sagen, daß er damit das allgemeine Wahlrecht
zur Geltung bringt. Wahlmann kann jeder Ur- wähler werden, der außerdem 40 fl. Einkommen- steuerkapital besitzt, Abgeordneter jeder Urwähler. Dem indirecten Wahlsystem gibt der Entwurf den Vorzug, weil den Wahlmännern sorgfältigere Er⸗ wägung der Verhältnisse zugetraut werden darf, als der großen Masse des Volkes und die Ein⸗ wirkung der extremen Parteien auf ste weniger zu fürchten ist. Eine sehr wichtige Bestimmung ist diejenige, daß alle drei Jahre die Hälfte der Ab⸗ geordneten ausscheidet und durch Neuwahlen ersetzt wird. Es wird dadurch die zweite Kammer in engerem Contact mit der öffentlichen Meinung ge⸗ halten, und der Regierung diese letztere klar vor Augen geführt. Gewiß sind dies höchst bedeut⸗ same Aenderungen, welche unzweifelhaft des Bei— falls werth sind. Vom Standpunkt des reinen Theoretikers ist es allerdings möglich, auch hieran Ausstellungen zu machen, allein wir halten es für weise, daß die Großherzogliche Regierung das zu erreichende Gute nicht dem unerreichbaren Besseren aufgeopfert hat.
— Unterm 1. Oct. wurde der Kreisrath des Kreises Büdingen, Regierungsrath Ludwig Fol- lenius, auf sein Nachsuchen und unter Aner— kennung seiner langjährigen und treuen Dienste, der Kreisrath des Kreises Vilbel Gust av von Zangen, auf sein Nachsuchen und unter Aner⸗ kennung seiner treuen und eifrigen Dienste bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit— in den Ruhestand versetzt; ferner wurde am nämlichen Tage der Kreisrath des Kreises Schotten Dr. Bernhard Jaup zum vortragenden Rath in dem Ministerium des Innern mit dem Amtstitel als Regierungsrath, der Ministerial⸗Secretär erster Klasse in dem Ministerium des Innern, Friedrich Hallwachs zum Kreisrath des Kreises Vilbel, der Kreisassessor bei dem Kreisamte Gießen, Emil Kekuls zum Kreisrath des Kreises Büdingen er— nannt, und dem Kreisassesfor bei dem Kreisamte Mainz, Dr. Friedrich Hofmann die Ver⸗ waltung des Kreises Schotten übertragen.
— Gelegentlich der Berathung des letzten Budgets stellte die zweite Kammer an die Regie- rung das Ersuchen, von den 32 Steuercommissa- riaten des Landes eines eingehen zu lassen. Die Regierung soll nunmehr entschlossen sein, diesem Ersuchen zu entsprechen und es soll daher in Kürze das Steuercommissariat Schlitz aufgehoben und der Bezirk desselben mit dem Steuercommissariate Lauterbach vereinigt werden.
— Die von verschiedenen Blättern gebrachten Nachrichten von bevorstehenden bedeutenden Ver— änderungen bei den Mittelbebörden sollen, wie das„Fr. J.“ aus guter Quelle berichtet, auf Irrthum beruhen; es sollen vielmehr dahin⸗ gehende Beschlüsse nicht gefaßt, auch dahin zielende Absichten bis jetzt noch nicht geäußert worden sein. Daß neben den Personal-Reductionen bei den Ministerien selbst auch solche bei den Mittel- behörden eintreten werden, ist wohl nicht zu be⸗ zweifeln, jedoch scheint, daß das nere Ministerium den schon fast überladenen Pensionsfonds nicht noch mehr belasten, sondern die ihm überflüssig erscheinenden Stellen bei etwa eintretender Vacanz nicht wieder besetzen oder bei sich ergebender Ge⸗ legenheit die Inhaber überflüssiger Stellen ander⸗ weit verwenden will.
— Laut Ministcrialverfügung ist die an dem Gr. Polytechnikum bestehende Landwirthschaftsschule aufgehoben und werden die hierdurch dispontbel gewordenen Mittel zu anderweitigen Berufungen verwendet. Diese Verfügung wird allgemein freudig aufgenommen werden.
„Friedberg. Der Generalstab des 11. Armee⸗ corps, welcher, wie schon früher gemeldet wurde, im Herbste eine Generalstabsreise in der Richtung von Fulda nach Hanau und von da über Fried- berg auf Gießen vornehmen werde, ist am 3. d.
und die Fürsorge der Behörden werden wetteifernd
Mainz. Durch das jetzt dahier einmarschirte 117. Regiment und das Verbleiben des 1. Bat. des 118. Regiments ist die hiesige Garnison auf etwa 7000 Mann gebracht.— Die der hessischen Division zufallenden elsaß⸗lothringischen Mann⸗ schaften der ersten Aushebung soll das 117.(Leib⸗) Regiment, nicht, wie früher in Aussicht genommen, das hier verbliebene 1. Bataillon des 118. Reg. zum Einexerciren erhalten.
Worms. Zu der am 2. d. stattgehabten fünfzigjährigen Jubiläumsfeier der uniirten Kirche Rheinhessens waren zahlreiche Theilnehmer von nah und fern eingetroffen. Alle Redner ohne Aus⸗ nahme betonten die Nothwendigkeit des Strebens nach einer Allgemeinen deutschen uniirten National- kirche. Die Stadt ist festlich geschmückt.— Die „Worms. Ztg.“ gibt folgenden Bericht über den Verlauf des Festtages: In der Frühe verkündigte ein vom Thurme der Dreifaltigkeitskirche herab ertönender Choral den Anbruch des Festtages. Jeder Bahnzug brachte noch Gäste von Nah und Fern. Um 9½ Uhr setzte sich der Festzug von etwa 500 Theilnehmern vom Lutherplatze aus nach der Dreifaltigkeitskirche in Bewegung. Hier wurde der Gottesdienst mit einem Choral eröffnet, worauf Herr Pfarrer Müller von hier das Altar⸗ gebet sprach. Nach dem Absingen eines Liedes durch die Versammlung hielt Hr. Superintendent Dr. Schmitt aus Mainz die Festpredigt, der als Text Ephes. 2, 13 u. ff. diente. Nach einem von der Wormser Liedertafel vorgetragenen Chor- gesange begrüßte Hr. Dr. Schröder von hier die Versammlung, der sodann noch über den Werth dieses Tages sprach. Hierauf erfolgte eine An- sprache des Vertreters des Obertonsistoriums, Hrn. Oberconsistorialrath Lintz aus Nauheim. Sodann richtete Hr. Professor Dr. Hesse, Mitglied der theologischen Facultät der Landesuniversität Gießen, einige Worte an die Versammlung, dem sodann der Director des evangelischen Seminars zu Fried⸗ berg, Hr. Professor Dr. Schwabe, folgte. Außer⸗ dem überbrachten noch der rheinhessischen Union die herzlichsten Grüße der nassauische Landesbischof, Hr. Dr. Wilhelmi aus Wiesbaden und Hr. Con- sistorialdirector Glaser aus Speyer in ihrer Eigen- schaft als officielle Vertreter ihrer resp. uniirten Landeskirchen. Nach einem von Hrn. Pfarrer Müller gesprochenen Gebete schloß ein allgemeiner Gesang die kirchliche Feier. Außer den Theil nehmern am Festzuge, welcher nur aus Geistlichen und den Delegirten der Gemeinden bestand, waren die übrigen Räume der Kirche von einer dichtge⸗ brängten Zuhörermenge gefüllt. 8
Berlin. Die„Prov.-Corr.“ theilt mit, daß Fürst Bismarck die letzte Rückäußerung des Bischofs von Ermeland vom 20. September am 23. mit der Benachrichtigung erwiederte, daß er, da der Marienburger Jubelfeier- Zwischenfall bereits der Vergangenheit angehöre, eine weitere unmittelbare Betheiligung an den Verhandlungen mit dem Bi⸗ schofe sich versagen müsse und den ganzen durch den Zwischenfall veranlaßten Brieswechsel dem Cultusminister überwiesen habe.
— Das vorgenannte Blatt schließt einen Ar⸗ tikel betreffs der Nationalitätswahl in Elsaß⸗ Lothringen mit dem Ausspruche, daß mit dem 1. d. M. der bisher bestandenen Unklarheit der inneren Verhältnisse Elsaß Lothringens ein Ende gemacht sei und alle Ungewißheit über den Geltungs⸗ bereich der deutschen Gesetze und die Dauer und Festigkeit der deutschen Herrschaft aufhören müsse. Das neue, durch den Friedensvertrag völkerrechtlich Deutschland zurückgegebene Reichsland werde durch das Ausscheiden der zu Frankreich haltenden Ein- wohner in vollstem Sinne deutsches Land sein. Was an wirthschaftlichen Hilfsquellen augenblicklich verloren gehe, werde durch den innigen Anschluß an Deutschland ersetzt. Die Theilnahme der Nation
arbeiten, daß die Aneignung Elsaß Lothringens auch innerlich sich mehr vollziehe und die Bevölke-
in der Stärke von 19 Offizieren dahier einge⸗ troffen. Wie man vernimmt, werden die Herren von hier aus während mehrerer Tage Touren in die Umgegend unternehmen und dann ihre Reise über Gießen nach Kassel fortsetzen. 6
rung mit Freude und Stolz das Bewußtsein er⸗ lange, in volle Lebensgemeinschaft mit dem deutschen Reiche zurückgekehrt zu sein.
und zwar in Dresden, bei Gelegenheit der im November bevorstehenden goldenen Hochzeit des sächsischen Königspaares stattfinden. 2
interessante Darstellung und sachverständige Kritik des neuen französischen Wehrgesetzes. Der Ver⸗ fasser, Oberst z. D. Borbstädt, siellt als Resultat seiner Betrachtung die Behauptung auf, daß Frank⸗ reich nach 9 jahriger Wirksamkeit dieses Gesetzes im Stande sein wird, eine sehr solide zusammen⸗ gesetzte Feldarmee von mindestens 1 Million Streiter aufzustellen, und auch thatsächlich ins Feld zu führen. Die Mahnung, mit der er im Hinblick auf die Revanche ⸗Gelüste jenseits der Vogesen seine Mittheilungen schließt:„es könne keinen größeren Fehler geben, als wenn wir unstken Gegner unterschätzen wollten“, vürfte nach eller solchen Wahrnehmung allerdings ihre vollständige Berechtigung haben. a
Halle. Der Kirchentag hat eine Petition an den Kaiser um Zusammenberufung der Ver⸗
beschlossen. Eine Beschlußfassung über die Civil⸗ ehe wurde abgelehnt. 168
Osnabrück. Zu dem bier stattfindenden Protestantentage sind äußerst zahlreiche Delegirte aus allen Theilen Deutschlands, sowie Vertreter aus Holland und Oesterreich eingetroffen. In der Sitzung des engeren Ausschusses, welcher aus Bluntschli(Heidelberg), Schwarz(Gotha), Schiff⸗ mann(Stettin), Lammers und Manchot(Bremen), Ohly Darmstadt ꝛc. besteht, wurde beschlossen, den Sitz der Vereinsleitung in Heidelbetg zu belassen. Neugewählt wurde in den Ausschuß der Reichs tags⸗ Abgeordnete Meyer(Thorn). Die egent⸗ lichen Verhandlungen begannen um 10 Uhr in der Katharinenkirche. Buntschli führte das Präst⸗ dium und eröffnete die Sitzung durch eine er⸗ greifende Rede. Der Festgottesdienst fand unter
Realschulgebäudes statt. Pfarrer Schröder(Frei⸗ rachdorf) hielt bei dem ersten, Heinrich Lang (Zürich) bei dem zweiten Gottesdienst die Predigt. Kassel. Die„Hessischen Blätter“ versichern entgegenstehenden Gerüchten gegenüber, daß weder Seitens des Königs von Hannover noch Seitens des Kurfürsten von Hessen„auch nur das Aller- mindeste geschehen sei, um gelegentlich der Kaiser Zusammenkunft für ihre gerechten Ansprüche mög⸗ licher Weise etwas zu erreichen.“ Seitens des Kurfürsten schon deßhalb nicht,„weil er auf seinem vollen und ganzen Recht bestehe und darum selbst eine Aufforderung, als Mitglied des jetzigen deutschen Reiches seinen Thron wieder einzunehmen, zurück⸗ weisen würde.“ Fulda. Die ultramontane„Deutsche Reichs zeitung“ bestätigt nun auch die Mittheilung, daß in der letzten Bischofsconferenz ein die kirchlichen Wirren beleuchtender Hirtenbrief redigirt worden ist. Es wird ferner als richtig bezeichnet, daß die Redaction des oberhirtlichen Erlasses ausschließlich preußischen Bischöfen übertragen worden sei. Die Veröffentlichung desselben dürfte in den nächsten Tagen zu erwarten sein, sobald der Druck fertig gestellt ist, so daß die Publication in allen Diö⸗ cesen gleichzeitig erfolgen kann. 15 Nürnberg. In der benachbarten Stadt Fürth ist es gelegentlich der Kirchweihe zu be⸗ deutenden Excessen gekommen, so daß Militär von hier requirirt werden mußte. Dem Einschreiten desselben gelang es, die Ruhe alsbald wieder herzu- stellen. Zahlreiche Verhaftungen fanden statt. Landau. Professor Michelis von Braun⸗ berg hat dahier einen zweistündigen Vortrag in der Aula der lateinischen Schule vor einem dicht gedrängten Publikum gebalten. Das Thema des Vortrags war: Die Unhaltbarkeit der Unfehlbar⸗ keitslehre mit Beziehung auf die Stellung des Bischofs Haneberg. eee Der„Karlsr. Ztg.“ wird von bier geschrieben:„Der Oberpräsident von Elsaß⸗Lothringen hat die bedeutende Summe von
— Die„Frst. Pr.“ schreibt: Nachdem der König von Bapern es beharrlich abgelehnt, hier
350.000 Francs als Unterstützung der während des Bombardements der Stadt schwer verletzten,
in Berlin zu erscheinen, wird nun doch auf neu⸗ 9 tralem Gebiete eine Zusammenkunft mit dem Kaiser,
tretung sämmtlicher evangelischen Kirchen des Reichs
lebhaftem Andrange in der großen Aula des
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— Das„Militär- Wochenblatt“ enthält eine
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