Ausgabe 
9.11.1872
 
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ich verletzt.

verlegt und erhält eine andere Richtung, der neue Hanauer Bahnbof kommt mit seiner Front an die Ostendstraße zu Aiegen. In der Nähe wird eine Brücke über den Main errichtet. Eine städtische Brücke wird außerdem in der OWegend der Stadibibliotbek erbaut. Die hessische Ludwigs⸗ Bahn überbrückt die Staatsbahn, die von Hanau⸗Offenbach über Sachsenbausen nach Frankfurt führt. Auch der

1 Bahnhof in Wiesbaden wird total umgebaut.

Darmstadt. Der seit einigen Wochen vermißle Knabe, dessen Verschwinden mehrfach gemeldel worden war: ist wieder zum Vorschein gekommen und seinen Eltern über⸗ Zeben worden.(9)

Wiesbaden. Als Curiosum verdient gemeldet zu werden, daß dieser Tage aus Zanzibar an der Ostküͤste Von Afrika ein Telegramm an die Kursaal⸗Administration einlief, worin angefragt wurde, ob hier mit einem ganzen oder halben Refait gespielt werde? Die Rückant⸗ vort war bezahlt.

Aus dem Rheingau. Ein Weinbergbesitzer in Rüdesheim hat die diesjährige Crescenz eines größeren Weinbergs um eine Flasche 68er verkauft.

Aus der Pfalz. Blühende Veilchen, reife Erd⸗ deeren werden da und dort gefunden; auf Friesheimer Markung trägt sogar ein Kirschbaum zum zweiten Male Früchte, deren eiliche schon schön gefärbt sind.

Kassel. Laut einer amtlichen Berichtigung wurde dei der Enigleisung vom 3. November bei Warburg nur ein Passagier getödtet, der Locomotivfübrer und Heizer ehr erbeblich, der Zugführer und ein Schaffner unetheb⸗ Locomolivführer und Heizer schweben in

debensjabr.

Baden⸗Baden. Der Zufluß von Fremden, welche zum Schlusse des Spiels bierber kamen, war in den ketzten Tagen des Octobers schon sehr bemerkbar gewesen, am Donnerstag aber, an welchem Tage das Spiel hoffent⸗ lich für immer aufbörte, waren die Räume des Conver⸗ sationshauses gefüllt, und am Abend belagerte eine solche Menge die Spieltische, wie seither noch nie gesehen worden. Von Zeit zu Zeit hörte man einen kleinen Wortwechsel und sah darauf Einen, der aus Versehen einen fremden

Gewinn für seinen eigenen einkassirt batte, in das be⸗

kannte kleine Polizei Cabinet abführen. Fünf Minuten vor 12 Uhr wurde mit dem Spiel ein Ende gemacht. Sofort wurden jetzt die Räume geleert, die Menge trieb fich aber noch bis zwel Uhr vor dem Hause umher.

In Berlin ist ein Consortium um die Concession

eingekommen, ein Dienstfrauen⸗Institut nach dem Muster

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der Dienstmänner in's Leben rusen zu dürfen. In Berlin wurde kürzlich der Lotterie⸗Einnehmer

Bohne auf Vohnes dorf begraben, eine Persönlichkeit, welche

manchem Leser noch aus dem Jahre 1848 erinnerlich sein wird. Bohne war es, der das Palais des jetzigen Kaisers, damaligen Prinzen von Preußen, mit der Aufschrift National⸗Eigenihum versah und es so vor Beschädigung vpewabrte. f Berlin. Von bhiesigen Blättern wird folgender Zug aus der Amtsthätigkeit des Pastor Frege ig Schöneberg erzählt:Er fland vor dem Altare und erwartete ein Blautfpaar, das sich zur Trauung bei ihm gemeldet hatte.

Die Braut erschien in der Sakeistei mit einem offenen

Muyrtenkranz im Haar; man sah es ihr aber an, daß sie die Warnung an Greichen imFaust:Thu' keinem Dieb eiwas zu lieb, als mit dem Ring am Finger, außer Acht gelassen hatie. Ein scharfer Blick des Pfarrers auf die Braut machte dieselbe etrröthen. Sie nahm den Myrtenkranz vom Haar, legte ihn auf ein Tisch chen in

der Sakristei und ließ sich nun mit leichterem Herzen von

dem Verlobten an den Altar führen. Pastot Frege reichte

krsi der Braut, daun dem Bräutigem die Hand, darauf

schritt er würdevoll die Stufen des Alters hinab, holte

den offenen Kranz aus der Sakristei, drückte ihn der Braut mit den Worten:Kein Mensch ist ohne Fehl

nuf die Locken, und dann vollzog er die Trauung.

Fortbildungs⸗Verein.

* Vorletzten Dienssag hielt der hiesige Fortbildungs⸗ Wirein die erste seiner öffentlichen Abendversammlungen zur freien Besprechung über Fortbildungs-Angelegenheiten. Wegenstand der Besprechung war die Fortbildungsschule. Mil Fug und Recht hat man gerade damit begonnen; die Einrichtung und Unterhaltung von Fortbildungs⸗ schulen wird immer einen Hauptzweig ber Wirksam⸗ keit der Fortbildungs⸗ Vereine bilden. Herr Seminar⸗ lebrer Soldan halte es übernommen, die Discussion einzuleiten. Nachdem er in läugerem Vortrag über Noth⸗ wendigkeit und Organisation von Fortbiloungsschulen sich Herbreitel, faßte er die Hauptgedanken seines Vortrags in einige Sätze zusammen, die hierauf der Besprechung unter⸗ brellet würden. Eine ziemlich zahlreiche Versammlung

hatte sich dazu eingefunden, die in eine lebhafte Debatte über die vorgelegte Materie einging. Allseitige Zu⸗ stimmung fanden zunächst die Ausführungen des Herrn Thesenstellers über die Nothwenbigkeit von Fortbildungs⸗ schulen. Es war auch gewiß nicht anders zu erwarten. Eine gut organisirte Volksschule kann zwar Viel leisten für die Heranbildung des jungen Geschlechts, und die deulsche Volksschule hat trotz der gedrückten Stellung, in welcher sie sich bislang befand, schon Großes geleistet.

Beweis dafür ist der Blldungsstand des deutschen Volkes, dem kein anderes Volk in dieser Beziehung gleich⸗ kommt; Beweis dafür sind die großen nationalen Exfolge. Der preußische Schulmeister hat bei Königsgrätz die Oester⸗ reicher geschlagen, lautete eine Stimme im preußischen Abgeordnetenhause nach dem böhmischen Feldzug, und heute erkennen es die Franzosen an:Die deulsche In⸗ telligenz, die deutsche Massenbildung war es vornehmlich, die uns besiegt hat, und fangen ihre nationale Wieder⸗ geburt damit an, daß sie den Volksschulunterricht obli⸗ gatorisch machen wollen. Gleichwohl ist es offenkundige Thatsache, daß einerseits Manches, was auch das einfachere Leben unserer Tage fordert, in der Volksschule nicht gelehrt werden kann, weil die nölhige Reife des Verstandes dazu bei den Schülern noch nicht vorhanden ist, andererseits Vieles und oft das Beste von dem mühsam Erworbenen wieder verloren geht, weil es noch nicht so recht in Fleisch und Blut übergegangen war. Schlimmer noch steht es, wie der Thesensteller schön ausführte, mit der sittlichen Entwickelung der Jugend. Vom 14. Jahre an, gerade in der gefährlichsten Lebensperiode, in den meisten Fallen fast ganz auf sich selbst gestellt, ist der junge Mensch nur zu oft der sittlichen Verwilderung preisgegeben. Sobald die Volksschule in der Lage war, die Resultate ihrer Wirksamkeit zu überschauen, mußte sich ihr diese lraurige Erfahrung aufdrängen, und daher denn das schon vor vielen Jahren und immer auf's neue wieder ausgesprochene Verlangen nach Fortbildungsschulen. Die Gegenwart mit ihrer täglich sich steigernden Schwierigkeit der Existenz, aber auch mit dem großartigen nationalen Auf schwung unsers Volkes hat nun abermals und nachdrück⸗ licher als je diesen Ruf erhoben. Möge er überall volle Erhöcung finden.

Nicht minder Billigung der Versammlung fand die folgende These mit ihrer Forderung, daß auch auf die Fort⸗ bildungsschule der gesetzliche Schulzwang ausgedehnt werden müsse, wolle man sich anders einen Erfolg versprechen. Ueber das Recht oder richtiger die Pflicht des Staates, bis zu einem gewissen Grad Schulzwang für Alle zu üben, herrschen indessen, wie es scheint, noch nicht allent⸗ halben die richtigen Anschauungen, und es hätte vielleicht nicht geschadet, wenn gerade dieser Punkt, die sittliche Grundlage, worauf der Staat ruhen muß, seine Kultur⸗ aufgabe, und der darauf sich gründende Schulzwang und dessen Verhältniß zur persönlichen Freiheit noch eingehen⸗ der, als geschehen, wäre erörtert worden.

Elne weitere These erachtete es in billiger Rücksicht auf den unbemittelteren Theil der Bevölkerung nicht für angemessen, die eigentliche Schulzeit noch um ein Jahr zu verlängern. Sie will vielmebr vom 14. Jahre an den jungen Menschen dem Erwerb überlassen und bean⸗ sprucht ihn nur auf 12 Stunden täglich für die Schule bis zum 17. Jahre. Auch dieser These pflichtete die Ver⸗ sammlung bei, entschied sich aber im Gegensatz zu dem Thesensteller, der die erste Morgenstunde als Unterrichts- stunde empfahl, aus vorwiegend praktischen Gründen für die Abendstunden.

Die letzte These befaßte sich mit den einzelnen Unter⸗ richtsgegenständen für die Fortbildungsschule und deren Behandlung.

Bei einem Ueberblick über die Verhandlungen des Abends drängen sich schließlich folgende Bemerkungen auf: Die Volksschule glich seither einem Haus, dessen Funda⸗ ment, Mauerwerk und innere Einrichtung immerhin mit einiger Sorgfalt gearbeitet war, das aber den Fehler hatte, daß ihm das Dach mangelte. Darum war das Gebäude von keiner Dauer. Die Stürme und Unwetter der wüsten Lebensperiode vom 14. 18. Jahre hatten freien Zutritt und verwandelten das Gebäude im besten Fall in eine Ruine.

Was will nun die Fortbildungsschule? Sie will das Gebäude mit einem schützenden Dache versehen.

Demselben vorerst ein weiteres Stockwerk aufzusetzen, wäre sehr erwünscht, nur werden die wenigen in Aussicht genommenen Unterrichtsstunden dafür kaum ausreichen.

Die Wirksamkeit der Forbildungsschule wird darum in Bezug auf die sittliche Entwickelung der Jugend eine hütende, schützende, in Bezug auf die intellectuelle eine klärende, anregende, in Bezug auf positives Wissen und Können aber und das scheint werth zu sein, hervor⸗

1

gehoben zu werben meistens und vorherrschend eine erhaltende sein.

Daß damit nicht ein langweiliges Wiederholen gemeint ist, braucht nicht bemerkt zu werden. Der Unterricht kann sehr wohl immer neue interessante Seiten hervorkehren und sich im Wesentlichen gleichwohl innerhalb derselben Gränzen bewegen. Hat's mit dem Gesagten aber seine Richtigkeit unb dieselbe kann Angesichts der wenigen vorerst verwendbaren Unterrichtsstunden nicht bestritten werden, so werden die Fortbildungsvereine, wollen sie ihren Zweck erreichen, sich veranlaßt sehen, der eigent⸗ lichen Volksschule in gleicher Linie ihre Aufmerksamkeit und Sorgfalt zuzuwenden. Die Jahre vom 6. 14. Jahre sind eine kostbare Zeit zum Lernen und zur Erhebung des Gemüthes zum Edlen und Guten; diese Zeit muß vor Allem auf's sorgfältigste ausgenutzt werden, sonst helfen alle Fortbildungsschulen nichts. Die Fortbildungsvereine werden sich um so mehr dazu veranlaßt sehen, der Volks⸗ schule nicht blos so nebenbei ihre Pflege zu widmen, als dieselbe nach wie vor die Bildungsstätte eines großen Theiles der Jugend bleiben wird. Höhere Unterrichts⸗ anstalten mit ihrem viel weiter und umfassender angeleg⸗ teu Untertichtsplan sind einer gut organuistrten Volksschule gegenüber nach dem Urtheil aller Sachverständigen füt alle Diejenigen von sehr zweifelhaftem Werth, deren Ver⸗ hältnisse ihr Verlassen der Schule mit der Confirmation fordern. Für die Schule kann es nur von Segen sein, wenn sich ihr das öffentliche Interesse recht lebhaft zuwendet. Nur das Eine sei dabei erwähnt. Es gibt einzelne Familien, auch in unserer Stadt, deren Kinder sammt und sonders kium das Allernothdürftigste in den Schulen lernen, nicht eiwa weil der Unterricht die Schuld hätte oder sie zu dumm wären, sondern weil sie nichts lernen mögen und die häusliche Erziehung der Schule nicht in die Hände arbeitet. Auf solche Elemente müßte der Druck der öffentlichen Meinung wirken. Bei öffent⸗ lichen Prüfungen müßten die einflußreichsten Bürger zahl⸗ teicher als es geschieht zugegen sein, an den Leistungen und dem Verhalten aller Kinder, nicht blos der eigenen, ein lebhaftes Interesse nehmen und so ihren Gesammt⸗ einfluß mit dem der Schulverwaltung vereinigen.

Man sieht, die erste Abendversammlung des Fort⸗ bildungsvereins hat, wie angekündigt worden, Fragen von großer Wichtigkeit und naheliegend für Jeden auf's Tapet gebracht. Es ist diesen Abendversammlungen eine recht lebhafte Betheiligung zu wünschen. Sie wollen Bildung befördern, und Bildung ist das nutzbringendste Kapital.

D. Frankfurt a. M., 7. Nov. Während die gestrige Börse ein nicht ganz harmonisches Bild unge⸗ trübter Sümmung bot, glichen sich diese Mängel bereits an der gestrigen Abendbörse wieder aus. Auch heute eröffnete die Börse fest und zu höheren Coursen für die Hauptispeculations⸗Effecten. Berlin und Wien meldeten bessere Course und ersteres sogar Kauflust. Auch in den Wiener Gebdverhältnissen scheint momentan eine Exleich⸗ terung eingetreten zu sein, wozu der relativ günstige Positionen constatirende Ausweis der Nalionalbauk den Kommentar bilden dürfte. Für Staatsbahn wirkte die nach dem dies wöchentlichen Ausweis geringe Minder⸗ einnahme(fl. 41,000) günstig ein und gingen dieselben, sowie auch Criduacnien und Lombarden ca. fl. 12 höyer. Gegen Schluß der Börse trat indeß eine etwas mattere Tendenz, hauptsächlich auf die übrigens ganz unverbürgte Nachricht ein, daß die englische Bank ihren Disconto er⸗ höht habe. Das Geschäft war im Ganzen nicht sehr be⸗ lebt. Silbertente blieb unverändert. Oesterreich. Bahnen still, Nordwest niedriger. Das Treiben derselben in Berlin, welches ebenfalls einen matteren Cours dieses Effects meldet, scheint sein Ende erreicht zu baden. Ungarische Eisenbahn Anleihe ½ 9% matter. Auch in deutschen Banken ging heute nicht viel um. Darmslädter und Württembergische Vereinsbank, letztere um volle 10%, höher, Bankverein etwas nachgebend. Wiener Bankactien waren wieder in reger Nachfrage und zu 1087 bebauptet. Von Devisen Parts fest. Golecoupons fl. 2. 238%.

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