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schaffung der Todesstrafe, nach langer Debatte mit 21 gegen 20 Stimmen deigetreten.
— Der Ständerath trat dem Geschlusse des Nationalrats bei, betreffend die Unverletzlichkeit der Glaubens- und der Gewissensfreiheit und der freien Ausübung des Gottesdienstes.
Frankreich. Paris. In voriger Woche ist das Transportschiff„le Rhin“ mit 500 Mann Marinetruppen und den zur Deportation verur- theilten Jean Baptiste Roux von Marseille, Pe- lissier, Etienne Vater, Lombard, Fassin, Urbain, Trinquet, Alphouse Humbert, Secondigné, Oli⸗ vier Pain, Tavernier, Cohen und Jules Fontaine von Toulon nach Neu-Caledonien abgegangen.
— Der„Temps“ veröffentlicht den schon er- wähnten Brief Michaud's, Doctor der Theologie und Bicar an der Medeleinekirche, an den Erz- bischof von Paris, Guibert. Michaud erklärt sich in seinem Briefe gegen die Unfehlbarkeit des Papstes und für die Altkatholiken; er erinnert Guibert an seine früheren anti ultramontanen Ansichten und verurtheilt das Verfahren des Erz— bischofs, der von den Priestern nicht nur äußere Unterwerfung unter die neuen Dogmen, sondern auch inneren Glauben an dieselben verlangt. Der Erzbischof versündige sich damit am Andenken seines Vorgängers Darboy und an seinem eigenen Rufe. Michaud sagt, Guibert werde sich vielleicht auf die officielle Sprache Darboy's berufen. Aber Darbo sagte ihm vier Tage vor seiner Gefangen- nehmung:„Da Eure Streitmacht aus nur acht Leuten besteht, so könnt Ihr Euch nicht gegen die Führer auflehnen, noch den Papst angreifen, der mächtiger ist als Ihr. Ihr müßt Euch des- halb äußerlich der Unfehlbarkeit und dem Concile unterwerfen. Was Euer Gewissen betrifft, so habt Ihr genug Erfahrung gesammelt, um zu wissen, woran Ihr Euch zu halten habt. Mögen sie machen und sprechen, was sie wollen, ihr Dogma wird immer ein abgeschmacktes Dogwa, ihr Concil ein Concil von Küstern sein. Lebt also in Frieden und thut Eure Pflicht, ohne Euch um ste za kümmern.“ Am Schlusse des Briefes kündigt Michaud an, daß vom 6. Februar an ein Aktions⸗Comite in seinem Hause zu Neuilly gegründet werden wird, welches mit allen ähn- lichen Comite's in Deutschland, England, Italien und Spanien in Verbindung treten soll. Sobald materielle Hülfsmittel vorhanden sind, wird man ferner öffentlichen Gottesdienst abhalten.
Versailles. Victor Lefranc ist zum Mi⸗ nister des Innern, Herr de Goulard zum Minister des Handels ernannt worden. Die Ernennungen werden im„Journal officiel“ erscheinen. Martel hat das Portef'uille des Handels abgelehnt.
— Die Nationalversammlung sprach sich mit 445 gegen 143 Stimmen für die Verfolgung der- jenigen Journale aus, welche sich der Beleidigung
der Gnadencommission schuldig gemacht hatten. Oer Antrag Ducrot's auf Verfolgung der Depu⸗ tirten Rouvier und Lefranc als Verfasser der incriminirten Actikel wurde einer Special-Com- mission überwiesen.
Großbritannien. London, 6. Febr. Die Thronrede, mit welcher heute das Parlament eröffnet wurde, constatirt, daß die Beziehungen zu dem Auslande sämmtlich befriedigend seien, fügt hinzu, daß die Königin für Aufrechthaltung derselben stetig sorgen werde, und sagt sodann: Eine eigene Bill soll die Unterdrückung des Sclaven⸗ handels auf den Südsee⸗Inseln erleichtern. Mehr: fache Unterhandlungen mit Frankreich wegen Meinungsveeschiedenheiten über den Werth der Schutzzollgesetze erzielten keine Einigung betreffs der Abänderung der Handelsverträge. Beide Theile äußerten jedoch den ernsten Wunsch, die bisherigen freundschastlichen Beziehungen aufrecht— zuerhalten. Bezüglich der Alabamafrage bemerkt die Thronrede: Amerika und England haben dem Genfer Schiedsgerichte die beiderseitige Darstellung der Thatsachen vorgelegt. Amerika hat darin weitergebende Ansprüche eingeschlossen, welche nach dem Dafürhalten der Königin nicht in den Be— reich des Schiedsgerichts gehören. Die Königin ließ deßhasb der Regierung der Union eine freund- liche Mittheilung machen. Die S. Juan-Frage
anlangend, habe der deutsche Kaiser das Schieds- gericht übernommen. England und Amerika hätten Denkschriften vorgelegt. In Betreff der inneren Angelegenheiten erwähnt die Thronrede der Ab⸗ nahme der Verbrechen und der Steigerung der Wohlfahrt in England und Irland, sowie der Blüthe der Finanzen.
— Im Unterhaus greift bei der Adreßdebatte Disraeli die Politik der Regierung heftig an und erklärt, er werde die Ballotbill bekämpfen; auch die Bestimmungen des Washingtoner Vertrags sind Gegenstand der Angriffe des Redners, welcher die Regierung für denselben verantwortlich macht. Die Regierung werde, wenn sie den ausschweifen⸗ den Forderungen Amerikas widerstehe, vom Par⸗ lament und dem Lande unterstützt werden. Glad— stone weist die Angriffe zurück und nimmt die Verantwortlichkeit des Vertrags auf sich. Er zählt die Amerika gegenüber schon gemachten Zu- geständnisse auf und bezeichnet die nachträglichen Forderungen Amerikas für unannehmbar, selbst von einem durch Krieg und Nationalunglück tief— gesunkenen Volke.
Italien. Rom. Die„Capitale“ publicirt ein dis jetzt unbekanntes Circular des Cardinals Patrizi. Das Acetenstück befiehlt den römischen Aerzten unter Androhung der Excommunication, jeden Kranken, der sich der beiligen Sacra⸗ mente erwehre, unbedingt im Stiche zu lassen. Das klingt in der That doch unglaublich!!
— Es bestätigt sich, daß ir Folge päpstlichen Befehles der Cardinal-Vikar einige aasgezeichnete Geistliche beauftragt hat, protestantische Versamm—⸗ lungen zu besuchen und mit protestantischen Geist⸗ lichen öffentliche Disputationen zu halten.
Amerika. Newyork. Der„Newyork Herald“ sagt: mit Bezug auf die plötzlich wieder in den Vordergrund getretene Alabamafrage: Amerika verlange nicht mehr, als was das Schieds- gericht für gerecht erklären werde, und es werde nicht weniger acceptiren. Jeder Versuch, sich dem Spruch dieses durch die zwei Nationen gewählten Tribunals zu entziehen, müsse einen beklagens⸗ werthen Krieg zur Folge haben. Die Bezahlung der Entschädigungsgelder, die das Tribunal fest⸗ setzen wird, müsse friedlich oder auf der Spitze der Bajonnette bewirkt werden.
— Mebrere Zeitungen bezeichnen als durch- aus der Bestätigung bedürfend das bereits gemel“ dete Gtrücht, daß die Unioneregierung keinesfalls von der Stellung, welche sie in der Alabama frage eingenommen, zurücktrete und Staatssecretär Fish eine angebliche Anfrage Schenk's am 5. d. M. in diesem Sinne beantwortet habe.
Washington. Der Cabinetsrath hat die Depesche der großbritannischen Regierung bezüg- lich des Genfer Schiedsgerichts berathen, und wie man versichert, einstimmig die Meinung aus- gedrückt, an dem in der Alubama- Frage einge. nommenen Standpunkt festzuhalten.
Darmstadt. In der am 5. d. staltgehabten Fabruar⸗ versammlung der Mitglieder des historischen Vereins machte der Vereinssekretär Hr. Cabinetsbibliothek Dircktor Dr. Walther Mittheilung über die Auffindung eines Römercastells bei Ockstadt, Kreises Fried— berg. Im verflossenen Monat stießen Holzbauer, welche mit Abbolzen von Wald beschäfligt waren, unweit des Pfahlgrabens bei Ockstadt auf Raste einer römischen Be festigung. Der Vereins⸗Sekretär theilte, sobald er hiervon Kunde erhalten, die Enideckung dem berühmten Kenner römischen Alterthums Oberst von Cohausen zu Wiesbaden mit. Der letztere begab sich sofort an Ort und Sielle und constalirie das Vorhandensein eines bis jetzt noch unbekannten römischen Castells. Dasselbe liegt 77 Schdiste östlch vom Pfahl graben ab und 981 Schritte nördlich von der Capersburg. einer größeren römischen Befestigung. Bei dem wissenschaftlichen Interesse, welches die Sache hat, und da die Entdeckung eine Lücke in unserer Kenni⸗ niß vom Besesligungosystem der Römer längst des Pfahl⸗ grabens ausfüllt, beschloß der Veceln die Nachgrabungen, zu welchen Oberst von Cohausen rieih, anzustellen, vor Allem einen Veisuchsgraben, mit Schonung allen Mauer- werks, quer durch das Castell zu zieben. Herr Gustav Diefenbach in Friedberg, welcher den Ort gleichfalls unter sucht batte, halte sich zur Leitung dieser Arbeiten erboten.
In Mainz baden die Schneidergesellen am 6. einen Siricke in Scene geseßt. 250 Mann gollen feiern.
Niederbeerbach. In biesiger Gemeinde exeignese sich vor etlichen Tagen der außergewö niche Fall, daß eine Mutter von— Drillingen— 2 Knäblein und
1 Mädchen— glücklich enibunden worden ist. Mutter und Kinder befinden sich zwar in frischem und ganz ges
sundem Zustande, nur ist der Umstand beklagenswerth, daß die Aeltern: Joh. Georg Schneider, ein Maurerge⸗ selle, und seine Ehefrau— in sehr bedrängten Verhält⸗ nissen leben, indem sie— als sehr brav, fleißig und rechischaffen bekannt— blos durch ihre Händearbeit ihren Lebensunterhalt sich verschaffen müssen und gewiß auf solchen Segen nicht vorbereitet waren. Menschenfreunde haben deßhalb für die Familie eine Sammlung veranstalte!. Heilbronn. Ein Pistolen⸗Duell„aus Liebe“ zwischen zwei Kaufleuten im Alter von 18— 19 Jahren wurde am Samstag durch Dazwischentreten der Polizei verhin⸗ dert. Es war den zwei jungen Herren Ernst mit der Sache, die Waffen waren scharf geladen. Berlin. Einige Heiterkeit erregt, wenn auch nicht in der beiheiligten Familie, das Verschwinden zweler Schwestern aus anständigem Hause in Berlin, die sich, wie jetzt unzweifelhaft fesisteht, von ein und demselben jungen Manne, dem sie beide in süßer Minne zugethau waren, vor einigen Tagen haben gemeinschaftlich entführen lassen. Der enkrüsteten Familie haben die Schwestern berelts brieflich angezeigt, daß sie glücklich mit ihrem „lieben Freunde“ in London angekommen seien und nächstens nach dem großen Salzsee aufzubrechen gedächten, da sie beabsichtigten, sich das vielgerühmte Treiben der Mormonen ganz in der Nähe anzusehen. Geld zur Reise sollen die vorsichtigen Leute genug mit sich genommen baben.
— Oeffentliche Vorträge.
Friedberg, 7. Febr. Vor einer äußerst zahlreichen Versammlung hielt gestern Hr. Hofgerichsadvocat Curt⸗ man einen criminalistischen Vortrag über den seiner Zeil vielberufenen Fall S tauff⸗G örlitz. An die Er⸗ zäblung der Prozeßgeschichte reihte sich die Kritik der Selbstverbrennung, eine eingehende Prüfung des Beweis⸗ materials und möglichst auschaulsche Darstellung der An⸗ schuldigungs- und Entlaftungsmomente, wobei sich der Vortragende theilweise auf persönliche Mittbeilungen Stauffs bezog. Eint eigenthümliche und praktische Pointe lag in dem letzten Theil des Vortrags, worin nachgewiesen wurde, daß der Ausspruch der Jury, in soweit sie den Johann Slauff der vorbedachten Tödtung d. i. des Mordes schuldig erkannte, irrig, daß für den Vorbedacht und die vorüberlegte Absicht des Raubs und Oiebstahls kein Beweis erbracht, es vielmehr im höchsten Grade wahrscheinlich sei, daß Stauff die Gräfin Görlitz im Afhecte umgebracht habe. Daß darnach Stauf nicht zu lebenslänglicher, sondern nur zu achtzehnjäbrizer Zuchle hausstrafe hätte verurtheilt werden dürfen, und daß er somit schon seit 1868 auf freien Füßen sein sollte, ergibt sich hieraus mit logischer Nothwendigkeil“).
„) Zu unscrem Bedauern müssen wir uns auf das vorstehende kurze Referat über den so vieles Interesse bietenden Vortrag beschränken, da unser Herr Berich ter⸗ stalter wegen unvorhergesehener Verhinderung dieser Vor⸗ lesung nicht beiwohnen konnte. Die Red.
„ Beitrag zur Lösung der Garnisons⸗
frage.“) Motto: Eine lose Rede schläft in dummen Ohren. Shakespeare.
In Nr. 37 des Frankfurter Journals(zweite Beilage) macht ein Correspondent aus Oberhessen in einer vom 3. Februar datirten Einsendung einen Vorschlag, der uns vollkommen aus dem Herzen gesprochen ist. Er betont mit Recht, daß man in heutiger Zeit die Erziehung junger Leute in klösterlicher Abgeschiedenheit nicht mehr wolle, Daher schlägt er vor, man möge die Seminaristen, welche im Seminar wohnen, in die Stadt ziehen lassen und das seitherige Wohnhaus der Semi naristen als Caserne benutzen. Wir stimmen dem Correspondenten vollständig bei. Indessen scheint uns mit der Ausführung seines Vorschlags noch nicht viel, wenigstens noch nicht genug gewonnen zu sein. In dem erwähnten Bau können doch nur ca. 100, höchstens 150 Mann untergebracht wer⸗ den. Wir bedürfen aber Raum für 400 Mann. Wir müssen uns also nach weiteren Wohnräumen umsehen. Diese bieten sich denn auch in hin- reichendem Maße dar. Wir machen zunächst auf die Lehrerwohnungen im Schullehrer ⸗Seminar auf merksam. Man ist in neuerer Zeit überhaupt nicht mehr geneigt, Dienstwohnungen zu geben. Man entschädigt lieber mit daarem Geld. Also ver- wende man die seitherigen Lehrerwohnungen zu militärischen Zwecken. Ebenso könnte das jetzige Musikhaus zur Caserne benutzt werden, da man ja gegenwärtig nicht mehr den Werth auf die Uebung
„) Wir vermögen zwar nicht alle Vorschläge des Herrn Versassens gleich preiswürdig zu finden, indessen entwält der Artikel eine solche reiche Fülle kerngesunder Gedanken und überaus beherzigenswerther Projecte und bereitet dem geistreichen und ausgiebigen Projectenmacher im„Frankfurter Journal“ eine so erfolgreiche Concur⸗ renz, daß wir es sr Unrecht ballen würden, den Arlikel der Kennluißnahme des Publikums zu entziehen.
Die Red.
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