Klerus vortragen. Alles ging in gehobener Stim; mung vorüber. Von bier reist der Erzbischof nach Kiefersfelden und nach Mering, um dort zu firmen. In Kempten wird er Sonntag functioniren. Straßburg. Die Gründung von Acker- bauschulen sell nach Anordnung des Herrn Oberpräsidenten von Elsaß Lothringen noch im laufenden Jahre vorgenommen werden. An die Bezirkspräsidien erging deßhalb bereits Auftrag zur Erforschung von Orten und Persönlichkeiten, welche zur Uebernahme dieser hochwichtigen Bil— dungs⸗Anstalten geeignet erscheinen.
Ausland.
Frankreich. Paris. Dem„Evénement“ wird aus Bar- le- Duc unter dem 7. d. M. tele⸗ graphirt: Hr. v. Saint ⸗Vallier hatte eine lange Unterredung mit dem General von Manteuffel. Es handelte sich um folgende Fragen: Wie sollen in den Departements Meurthe⸗-et⸗Moselle, Meuse, Ardennes und Voges die 16,000 Mann vertheilt werden, welche zu der bisberigen Garnison hinzu— treten werden? In welche Orte werden neue Garni— sonen zu legen sein? Die Wahl der Punkte, an welchen Barackenlager zu errichten sein werden, soll durch eine Cemmission von Genie Offizieren beider Staaten getroffen werden. Das„Eveéne— ment“ hört von anderer Seite, daß man nicht bloß die Soldaten, sondern auch die Offiziere in Baracken, welche für die Letzteren mit möglichstem Comfort ausgestattet werden sollen, unterzubringen gedenkt, und daß für die Einwohner, welche gleich- wohl vorübergehend in Anspruch genommen werden würden, eine Entschädigung aus dem französischen Staatsschatze normirt werden soll.
Versailles, 7. Juli. Der Vertrag mit Deutschland ist am 6. d. M. ratificirt worden. Finanzminister Goulard wird einen Gesetzentwurf einbringen, durch welchen die Regierung zur Aus- gabe der Anleihe ermächtigt wird. Der Gesitz⸗ entwurf stellt der Regierung die Wahl des Zeit— punktes und der Bedingungen anbeim.
— 8. Juli. Nationalversammlung. Der Finanzminister brachte den Gesetzvorschlag in Be— treff der Anleihe von 3 Milliarden Francs in SpCt. Rente ein, indem er erklärte, die Regierung könne mit der Bank von Frankreich und andern Finanz⸗Instituten unterhandeln, um die Zahlungen noch vor den vertragsmäßig bestimmten Terminen leisten zu können. Die Versammlung sprach sich für die Dringlichkeit der Vorlage aus.
— Die vom deutschen Kaiser am 7. d. M. vollzogene Ratifications-Urkunde zu dem am 6. d. durch die Nationalversammlung ratifieirten deutsch— französischen Vertrag ist durch einen Feldjäger hier eingetroffen.— Graf Arnim wird Montag nach Ems abreisen.— Es wird bestätigt, daß Marschall Mac⸗Mahon auf der am Freitag bei dem Präsi— denten der Republik stattgehabten Soiree erschienen ist, um gegen die circulirenden Gerüchte über dem Präsidenten feindliche Schritte zu protestiren. Hin- sichtlich der parlamentarischen Ferien wünscht Thiers dem Vernehmen nach dringend, daß dieselben noch vor Ende des Monais beginnen möchten.
Großbritannien. London. Ein Tele- gramm der„Times“ aus Paris meldet, es gehe das Gerücht, die deutsche Reichsregierung haue bei vier katholischen, das Vetorecht bei der Papst— wahl besitzenden Mächten vertraulich angefragt ob nicht dem künftigen Conclave gegenüber ein Einverständniß zu erzielen sei. Drei dieser Mächte hätten ihr Einverständniß mit einem derartigen Schritte erklärt, die vierte Macht einen solchen für inopportun erklärt.
Amerika. Philadelphia. Während der letzten Woche herrschte eine ungeheure Hitze in den Vereinigten Staaten Der atlantischen Küste entlang zeigte das Thermometer beinahe täg lich 100 Grad Fahrenheit= 30 Grad Reaumur. Eine in Folge des Sonnenstichs außergewöhnliche Sterblichkeit, besonders unter den Kindern, ist zu melden. In Newyork sind 200 Todes- und 1000 Erkrankungsfälle bekannt. In anderen Städten herrscht eine entsprechende Sterblichkeit. Am 5. Juli war die Hitze etwas mäßiger. Thermometer: 90 Grad Fahrenheit. 0
Gießen. Während der am 5. d. beendigten Sitzungen des Schwurgerichts vom 3. Quartal hat der Schwurge⸗ richtshof in nachbemerkten Anklagesachen erkannt: Am 1. Juli gegen Marie Schäfer aus Garbenteich, wegen schweren Diebstahls, eine Gefängnißstrafe von 4 Monaten. Denselben gegen Johannes Noll VI. von Schwarz, wegen
einfachen und schweren Diebstahls, eine Zuchtbausstrafe von 1 Jahr und 1 Monat, an welcher jedoch 1 Monat
als durch die unverschuldet erlittene Untersuchungshaft be⸗ reits verbüßt in Abzug zu kommen hat. Den 2. Juli, gegen Curt Hofmeier von Rainrod wurde, da die auf Diebstabl gerichtete Anklage von Seiten der Bestohlenen zurückgenommen worden war, das Strafverfahren unter Verurtheilung desselben in die Kosten eingestellt. Derselbe hatte sich nämlich zwei Obligationen seines inzwischen verstorbenen Bruders Johannes Hofmeier zu Rainrod, im Nominalwerth von je 100 fl., mittelst Einsteigens in dessen Wohnung auf rechtswidrige Weise angeeignet. In dem heutigen Verhandlungstermine erklärte jedoch die Wittwe des Johannes Hofmeier, die Anklage unter der Bedingung zurücknehmen zu wollen, wenn der Augeschul; digte sämmtliche Kosten berichtige. Dieser erklärte sich hierzu bereit, weshalb die oben angegebene Entscheidung erfolgte. Denselben gegen Johannes Groß IV. von Lehn⸗ heim, wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg, eine Gesängnißstrafe von 3 Jahren. Den 3. Juli gegen Johannes Schmitz von Flittard, wohnhaft in Gießen, wegen schweren Diebstahls, eine Gefängnißstrafe von 5 Monaien. Denselben gegen Ludwig Döringer von Wieseck, wegen zweier schweren Diebstähle, eine Zuchthausstrafe von 3 Jahren und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 3 Jahren. Den 5. Juli gegen Wilhelm Zinßer aus Gladenbach, zuletzt Postexpeditionsgehülfe bei der Kaiserlichen Postexpedition in Kirtorf, wegen Unter⸗ schlagung und Verbrechen im Amte, eine Zuchthausstrafe von 4 Jahren und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 2 Jahren nach verbüßter Strafe.
Gießen. Der biesige„Anzeiger? schreibt: Unter den zahlreichen Einsendungen, welche die Oberhessische Gesell— schaft für Natur- und Heilkunde aus den Ländern Europas und anderer Exoͤtheile erbält, finden sich nicht sellen ge— nauete Angaben über die geographische Lage des kleinen Gießen, die nicht ohne ein gewisses Interesse sind. Namenk⸗ lich die Italiener sind slark in solchen Angaben; bald heißt es: Gießen, Imper. Germanico; bald Gießen, Autriche. Aber auch Gießen, Prassia oder Gießen, Prusse ist sehr häufig. Gießen, Herzogthum Hessen kammt aber auch richtig an, ebenso wie, Gießen, Deutschland oder Gießen, Germania, Europa.
vießen. Am Montag fand man in der Lahn am Wehr der Goldschmidt'schen Mühle die Leiche eines seit Freitag vermißten Gärtnerburschen. Dieselbe war voll⸗ ständig angekleidet und soll es überhaupt zweifelhaft sein, ob der Todte ein Selbstmörder oder Verunglückter sei, oder ob demselben Gewalt angethan wurde, da nament- lich das Gesicht sehr zerkratzt war.
Frankfurt. Am Samstag Vormittags gegen 12 Uhr wurde bei dem Rangiren eines Zuges auf dem Main⸗ Neckarbahnhof ein auf dem Trittbrett stehender Arbeiter des im Gange befindlichen Zuges, an einer Kreuzung des Schienengeleises, gegen einen an diese Kreuzung vorge— laufenen Wagen gedrückt und auf der Stelle getödtet. Ein einige Schritte hinter ihm auf demselben Triitbrette stehender Arbeiter rettete sich durch Herabspringen. Eigene Unvorsichtigkein der Arbeiter, welche den wvorgelaufenen Wagen vorher auf das Seitengeleise gefahren halten, soll Schuld an dem Unglücksfalle sein.
Frankfurt. Um die Preise bei dem Felbbergfest rangen 169 Turner. Als erster Sieger ging aus dem Wettkampf hervor E. Kämmerer vom Frankfurter Turn und Fechtelub, den zweiten Preis erhielt J Schadt von der Hanauer Turngemeinde, den driten Preis K. v. Bon— hörst vom Wiesbadener Turnverein, den vierten Preis F. Göring vom Frankfurter Turn- und Fechtklub, den fünften Preis G Düppner von demselben Verein, den sechsten Preis R. Lenz vom Sachsenhäuser Turnverein u. s. w. Im Ganzen gelangten 29 Preise zur Ver— theilung. Die meisten Preise, welche ein einzelner Verein erkämpfte, acht an der Zahl, erhielt der Turn- und Fecht— elub zu Frankfurt a. M.
Offenbach. Am 8 d. Abends zwischen 8 und 9 Ubr entlud sich über unserer Stadt ein Gewitter, wie es in gleicher Heftigkeit hier seit Menschengedenken nicht erlebt wurde; wir sahen die Blitze in nordwestlicher und südlicher Richtung sich entladen, und besonders die letzteren direct über den südlichen Stadttheilen. Der Blitz hat mehrfach in Bäume ꝛc. eingeschlagen, jedoch glücklicher Weise ohne zu zünden Von einem Hause im Suden der Stadt deckte er den Schornstein ab und fuhr dann am inneren Eisenrohr in den Boden.
Darmstadt. Oie Capelle des Leibgarde-Regiments ist von ihrer Kuustreise aus Berlin, wo sie mit großem Betfall concevlis te, wieder hierher zurückgekehrt.
A, C. Darmstadt, 7. Juli. Die heute im Banket⸗ saal der Feimauferloge statigetabte erste Sitzung der 2. ordenilichen Generalversammlung der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung war außerordent⸗ lich zablreich besucht. Unter den Anwesenden befanden sich Prinz Ludwig von Hessen, die Minister v. Lindelof und v. Bechtold, sowie verschiedene hochstehende Staats; beamte.— Schulze⸗Delitzsch eröffnete um 9 Uhr Morgens die Versammlung mit einer zündenden Ansprache, in welcher er den Verein gegen den ihm gemachten Vor— wurf materialistischer Tendenzen vertheidigte und die ideelle Seite seiner Bestrebungen bervorhob. Nach Bildung des Burecaus hieß Hr. v. Langsdorff(Darmstadt) Namens
des hiesigen Zweigvereins die Anwesenden willkommen, worauf Franz Dunker(Berlin), der Schatzmeister der Gesellschaft, den Rechenschaftsbericht über das verflossene Vereinsjahr erstattete. Wir entnehmen demselben die Thatsache, daß die Gesellschaft nahezu 1700 Mitglieder zählt, wovon die meisten auf die Rheinpfalz, ee N das Großherzogtbum Hessen und die Provinz Branden⸗ burg entfallen. Zuerst kam zur Verhandlung der Bericht über die obligatorische Fortbildungsschule von Professor Dr. J. B. Meyer(Bonn) und der An⸗ trag von Pache(Zittau) und Meyer(Bonn):„Die Generalversammlung möͤge beschließen, die Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung erklärt die Einführung von obligatorischen Fortbildungsschulen für unbedingt noth⸗ wendig. Sie hält deshalb den sächsischen Schulgesetz⸗ entwurf, insofern er die Fortbildungsschule als einen unablöslichen Theil der Volksschule hinstellt, für einen Fortschritt und verpflichtet ihre Mitglieder und Zweigver⸗ eine, in sämmtlichen deutschen Staaten mit allen Kräften für Herbeisührung gleicher gesetzlicher Bestim mungen zu wirken.“ Nachdem hierzu verschiedene Amendement gestellt worden, begründet der Referent Meyer(Bonn) in klarem Vortrage unter unpartheiischer Würdigung der einer allge⸗ meinen Verpflichtung zum Besuch von Fortbildungsschulen entgegensiehenden Ansichten und mit Heranziehung eines ausführlichen statistischen und historischen Materials die von ihm gestellte These, daß man den Fortbildungsschulen die Aufgabe stellen dürfe, den Schulunterricht zu ergänzen und je nach den örtlichen Verhältnissen durch diesen Unter⸗ richt insbesondere die Zwecke des praktischen Lebens zu jördern. Er führt weiter aus, daß es auch zu den Auf— gaben der Fortbildungsschule gehöre, den Einzelnen in das gesammte Verfassungs- und Rechtsleben einzuführen und ihn für das politische Leben heranzubilden. Redner führt weiter aus, daß der Fortbildungs-Unterricht gleichmäßig für Männer und Frauen nothwendig sei; der Frau alle die Aufgabe zu, für ein gesundes Geschlecht zu sorgen. Endlich stellt Meyer mehtere Thesen auf, inhalllich derer der Staa verpflichtet sein soll obligatorische Fortbildungs⸗ schulen jür Jünglinge und Mädchen zu errichten, welche, aus Staatsmiitteln unterstützt, für die Knaben einen drei⸗ jährigen, für die Mädchen einen zweijährigen Besuch fest⸗ setzen. Die Lehrer sollen für ihre Thätigkelt an diesen Schulen angemessen honotirt werden.— Der Referent Pache(Zittau) rechtfertigt im Hinweis auf Sachsen und die dortigen Erfahrungen bei obligat. und nicht obligat. Fortbildungsschulen den von ihm gestellten Antrag und glaubt, daß die Ueberzeugung von der Nothwendigkeit des obligatorischen Foribildungsunzerrichts sich ebenso wie die von der Nothwendigkeit der allgemeinen Wehrpflicht Bahn brechen werde.— Es erfolgt nun eine interessante Deballe an welcher sich zunächst mehrere Redner betheiligen zur Begründung der von ihnen gestellten Anträge.— Auch Schulze-Delitzsch ergreift das Wort zur Begründung seines inzwischen in Gemeinschaft mit Franz Dunker ein⸗ gebrachten Antrags, dahin gehend:„Die General-Versamm⸗ lung fordert ihre Müglieder und Zweigvereine auf, in sämmtlichen deutschen Staaten für die Gründung von Foribildungsschulen und Herbeiführung des obligetorischen Besuchs derselben zu wirken.“— Für den obligatorischen Foribildungsunterricht traten auf Grund ihrer praktischen Erfahrungen noch Dr. Dielitz(Berlin) und Reg.⸗Rath Firnhaber(Wiesbaden) ein, worauf der Schluß der Debatte angenommen wird und Referent Meyer(Bonn) feinen Antrag zu Gunsten desjenigen von Schulze- Dunker zu⸗ rückzielt, was vorher schon Dr. Gareis ebenfalls gethan han. Dieser Antrag findet alsdann mit allen gegen eine Stimme Annahme. Die übrigen Amendements werden mit weit überwiegender Majorität verworfen.— Ueber den Antrag des Centralausschusses: die Generalversamm⸗ lung möge beschließen, die Zweig- und Ortsbildungsver⸗ eine aufzufordern mit der Einrichtung von Volksbiblio⸗ theken vorzugehen, referirt an Stelle des nicht erschienenen, verhinderten Dr. Löwe(Kalbe) Dr. Gareis(Würzburg) der in den Volksbibliorheken das Mittel erblickt, die Resultate der Wissenschaft unter die Masse des Volkes zu bringen. Der gestellte Antrag, der mit dem von Meher (Bonn)„die Generalversammlung möge beschließen: den Mangel geeigneler Volksschristen und etwaige Vorschläge zur Abhilfe zur Sprache zu bringen“ gemeinsam zur Dis⸗ kussion gestellt wurde, fand nach längerer Debatise die Zu⸗ stimmung der Versammlung. Nachdem noch die Referenten Gareis und Meyer diesen Ausführungen im Wesenk⸗ lichen zugestimmt hatten, wurde wegen der vorgerückten Zeit(5 Uhr Nachmittags) die Debatte geschlossen und der betreffende Anirag des Centralcomité's einstimmig ange⸗ nommen,— Nach 5 Uhr veteinigte ein Banket über 10 der Theilnebhmer im Saale des Hotels Zur Traude bis zur späten Abendstunde, wobei die die Gemüther erfüllenden mit den Ziclen des Bildungsvereins, verknüpften Ideen in zahlreichen Toassen ihren Ausdruck fanden. b Dieburg. um Sonntag Nachmittag wurde zwischen bier und Gundernhausen ein Mann aus Altheim von
8 Kerlen angehalten, derselbe, rettete sich aber durch
schleunige Flucht.— An demselben Tage wurden noch 3 Individuen, von welchen man vermuthet, daß sie die Angreifer des Altheimer Mannes sind, verhaftet und hierher ins Gefängniß abgeliefert..
Worms. Bei einer dieser Tage dahier staktgefün⸗ denen Versteigerung kam auch ein Pack„alte Lumpen“ zum Ausgebol. Bevor jedoch der Zuschlag erfolgte, wulde beim zufälligen Untersuchen der Lumpen eine Brieflasche darunter entdeckt, welche amerikanische Papiere und Wechsel auf Amerika im Werthe von 3300 fl. enthielt. Der ver⸗ storbene Besitzer dieser Brieftasche hatte längere Jahre in Amerika gewohnt und zuletzt in unserer Stadt seinen Wohnsitz genommen.
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