Zeitz. Gegen die Lehrerbärte that sich ein gar heiliger
Grimm kund als jüngst zu Zeitz die Lehrer in einer
Conferenz versammelt waren. Dort bat auch ein bärtiger Lehrer um's Wort, dasselbe wurde ihm jedoch vetsagt. In Folge dieses Vorganges ist nun ein Schriftchen er⸗ sschienen, worin die Gefahren des Barttragens eine ein— gehende Schilderung finden. Danach bewirken die Bärte ider Lebrer Folgendes: Sie verleiten zur Hoffahrt, ent— jremden dem stillen Berufe, führen zur Demagogie, zum Atheismus und Materialismus, sie stören das gute Ein⸗ wernehmen mit den Vorgesetzten und die Andacht bei den Conferenzen. Das Schriftchen schließt seine salürischen Ergüsse also:
Drum kehre um, du Lehrerheer,
Zeug' förder keine Bärte mehr,
Schmück' wieder deinen Kopf
Mit einem braven Zopf.
Dann wird das Wort dir nicht versagt,
Wenn du bescheiden angefragt.
Berlin. Das Reichs-General-Postamt ver⸗ Iffentlicht in seinem Verwaltungsblatte die Ergebnisse seiner Statistik für das Jahr 1871, der wir gachstehende interessante Einzelheiten entnehmen: Zahl der Postanstalten 4927, Gesammipersonal 42,736 Köpfe. Auf⸗ Jestellte Briefkasten 24 703 Stück. Es wurden befördert im ersten Semester 1871 rund 30,170,000 Packete ohne Werthdeclarauion. Geldpackete und Geldbriefe wurden dersandt rund über 15 Millionen Stück mit einem Werth— Setrage von 3, 705,443,730 Thlrn. Postpassagiere(Per— sonenposten) wurden bei den norddeutschen Posten pro 1871 gezählt rund 6 Millionen Personen. Freimarken und Freicouverts wurden verkauft 374½ Millionen Stück im Portowerthe von 13½ Millionen Thalern. Die Ge— ammteinnahme pro 1871 belief sich auf 26 Millionen Thaler, der Ueberschuß auf 3½ Millionen Thaler. Der Ueberschuß pro 1870 betrug circa 2,159,000 Thaler.
Eingesandt
Friedberg. Auch in hiesiger Stadt hat ich, wie bekannt, ein Verein für Verbreitung von Volksbildung constituirt. Dessen Anschluß an den deutschen Centralverein in Berlin ist vollzogen und Friedberg war bereits bei der am 7. Juli zu Darmstadt abgehaltenen Generalversammlung aller veutschen Bildungs- Vereine vertreten. Dort sind wichtige Beschlüsse gefaßt worden, auch derjenige, vaß für den Besuch der Fortbildungsschulen eine zesetzliche Verpflichtung aller jungen Leute bis zum 6. oder 18. Jahre zu erstreben. Die Zeit vom „4. bis zum 18. Lebensjahre ist ja für jeden Menschen, der die Elemente des Wissens aus der Bolksschule sich angeeignet hat, die beste Lernzeit, welche bis daher leider aber von so vielen jungen Männern und Jungfrauen ganz unbenutzt geblieben st. Und doch hat heut' zu Tage das ganze Zolk„mehr Bildung“ so dringend nöthig, weil gas wirthschaftliche, sociale, politische, ja, weil as ganze Menschenleben höhere Anforderangen tellt, als dieses früher der Fall war. Je mehr
Fähigkeiten und Sinn für Wirthschaftlichkeit aber ein Mensch besitzt, desto leichter wird es ihm, sich eine Existenz zu gründen, und mit Erfolg für die Zukunft zu sorgen, das Erworbene zu erhalten und zu vermehren. Ob und wie man dieses in in Friedberg einsieht, wird sich im pächsten Winter
bildungsverein alle Vorbereitungen auszuführen, um alsdann seine schwere Aufgaben erfassen und lösen zu können. Dieses soll zunächst geschehen: 1. In Gründung einer Fortbildungsschule, die, eine Ergänzung neben der bereits bestehenden Handwerkerschule bildend, mehr die Gegenstände allgemeiner Bildung, das allgemein Nützliche lebrt. 2. In Abhaltung öffentlicher Versamm⸗ lungen, bei welchen über wichtige Fragen Referate erstattet und allgemeine Discussionen veranlaßt werden. Dabei soll zugleich eine anständige-Ge⸗ selligkeit Pflege und Uebung finden. 3. Wofern die Mittel dazu vorhanden, in Gründung einer Bibliothek mit einem Lesezimmer, welches im Winter geheizt, den Jünglingen Gelegenheit ge— währt, ihre freie Zeit nützlichst zu verwenden, ihre Kenntnisse durch Lesen guter Bücher zu bereichern. Bei dieser vielseitigen und schweren Aufgabe er— scheinen die bis jetzt vorhandenen Mittel all zu gering. Hoffentlich aber findet der Verein noch recht viele Mitglieder und sonstige Unterstützungen. Der jährliche Beitrag eines Mitgliedes besteht nur in 1 fl. 10 kr. Aus dem Ertrag der Vor— 3 des letzten Winters sind dem Volksbil— dungsverein 80 fl. zu geflossen. Möchten andere Vereinigungen dieser Art sowie auch und besonders die Geldinstitute hiesiger Stadt in gleicher Weise der wichtigen Sache, um die es sich hier handelt, kräftigst unter die Arme greifen!
Literarisches. Im Verlage von Arnold Bergsträßer in Darm⸗ stadt ist dieser Tage eine sehr interessante Broschüre er— schienen unter dem Titel:
evangelischen Kirche im Großherzogthum
Hessen von Dr. d. Theol. u. Phil. K. Köhler,
Professor am evang. Predigerseminar in Friedberg.
Preis 24 Kreuzer.
Im Augenblick wo die kirchliche Verfassungsfrage im Großherzogthum Hessen ihrer Lösung entgegengeht und vielleicht zu eingreifenden Kämpfen Anlaß geben wird, wird eine auf gründlicher Kenntniß und unbefangener Würdigung der Thatsachen ruhende Untersuchung des jetzigen Verfassungszustandes der Landeskirche nebst Pro— gramm für die Zukunft vom liberal- kirchlichen Stand— punkte aus willkommen sein. Eine solche versucht der Verfasser obiger Broschüre zu geben. Zugleich werden
herausstellen. Bis dahin gedenkt der hiesige Volks⸗
B. C. Lieder für hohe resp. tiese Stimme.
Denkschrift, betreffend die der malige Lage der
von ihm die Prinecipien und Forderungen der confessio⸗ nellen Partei eingehend geprüft und widerlegt.
Gegen Einsendung von 25 kr. in Marken erfolgt die Uebersendung franed durch Bindernagel& Schimpff in Friedberg und Bad-Nauheim.
Das Juli⸗-Heft der„Musikalischen Welt(vierteljähr⸗ lich 54 kr.) enthält: Ausgabe A. Clavierstücke. Carl Hause, Idylle.— Josef Löw, Märchen am Spinnrade. — Friedrich Baumfelder, Moosröschen.— A. Löschhorn, Akolina. Melodic variée.— Albert Jungmann, Brennende Liebe.— Joseph Schulz⸗Weide, Letzle Rheinsahrt des armen Geigers.— Musikalische Rundschau.— Ausgabe Fr. Kücken, Fahr' wohl.— F. X. Chwatal, Perle des Jabres.— Franz Behr, Wenn ich ein Vöglein wär'.— C. Ober⸗ thür, Einsamkeii.— Wilhelm Franz, Siehe der Frühling währt nicht lang'.— Richard Metzdorff, Liebesfeier.— Carl Santer, Trinkerweisheit.— Musikalische Rundschau.
nnen 5
Wien, 1. Juli. Bei der heute stattgefundenen Ziehung der fl. 250 ⸗Loose von 1854 wurden folgende Serien gezogen: 451 473 490 573 646 656 795 1337
1430 1549 1802 1840 1848 2033 2203 2216 2318
2490 2597 2599 2616 2722 2914 2988 3082 3595 3616 und 3765. Die Prämien⸗Ziehung erfolgt am 1. October.
Mailänder 45 Frs.⸗Loose. Ziehung am 1. Juli. Serien 5175 1349 2034 6122 253 925 7593 5874 3228 2038. 3190 1600 1586 4987 6191. Hauptpreise: Serie 1600 Nr. 47 80,000 Fr., S. 5175 Nr. 27 3000 Fr. S. 253 Nr. 31 3 à 1000 Fr.
Madrider Loose. Ziehung am 1. Juli. Haupt⸗ preise: Nr. 75624 100,000 Frs., Nr. 7639 und 281689 1000 Fr., Nr. 285068 308099 377004 178724 je 1000 Fr. 5
7 Theater. (Eingesandt.)
Ueber die Dienstag-Nachmittag stattgefundene Kind Vorstellung können wir das Erxfreulichste berichten. Publikum und Direction war vollständig zufrieden, der ganze Garten war gefüllt von Alt und Jung und amüsirte sich auf das Beste, so daß wir der Wieder⸗ holung einer zweiten Kinder ⸗Vorstellung nächster Woche
entgegen sehen.*
Eingesandt.
Friedberg am 9. Juli 1872. Der gegenwärtig dahier unter dem Directorium des Herrn Grünwald gastirenden Theater-Gesellschaft steht in Kürze ein bebeu⸗ tender Verlust bevor. Herr Schauspieler Köckert, der sich sowohl durch sein treffliches Spiel als durch seine Liebens⸗ würdigkeit und Bescheidenheit während der kurzen Zeit seines Aufenthaltes dahier rasch die Liebe und Achtun, des kunstliebenden Pubkikums zu erwerben verstand, wich in einigen Tagen von hier scheiden, um nach Frankfurt überzusiedeln.— Wir hallen es deßhalb für unsere Pflicht das Publikum Friedbergs und der Umgegend auf die in einigen Tagen stattfindende Beneftzvorstellung des scheidenden Künstlers schon jetzt aufmerksam zu machen.—
Main⸗Weser⸗Bahn.
1868 Die Ausführung der sämmtlichen Bauarbeiten mel. Materlal Lieferungen bei Erbauung von Bahn— pvärter⸗Wohnhäufern und zwar:
2 doppelten auf Station Lollar,
1 doppelten auf Station Nauheim und
1 einfachen auf Station Butzbach soll auf dem Submissionswege vergeben werden und ist llerzu Termin auf Freitag den 19. l. Mts., Vormittags 11 hr, auf dem Büreau der unterzeichneten Betriebs- nspektion anberaumt, woselbst auch die Zeichnungen, Nasbenen cot age und Uebernahmebedingungen eingesehen werden können. 5 Die Submissions⸗Offerten mit der Aufschrift:„Sub⸗ ulssion auf Bauarbeiten zut Herstellung von Bahnwärtet⸗
ohnhäusern“ versehen, find bis zu dem bezeichneten Fg ebendaselbßß portofrei und versiegelt einzureichen. Frankfurt den 5. Juli 1872. Königliche Betriebs-Inspektlon. Se
*
Arbeits ⸗Versteigerung. 887 Fteitag den 12. Jult, Nachmittags 2 Uhr, sollen dem Gemeindebause zu Nieder⸗Weisel nachstehende Irbeiten und Leferungen unter den vor der Versteigerung kannt gemacht werdenden Bedingungen versteigert und
Accord gegeben werden, nämlich: fl. kr 1 Wauetatbel veranschlagt zu 26 15 2) Weißbinderarbeit 19 4⁰
3) Steinhauerarbeit 4) ca. 3 Cubikmeter gute lagerhafte Mauer⸗ steine zu brechen 15 5) Dieselben zur Baustelle anzufahren 3 6) 3 Cubikmeter Sand anzulie fern 5 7) 4 Bütten Kalk anzullesern 11 Bußbach den 9. Jult 1872. Der Bezirks Bauaufseher
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Oeffentliche Aufforderung. 1884 Forderungen und Ansprüche jeder Art an den Nachlaß des Gastwirths und Posthalters Philtpp Speck in Nieder- Wöllstadt find binnen 3 Wochen bet Meidung der Nichtberücksichtigung dahier anzumelden.
Friedberg am 30. Juni 1872. Großberzogliches Landgericht Frtedberg. Reiß, Zimmermann, Landrichter. Landgerichte Assessor.
Holz ⸗Versteigerung. 1869 Dienstag den 16. Juli, von Morgens 9 Uhr an, kommen im Domantialwald-Oistrikte Burgwald, Schlag IV, zur Verfleigerung: 10 Raummeter Schäl Eichen⸗Scheitbolz, 111 15 5„ Prügelholz, 17891 Stück Schäl⸗Eichen Wellen, 101 Läste Allerxletholz, 3 Stämme Schäl-Eichen von 24 und 25 Centi⸗ meier Durchmesser mit 0,73 Festmeter, 425 Baumslützen Schäl Eichen. Ober⸗ Rosbach am 8. Juli 1872. Großherzogliche Obersörsterei Ober-Rosbach. rc Mobiliar ⸗Versteigerung. 1882 Montag den 15. Juli l. J., Vormittags 9 Uhr anfangend, wird in hlesigem Rathhause der Mobiltar Nachlaß der verstorbenen Daniel Dörr Wittwe da⸗ hler, als; f 1 balbrunder Tisch, 1 nußbaumene Betlflelle, 1 Commode, 1 Kleiderschrank, 2 Stüble, Beiwerk, Weißzeug, Frauenklelder, sowie sonflige Haus- geräthschaften. öffentlich an den Melsibietenden versteigert. Friedberg den 9. Jult 1872. Großberzogliches Ortsgericht Friedberg. J. V. d. V.:
Der dienssältesie Gerichtsmann Fa ld.
Faselochs⸗Versteigerung. 1883 Dienftag den 16. Juli J. J., Vormittags 11 Uhr, soll im Faselstall der Stadt Friedberg ein schlachtbarer fetter Ochse an den Meistbietenden versteigert werden.
Friedberg den 9. Juli 1872.
eric Nen Friedberg. „Bi dB. Der Großherzogliche Beigeordnele Steinbäußer.
Arbeits- Versteigeru ng. 1871 Montag den 15. Jult, Vormitsags 10 Uhr, sollen auf dem Ratbhause zu Reichelsbeim nachflehende, zur Herstellung der Kirche erforderliche Arbeiten an den Wenigsinehmenden vergeben werden;
Schreinerarbeit, veranschlagt zu 17 fl. 16 kr. Weißbinderardelt 6725 Assenheim den 8. Juli 1872.—
Der Bezirksbauaufseher
n mend * Fruchtfegemühlen 0 1806 Den Herren Interessenten diene hiermit zur ge⸗ fälligen Nachricht, daß bei mir stets vorräthige Frucht⸗ fegemühlen besler Construktion unter Garantie zum Preis von 16 fl. per Stück zu baben find. Bestellungen werden schnell und prompt ausgesübrt. Helden bergen den 2. Juli 1872. Johannes Seitz, 4 Schreinermeister.
Hofapotheke zum Engel 1872 von C. Görtz
empfiehlt Soda⸗Wasser, starkvergiftetes Fliegen⸗ papier, condensirte Milch, Fleischertrgkt, Liebig's Kinder nahrung zu den dilligsten Preisen.


