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haus eine Gesetzvorlage wesentlich amendirt habe, nicht um sie in dieser Gestalt anzunehmen, sondern zu verwerfen. Das Blatt bezeichnet die Kreis ⸗ ordnungsfrage als eine erste Etappe und schließt folgendermaßen: Es wird nothwendigerweise die Befürchtung, diesem Hindernisse auf jeder weiteren Station vielleicht noch in verstärktem Maße und zu noch schwerer Benachtheiligung von Staats- interessen zu begegnen, ins Gewicht fallen und läge es nur in der Logik der Thatsachen, wenn die Erwägungen auf die innere Natur dieses Hemmnisses sich richten sollten, anstatt nur die Mittel zu dessen momentaner Beseitigung ins Auge zu fassen.
— Die„Prov.⸗Corr“ meldet: Die Staats- regierung ist beschäftigt, den Kreisordnungsentwurf unter wesentlicher Aufrechterhaltung der mit dem Abgeordnetenhause vereinbarten Grundlagen, je⸗ doch unter Abänderung einzelner erhebliche prac⸗ tische Bedenken erregender Bestimmungen neu festzustellen. Der Entwurf geht zunächst dem Ab⸗ geordnetenhause zu, wo alle Aussicht zu einer wiederholten Annahme in kürzester Frist vorhanden ist. Bis dahin werden die Maßregeln zur Siche⸗ rung des Gelingens der Reform auch im Herren- hause getroffen sein. Der Kaiser widmet der Durchführung der als unerläßlich erkannten Maß regeln die vollste Theilnahme und Entschiedenheit. Der Ministerrath wird voraussichtlich nach des Kaisers Rückkehr von Springe zu einem Conseil unter des Kaisers Vorsitz berufen werden.
— In den letzten Tagen sind die ersten Re- kruten für das Garde⸗Corps aus Elsaß⸗Lothringen hier eingetroffen, und zwar waren bei dem ersten Transport 15 Mann für jedes Infanterie-Bataillon und 15 Mann für jedes Cavalerie-Regiment. Es waren viele Leute darunter, welche sich freiwillig zum dreijährigen Dienst gemeldet hatten.
— In hiesigen und weiteren deutschen in- dustriellen und commerciellens Kreisen wird eine dringende Petition wegen Unificirung des deutschen Papiergeldes vorbereitet, die dem nächsten Reichs⸗ tage unterbreitet werden soll.
Gumbinnen. Die Cholera ist nunmehr auch im hiesigen Regierungsbezirke ausgebrochen. Bis zum gestrigen Tage wurden in Prosiken(Kreis Lyck) 2, in Johannisburg, Pilchen und Sdorren (Kreis Johannisburg) 10 Erkrankungsfälle ge⸗ meldet. Von den ersteren verlief einer, von den letzteren 6 mit tödtlichem Ausgange.
Bonn. Seitens des vorgesetzten Ministeriums ist dem hiesigen akademischen Senate die Weisung zugegangen, die bisher unter der Leitung der Jesuiten stehende Marianische Congregation der Studenten aufzulösen.
Stuttgart. Wie es heißt, wird der Kriegs; minister einen außerordentlichen Credit von 17 Mil- lionen Gulden für die Neuorganistrung des würtem⸗ bergischen Armeecorps verlangen.
Straßburg. Wie der„N. K.“ erfährt, wird das Project einer Brüsseler Gesellschaft, Straßburg mit der Umgebung durch einige Pferde⸗ bahn-Linien in nähere und bequemere Verbindung zu setzen, nicht wehl die Concession der Behörden finden können, da bereits eine Berliner Gesellschaft Prioritätsrechte darauf hat. Dem Unternehmer selbst soll nichts im Wege stehen, und es handelt sich augenblicklich bauptsächlich um einige technische und militärische Vorfragen.
— Am 5. d. gelangte im Landbezirk Straß⸗ burg das Militär⸗Ecsatz⸗Geschäft mit der Loosung zu seinem Ende. Es hatte sich eine Menge Con⸗ seriptionspflichtiger dazu eingefunden, die dem Akte in fröhlichster Stimmung beiwohnten. Der Land- kreis hatte sein volles Contingent gestellt, während in dem Stadtkreise die Mehrzahl der Militär- pflichtigen sich der Aushebung durch Auswande⸗ rung entzogen hat. Soviel bis jetzt verlautet, ist das Ersatzgeschäft auch in den übrigen Bezirken ohne jede Stötung verlaufen.
Bitsch. In Zukunft sollen hier nur 60 Mann Besatzung verbleiben zur Besorgung des Wacht postendienstes; die Stadtbefestigung, nicht aber die Citadelle soll niedergerissen werden und bereits hat man mit Abbrechung des ganz neuen verdeckten
Ganges in der Nähe des Bahnhofes begonnen.
Ausland.
Oesterreich. Die sämmtlichen Landtage wurden am 5. d. mit den üblichen Feierlichkeiten eröffnet.
— Die„Oesterreichische Corresp.“ dementirt entschieden die Nachricht von der Errichtung einer Spielbank in Vaduz, welcher sowohl das im Fürstenthum Lichtenstein in Kraft stehende öster⸗ reichische Gesetz als auch der ausdrüfliche Wille des regierenden Fürsten entgegenstehen.
— Die„Wiener Ztg.“ theilt mit, daß die Section der beiden bisher angeblich an der Cholera gestorbenen Personen ergeben hat, daß keine Cholera, sondern in dem einen Fall Darmkatarrh und in dem andern Beinfraß und Psoasabseeß vorge⸗ legen habe.
Schweiz. Die Gemeinde Starrkirch scheint zu ihrem excommunicirten Pfarrer Gschwind stehen zu wollen. Es wurde daselbst ein Freiheits- baum errichtet mit der Inschrift:„Dem Pfarrer zum Schutz, den Feinden zum Trutz.“ Die Ge⸗ meinderäthe von Starrkirch und Dulliken haben am Sonntag einstimmig beschlossen, Hrn. Pfarrer Gschwind in seinen Rechten zu schützen, und die Regierung hat an demselben Tage den motivirten Beschluß gefaßt, es sei Herr Gschwind als einzig rechtmäßiger Pfarrer von Starrkirch anzuerkennen, es sei denn, daß er auf ergangene Klage hin vom Regierungsrathe abgesetzt werde. Die Bevölkerung der Pfarrgemeinde hat außerdem den vom Bischof schon zweimal geschickten Kapuziner, der die pfarr⸗ amtlichen Vorrichtungen übernehmen sollte, wieder⸗ holt abgewiesen und dahin zurückgeschickt, wo er hergekommen war.
Frankreich. Das„Bien public“ meldet: Der französisch⸗englische Handelsvertrag ist in London unterzeichnet worden.
— Wie der„Siecle“ mittheilt, wird im Laufe dieser Woche wieder eine Summe von 200 Mill. Frs. Kriegsentschädigung an Deutschland gezahlt. Die Regierung werde bis zum Jahres- schluß die drei ersten Milliarden voll gezahlt haben. Außerdem habe der Staatsschatz etwa 600 Mil⸗ lionen noch für die vierte Milliarde vorräthig.
— Ein früherer Einwohner von Metz, Namens Fiévse, welcher seine Familie hatte nach Algier kommen lassen, richtet in den Blättern einen offenen Brief an den General⸗Gouverneur der Colonie, Hrn. v. Gueydon. Er führt darin mebrere Fälle an, wo die versprochenen Ländereien geradezu illu⸗ sorisch gewesen seien.
— Das„Paye“ behauptet und stellt die Re⸗ gierung darüber zur Rede, daß Henri Rochefort in einem reservirten Wagen erster Classe(woher) in Paris eingetroffen und nicht etwa in einem Zellenwagen, sondern in einem öffentlichen Mieth⸗ wagen nach Versailles geführt worden sei. Das „Pays“ findet dieses Verfahren und die ganze Versetzung des Gefangenen um so unerklärlicher, als derselbe sich des besten Wohlseins erfreue.— Das„Bien public“ antwortet dem„Pays“: Die Reise Rochefort's nach Versailles wurde durch eine Familien- Angelegenheit veranlaßt. In diesem Augenblicke muß der Gefangene schon nach seinem Haftorte zurückgekehrt sein. Rochefort war in Versailles, um sich mit seiner Geliebten, der Mutter
seiner Kinder, welche seit dem Sturz der Com-
mune dort in der Zurückgezogenheit eines Klosters lebte und lebensgefährlich erkrankt ist, trauen zu lassen und so die Kinder zu legitimiren. Großbritannien. Der nun unterzeichnete Handelsvertrag mit Frankreich stipulirt, daß im Falle einer Reduction der Arcise oder anderer Steuern Seitens Frankreichs für inländische Pro⸗ ducte in gleichem Maße die Compensationszölle reducirt werden. soll durch eine Commission in Paris verhandelt werden. Die Tarifbestimmungen sollen bis zum 1. Jan. 1877, diejenigen bezüglich der Schiffsab⸗ gaben bis zum 15. Juli 1879 in Kraft bleiben. — Die Blätter melden, daß in dem bei Se⸗ bastopol gelegenen Krimhafen Balaklava große Ar⸗ beiten in Angriff genommen sind, um diesen aus- gezeichneten Hafen in einen gewaltigen Kriegshafen umzugestalten. Durch den Pariser Vertrag von
1856 war Rußland verpflichtet worden, jede An: Hanauer Bahnhof geht ein, die Hanauer Landstraße w
Die Feststellung der Zolltarise
lage eines neuen Kriegshafens am schwarze
Meere zu unterlassen; heute scheint sich jedoch
Rußland nicht mehr an den, seine maritime Ent⸗
faltung im schwarzen Meere hindernden Vertrag 04
gebunden zu halten. Italien.
der italienischen Consulate in Deutschland, das
Consulat zu Frankfurt hat demnach die Gerichts. barkeit für die preußische Provinz Hessen Nassau,
das Großherzogthum Hessen und über die Fürsten⸗ thümer Hohenzollern, Lippe und Lippe⸗ Schaumburg.
Amerika. Die am 5. d. M. stattgehabte
Wahl von Wahlmännern zur Präsidentenwahl weist eine große Majorität für Grant auf. Die Wiederwahl Grant's ist demnach gesichert.
2 Friedberg. Am 2. Nov. sand die Eröffnung ber
hiesigen Ackerbauschule unter Anwesenheit des Präsidenten des landwirthschaftlichen Vereins für Oberhessen, Herrn Freiherrn A. v. Rabenau, des Curatoriums, des Lehrer⸗
Collegiums, sowie vieler Angehörigen von Schülern slalt.
Herr Regierungsrath Trapp gab zunächst den Gefühlen des herzlichsten Dankes Ausdruck gegen den, wegen Un⸗ wohlseins abgetretenen Präsidenten des landwirthschast⸗ lichen Vereins für Oberhessen, S. Erlaucht Herrn Grafen
von Solms Laubach, welcher mit warmer Liebe der An-
stalt zugethan gewesen sei und bat den neu erwählhen Präsidenten, Herrn v. Rabenau, der jungen Anstalt seine
Protektion zu Theil werden zu lassen. Er habe ja schen seither in seiner Stellung als Reichstagsabgeordneter für
die verschiedenen Zweige der Volkswirthschaft das rege Interesse bethäligt und als Ausschußmitglied des land⸗ wirihschaftlichen Vereins demselben seine Thäligkeit ge⸗ widmet, darum glaube er hoffen zu Lurie daß seine Bitte keine vergebliche sel. Herr v. Rabenau betonte in
seiner Antwort, daß die Landwirthschaft seither sich nicht
den Verhälinissen gewachsen gezeigt habe und daß sie hinter Handel und Gewerbe zurückgeblieben sei; dies müsse anders
werden. Ueberall sei Fortschritt bemerkbar, wer sich gegen f denselben auflehne, werde vom Rade der Zeit zermalmt. Es sei zu wünschen, daß es in der Landwirihschaft bald
rührig werde, damit sich dieselbe Handel und Gewerbe ebenbürtig an die Seite siellen könne. Auf der Jugend beruhe die Hoffnung, darum wünsche er der Anstalt eine
recht segensreiche Wirksamkeit. Hierauf dankte Herr Ren⸗
amtmann Lindeck für das Entgegenkommen, das der An⸗ stalt überall bereitwilligst zu Theil werde. Der landwirlh⸗ schastliche Verein trage zu den Kosten 2000 fl. bei, die Kreiskasse 500 fl. das Mathildenstift 500 fl. und die Stadt Friedberg werde es an einer entsprechenden Gabe nicht fehlen lassen. Zwei bewährte Lehrer, die Herren Nücker und Rückert seien als Fachlehrer gewonnen und außerdem noch vorzügliche Lehrkräfte von hiesigen Lehr⸗ anstalten zugezogen worden. Das Curatorium habe keine Mühe gescheut, um die Anstalt so günstig wie möglich zu situiren; an den Schülern sei es nun, das Ihrige zu ihun. Damit war die allgemeine Feier geschlossen. Die Abtheilungsvorstände trafen nun noch die nöthigen An⸗ ordnungen, damit der Unterricht den folgenden Montag un: gestört beginnen konnte. Die Anstalt wird von 46 Schülern srequentirt, wovon 18 der oberen und 28 der unteren Abtheilung angehören. Unter den Schülern befinden sich 6 aus Preußen. So möge denn die Anstalt grünen und dlühen und durch ihre Wirksamkeit zeigen, daß sie es versieht, junge Landwirthe heranzubilden, welche den Zeit⸗ verhältmissen gewachsen sind und der Landwirthschaft mit zu der Stellung im Staate verhelfen, welche ihr im In⸗ teresse der Gesammtheit zu Theil werden muß.
n Homburg scheint man zu einem ferneren Empor blühen der Stadt nach dem Eingehen des Spieles kein
großes Vertrauen zu haben, denn verschiedene Geschäfle
find, wenn auch noch in diesem. etablirt, in letzter Zeit nach Frankfurt übergesiedelt.
Siesten. Der hiesige Anzeiger bringt wörtlich nach dem Manuscript folgende Annonce: Die Jenigen Welge meinen Freund und euren Vater Reinhardt Wewer zu seiner leisten Ruhe Städte Wo die So Sanst Ruhen bekleitet haben Wünsche ich meinen herzlichsten Dank, L. E. 0
Frankfurt. Das auf dem Friedhose zu errichtende Denkmal für die 1848 gefallenen Barrikadenkämpfer dat nun fertig. Dasselbe ist ein Obelisk aus rothem Sand⸗ stein, 26 Fuß boch und im Sockel etwa 8 Fuß breit. Auf den Seiten der Pyramide sind die Namen der N angebracht, während die Vorderseite des Sockels folgende
Inschrift trägt:„Zur Erinnerung an die am 18. Sept.
1848 Gefallenen aus dem Volk“ und darunter: 1 setzet ihr nicht das Leben ein, nie wird euch das Lebe gewonnen sein.“ a
Frankfurt. Die wegen anscheinender Oeiseskant heit in die Irrenanstalt aufgenommene unverehelicht
Gamm, welche kützlich in der Neuenkräme einen Mord⸗
versuch an ihrem Geliebten beging, soll dem Vernehmen nach wieder hergestellt sein.
ea f 1 81 die Anlage des neuen Centem bahnhofs und über andere damit mulammentüngeg a Bauten erfährt man Folgendes: Die Personenhalle 5 Centralbahnhofs wird an der Stelle des jetzigen 1. bahnhofs ihren Platz finden und zwar so, daß der jetz 5 Main⸗Weserbahnhof den rechten, der Main-Neckorbahnbel den linden Flügel bildet. Der Güterbahnhof wird ober
halb der Galgenwarte zu stehen kommen. Der lie
Die„Gazzetta uffiziale“ enthält die veränderte Eintheilung der Gerichtssprengel!
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