Ausgabe 
7.5.1872
 
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1. Dezember v. J. ist nunmehr endgültig fest⸗ gestellt, und es zählte nach den bekanntwerdenden Ziffern das deutsche Reich am 1. Dezember 1871 41,058,139 Bewobner gegen 40,106,980 im Dezember 1867. Es hat somit in den letzt ver⸗ flossenen vier Jahren eine Vermehrung um 951,181 Bewohner oder 2,37 Prozent stattgefunden. Am stärksten zugenommen haben die freien Städte und zwar 11,07 pCt. Bremen, Hamburg 10,59 pCt. und Lübeck 6,05 pCt., sodann das Königreich Sachsen 5.63 pCt. Die Zunahme von Preußen beträgt 2,80 pCt., die in Bayern 0,77 pCt., die in Würtemberg 2,25 pCt., die in Baden 1,83 pCt., die in Hessen 2,51 pCt. Abgenommen haben Elsaß-Lothringen um 2,90 pCt., Mecklenburg- Schwerin um 0,49 pCt., Mecklenburg ⸗Strelitz um 1,82 pCt., Oldenburg um 0,39 pCt., Lauen⸗ burg um 0,65 pCt., Schwarzburg⸗Sondershausen um 1,35 pCt., Waldeck um 2,23 pCt. und Lippe um 0,63 pCt.

Straßburg. Am 2. Mai früh um 6/ͤ Uhr fand die Fahrt nach dem Ottilienberg statt. Man fuhr mit der Bahn nach Oberehnheim resp. Barr und ging von da zu Fuß nach dem Ottilienberg. Die Zahl der Festtheilnehmer betrug 1500; viel Landvolk aus der Umgegend hatte sich eingefunden. In den geräumigen Höfen des Klosters waren lange Tafeln errichtet, auf welchen das auf Reichs- kosten gegebene Essen und Bier durch die Nonnen und Laienbrüder des Klosters gereicht wurde. Berthold Auerbach brachte den ersten Trinkspruch aus auf Elsaß Lothringen, Graf Türkheim, von ungeheurem Beifall begrüßt, auf das deutsche Volk, das die Freiheit mit dem Sinn für Ordnung verbinde. Derselbe schloß mit einem Hoch auf den deutischen Kaiser. Ein Toast des Generaladvo katen Vacano aus Colmar, eines geborenen El- sässers, erregte allgemeinste Begeisterung. Abends 6 Uhr fuhr die Versammlung nach Straßburg von Barr aus zurück, doct und überall von zahl. reich versammelter Bevölkerung freundlichst und mit Lebehochrufen empfangen. Um 9 Uhr fand der Commers statt, die Räumlichkeiten erwiesen sich leider als unzulänglich, da der Platz zu klein war.

Auf die Begrüßungsdepeschen an Kaiser Wilhelm und den Reichskanzler sind am 2. Mai Abends folgende Antworten eingetroffen:Dem Oberpräsidenten Möller in Straßburg. Der ver sammelten Festgenossenschaft nach Eröffnung der Universität spreche ich meinen lebhaften Dank für die patriotische Begrüßung aus. Möge die neu gegründete Universität dem einigen Deutschland für lange Zeit eine Pflanzstätte der wissenschaft⸗ lichen Bildung, der Gesinnung und Vaterlands⸗ liebe werden. Wilhelm.Oberpräsident v. Möller. Straßburg. Meinen herzlichen Dank für die wohl⸗ wollende Anerkennung, die ich ohne Ew. Excellenz und ohne Herrn v. Roggenbach nicht hätte ge winnen können. Bismarck.

Ueber die Veranlassung zu der Schlägerei zwischen Studenten wird derAllg. Ztg. fol- gendes Nähere mitgetheilt: In derTaverne Al- sacienne am Kleberplatz kneipen mit Vorliebe die Studenten der medicinischen Fakultät, die ihren Curs erst im Herbst abschliet. Nach der Be leuchtung des Münsters traten deutsche Corps studenten in diese Kneipe und wurden alsbald der Gegenstand hämischer Bemerkungen und verächt⸗ licher Blicke von Seite der beim Biere sitzenden Studenten der alten Akademie. Natürlich fehlte es nicht an Entgegnungen, von Worten kam es zu Thätlichkeiten, Bierseicel und Stühle flogen hin und her, und in einem Augenblick zeigte das Lokal den Anblick eines Schlachtfeldes. Die deutschen Studenten waren in der Minderheit, aber zur rechten Zeit kamen ihnen Ulanen zu Hülfe, die auf der Straße umherschlenderten, und ihre Waffen griffen erfolgreich in die Action ein, die natürlich nicht ohne schwere Verwundungen endete. Das Lokal dieses trautigen Skandals ist geschlossen, und es ist leicht möglich, daß man in derselben Weise auch gegen die alte medicinische Fakultät vorgeht.

Ausland.

Frankreich. Paris. Der Kriegs minister, General Cissey, hat die Capitulationscommission

benachrichtigt, daß die Regierung den Marschall Bazaine vor das Kriegsgericht gezogen habe. Man versichert, daß eine äbnliche Entscheidung bezüglich des Generals Wimpffen bevorstehe.

DasJournal offiziel veröffentlicht die Ernennung des Grafen Bourgoing, bisher Ge sandter im Haag, zum Botschafter beim heiligen Stuhl an Stelle des Grafen d'Harceurt, welcher den auf seinen Antrag zur Disposition gestellten Herzog v. Broglie als Votschafter am großbri⸗ tannischen Hofe ersetzt.

Die Regierung sucht noch immer die Ver öffentlichung der Bazaineschen Acten zu verhindern. Es ist noch kein definitiver Beschluß gefaßt, ob er vor ein Kriegsgericht gestellt wird. Den General Wimpffen trifft aber seines Protestes halber eine schwere Strafk. Anstatt seiner Pension kann die einfache Absetzung über ihn verhängt werden.

Eine Depesche aus Bayonne vom 3. d- Abends und Briefe aus S. Sebastian vom 2. d. erwähnen der Gerüchte, daß Don Carlos beim Schalle der Glocken in Vera(Spanien) einge zogen und vom General Rada empfangen worden sei. Eine starke Colonne unter dem General Rivera ist vom Marschall Serrano abgesandt worden, um San Estaban, links von Vera in der Richtung auf Pampeluna, zu besetzen. In San Sebastian gelandete Truppen halten Oyarzun, gleichfalls links von Vera in der Richtung auf Irun, besetzt. Die Ankunft des Prätendenten Don Carlos dürfte, vorausgesetzt, daß sie sich be stätigt, die Carlistenbewegungen neu beleben.

DieUnion empfing die alsoffiziell bezeichnete Nachricht, daß Karl VII. den spanischen Boden betreten habe.

DerTemps veröffentlicht eine Corre spondenz aus Ciudad-Real, nach welcher durch eine republikanische Bande am 30. April die Eisenbahn zwischen Madrid und Cordova unter brochen worden sei. Eine andere republikanische Bande ist bei Valdepenas erschienen.

Der WienerPresse wird telegraphirt: Zum Beweis für die Bereitwilligkeit der deutschen Regierung, nunmehr in die finanzielle Verhandlung mit Frankreich einzutreten, dient die Thatsache, daß der Botschafter Graf Arnim mehrere finan zielle Berather, an deren Spitze ein hervorragender Berliner Banquier steht, mitgebracht hat.

Großbritannien. London, 2. Mai. Unterhaus. Gladstone erklärte auf eine Anfrage Disraelis, daß Lord Granville gestern die Ant- wort Fish's auf die englische Note erhalten habe. Der Inhalt derselben gebe Hoffnung auf ein beide Länder befriedigendes Arrangement. Die Regie rung hoffe baldigst die Correspondenz vorlegen zu können.

sprüche unter der Voraussetzung zurückziehe, daß England als kriegsführende Macht vorkommenden

sprüche erhebe.

Asien. Smyrna. Seitens der hier wohnen⸗ den Griechen haben Ausschreitungen gegen die Israeliten stattgefunden und zwar anläßlich des Gerüchtes von dem erfolgten Raube eines Kindes. Das Militär mußzte einschreiten, in Folge dessen

einige Personen getödtet und verwundet wurden,

Aus Oberhessen. Nach einer Bekanntmachung im Schulboten für Hessen wird die Ludwig- und Alicenstiftung ihre diesjährige Generalversammlung am 2. Juli in Gießen abhallen, während am 1. Juli ebenfalls daselbst der hess. Landeslehrerverein tagen wird.

Frankfurt. Am Freitag Abend warf sich an dem, Obermainthor ein etwa 16 Jahre alter junger Mann unter die auf der Verbindungsbahn daber kommende Locomotive; dieselbe schleuderte ihn jedoch mit solcher Heftigkeit gegen die Böschung, daß der Schädel mehrfache Fracturen erlut.

Frankfurt. Am 11., 12. und 13. Juni d. J. soll bier im großen Saale der Loge zur Einigkeit der zweite Congreß der deutschen Hutfabrikanten statifinden. Derselbe hat den Zweck weiterer für das betreffende Fach wichiger Berathungen und Beschlüsse, ist aber gleichzeitig bestimmt, geeignete Festsetzungen der Herbstmoden füt Filz: und Seidenhüte zu treffen.

Mainz. Es wurde vor Kurzem berichtet, daß dem evang. Pfarrer Bauer dahter das französische Sanitäts⸗ kreuz verltehen worden ist. Wie wir erfahren, ist nunmehr

Dempräbendat Schreyder, Religionslehrer Dr. Geyer, Bezirksgerichtsrakth Rauch, Advokatanwalt Dr. Lippert, Weinhändler Silz, Privatmann Moyat, Architckt Dr. Geyer, Branddirector Weiser und von den Damen Frl. Landroy, Frl. Eyrond, Frl. Keusch zu Theil geworden. Würzburg. DieN. Würzb. 31g. schreibt:Der 1. Mai brachte uns einen Bierkra wall. Schon den ganzen Tag hindurch zogen einzelne Haufen Mililär in die verschiedenen Brauereien und erkundigten sich nach dent Bierpreise. Ueberall wurde der frühere Preis angegeben, nur in der Bauch'schen Brauerei im 5. Distrikt(Bauchs⸗ keller) wurden statt 7 ke. 8 ke, gefordert. Das war das Signal zum Losschlagen. Mit Hurrah wurde die Wirth⸗ schaft gestürmt und in kürzester Zeit Alles, was nur irgend zerbrochen werden konnte, zerstört und verwüstet. Das Bier floß in Strömen, da alle Fässer, deren die Tumultuanten nur habhaft werden konnten, weggenommen und ausgetrunken oder sonst geleert wurden. Die demo⸗ lirten Lokalitäten bieten ein Bild der Verwüstung, wie es in Paris zur Zeit der Commune vorgekommen sein mag. Balingen. In voriger Woche ereignete sich in Geis⸗ lingen ein Unglücks fall, wie er vielleicht noch nie vorgekommen ist. Zwei Knaben im Alter von 10 12 Jahren gingen in den Wald, um dürres Holz zu sammeln. Als der eine davon eine Tanne erstiegen hatte, vernahm er über seinem Haupte eine sonderbare Bewegung, und als er aufwärts schaute, stürzte ein Habicht auf ihn zu und verletzte ihn im Gesicht. Trotz starker Abwehr des Knaben ließ der Habicht von seinen Angriffen nicht nach, blieb vielmehr, selbst als der Knade vom Baum herunter glitt, fortwährend auf dessen Kopf sitzen, und verwandte

Nach von der Insel Zanzibar hier einge troffenen Nachrichten hat am 13. April ein furcht⸗ barer Orkan gewüthet. An 150 Schiffe kamen in Folge dessen zum Sinken oder zum Stranden, ein großer Theil der Stadt Zanzibar wurde zerstört.

Aus Bombay wird telegraphisch gemeldet, daß in der Nacht des 1. Mai ein heftiger Orkan die Stadt Madras heimgesucht hat. Stadt und Vorstädte erlitten schwere Beschädigungen, 11 Schiffe kamen zum Scheitern und eine Anzahl Personen ist in den Wellen umgekommen.

Spanien Madrid. Die Hauptmasse der Insurgenten unter dem Commando des Generals Rada wird durch die Brigade Rivera energisch verfolgt. Die Aufständischen ziehen sich gegen die französische Grenze zurück. Truppen sind nach Pont Verra geschickt, um ihren Uebertritt auf französisches Geeiet zu verhindern.

In einer am 2. d. in Madrid stattge habten Versammlung der republikanischen Föde⸗ ration wurde der Beschluß gefaßt, daß die republi kanische Partei gegenüber der karlistischen Bewegung sich passiv verhalten werde.

Die amtliche Zeitung bestätigt, daß sich Don Carlos bei der Bande Rada's, welche von dem Briga⸗ dier Primo Rivera lebhaft verfolgt wird, befinde.

Türkei. Constantinopel. Ein hiesiger Correspondent derAugsb. Allg. Z. behauptet: es sei ein öffentliches Geheimniß, daß der Sultan zeitweise an Geistesstörung leide.

ihn dermaßen, daß das eine Auge gänzlich ausgehackl ist, während der Arzt Mühe hat, ihm das zweite zu erhalten.

Hamburg. Eine eigenthümliche Ueberraschung, er⸗ zählt das Berl. Fremd.⸗Bl., wurde jüngst einem hiesigen Geschäftsmanne zu Theil. Beim Schützenfest in Frank:;

furt a. M. 1862 besuchte er auch Wiesbaden und stattete

der dortigen Spielhölle einen Besuch ab. Im Gedränge verschwand seine Uhr und Kette nebn der Börse mit ca 100 Thlen. Der Hamburger hatte nur soviel bemerk!l, daß sich ein junger Mann an ihn herangedränet halte und daher möglicherweise der Dieb sein könnte. Ueber den unangenchmen Vorfall war lange der Schleier des Vergessens gefallen, als dieser Tage dem Geschäftsmanne auf einer frequenten Promenade ein Päckchen in die Hand gedrückt wurde; noch ehe der Spaziergänger von seiner Ueverraschung zur Besinnung gekommen, war der Fremde verschunden. Im Pakete befanden sich Uhr und Kette von anno 1862 und an Banknoten 150 Thaler; daneben ein Zettel:Ich bin, sobald Sie dies lesen, abgereist. Iitzt geht's mir gut. Das Mehr sind Zinsen der von Ihnen in Wiesbaden 1862 erzwungenen Anleihe.

Landwirthschaftliches.

Das Begießen der Odstbäume wäbrend der Blüthezeit ist nach den Erfahrungen eines tüchtigen Landmannes sehr zu empfehlen, namentlich wenn große Dürre während des Blühens eintritt. Das Begießen verhindert das Abfallen der Blüthen und befördert ben Obstansatz. Das Verfahren selbst ist folgendes: Bei lockener Witlerung werden zuerst einige Eimer schwache Mistjzuche 23 Fuß vom Stamme um denselben herum gegossen und gleich darauf 78 Eimer Wasser; das Gießen mit bloßem Wasser wird fortg⸗setzt, so lange die Blüthezeit währt, und vorzüglich am Stamme hinauf, so hoch man kommen kann. Bäume, vorzüglich Acpfelbäume, welche so begossen wurden, setzten nech Früchte an, während diejenigen, welche nicht begossen wurden, gar keine Früchte brachten.

Amerika. Washington. Betreffs der indirecten Schadenansprüche in der Alabamafrage wird officiell mitgetheilt, daß Amerika ditse An-

Falles Amerika gegenüber keine ähnlichen An-

auch dieselbe Auszeichnung dem Domcapitular Dr. Haffner,

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Holzart, Buchen

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