Großh. Ministeriums des Innern verwilligt die Kammer die Forderung der Regierung für die Landesuniversität mit 109,752 fl. nebst 4000 fl. für neue Berufungen, ersucht die Regierung, den Lehrstuhl für Ingenieurwissenschaften wieder zu besetzen und darauf hinzuwirken, daß in Gießen eine katholisch-theologische Facultät errichtet werde, verwilligt die Gehalte des Universitätsrichters, Actuars und ersten Universitätsdieners nur auf die Amtsdauer der gegenwärtigen Inhaber dieser Stellen.
Berlin. Die Zabl der Adressen, in welchen dem Fürsten Bidmarck für sein Auftreten in der Schulaufsichtsangelegenheit Dank ausgesprochen wird, nimmt von Tag zu Tag zu. Es sind neuerdings wieder derartige Kundgebungen aus Rotenburg an der Fulda, Schweidnitz, Striegau, dem Kreise Conitz, Langensalza, Hildesheim, Bingen u. s. w. zu verzeichnen.
— Wie die„D. R. C.“ hört, dürfte die Einverleibung des Herzogthums Lauenburg in die preußische Monarchie schon in kurzer Zeit erfolgen. Die erforderlichen Vorarbeiten in der Verwaltung sollen sich bereits im Gange befinden. Durch diese Einverleibung würde der deutsche Staat um eine Bevölkerung von 50,345 Seelen vermehrt werden, welche nach der Zählung vom 1. De- zember vorigen Jahres, als die Bevölkerungszahl des Herzogthums ermittelt worden ist.
Köln. Der hiesige Divisionspfarrer Herr Künemann hat am letzten Sonntag Vormittag in Gemäßbeit der ihm von Seiten des Herrn Gou⸗ verneurs, Generallieutenants v. Franckenberg, er- theilten Weisung in der Pantaleonskirche wieder den katholischen Garnisonsdienst abgehalten, den er auf Anordnung des Feldpropstes, Hrn. Nams⸗- zanowsky, mit dem Tage einstellte, an welchem die altkatholische Gemeinde ihren Gottesdienst in besagter Kirche abbielt. Es wird also, trotz des Extommunications-Decretes des Herrn Erzbischofs Paulus, in derselben Kirche außer dem evange— lischen alt- und neukatbolischer Gottesdienst ab- gehalten. Nach Beendigung des altkatholischen Gottesdienstes, der immer zahlreich besucht ist, fanden sehr viele Einzeichnungen in die Liste der altkatholischen Gemeinde statt.
— Der„Reichsanzeiger“ enthält eine Ver- orduung bezüglich der Einberufung des Bundes raths auf den 13. März. Derselbe bringt ferner eine Zuschrift des Fürsten Bismarck, worin dieser erklärt, er habe bisher alle Zustimmungsadressen zu der von der Regierung in Betreff des Schul- aufsichtsgesetzes befolgten Politik möglichst beant- wortet, könne jedoch bei der erfreulichen Zunahme dieser Kundgebungen wegen seines Gesundheitszu— standes und des Dranges der Dienstgeschäfte nicht jede besonders beantworten. Er dankt für das kundgegebene Vertrauen und versichert, er werde bemüht sein, sich das Vertrauen seiner Mitbürger zu erhalten.
— Durch k. Cabinetsordre ist, wie die„K. 3.“ hört, für die Jufanterieregimenter der Linie ein neuer Etat vom 1. Jan. 1873 ab bestimmt worden. Von diesem Tage ab soll jedes Bataillon um 4 Unteroffiziere 40 Mann stärker sein, jede Compagnie also um 1 Unteroffizier 10 Mann zu⸗ nehmen. Der bisherige Friedensetat eines Linien— Infanterie Bataillons war 52 Unteroffiziere, 17 Spielleute, 448 Mann und würde somit von dem genannten Tage ab 56 Unteroffiziere, 17 Spiel- leute, 488 Mann sein und sich so dem Etat der Garderegimenter nähern. Diese Etatserhöhung soll keine dauernde, vielmehr lediglich zu dem Zwecke angeordnet sein, um die für die bevorstehenden Neuformationen des 15. Armeecorps, welches zur Zeit immer noch aus bloß abcommandirten Truppen theilen besteht, nöthigen Mannschaften disponibel zu haben. Der erste Ersatz aus Elsaß-Lothringen werde dann im Oktober 1873 auf die alten Armtecorps zur Vertheilung gelangen.
Weimar. Der Landtag des Großherzog— thums hat vor erfolgtem Schlusse noch eine Summe von 100,000 Thalern behufs Errichtung eines Denkmals zur Erinnerung an die Thaken des 94. Infanterieregiments bewilligt.
München. Die nun erfolgte Einführung der preußischen Chargenbenennungen hat unter den
Offizieren der baperischen Truppen nicht unerheb⸗ liche Verstimmung hervorgerufen, namentlich pro⸗ testirt man gegen Benennungen wie„Premier-Lieute- nant“,„Seconde-Lieutenant“,„Capitaind'armes“ als„undeutsch“. Man ist hier der Meinung, es möchte wohl am Platze gewesen sein, für die ge⸗ meinsame Chargenbenennung des Reichsheeres die alten süddeutschen Bezeichnungen zu adoptiren, und versichert von gut unterrichteter Seite, daß eine solche preußischerseits gemachte Einräumung diesseits mit ernsthafteren militärischen Concessionen beantwortet worden wäre. Man soll sich hier, trotz aller gegentheiligen Einstüsterungen, der Ein- sicht in die Nothwendigkeit vollständiger Ueberein⸗ stimmung in der Organisation aller deutschen Truppentheile keineswegs verschließen, und nur an der Rolle beständiger einseitiger Nachgiebigkeit kein sonderliches Wohlgefallen haben.
Heidelberg. Man schreibt von hier vom 2. d. M.: Der heutige Tag, an welchem vor einem Jahre die Friedenspräliminarien zu Ver— sailles unterzeichnet wurden, hat wieder an die Einführung eines jährlich wiederkehrenden Friedens- festes in ganz Deutschland erinnert. Ein hier wohnhafter Reichstagsabgeordneter hat es über⸗ nommen im Reichtage sogleich bei dessen Wieder— zusammentritt nach Ostern den Antrag darauf zu stellen. Dann könnte das Fest noch am bevor— stehenden 10. Mai d. J., an welchem Tage der Friede im Jahre 1871 endgültig geschlossen wurde, zum ersten Mal gefeiert werden.
Ausland.
Oesterteich. Wien. Die„Montagsrevue“ meldet aus Konstantinopel: Auf die freundschaft- liche Anfrage der Pforte an das russische Cabinet betreffs der Armirung der Flotte im schwarzen Meere, antwortete Fürst Gortschakoff, daß diese Armirung von 25 Schiffen nur bezwecke, die Manövrirfähigkeit der Schiffe zu erproben und die Mannschast auszubilden. Die russische Regie- rung beabsichtige nicht, daselbst größere Schiffe zu bauen oder die gegenwärtige Schiffszahl zu vermehren.
Versailles. In parlamentarischen Kreisen gewinnt das Gerücht Glauben, daß Pouyer— Quertier seine Demisston geben werde und wird versichert, Casimir Perier werde ihm im Amte folgen.
— Ueber die im Gange befindlichen Unter— suchungen bezüglich der Capitulation von Metz erfährt ein Correspondent der„Indep. belge“, daß Mitglieder des Municipalrathes und sonstige Notabeln genannter Stadt auf ihr eigenes Ver— langen hin am 5. d. vor der betreffenden Com- mission erscheinen werden. Sie sollen im Stande sein zu beweisen, daß Bazaine am Tage der Uebergabe noch für seche Tage Lebensmittel vor— räthig gehabt habe.
Großbritannien. London. Der„Ob- server“ meldet über den Inhalt der Antwort der Unionsregierung, dieselbe äußere keine positive Meinung über die Zulässigkeit oder Unzulässigkeit der indirecten Entschädigungs-Ansprüche und be⸗ tone namentlich die Rathsamkeit, diese Frage dem Schiedsgericht zu unterbreiten. Amerika müsse England die Verantwortlichkeit überlassen, zuerst von dem Vertrage zurückzutreten. In diesem Falle, meldet das genannte Blatt weiter, sei nicht zu erwarten, daß die Unionsregierung sofort ent schledene Schritte thun werde; dieselbe werde zu— nächst nur die Rechte der amerikanischen Fischer in den canadischen Gewässern aufrechterhalten.
— Die„Times“ melden aus Philadelphia vom 2. März: Die Antwort der amerikanischen Regierung lehnt die Zurücknahme der indirecten Forderungen ab; sonst ist sie äußerst freundlich gehalten.
Amerika. Newyork. Die Antwort der Unionsregierung auf die englische Note ist am 2. März abgegangen. Die Washingtoner Corre- spondenten der hiesigen Blätter äußern sich in Betreff der Alabama Differenz in versöhnlichem und friedlichem Tone.
T Friedberg. Es geht uns der achtzehnte Jahres⸗ bericht des germanischen Narionalmuseums in
Nürnberg für das Jahr 1871 zu. Aus demselden er⸗
sehen wir, daß auch dieses Jahr wieder eine Reihe neuer, theils einmaliger, theils fortzusetzender Geldgaben einge⸗ gangen ist. Das deuische Reich hat an Stelle ber früher von den Einzelregierungen Süddeutschlands und dem nord⸗ deutschen Bunde geleisteten Beiträge einen gemeinsamen Beitrag von jährlich 8000 Thalern in den Etat für 1872 gestellt, wodurch also künftighin eine Erhöhung gegen die seitherigen Beiträge eintritt. Von den übrigen Jahresbei⸗ trägen ist der zunächst auf 5 Jahre verwilligte der Stadt Berlin zu erwähnen mit je 200 Tylrn., dann derjenige der palriotischen Gesellschaft zu Hamburg mit je 12 Thlrn. Noch in den letzten Tagen des Jahres wurde dem Museum die Mittheilung, daß der preußische Finanzminister gestattet habe, daß aus dem sequestrirten Vermögen des vormaligen Königs Georg von Hannover der früher der Anstalt ge⸗ leistete Jahresbeitrag von 200 Thlr. vom 1. Januar 1872 an wieder gezahlt werde. Die Gesammteinnahmen de⸗ ziffern sich 1870 auf 52,080 fl. 53 Kr.; die Gesammi⸗ ausgaben auf 55,868 fl. 27½ Kr., die Mehraus gabe wurde durch die Einnahme des Jahres 1871 gedeckt. Für 1871 liegt eine Veröffentlichung über Ausgaben und Ein⸗ nahmen noch nicht vor. Zu erwähnen bleibt noch, daß verschiedene bauliche Umgestaltungen im Museum statt⸗ fanden, und daß sich ein Comite angesehener nürnberger Bürger bildete, um durch Sammlungen die Kosten der Uebertragung des Augustinerklosters zu bestreiten. Die Sammlungen des Museums haben reichen Zuwachs er⸗ halten, und zwar ist kaum irgend eine Abtheilung der⸗ selben ohne sehr erhebliche und nennenswerthe Zugänge durch Geschenk und Ankauf geblieben. Der 400jährige Geburteiag A. Dürer's hatte eine Ausstellung veranlaßt, welche, vielseitig unterstützt, eine glänzende zu nennen war und bedeutenden Besuch fand, gleichwie auch die Samm⸗ lungen selbst in diesem zahlreicher besucht waren, als je in einem der vorhergehenden Jahre. An Publikationen sind im Jahre 1871 außer dem 18. Jahrgange des An⸗ zeigers für Kunde d. d. V. der Katalog kirchlicher Ge⸗ räthe, sowie die erste Keferung der„Quellen zur Geschichte der Feuerwaffen,“ letztere als selbstständiges Unternehmen im Verlage von F. A. Brockhaus in Leipzig, erschienen.
Gießen. Montag den 8. April l. J., Vormittags 9 Uhr, werden die Sitzungen des Schwurgerichts unter dem Vorsitze des zum Präsidenten des Schwurgerichtshofs bestimmten Großh. Hofgerichtsraths Herrn Dr. Zimmer⸗ mann, beziehungsweise des zu dessen Stellvertreter er⸗ nannten Großherzoglichen Hofgerichtsraths Herrn Kempff ihren Anfang nehmen und es sind demzufolge bei der in öffentlicher Sitzung Großherzoglichen Hofgerichts der Provinz Oberhessen staltgehabten Ausloosung der Haupk⸗ Geschworenen folgende Namen aus der Urne gezogen worden: 1) Ernst Heinemann, Buchhändler in Gießen. 2) Wilhelm Faber, Oeconom daselbst. 3) Dr. Adolph Mettenheimer, Apotheker daselbst. 4) Christoph Jacob Melchior, Bierbrauer in Butzbach. 5) Anton Franz Ricker, Buchhändler in Gießen. 6) Seligmann Hirsch⸗ horn, Ellenwaarenhändler in Friedberg. 7) Johannes Huber, Specereihändler daselbst. 8) Fr. Chr. Pietsch, Buchdruckereibesitzer in Gießen. 9) Gg. Hein. Friedrich Leib, Gastwirth daselbst. 10) Conrad Zimmer III., Bürgermeister in Villingen. 11) Johannes Jochem J., Landwirth in Laubach. 12) Georg Wortmann, Kauf⸗ mann in Gießen. 13) August Ludwig Müller, Materialist daselbst. 14) Löb Kaufmann, Tuchhändler in Butzbach. 15) Hermann Steinberger, Hofgerichts-Advokat in Gießen. 16) Heinrich Jacob Brückmaun, Branntweinhändler in Bermuthshain. 17) Dr. Wilhelm Schüler, Hofgerichts⸗ Advocat in Gießen. 18) Seligmann Kaufmann, Tuch⸗ händler in Schotten. 19) Abraham Heß, Kaufmann in Hungen. 20) Peier Kratz, Kammerrath in Lich. 21) Jost Bräuning, Müller in Harbach. 22) Werner Diehm III., Fabrikant in Lauterbach. 23) Philipp Best, Bürgermeister in Bruchenbrücken. 24) Jean Becker, Eisenhändler in Lauterbach. 25) Georg Philippi, Bierbrauer in Friedberg. 26) Jost Wolf III., Landwirih in Berstadt. 27) Friedrich Roth, Rothgerber in Nidda. 28) Eduard Groß, Kauf⸗ mann in Grünberg. 29) Heinrich Spamer I., Gerber in Schotten. 30) Conrad Heun, Landwirth in Melbach.
I Oeffentliche Vorträge.
Herr Reallehrer Dr. Weierhäuser behandelte letzt⸗ verflossenen Dienstag ein interessantes Thema:„Die socialen Kämpfe im alten Rom.“
Eingangs des Vortrags wurde auf die sociale Be— wegung unserer Zeit hingewiesen, die in der im vorigen Jahr in Paris in Scene gesetzten Commune-Wirthschaft eine grauenvolle Beleuchtung gefunden hatte. Unter diesen Umständen erscheine es angezeigt, durch Vorführung eines konkreten Beispiels ähnlicher Tämpfe aus der Geschichte die Bedeutung der socialen Bestrebungen der Gegenwart in's Licht zu stellen, die Gewinnung richliger Gesichis— punkte zu ihrer Beurtheilung zu fördern und eine vor— urtheilsfreie Theilnahme an den sich hier entgegenstehenden Juteressen zu erwecken. Es würde zu weit führen, den Ausführungen des Vortrags über die über eine Reihe von Jahrhunderten sich erstreckenden socialen Kämpfe im alten Rom in's Einzelne zu folgen, wie schon am An⸗— sang der römischen Geschichte das Volk sich unterschied. in Patricter, die Nachkommen siegreicher Einwanderer, die den größten Theil der Ländereien für sich in Anspruch nahmen,— in Clienten oder Lehnleute der Patricler, Nachkommen der Ureinwohner des Landes, denen von den Eroberern ein kleiner Theil ihres ehemaligen Be⸗ sitzes belassen wurde und die nun in einer Art von Hörigkeit zu denselben standen, und— die Plebejer, in Rom aufgenommene Einwohner eroberter Städte, die
von der Theilnahme an der Regierung und der Nutz
*
*
f
eine würse tüm siunlit
Aber. in Br ihren gebet. Spit
Dit


