— In Betreff des Gesetzes von 1836, das alles und jedes Spiel in Frankreich verboten, soll eine Abänderung eintreten. Das Verbot bestünde weiter im Principe, der Regierung würde aber das Recht eingeräumt, Ausnahmen in einzelnen Fällen zu gestatten, wie es bereits bei den Prämien. Effecten gescheben sei. Es handelt sich zunächst um Errichtung von Spielbanken in folgenden Städten: Aix⸗les-Bains, Vichy, Enghien, Biarritz, Saint-Cloud u s. w., zugleich aber auch um eine. Hülfsquelle für den Staatsschatz.
Versailles. Die Regierung wird einen Gesetzentwurf über die Zusammensetzung des Ge⸗ richthofs, welcher den Marschall Bazaine abur- heilen soll, in der Nationalversammlung einbringen.
— Seit einigen Tagen ist eine Zahl von Leuten, die von den Kriegsgerichten wegen mangeln⸗ der Beweise aus der Haft entlassen worden waren, wieder gefänglich eingezogen und nach Versailles gebracht werden. Die meisten ohne regelmäßiges Mandat, indem Ladmirault von den außerordent⸗ lichen Befugnissen des Belagerungezustandes Ge brauch macht. Das„Sidcle“ fordert die Regie; rung auf, wenigstens durch das Amtsblatt die Namen der Verhafteten und die Motive von Maß⸗ regeln anzugeben, die einer Republik seltsam zu Gesichte stehen.
Belgien. Brüssel. Nach einer Pariser Depesche der„Independance“ leidet Thiers an einer leichten Halsaffection in Folge eines kleinen Mundschwammes, welche ihm sür lange Zeit öffent- liches Sprechen unmöglich macht.
Schweden. Kopenhagen. Der Groß meister, der Schatzmeister und der Cassirer der
hier bestehenden Zweigabtheilung der„Internatio—
nale“ wurden verhaftet. Spanien. Madrid. Die von General Moriones befehligten Truppen stießen am 4. d.
bei Orosquieta auf die vereinigten Banden von
Carasa und Aguirre, deren Oberbefehl Don Carlos übernommen hatte. Die Aufständischen wurden vollständig geschlagen und ließen mehrere Todte, zahlreiche Verwundete sowie sehr viele Ge— fangene zurück. Ein Telegramm aus Bahonne ver— sichert, daß Don Carlos gefangen genommen sei.
— Die Carlisten verloren in dem Gefecht von Orosquieta 40 Todte und 730 Gefangene. Die Regierungstruppen verfolgen sie lebbaft und bringen neue Gefangene ein. Don Carlos floh, auf dem Fuße verfolgt, mit 200 Mann der fran⸗ zösiscken Grenze zu.
Bayonne. Das Gerücht von der Gefangen⸗ nahme Don Carlo's erhält sich. General Rada. ist nach Frankreich übergetreten. Die spanischen Behörden fordern seine Verweisung von franzö⸗ sischem Gebiete.
Donaufürstenthümer. Bukarest. Wie die„N. fr. Pr“ aus guter Quelle vernimmt, sind die von dem erbärmlichen Schwurgericht in Buzen gegen alle Zeugenaussagen und trotz dem Freisprechungsantrag des Staatsanwalts verur- theilten Juden vom Fürsten begnadigt und bereits freigelassen worden,
Türkei. Constantinopel. Der„Courier de l'Orient“ meldet, daß auf der Marmara-Insel eine Judenverfolgung stattfand, welche drei Tage daverte. Die Synagoge wurde demolirt und die Häuser der Juden wurden geplündert. Jüdische Familien flüchteten sich in die Häuser der Tärken.
Amerika. Amerikanische Blätter enthalten den Wortlaut eines zwischen Spanien einerseits und den alliirten Republiken Bolivia, Chile, Ecuador und Peru andererseits zu dem Behufe abgeschlossenen Waffenstillstandes, um jene Länder von dem seit den Feindseligkeiten von 1866 be⸗ stehenden Kriegs zustande zu erlösen. Dieser Ver⸗ trag, der durch die Vermittlung der Vereinigten Staaten zu Stande kam, verfügt, daß die factische Unterbrechung der Feindseligkeiten in einen allge⸗ meinen Waffenstillstond verwanrelt werden soll, der von keinem der Kriegführenden ohne vorher- gegangene, ausdrückliche und motivirte Kündigung gebrochen werden darf. Während der Fortdauer
zeiten als gesetzlich erachtet wird, Handel zu treiben; alle Beschränkungen des neutralen Handelsverkehrs sollen wegfallen.
2 Schwalheim. Am 28. v. M. hielt das land⸗ wirthschaftliche Casino für Friedberg und Umgegend seine erste Wanderversammlung auf dem hiesigen Brunnen; dieselbe war sehr zablteich besucht. Der erste Gegenstand der Tagesordnung, über Zuck errübenbau, wurde von Herrn Seibert durch einen eingebenden Vortrag eingeleitet. Der Herr Referent verbreilete sich zunächst über die Eigen⸗ schaften einer guten Zuckerrübe und ging dann über zu deren Cultur; hier hob er besonders hervor, daß der Boden lief bearbeitzt werden müsse und nur mit minera⸗ lischem Dünger gedüngt werden dürfe, dadurch werde aber auch ein höherer Ertrag gesichert und besonders die Hal⸗ tung eines guten Viebstandes ermöglicht, der in der Gegenwart eine wesentliche Bedingung sei zur Erzielung einer höheren Bodenrenie. Auch für den Arbeiter sei der Rübenbau vortbeilhaft, weil alle Arbeiten bei demselben in eine, Zeit fielen, wo es sonst an Arbeit mangele. Der Rübenbau habe sich über ganz Europa verbreitet und in den letzten Jahren einen außerordentlichen Ausschwung genommen. Deulschland habe 320 Fabriken, für welche 415 Tausend Morgen Rüden angebaut würden, welche einen Werih von 36 Millionen 389 Tausend Gulden tepräsentirten. Nach den Ausführungen des Herrn Refe⸗ renten dürften die diesjährigen Versuche keineswegs als entscheidend zu betrachten sein, da in vielen Fällen die Zuckerrüben nicht in zweiter Tracht angebaut und auch der Boden nicht lüef genug cullivirt worden ist; ebenso sind hin und wieder ammoniakalische Dünger angewende! worden, was für den Zuckergeball der Rüden von eiheb— uuchem Nachcheil sein soll. Referent theille dann noch welter mit, daß wenn die nöthige Morgenzahl mit Rüben garantirt werde, so sei das Haus Ecanger in Frankfurt! bereit, die größte Favrik in Friedverg zu errichten.— Der Vorsißende, Herr Kreisassessor Haas, theilte dann mit, was die Commission für Zuckerrübenbau bis jetzt gethan und wie sie auch in der Folge denselben fördern und die Errichlung einer Fabrik in Friedberg anstteben werde. Wegen des Bezugs der Preßlinge müsse die Fabrik in der Nähe der Oeconomien angelegt werden und sei zu wünschen, daß die Fabriken auf genossenschafichem Wege gebaul würden, damit den Rübenzüchlern auch die Oiwidend— wieder zu Gule käme, wodurch der Rüdendau sehr rentabel werde, wie dies die Ersolge in Braunschweig bewiesen.— Ueber den zweitlen Gegenstand, über das neue Maß und Gewicht, referirte Herr Seminarlehrer Wahl in einem ausführlichen und mit vielem Humor gewüczten Vortlag. Derselbe entwickelte zuerst die geschichtliche Enistehung dis neuen Maßes und wie dasselbe aus einen allgemein ge— jüylien Bedürfniß hervorgegangen sei. Nachdem er des Längen-, Flächen⸗ und Körpermaße bespeochen, wies er darauf hin, wie unser seicheriges Maß schon auf das Melermaß basirt gewesen sei und daher die Einführung des letzteten in Hessen keine allzugroße Schwierigkeiten hervorgerufen habe. Die Vortheile des neuen Maßes und Gewichtes seien eminent; allen Verschiedenheiten sei ein Inde gemacht. Das meirische Maß sei über die ganze Elde verbreitet, bezünstige den Verkehr, sei bei der An⸗ wendung bequem und leicht dauut zu rechnen. Die ver⸗ schiedenen Maße und Gewichte stünden im innigen Zu sammenhang und habe daher das metrische Maß für die Wissenschaft hohe Vedeulung. Da das seltherige Maß sich noch nicht überall eingebürgert habe, so würde das Ver⸗ ländniß des neuen Maßes und Gewichts manchem Er wachsenen viel Schwierigkeiten bereiten, ja Maucher würde 4s in seinem Leven gar nicht lernen; deßhalb müsse es fleißig in der Schule geüst werden. Die Lehrer hätten dann aber auch ein Recht zu sagen:„Das thun wir für Euch; was ihut man für uns?“— Nachdem der Herr
lung für seinen gelungenen Vortrag gedankt und noch einige geschäftliche Mutheilungen gemacht hatte, wurd: die Versammlung geschlossen. Die nächste Versammlung soll in Frieoverg stat finden.
S. Bad- Nauheim. Am 26. April d. wurde dahier der von dem landw. Bezirksverein Friedberg ge⸗ gründete Faselmarkt abgehalten und war wider Erwarten stark besucht. Es waren zwischen 40 und 50 Bullen, meist 1 und 1½ ährige, aufgetrieben. Wenn die Zahl der abgeschlossenen Käufe dem starken Angebot nicht ent⸗ sprochen, so hat dies seinen alleinigen Grund in der durch den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Nauheim und Umgegend nothwendig gewordenen Verlegung des bereits auf Mitte März anberaumt gewesenen Marktes um über vier Wochen und in der jedoch unbegründeten Furcht, daß durch angekaufte Thiere möglicher Weise die erwähnte Krankheit, welche in der ganzen Gegend nach kreisveterinäramllichem Ausspruch vollständig er⸗ loschen war, mit in vie Heimath gebracht werden könnte. Unseres Wissens wurden cirea 8 Stück verkauft, jedenfalls aber durch die ermöglichte Besichtigung und Vergleichung die Grundlage noch zu weiteren Käufen gelegt. Die Qualität der beigetrlebenen Thiere war im Ganzen recht befriedigend und wurden auch diesmal wieder von dem
wendet. Es wurden prämiirt mit 12—3 fl. die Thiere der Oeconomen: El. Puth in Okarben Bürgermeister Stoll in Nieder-Wöllstadt, Bürgermeister Reitz in Södel, Pachter Kammer in Bellersheim, Wilh. Bausch in Nieder-Wöͤllstadt, Hrch. Weith in Nieder- Wöllstadt,
des Waffenstillstandes steht es jedem der Krieg⸗ führenden frei, mit den neutralen Nationen in allen Artikeln, in denen der Handel in Friedens;
Peter Schneider in Borsdorf, Jacob Eiser 11. daselbst, Pachter Lenhard in Steinfurt, Peter Hemmer von Zell, Ph. Kling von Rodheim. Recht schöne
Versitzende dem Herrn Referenten Namens der Versamm⸗
Exemplare der Vogelsberger Race waren da, die auch alle verkauft wurden.— Es läßt sich nicht läugnen, daß der Markt geeignet ist, auf die Rindviehzucht der Gegend im Laufe der Zeit einen recht günstigen Einfluß zu üben und ist es in dieser Erkenntniß, wie verlaut⸗ bart, im Project, noch einen Herbstfaselmarkt in Fried⸗ berg einzurichten.. 1
Frankfurt. In hiesigen Blättern liest man: In Stadt und Umgegend werden eben viele gut gearbeitete Pferdegeschirre, welche aus der Metzer Capitusation berrühren, zu böchst billigen Preisen verkauft. Der be⸗ treffende Eigen thümer kann noch eine ganze Armee beritlen machen, denn er hat nicht weniger als 14000 vollständige Sättel auf Lager. N
Hanau. Ein dahier kürzlich gestorbener reicher Privat⸗ mann Namens Ch. Weishaupt hat unter anderen Legalen auch ein solches von 7000 fl. zu einem Fonds für ein dem Deutschen Kaiser auf hiesigem Marktplatz zu errich⸗ tendes Standbild ausgesctzt. 5
Alsfeld. Der oberhessische Unterverband der deutschen Genossenschaften hält um Lause des Sommers dahier seinen Vereinssag ab. Diesem Verbande gebören die genossen⸗ schaftlichen Vereine Oberhessens mit Wetzlar und einem Theile Kurbessens an.
Darmstadt. Der Bau der Ceutralwerkstätte der Hess. Ludwigsbahn ist jitzt in Aagriff genommen und dürfie wohl das größte Gebäude werden, welches je in Darmstadt aufgeführt worden ist. Der Hauplbau ist nämlich 900 Fuß lang und 400 Fuß breit. 95
Darmstadt. Die„Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung“ werd zufolge Beschlusses des Centralaus⸗
jährige Generalversammlung abhalten.
Mainz. Die Generalversammlung der Actionäre der Taunusbabyn beschloß eine Dividendenvertheilung von 206 fl., 90,000 fl. wurden dem Erneuerungssonds, 7000 fl. der Beamtenpensionskasse, 500 fl. der Arbeitetkrankenkasse und circa 30,000 fl. für Gralificationen an sämmtliche Beamte, Bahnbedienstete und Arbeiter angewiesen.
In Mainz haben seit Montag die Droschkenkutscher zu striken begonnen; an den Bahnhösen und in den Straßen sieht man daher keine Kuische mehr.
München. Der Erfinder einer neuen Locomotiv⸗ bremse, die sich bei einigen Probeversuchen als unüber⸗ troffen erwiesen hat, bat nach der„Augsb. Postzeisung,“ von der engl. Regierung für seine Erfindung 20,000 Pfd. St. erhalten. Heberlein, so heißt der Erfinder, ist Eisen⸗ bahn⸗Maschinenmeister; er war vor wenigen Jahren noch Locomotivführer. Seine Schule hat er als Schlossergeselle in der Mannhardt'schen Fabrik zu München durchgemacht. Sichetem Vernehmen nach ist ihm von der Verwaltung der elsässischen Eisenvahnen die Stelle eines Obermaschinen⸗ meisters mil 6000 Thlr. jährlichem Gehalt und 2000 Thlr. Emolumenten angeboten.
Berlin. Der„K. H. 3.“ schreibt man aus Peters⸗ burg:„Das neueste Ereigniß auf dem Gebiete des Ver⸗ keyrlebens ist die Erbauung einer neuen Hafenstadt auf Actien, nahe der finnischen Grenze. In Berlin sieht das Gründungewesen doch gewiß in Flor, aber dahin hat man es noch nicht gebracht, eine ganze See- und Hafenstadl auf Actien zu bauen. Das Werk ist schon in der Ausführung begriffen. Das Land, ein weites Terrain am Gestade des finnischen Golfes, ist bereits acquirirt, auch der angefangene Bau schon durch eine Zweigbahn mit der finnischen Bahn verbunden. Die Stadt soll Petrowsk heißen. Längs des Straudes an beiden Flanken der Sindt wird die Erbauung von Villen für die Peters⸗ burger feine Welt projeclirt.
B. Friedberg im Mai 1872. In den ersten Tagen unseres Wonnemonats, gleichzeitig mit dem Straßburger Feste, jedoch natürlich in ungleich bescheidnerem Rahmen als jenes, fand zu Büdingen die in diesen Blättern bereits zum Voraus angekündigte Feier des 50 jährigen Bestehens des dasigen Gymnasiums statt. Wem es vergöunt gewesen ist, dieselbe in dem lenzesfrischen, seine reichen Naturschönheiten im herrlichsten Maiensonnenscheine entfaltenden, stillen Thale mit zu begehen, den wird sicherlich eine Fülle der freundlichsten Erinnerungen aus diesen Tagen zeitlebens begleiten. Es hatte sich denn auch eine große Zahl fremder Festgenossen aus Nähe und Ferne in den alterthümlichen Mauern des trauten Städtchens zusammengefunden, zumal eine überaus stattliche Schaar ehemaliger Schüler der verschiedensten Berufs- und Alters: klassen, von dem Greis im Silberhaar bis herab zu dem flotten Füchslein ersten Semesters, darunter auch Schreiber Dieses, die allesammt bei den gastfreundlichen Bewohnern ihres alten Muse⸗ städtle ns freies„Quartier mit Verpflegung“
landw. Bezirksverein und der Stadt Nauheim ansehnl che neben zuvorkommendster Behandlung fanden. Am Summen(80 fl.) zur Hebung des Marktes zu Prämien ver⸗ b 0 b 9 f 5
Bahnhofe— den Meisten hier ein neuer Anblick — von dem buntbemützten Zuge der jetzigen
der Fahne, welche die Primaner und Sekundaner
ihrer Anstalt zum Feste neu gestiftet batten, sowie den Herren des Festcomité's, abgeholt, waren die Ankömmlinge durch die Salvete! rufende Ehren-
schusses in Berlin am 7. und 8. Juli dahier ihre dies-
Zöglinge der alma mater mit Musik und wehen⸗
übersü statl. Jubel Dr. nächst gem falt J hierauf stelung genden die 5e falgebe Wahre. hahn 5 an a erneuer rkennu
Hensch⸗
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