nießung der Staatsländereien ausgeschlossen waren; wie die Arioten später in dem dritten Stand aufgingen; wie der zweitletzte von den sieben Köyigen Noms in richtiger Würdigung der Verhältnisse die allmählich durch Zahl und Tüchtigkeit wichtig gewordenen Plebejer gegen die Bedrückungen der Patricier durch weise Gesetze zu schützen suchte; wie dagegen mit dem Beginn der republikanischen Zeit diese Bedrückungen immer unerträglicher wurden und die Plebejer, welche durch schweren Grundzins, die Lasten des Kriegsdienstes und durch übermäßige Schuld— zinsen— mindestens 12%— und barte Schulbgesetze mehr und mehr verarmten, zur Verweigerung des Kriegs dienstes und offener Auflehnung drängten; wie sie in Folge derartiger Vorgänge das Recht der Vertretung ihrer Interessen durch Tribunen, die Niederschrift der Ge— setze auf eherne Tafeln, die Aufhebung des Verbots der Wechselbeirath zwischen Patricier und Plebejer und all— mähliche Gleichstellung mit den Patriciern errangen, wie später aus den Familien der Helden und Staatsmänner ein neuer Adel sich bildete, der in den eroberten Provin⸗ zen sich bereicherte und durch Bestechung des in Rom erwachsenen zahlreichen Proletariats sich die einflußteichsten Stellungen sicherte; wie die edlen Bestrebungen der Gracchen, dem einreißenden Verderben Einhalt zu thun, an dem stolzen Egoismus der Vornehmen scheiterten und endlich der innerlich verderbte Staat eine Beute seiner Generale wurde, indem das in Laster versunkene feile Volk sich selbst als Mittel dazu bergab.
Eins aber soll nicht unerwähnt bleiben, was wie ein rother Faden durch den ganzen Vortrag hindurch durch— leuchtete und allseitige Beherzigung verdient: Rom ist durch rücksichtslose Selbstsucht auf der einen und maßlose Genußsucht und Sittenverderbniß auf beiden Seiten zu Grunde gegangen. In dieser Thatsache, durch deren Nahelegung der Vortrag allein schon sich ein Verdienst erworben, liegt eine ernste Mahnung an unsere Zeit.
Wir saben an der Spitze der Commune in Paris eine aus dem Abschaum der SGesellschaft zusammenge— würfelte Bande, bereit die Welt in Splitter zu zer— trümmern, wenn dies sich ihren Zwecken, die in grob— sinnlichem Genuß gipfelten, förderlich geschienen hätte.
Stellen wit diesem traurigen Bild ein anderes gegen über. Oeffentliche Blätter berichten von einer Kindersoiree in Brecklyn bei Newyork. Eine zehnjährige Dame gab ihren Freundinnen und Freunden ein Fest. Die Fest⸗ geberin erschien dabei in kostbarstem, mit den reichsten Spitzen bedeckten Seidengewand, mit einem goldenen
Gürtel um die zarten Lendchen und einem Diadem auf den kindlichen Locken, das von kostbaren Steinen funkelte und von der hoffnungsvollen jungen Dame mit den Worten hin- und hergewiegt wurde: Nur ächte Steine, keine Imitation! Die Geladenen gaben ihr an Pracht der Toiletten kaum was nach, und die Mütter brüsteten sich gegenseitig, daß der Auswand dafür für diesen Abend auf vier bis sechs tausend Dollars sich belaufe.
Daß die ausgesuchtesten Leckereien und die feinsten Weine herumgereicht wurden, die Festlichkeit bis zum frühen Morgen sich ausdehnte und dabei von den jungen Damen und Herren die feinste Tournüre entwickelt wurde, versteht sich von selbst.
Wahrlich, wo solche Erscheinungen möglich sind, da ind ähnliche Gefahren für die Zukunft der Gesellschaft vorhanden, wie bei den genußsüchtigen Römern, wo ein Gastmahl oft Milliogen verschlang und das Volk grund— satzlos seine Freiheit dem verkaufte, der es am kostbarsten speiste und ihm die brillantesten Schauspiele bot. Unser deutscher Mittelstand zumal, sagt man, hat nichts gemein, weder mit der cynischen Lebensanschauung der Commune, noch mit der unnatürlichen Ueppigkeit der über Nacht reich gewordenen Geldaristokratie. Wohl! Aber zum Nach⸗ denken fordert die Sache doch auf.
Frankfurt a. M., 4. März. Die Böese verkehrte heute in ausgezeichnet günstiger Stimmung. Auf dem ganzen Verkehrsgebiet berrschte außerordentliches reges Leben. Das Haupt⸗Geschäft fand in jungen Bankactien statt, die Umsätze hierin waren sehr bedeutend. Dieser Umstand kam den neu eingeführten französisch-italienischen Bankactien sehr zu statten. Die Zeichnungen bierauf sollen massenhaft eingelaufen sein und wurde beute 2% Agio gegen den Emmissionscours bewilligt. Für junge österr. Eifenbahnen lagen viele Kaufordres vor und erhöhten einige wesentlich ihren Cours. Für Raab-Grazer Eisen⸗ bahn⸗Actien herrscht eine sehr günstige Meinung, da es dieser Bahn gelungen sein soll, eine directe Verbindung mit der Elisabethbahn herzustellen mit Umgehung der Linie Wien. Hiedurch tritt die Grazer Eisenbahn in den directen Verkehr der deutsch⸗österreichischen Provinzen, welches voraussichilich für die weitere Entwickelung dieser Bahn von nicht zu unterschätzendem Vortbeil ist. Be⸗ sonders hervorzuheben ist beute noch die außerordentliche Kauflust, die für die beiden zösterreichischen Rentengat— tungen herrscht. Silberrente gewann gegen die Samstags— börse 1½%. Papierrente 10%.
Zur Linderung der ungersnoth der Ssraeliten in Persien
ist bei dem Unterzeichneten wetter eingegangen: Von Dr. Schott 1 fl., aus der Gemeinde Nieder-Weisel von Lehmann Heinemann 1 fl. 45 kr., Samuel Krämer II. 45 kr., Jonas Schwarz 1 fl., Simon Schwarz 30 kr., Liebmann Krämer 1 fl., Abrah. Kaufmann 1 fl., J. L. Oppenheimer 30 kr., Samuel Krämer I. 18 kr., Süßel Strauß 18 kr. M. Wetterhahn 18 kr., H. Wetterhahn 18 kr., M. Strauß 18 ke., J. Isaat 12 kr., Jonas Schloß Wittwe 15 kr., Abrah. Krämer 30 kr., im Gan⸗ zen 9 fl. 57 kr., hierzu die früher verzeichneten Gaben mit 152 fl. 25 kr., sonach zusammen: 162 fl. 22 kr. Herzlichen Dank den edlen Gebern. Mayer Hirsch.
Frankfurt a. M.— Neben einer großen Anzahl der renommirtesten in- und ausländischen Zeitungen, als deren bedeute ndste, hinsichtlich der Verbreitung, wohl der Kladderadatsch genannt werden darf, ist neuerdings der seit langen Jahren in Frankfurt a. M. erscheinende „Frankfurter Beobachter“ in den Annoncen⸗Pacht der in Frankfurt a. M. domicilirten, allgemein bekannten Firma Rudolf Mosse übergegangen. Es darf dieses als neues Aequivalent für das der genannten Firma allge⸗ mein entgegengetragene Vertrauen bezeichnet werden.
Verloosung.
Gotha, 1. März. In der heutigen Ziebung der Bukarester Prämien⸗ Anleihe fiel der Haupigewinn von 50.000 Fre. auf Serie 30 Nr. 93, 10,000 Frs. auf Serie 3255 Nr 55, 5000 Fre. auf Serie 7336 Nr. 58. Ferner gezogene Serien: 30 281 351 436 471 722 935 1190 1705 1806 1840 1907 2438 3191 3204 3255 3284 3304 3548 3810 3982 3990 4018 4078 4136 4276 4290 4310 4472 4537 4696 4792 5129 5167 5523 5676 5771 5916 6070 6285 6589 6863 7138 7233 7336 7341 7362 7395 und 7420.
Samstag den 9. März, Abends 8 Uhr,
Sitzung des Lokal-Gewerb-Vereins.
Tagesordnung: Vortrag über das Gewerbesteuergesetz. Der Vorstand.
Versteigerung von Eichen- und Kiefern⸗Stammholz, in der Oberförsterei Nidda.
584 Montag den 11., Dienstag den 12., Frei⸗ tag den 13. und Montag den 18. März sollen im Harbwalde in den Diftrikten Dorn und Elchel⸗ acker versteigert werden:
932 Elchen⸗Stämme von 17—47 Centimeter Durch— messer und bis zu 16 Meter Länge, zu Bauholz und vorzugsweise zu Wagnerholz geeignet,
203 Kiefern⸗Stämme von 18—68 Centimeter Durch messer und bis zu 19 Meter Länge, zu Bau⸗ und Schnittbolz geeignet,
4 Buchen⸗Stamm-Abschnitte zu Hackklötzern brauch bar von 82— 98 Centimeter Durchmesser und 1—3 Meter Länge, sowie
Dienstag 19. März in den genannten Distrikten: 92 Raummeter Buchen⸗Scheitholz,
168„ Eichen⸗„
38 5 Kiefern⸗ 5
6* Aspen⸗ 5
20* Buchen⸗Prügelholz, 225„ Eichen · 4
32* Kiefern⸗„
22* Buchen ⸗Stockholz, 155 Eichen⸗ 5
58* Klefen⸗ 5
82 1 Buchen⸗Reiobolz, 506* Eichen; 2 234 5 Kiefern⸗„
Die Zusammenkunft it am 11. und 19. März im Distrikt Dorn an dem Nidda⸗ Rodheimer Vicinalweg und an den übrigen Tagen im Distrikt Eichelacker am Nidda-Ulfarr Vielnalweg, jedesmal Morgens präels 9 Uhr.
Nidda am 25. Februar 1872.
Großherzogliche n Nidda.
Rohr.
* Holz-Versteigerung. 623 Montag den 11. März, Vormittags 10 Uhr an- fangend, werden in dem Michelbacher Gemeindewald folgende Holzsortimente öffentlich verfteigert, als:
Olstrikt Leimenkaut. 5 Fichten⸗Stämme von 0,65 Festmeter, 1 desgleichen Stangen I. Klasse,
7. 4 Olftritt Eichen- und Buchenbardt. 64 Eschen⸗Stämme von 87 Feftmeter, 127 Raummeter Eichen⸗Klafterholz, 94 5 Erdflöcke, 1950 Eschen⸗Wellen. Anfang Disirskt Leimenkaut. Michelbach(Amt Usingen) den 29. Februar 1872. Der Bürgermeister Maurer.
Versteigerung von Dreschmaschinen— Theilen. 639 Dienstag den 19. März J. J., des Morgens 9 Ubr anfangend, sollen die Theile von det der biesigen Dampf⸗Dreschmaschine-Gesellschaft verbrannten Dresch— maschine als: 1450 Pfund Schmiedeisen, 267 Pfund Schrauben, 52 Pfund Mesfing, mehrere Centner Gußeisen, 12 Stück große und kleine Riemenscheiben, 9 Stück kleine und 2 Stück große Riemen, 1 Winde, 1 Schraubstock und verschiedenes Werkzeug öffentlich meistbletend versteigert werden. Auch fteht die 8 bis 10pferdekräftige fahrbare Loco— mobile zum Verkaufe bereit. Laubach am 29. Februar 1872. Groß herzogliches Ortsgericht Laubach. 1.. Auf forderung. 649 Die zum Nachlaß des Konrad Röhrig von Kirch⸗Göns gehörige, ihm im dasigen Flurbuch zuge— schrlebene Parzelle II. 40. 36[◻HJKlftr. Wiese im Schmoll⸗ bach ist erweislich durch Kauf von der Curatel über Joh. Jung II. erworben worden, es kann aber die Zablung des Kaufschlllings nicht nachgewiesen werden, weßhald alle Diejenigen, welche noch deßfallfige Ansprüche glauben machen zu können, zu deren Geltendmachung binnen 6 Wochen bei Strafe stillschweigenden Aufschlusses und Löschung der Beschränkung beim Eintrag im Mutations⸗ verzetchniß hiermit aufgefordert werden. Butzbach den 24 Februar 1872. Großherzogliches Landgericht Butzbach Re Holz- Versteigerung. 653 Montag den 11. d. M., Vormittags 9 Uhr, werden im Nieder⸗Rosbacher Gemeindewald, in den Distrikten Bauwald und Sang, nachstehende Holzsortimente öffent⸗ lich meistbtetend verflelgert: 4 Raummeter Aspen⸗Scheitholz,
71.5 15 Eichen⸗Prügelholz, 2,5 10 Nadel⸗ 1 24 15 Aspen⸗ 1
28,5 95 Eichen⸗Stockholz,
2 5 Nadel- 5
11 6 Aspen⸗*
200 Stück Buchen⸗Wellen,
2370„ Elchen⸗„
1160„ Nadel⸗„
220 Aspen⸗
5 Eschen⸗ Stämme, 0,48 Cubikmeter enthaltend,
10 Nadel-- 1,30 5 5 Eichen⸗Stangen, 0,28 1 70
79 Nadel-* 4.33 1 9
Anfang und Zusammenkunft der Verstetgerung
Morgens 9 Ubr an der Sang vor dem Wald. Nieder-⸗Rosbach den b. März 1672. Groß berzogliche 1 u Nieder-Roobach, 1 00%.
Bekanntmachung.
657 Zum Zwecke der Beschaffung landwirtbschaftlichen Betriebsmaterials, namentlich Saatgut, Hülfsdünger, Brennmaterial u. s. w. bat sich dabiet zu Friedberg ein genossenschaftlicher Verein unter der Firma „Landwirthschaftlicher Consum-Verein“ (eingetragene Genossenschaft)
laut Gesellschafts⸗ Vertrag vom 17. Februar 1872 ge⸗ dildet, dessen Eintrag in das Gesellschafts⸗Register heute vollzogen worden ist.
Der Vorstand der Genossenschaft besteht aus folgen⸗ den zu Friedberg wohnenden Bereinsmitgliedern:
1) Großb. Kreis-Assessor Haas, Direktor, 2) Lehrer Lang, Secretät,
von welchen alle unter der Firma des Vereins ergebenden Erlasse und Bekanntmachungen unterzeichnet werden.
In Verhinderung des Direktors wird derselbe durch Georg Philippt von hier vertreten.
Das Verzeschaiß der Genossenschafter liegt bei dem unterzeichneten Gericht zur Einsicht offen.
Friedberg am 1. März 1862.
Großberzogliches Landgericht Friedberg. Rei.
2 8 29 95 83 0 0 2 ——— 2 aheim. 8 1 2 2 85 85 8 81 8 Die soeben erschienene Nr. 23 enthält? 33
Die zweite Bitte. Novelle von W. H. Riehl. (Schluß.)— Die Holzschlütter in den Vogesen. Mit Originalzeichnung von R. Aßmus.— Die dedrobte östliche Reichsmark. Polnische Gänge von R. Andree. — Der Sturz des Melflers. Vaterländischer Roman von Georg Hiltl.(Fortsetzung.)— Jean Dalichau, der Menagertewaͤrter. Wit Originalzeichnung von H. Schaumann.— Am Familientische: Der Gotbaische Hofkalender.— Die Fächer der Katserin Eugenie.
Zu Bestellungen empfeblen sich Bindernagel& Schimpff in Friedberg.
Russensteine. 634 Zur Anfertigung von 600,000 Russensteinen wird ein zuverläffiger Brenner gesucht. Frtedberg. Chr. Bender. 652 Ein einfaches, solides Mädchen, das gut rechnen und schreiden kann und womoͤglich schon in einem
Meßzgergeschäft u thätig war, wird gegen doden Loden sofortgesucht. Adresse C. G. Hartmann, Schweine⸗
meßtzger, Schmidistube 1 in Frankfurt a. M.


