 93 solcher Optanten mitgetheilt.
Ausland.
Oesterreich. Ein jüngst in Wien stattge habtes Duell zwischen zwei Offizieren, welches mit dem Tode der beiden Duellanten endigte, hat das Kriegsministerium zu einer Verordnung veranlaßt, nach welcher das Duell oder der Zweikampf, den jetzigen Zeitverhältnissen entsprechend, nicht mehr als ein Aet ritterlicher Genugthuung angesehen werden kann, sondern von nun an, ohne ein Ehren- gericht einzuberufen, die sofortige Cassirung der betreffenden Offiziers-Charge nach sich zieht.
Schweiz Die Angabe, daß an der Hoch- schule zu Zürich gegenwärtig mehr weibliche als männliche Studirende anwesend seien, wird von dem Rector der Universität als unrichtig bezeichnet. Im verflossenen Semester habe die medieinische Facultät 158 männliche und 51 weibliche Stu- dirende gezählt, und soweit vor Schluß der Im- matriculation Zahlen angegeben werden können, werde die Hochschule im laufenden Semester min⸗ destens 360— 389 Studirende zählen, wovon 100 weibliche, von denen 75 der medieinischen, 24 der philosophischen und 1 der staatswissen⸗ schaftlichen Facultät angebören. Die Zahl der männlichen Medieinstudirenden werde die weib— lichen immer noch um mindestens 100 übersteigen.
— Der Gemeinderath von Olten beschloß die Einberufung einer außerordentlichen Gemeinde— Versammlung behufs eines öffentlichen Protestes gegen das Dogma der Unfehlbarkeit und um die Cantonsregierung zu Solothurn zu energischen Maßregeln gegen die Klerisei aufzufordern, sowie der Haltung der Gemeinden Starrkirch und Dulliken in Sachen des Pfarrers Gschwind zu⸗ zustimmen.
Frankreich. Die„Agence Havas“ erklärt, daß die Kosten der Barackenbauten in den vier occupirt bleibenden Departements sich nicht auf 20, sondern auf 10 Millionen beliefen. Diesen Angaben widerspricht eine Mittheilung, welche Hr. v. St. Vallier dem deutschen Hauptquartier in Nancy gemacht hat, nach welcher die Baukosten auf 28 Millionen beziffert worven sind, und es ist nicht abzusehen, warum der französische Diplo⸗ mat dem General Manteuffel nicht die Wahrheit gesagt haben soll.
— In dem Prozeß gegen den Marschall Ba- zaine wird die Untersuchung energisch fortgeführt. Zweihundert Zeugen sind von dem General Rivisre vernommen worden. Das Verhör des Marschalls hat begonnen. Man glaubt, daß der Prozeß An- fangs Januar vor den Kriegsrath kommen wird. Der„Temps“ meint indeß, der Prozeß werde nicht vor Monat Juni 1873 zur öffentlichen Ver⸗ handlung kommen können.
— Victor Schölcher berechnet im„Rappel“, daß die Bestrafung der im Communeaufstand Compromittirten den Staat schon nach den bisher gefällten Erkenntnissen 14,600,000 Frs. in ersten Ausgaben und ferner 4,836,000 Frs. jährlich kostet.
— Ebenso wie an der elsässischen ereignet sich auch an der lothringer Grenze fast bei jedem aus Frankreich kommenden Eisenbahnzuge, daß Fran- zosen von den deutschen Behörden wegen Mangel eines Passes zurückgewiesen werden. Man er⸗ wartet allgemein, daß Herr Thiers demnächst die Aufhebuag des Paßzwanges gegen Deutschland veranlassen und dadurch den Regressivmaßregeln
der Deutschen ein Ende machen werde. — Das letzte
6. d., i a. 0 5 d., in Gegenwart des Unterpräfecten und der„Köln. Ztg.“ die von den scanzzsischen Behörden zul;
französischen Intendanten Reims verlassen; um 10½ Uhr hielten 50 Gendarmen ihren Einzug und wurden vom Unter Präfecten, dem Maire und den Intendanten empfangen. Die Stadt ist mit französischen Fahnen geschmückt. Die Wacht⸗ posten wurden von Pompiers besetzt.
— Seit einigen Monaten reden die Blätter von der übermäßigen Zunahme der Gesuche von Offizieren der Armee, welche in Ruhestand versetzt
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zu sein wünschen. Diese Gesuche sind so zahlreich,
man spricht von 2000 bis 2500, daß man im Kriegsministerium eine wirkliche Desorganisakion der Cadres befürchtet, wenn das so fortgeht. Auf der anderen Seite aber werden auf Antrag des Ministers neuerdings Offiziere, die sich noch für vollkommen diensttauglich halten, in Ruhestand
versetzt. Nun will die„République Frangaise“ wissen, daß dies durchweg Offiziere seien, die sich offen zur Republik bekannten. Vermuthlich sind es vorzugsweise Anhänger Gambetta's, die Cisseh ausmerzt. Aber immerhin wird auch durch diese Vorgänge wieder bestätigt, daß in der Armer von allen Seiten stark politische Propaganda ge⸗ macht wird.
Frankfurt. Von welchem Einfluß die Bebauung der Bocnheimer Heide auf die hiesigen Wohnungs⸗ verhältnisse sein wird, dürfte daraus erhellen, daß nach dem Plane dort Wohnungen für 5000 Menschen errichtet werden sollen. Zu wünschen wäre, daß die Verhältnisse, welche noch störend auf die Bebauung der Heide einwirken, noch im Laufe des Winters geordnet würden.
Darmstadt. Wie heesige Blätter melden, hat der Apother L. B. zu U. die bei Bereitung von Mäusegist, und zwar von Strichninwaizen mit Phosphorteig, ge⸗ botenen Vorsichtamaßregeln nicht angewendet und ist in Folge dessen an Gehirnaffeetionen erkrankt. Die Krankheit endete nach Stägiger Dauer mit dem Tode. 5
Dieburg. Wie groß auch bier die Zahl der Felb⸗ mäuse gewesen ist, kann mau daraus ersehen, daß bis vor einigen Tagen circa 50,000 Srück eingeliefert wurden, wofür von Seiten der Gemeinde etwas über 214 fl. ver⸗ ausgabt worden sind. Scharmäuse wurden das Stück mit 1 kr., gewöhnliche Mäuse mit 1 Heller bezahlt.
Biebrich. Ein von dem Hochheimer Markt zurück⸗ kehrender Passagier stieß auf der Strecke zwischen Castel und der Curve den die Billets revidirenden Schaffner von dem Tritibrette des in voller Schnelligkeit fahrenden Zuges herunter. Glücklicherweise hat der Schaffner nur unbedeutende Verletzungen davongetragen; der betreffende
Passagier dagegen wurde zum Schlusse seiner Marklver⸗
gnügungen in Wiesbaden sofort verhaftet.
Aus Diez meldet die„Mittelrh. Ztg.“ folgendeß
Bild„aus dem Soldatenleben im Frieden“. Am vorigen Sonnlage Abends zwischen 7 und 8 Uhr begab sich ein hiesiser Stadtrath, ftüher langjähriges Mitglied des Gemeinderaths und Bürgermeister⸗Stellvertreter, aus dem Wirthshause nach seiner an der Chaussee nach Limburg belegenen Wohnung. Vor dem Thore suchte er sich neben einer Mauer unbequem gewordener Flüssigkeiten zu entledigen. Der guie Mann hatte nicht bedacht, daß ungefähr 60—80 Schritte davon entfernt auf der anderen Seite der Chaussee det Herr Major wohnt, der Herr Major eine Schildwache vor dem Hause und dieser bei mehrtägiger Arreststrase anbefoblen hat, alle Personen, welche sich in ihrem Ge⸗ sichtskreise einer sogenannten Verunreinigung schuldig machten, festzunehmen, im Schilderhaus einzuquartieren und nach erfolgter Ablösung zur Wache zu bringen. Kurz. der Altentäler wurde aus seiner gemüthlichen Beschäftigung sehr unangenehm aufgeschreckt durch einen derben Hand⸗ schlag der Schildwache und deren Aufforderung im Schilder⸗ haus Platz zu nehmen. Da half weder Sträuben noc die Berufung auf die Eigenschaft als Diezer Bürger und. Nachbar des Herrn Major. Vor der Haft im Schilder⸗ hause rettete ein kühner Sprung in das Haus des Herrn Majors und letzterer hatte auch die Gewogenheit, vielleicht mit Rücksicht darauf, daß der Uebelthäter Schwiegervater eines königlichen Hauptmanns ist, die Freilassung zu ver fügen. Die Sache macht hier ein peinliches Aussehen. Man fragt mit Recht, was die Stabtbehörde zum Schuß ihrer Bürger und ihrer selbstständigen Polizeiverwaltung zu thun gebenkt, ob der Herr Major zu solchen Anotbe nungen und Arretirungen berechtigt ist und wenn nicht ob die Staaisanwaltschaft wegen widerrechtlicher Gefangen haltung einschreiten wird. 1 25
Fulda. Am Mitwoch Abend überraschte ein hiesiger Eisenbahn⸗ Arbeiter in seiner Behausung sein Weib il. zärtlichem Tste-à-Téte mit einem Artilleristen. Der: getäuschte Ehemann, welcher sein Recht wahren wollt. erhielt von dem Artilleristen einen schweren Säbelhiebe über den Kopf, so daß er in das Landkrankenhaus ge⸗ bracht werden mußte.
In Ingolstadt machte ein Soldat sich den un⸗ passenden Scherz, sich einem auf Posten stehenden Kameraden. von rüdwäris zu nähern und zu versuchen, ihm das Gewehr über die Schulter zu ziehenz der Posten faßt, als er dies fühlte, das Gewehr fester an, gerielh mit dem. Finger an den Drücker des Gewehrs, dasselbe entlud sig und der unglückliche Spaßmacher fiel, mitten durch das
deutsche Bataillon hat am Herz getroffen, todt nieder.
Aus Bar⸗le⸗Duc beschreibt ein Correspondent det
Unterkringung der deutschen Occupationstruppel⸗ errichtelen Baracken folgendermaßen:„Es sind zehn mech zwischen zwei Wasserstraßen errichtete Gebäude. Auf 0 einen Seite fließt nämlich das Flüßchen Oenain und alf der andern ein Canal, an dessen Ufer Brauereien 1 Fabrikgebäude stehen. Der Grund, auf dem die Baracken siehen, war eine feuchte Wiese, wurde aber um drei Jui durch Kiesausschichtung erhöht; dennoch wird die Lage nicht sehr gesund sein, zumal zur Winterszeit. Von de zehn großen Baracken sind fünf zur Anfnahme von Mann“ schaften besümmt, die übrigen zu Pferdeställen, oben mil Speichern für Futter und Vorräthe. Die Baracken sind
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