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Gladstone mit, daß die amerikanische Fassung des Zusatzartikels bezüglich der Zurücknahme der indi⸗ recten Alabama ⸗Ansprüche von den Kronjuristen für genügend erachtet sei, auch wünsche Amerika keinerlei Modification dieses Theils des Zusatz artikels.
Italien. Rom. Der Vorfall, der bei der Abreise des Kronprinzen Humbert nach Berlin am Bahnhof passirte und dessen auch in diesem Blatte Erwähnung geschah, ist nicht durch den franzö⸗ sischen Gesandten seldst veranlaßt worden, sondern durch einen seiner Attachés, einen Hrn. d' Annessy. Major Giannotti sagte zu ihm:„Ich habe immer gewußt, daß Sie ein ungezogener Mensch sind, aber daß Sie es so weit bringen konnten, wußte ich nicht.“„Wie, was? darüber müssen Sie sich erklären!“ lautete die Antwort des Hrn. d'Annessy. Auf die Worte:„Sie kennen mich und meine Wohnung“, stürzte er sich in einen Wagen binein. Es schien, als ob er bereit sei, sich zu schlagen. Statt dessen hat er nun erklärt, daß seine katho' lischen Gesinnungen ibm ein Duell nicht gestatteten, und er bat eine geschriebene Erklärung abgelegt, worin gesagt ist, er habe nicht im Traume den Kronprinzen beleidigen wollen und habe die vom Major Giannotti ausgesprochenen Worte nicht gehört.
— Im Vatican zeigten sich schon seit einigen Tagen Befürchtungen über den Gesundheitszustand Pius“ IX. Man schreibt von dort, daß derselbe auch von sehr heftigen Schmerzen an den unteren Gelenken, vecbunden mit einer Verstärkung der Geschwulst, heimgesucht wurde. Diese Symptom erregen bei den Aerzten Besorgniß, besonders rück. sichtlich des hohen Alters des Kranken.
Spanien. Madrid. Nachdem der Congreß die Erklärungen Serrano's entgegengenommen, sprach er mit 140 gegen 22 Stimmen seine Bil- ligung bezüglich des„Indulto“ von Amorovieta sowie des Verhaltens Serrano's aus. Letzterer wird den Eid als Präsident des Ministerrathes und Kriegs minister leisten.
Amerika. Newyork. Die Staatsschuld hat sich im Monat Mai um ca. 7 Millionen ver- mindert.— Die Rede des Senators Sumner im Senat, welche die Politik des Präsidenten Grant bezüglich der Waffenverkäufe beftig angriff, erregte großts Aufsehen in den politischen Kreisen. Nach Sumner sprach sich noch Kail Schurz in zweistündiger Rede über den Gegenstand in dem- selben Sinne aus.
Washington. Beide Häuser des Congresses beschlossen die Verlängerung der Session bis zum 10. Juni.
Gießen. Die vereinigten evangelisch⸗kirchlichen Con⸗ ferenzen aus dem Großherzogthum Hessen finden Mittwoch den 12. Juni hier im Saale des Wenzel'schen(vormals Busch'schen) Gartens stait. Pfatrer Schaub von Ulrich⸗ stein wird über die Stellung und die nächsten Aufgaben der evangelischen Kirche im deutschen Reiche referiren.
Darmstadt. In den letzten Tagen des Juli und am 1. August findet nach nunmehr gefaßten Beschluß des Ausschusses die sechste deuische Turnlehrer⸗Versamm⸗ lung dabier stalt, bei welcher Gelegenheit auch das auf dem hiesigen Friedhof errichtete Denkmal des um das deutsche Turnwesen hochverdienten, leider zu frühe ver⸗ storbenen Adolph Spies enthüllt wird. Man erwartet eine zahlreiche Betheiligung, sogar vom fernen Auslande. — Die hessischen 20⸗Markstücke sind in Umlauf gesetzt und unterscheiden sich von anderen Prägungen sehr vor⸗ theilhaft.— Für das National⸗Denkmal auf dem Niederwald wurden hier bis jetzt etwa 5700 fl. aufgebracht. — Die Nachrichien aus dem Ried constatiren eine an haltend rückgängige Bewegung des Rbeines. Die vorge⸗ kommenen Dammbrüche sind an Sommerdämmen ge— schehen.— Der„Hunde⸗Proceß“ gelangte nicht zur Verhandlung, da der Angeklagte ein Niederschlagunge⸗Gesuch eingereicht hal, welches Aussicht auf Erfolg haben dürfte.
Mainz. Herr Abdvokat⸗ Anwalt Dr. Jung wurde zum Ergänzungsrichter am Großh. Bezierksgerichte dahier ernannt.— Der junge Mann, welcher seiner Zeit seinen Schwager, den Dr. Reusch in Hochheim, so schwer verletzte, daß dieser wentge Minuten später vetstarb, ist von den Assisen in Wiesbaden freigesprochen worden.— Den Tod durch Ersticken fanden gestern in Finthen zwei im zartesten Alter luehende Kinder, welche von ihrer Mutter allein bei einem angezündeten Kochfeuer im Zimmer gelassen waren, während sie selbst in den Wald gegangen war..
Worms. Der Rhein ist hier bestäudig im Fallen und hat selt letzten Samstag um 2 Fuß abgenommen. Die Eisenbahnzüge auf der Hafen⸗ und Riedbahn verkehren wieder regelmäßig und auch die Dampfboote haben ihre Fahrten wieder aufgenommen.
Geisenheim. Im Rheingau ist der Rhein aus seinen Ufern getreten und hat die Felder überschwemmt. Die meist armen Eigenthümer derselben erleiden durch dieses Unglück große und schwere Verluste. 5
Karlsruhe. Hier wurde ein junger Mann durch
Nachlässigkeit eines Apothekers vergiftet, indem der
Apotheker die vom Arzte verordneten Pulver falsch zube⸗ reitete. Der Tod des jungen Mannes ist bereits erfolgt. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Karlsruhe. Das Hochwasser des Rheins ist in stetigem Fall begriffen. Den größten Schaden in unserer Gegend dürfte es vielleicht bei Leopoldshafen angerichtet haben, wo in Folge eines Dammbruchs eine große Strecke woblangebautes Land überfluthet wurde.
Tübingen. An der biesigen Universität befinden sich im laufenden Sommerhalbjahr im Ganzen 872 Studirende, worunter 793 ordentliche Studirende und 79 Hospitanten, 592 Württemberger und 280 Nichtwürttemberger.
Insterburg. Ein unerhöcter Fall dildet hier das Tagesgespräch. Am Sonntag vor Pfingsten fand in der evangelischen Kirche Insterburgs Confirmation flatt. Die Mutter einer Confirmantin war nicht in der Lage, das Einsegnungsgeld zu bezahlen und als trotzdem das Mädchen vor dem Altar unter den andern Kindern zur Einsegnung erschien, wurde es von dem Superintendenten bei der Einsegnung übergangen. Die Kleine mischle sich dennoch wieder unter die nachfolgenden Kinder, um den kirchlichen Segen zu empfangen. Dies wurde jedoch be⸗ merkt und das Mädchen vom Kirchendiener sorigewiesen! Wie weiier erzählt wird, dat ein Kanzleiratb der Kleinen am Tage darauf das Einsegnungsgeld geichenkt, damit dieselde wenigstens nachträglich am Pfingstsonntag con- firmirt werden könne.
Berlin. Sämmtliche hiesige Kellner, 30,000 au der Zahl, sollen beschlossen daben, demnächst zu striken. So meldet wenigstens die„Volkszeitung.“
Paris. Die Ueberschwemmungen in Frank⸗ reich dauern noch fort. Besonders gelitten hat das Sao ne⸗ Thal, welches nut noch einen großen, 4— 5 Kilemeter vreiten See bildet. Die Toäler der Mosel, der Meuribe, des Doubs und der übrigen kleinen Gewässer sind alle aus⸗ geireten und baben das Land Stunden weit unter Wasser gesetzt. Die Rhone hat auch ziemlich große Verheerungen angerichtet. Der Loir ist ebensalls aus seinen Ufern ge⸗ treten. Der Schaden ist enorm Menschenleben sind jedoch glücklicher Weise nicht zu beklagen. Die Seine sieht nich! sehr hoch.
Ztichntucursus für Lehrer zu Darmstadt. (Nach der Zi uschrist für die lanswirihschastlichen Vereine.)
Die mehr und mehr allgemein zum Durchbruch kommende Erkenntniß der großen Wichtigkeit, welche einer möglichst allgemeinen und möglichst gründ- lichen Durchbildung des Volkes beizulegen ist, bat Veranlassung zur Gründung zahlreicher Volts- bildungesvereine gegeben, deren einer seinen Sitz in Darmstadt hat. Nach F. 1 der Statuten hat sich der Zweigverein zu Darmstadt noch die ganz besondere Aufgabe gesteilt, den Fortbildangsunter- richt zu pflegen. Fur jetzt beschränken wir uns darauf, hervorzuheben, daß man sich zunächst dafür r. hat, es möge in den Unterrichts- plan nicht nur der städlischen(mehr gewerblichen) sondern auch der ländlichen(mehr landwirthschaft lichen Character habenden) Fortbildungsschulen auch der Zeichnen⸗ Unterricht aufgenommen werden. Dem Zeichnen ist, sobald es in richtiger Weise metbodisch gelehrt wird, ein hoher Werth als formales Bildungsmittel beizulegen, indem dadurch der noch so allgemein mangelnde Sinn für Eben⸗ maß und Schönheit der Formen geweckt, Auge und Hand geübt wird. Es hat aber zugleich hohen Werth für das practische Leben, indem es die nothwendigste Grundlage für eine Reihe der hauptsächlichsten Gewerbe bildet, und Verständniß für Größenverhältnisse bei Bauten, für Parzellen⸗ karten, Geräthezeichnungen u. s. w. auch vom Landwirth nicht entbehrt werden kann. Wird das Zeichnen in einer solchen Weise gelehrt, daß der Schüler in der ihm gegebenen kurzen Frist auch einen äußern Erfolg erringen und sich an den Früchten seiner Arbeit erfreuen kann, so hat es gleichzeitig dadurch eine wichtige Bedeutung, daß es dem Schüler Freude am Lernen und den Eltern derselben Freude an dem macht, was ihre Kinder gelernt haben und ihnen vorzeigen können. Diese Freude wird sich zum Theil auch auf den übrigen Unterricht übertragen, soweit er seiner Natur nach äußerlich weniger leicht wahrnehmbare Resultate liefern kann; Kinder und Eltern werden auf regelmäßigen Besuch der Fortbildungsschule höheren Werth legen. Die Fortbildungsschule in
Langen hat Zeichnenunterricht schon seit längerer Zeit eingeführt; als sich zeigte, wie die Meister der Bauhandwerke in Frankfurt die aus dieser
Schule hervorgegangenen Arbeiter wegen ihrrr größern Brauchbarkeit lieber annahmen und auch im Winter bei hohem Lohn beschäftigen, während Andere feiern müssen, stieg der Zudrang zu der
Schule fortwährend und es hatte sich dieselbe un⸗
fessor Kumpa, der Lehrer des Zeichnens an der Polptechnischen Schule in Darmstadt, hat eine be⸗ sondere Methode des Zeichnens ausgebildet, welche sich ebendadurch, daß sie es ermöglicht, diesen Unterricht methodisch zu ertheilen, und zu⸗ gleich durch ihre außerordentliche Einfachheit empfiehlt. Bei Anwendung derselben ist mit den
hältnißmäßig kurzer Zeit zu erzielen, wie Lehrer Glock an der Fortbildungsschule in Messel, Pro⸗ fessor Kumpa selbst an der Ackerbauschule in Darmstadt durch Staunen erregende Resultate be⸗ wiesen haben. Da hierdurch der Beweis geliefert ist, daß der Ztichnenunterricht an Fortbildungs⸗ schulen in Stadt und Land mit entschiedenem Er⸗ folg gegeben werden kann, auch wenn, wie in den vorliegenden Fällen, für denselben nur wenige Stunden in der Woche(meist nur an Sonn- und Feiertagen) zur Verfügung stehen, so bat der Vorstand des Volks bildungsvereins zu Darmstart beschlossen, dahin zu streben, daß derselbe möglichst verallgemeinert werde. Zu diesem Zweck ist durch den Verein ein Zeichnen⸗Cursus für Lehrer in Darmstadt eingerichtet worden, in welchem die⸗ jenigen Lebrer, welche gesonnen sind, in ihren Fortbildungsschulen Zeichnen-Unterricht einzuführen, durch Herrn Professor Kum pa die dazu erforder- liche Anleitung erhalten sollen. Da auch der ungeübteste Lehrer bei nur einiger Ausdauer in kurzer Zeit die Grundzüge der Kumpa'schen Zeich nen⸗ Methode soweit erlernen kann, daß er den Unter richt nach derselben in der Foribildungsschule mit Erfolg zu ertheilen befähigt wird, ist es thunlich, die in der Folge sich periodisch wide; holenden Curse auf kurze Dauer zu beschränken, so daß der erste Cursus 9 Tage, vom 21. bis 29. Mai, in An⸗ spruch nahm. Später sollen inde weitere Curse von zum Theil längerer Dauer veranstaltet weeden, und wird darüber seiner Zeit nähere Mittheilung erfolgen. J
Californien in Deutschland.
Ist es nicht unglaublich, daß in unserem Deutschland Millionen Menschen, die beim Acker- bau beschäftigt sind, sich mit Kartoffeln und Häringen begnügen, während sie sich, beinahe ohne Kosten und mit nur äußerst geringer Mühe, ein vortreff⸗ liches Fleisch fürs ganze Jahr und einen guten Pelz für den Winter verschaffen können? Ist es nicht unglaublich, daß bei uns die Erziehung des Kaninchens, dieses dankbarsten aller Thiere, so ganz und gar vernachlässigt ist, während in Eng⸗ land, Frankreich, Holland und Belgien mehr als Hundert Millionen Kaninchen jährlich zu immer steigenden Preisen verbraucht werden und der Handel mit ihren Fellen bedeutende Copitalien in Bewegung bringt? Wenn man die überaus große Wichtigkeit dieses Thierchens begriffen haben wird, so wird man die Ueberzeugung gewinnen, daß aus keinem unserer Hausthiere sich ein größerer Nutzen mit geringerer Mühe ziehen läßt; es verträgt die strengste Einsperrung und jedes Klima, es läßt sich mit den mannichfaltigsten und billigsten Stoffen ernähren, es ist von sanftem Charakter, überaus rascher Entwickelung und unübertroffener Fruchtbarkeit, erheischt weniger Sorgfalt als irgend ein anderes Haustbier; außer seinem delikaten, von allen Feinschmeckern gewürdigten Fleische, liefert es ein für die Hutfabrikation sehr gesuchtes Haar und je nach der Race ein kostbaxes Pelzwerk, welches Rußland uns seit lange unter den aus ⸗ gesuchtesten Namen zuschickt. Es muß und wird in naher Zukunft das Kaninchen in die Rechte eintreten, die ihm gebähren; durch den Genuß seines Fleisches, welches eben so viel osmakome, Prinzip des Bauillons, enthält, als das Rind- fleisch, werden die Kräfte des Arbeiters verdrei⸗ facht, der wenig bemittelten Classe wird eine neue,
gewinnreiche Erwerbsquelle eröffnet, der wohl“
ungeübtesten Kräften ein sichtbarer Erfolg in ver⸗
ausgesetzt eines starken Besuchs zu erfreuen. Pro⸗
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1 Ordn.⸗Nr.
S e een
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