Ausgabe 
31.10.1871
 
Einzelbild herunterladen

angst faßte Kugler den Baus am Halse und rechten Arm, so daß dieser nicht mehr schwimmen konnte und selbst in Lebensgefahr gerieth. Der Letztere machte sich von Kugler los und schwamm an das Land. Kugler wäre fetzt ganz sicher ertrunken, wenn nicht der auf den Hülferuf berbeigeeilte Schwimm- und Badeanstaltbesitzer August Ferdinand Klein sich ohne zu besinnen, mit Kleidern und Stiefeln in den Main gestürzt hätte, um den mit dem Tode ringenden Kugler zu reiten, was ihm auch schließ⸗ lich unter eigener Lebensgefahr gelang. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben dem August Ferdinand Klein als Anerkennung für diese menschenfreundliche, mit Muth und eigener Lebensgefahr ausgeführte, That das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift:Für Rettung von Menschenleben Allergnädigst zu verleihen geruht. In Gemäßbheit Allerhöchster Entschließung wird dieses hier⸗ mit zur öffentlichen Kenntniß gebracht. 2 5

VII. Bekanntmachung Großh. Commission für Post⸗ angelegenheiten, die Correspondenz nach den Vereinigten Staaten von Amerika betr. Dieselbe lautet: Vom l. d. Monats an ist, zufolge Verständigung zwischen den Ver⸗ waltungen der belreffenden Verkehrsanstalien, nachstehende Ermäßigung in den mit unserer Bekanntmachung vom 30. Juni 1870(Reg.⸗Blatt Nr. 26) veröffentlichten Por⸗ tosätzen für die Correspondenz aut Amerika eingetreten Das Porto beträgt: 1) bei der Beförderung über Eng⸗ land(via Köln und Ostende): a) im Frankirungssalle: für Briefe nach den Vereinigten Staaten 3 Groschen oder 10 fr. pro Loth incl., für Briefe aus den Vereinigten Staaten 7 Cents pro 15 Grammen(¼0 Loth) inel., b) im Nichtfrankirungsfalle: für Briefe aus den Vereinig⸗ ten Staaten 6 Groschen oder 21 kr. pro 15 Grammen (¾0 Loth) incl., für Briefe nach den Vereinigten Staaten 14 Cents pro Loth incl.; 2) bei der Beförderung über Bremen oder Hamburg: a) im Frankirungsfalle: für Briefe nach den Vereinigten Staaten Groschen bzw. 9 kr. pro Loth incl., für Briefe aus den Ver. Staaten 6 Cent. pro 15 Grammen(%0 Loth) incl., bd) im Nicht⸗ franklrungsfalle: für Briese aus den Ver. St. 5 Gtoschen oder 18 kr., pro 15 Grammen(0 Loth) incl., für Briefe nach den Vereinigten St. 12 Cents pro Loth incl.

VIII. Abwesenheitserklärungen. Durch Urtheil Groß⸗ herzoglichen Bezirksgerichts Alzey vom 6. Juli 1871 wurde behufs demnächster Abwesenheitserklärung der vor⸗ dem in Gundersheim wohnhaft gewesenen Ackersburschen Jacob Höhn und Georg Höhn das Zeugenbeweisverfahren angeordnet.

IX. Ermächtigungen zur Annahme und zum Tragen eines fremden Oreens. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 17. Oclober dem Kammerherrn und Oberst⸗Ceremonienmeister Leopold von Werner die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von Seiner Majestät dem Kaiser von Rußland verliehenen St. Annenordens 1. Classe zu erthellen.

X. Ertheilung eines Erfindungspatentes. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst ge⸗ ruht: am 4. October dem J. Henry Deacen zu Widnes in England auf dessen Nachsuchen ein Erfindungspatent auf das durch Zeichnung und Beschreibung näher erläu terte Verfahren, Chlor auf eine continuirliche Weise dar⸗ zustellen, unter dem ausbrückllchen Vorbehalte jedoch, daß durch das verliehene Patent Niemand in dee Anwendung bereits früher schon bekannt gewesener Theile der Erfin⸗ bung gehindert werden soll, während der nächsten fünf Jahre für den Umfang des Großherthums zu ertheilen.

(Schluß folgt.)

Darmstadt. Am 25. d. hatten sich in dem hiesigen Rathhaussaale arf vorherige Einladung je drei Delegirte der Gemeindevorstände der Städte Darmstadt, Mainz, Gießen, Offenbach, Worms, Bingen, Friedberg und Alsfeld versammelt, um über eine von Worms ausgegangene Vorlage, be- treffend den Erlaß einer Städteordnung für das Großherzogthum Hessen zu berathen und zu be⸗ schließen. Den Vorsitz führte Hr. Bürgermeister Brück von Worms. In mehrstündiger eingehender Debatte verständigte man sich über die Noth wendigkeit des baldigen Erlasses einer Städte⸗ ordnung für Hessen, stellte die Grundzüge einer solchen für die hessischen Verhältnisse, unter Be⸗ achtung der Städteordnung für die preußischen Rheinlande und Baden, fest und überwies die Ausführung wie die Motivirung dieser grund⸗ legenden Sätze einer dafür sofort gewählten ke⸗ sonderen Commisston. Dieselbe besteht aus den HH. Buchhändler Diehl und Advocak Ohly von hier, Bürgermeister Racke und Advocat Dr. Jung aus Mainz, Buchhändler Ricker aus Gießen, Dr. Schröder aus Worus und Advocat Dr. Weber aus Offenbach. Der Commission ist die Be schleunigung ihter Arbeit, sowie die Berufung einesStäptetags aufgetragen, zu welchem sämmiliche hessische Städte, die mindestens eine Bevölkerung von 4000 Seelen haben, eingeladen werden sollen, Delegirte aus dem Kreise ihrer. Gemein devorstände zu entsenden.

Kaiser Wilhelm hat auf Antrag der Kaiserin an ungefähr 50 Damen im Großherzogthum das Verdienstkreuz für Frauen und Jungfrauen als

Anerkennung ihrer Leistungen auf dem Gebiete

der Verwundeten und Krankenpflege verliehen.

Die Zahl der Studirenden des Polytech⸗ nikums ist bis auf 196 gestiegen und fortdauernd trifft noch Zuwachs ein. E Das hiesige Gymnasium begann sein Schul⸗ jahr mit 443 Schülern, eine Zahl, wie sie in dieser Anstalt bis jetzt noch nicht erreicht wurde.

Berlin, 27. Oct. Der Reichstag hat obne Debatte die Convention mit Frankreich in dritter Lesung genehmigt. Das Festungs Rayon ⸗Gesetz wurde in erster Berathung nach kurzer Debatte einer Commission von 21 Mitgliedern überwiesen.

Straßburg. Der neuernannte Maire be tonte in seiner Antrittsrede, er werde seine Thätig⸗ keit auf die Sorge für die Interessen der Stadt beschränken, der Politik fern bleiben und alle seine Bemühungen darauf richten, gute Beziebungen zu den Oberbehörden zu unterhalten.

Ausland.

Desterreich. Wien. In einer Conferenz der hervorragendsten verfassungstreuen Abgeord⸗ neten wurde die Frage betreffs der Beschickung des Reichsraths besprochen. Wie unterrichteter- seits verfichert wird, ist man der einstimmigen Ansicht, die Theilnahme an der nicht verfassungs⸗ mäß gen Versammlung abzulehnen. Die Ver⸗ fassungsmäßigkeit lasse sich nur durch Neuwahlen herstellen. b

Schweiz. Bern. Die ftanzösische Regie- rung ließ die Mittbeilung hierher gelangen, daß sie für jetzt nur eine Abschlagzablung von 3 Mil- lionen Fres. auf die Internirungskosten in Raten von 500,000 Fres, leisten werde.

Frankreich. Paris. Da Kriegsgericht verwarf die von Rossel eingelegte Berufung.

Aus Corsica wird gemeldet: Prinz Na- poleon ist nach Italien abgereist, nachdem er seine Demission als Generalrath gegeben hat.

DasJournal de Paris erfährt, daß Herr Drouin de Lhuys demnächst eine für Herrn Benedetti sehr unangenehme Antwort auf dessen Broschüre:Meine Misston in Preußen zu ver⸗ öffentlichen gedenkt. Diese Antwort soll nament⸗ lich zwei Depeschen des Ex-Botschafters enthalten, welche beweisen, daß, wenn die französtsche Regie- rung im Monat Juli 1866 nach der Schlacht bei Sadowa Gebietsabtretungen forderte, die sie übrigens nicht zu erlangen vermochte, Alles dies nur auf das drängende Verlangen des Hrn. Bene⸗ detti geschehen sei.

DasJournal de Paris hat eine inte⸗ ressante Berechnung der Ersparnisse aufgestellt, welche für Frankreich aus dem neuen Ueberein. kommen mit Deutschland erwachsen. Es classisi⸗ cirt dieselben folgendermaßen: 1) Ersparniß an Commissionsgebühr für die Garantie für 650 Mil⸗ lionen 9,000,000 Fres.; 2) Ersparniß von täg⸗ lich 30,000 Verpflegsrationen für Mannschaft und 12,000. Rationen für Pferde in Folge der Herabsetzung des Standes der Occupationsarmee

keit vermieden bleibe. a

lionen unter die letzteren vertheilt werden. Eine

wanderten Elsaß Lothringer.

sailles verließ, übersandte er seinem Vertheidiger, Albert Joly, als letztes Zeichen seiner Freund⸗ schaft und Erkenntlichkeit eine Collection seiner Lanterne, mit einem Schreiben, dessen Schluß lautet: Schon sieht man überall die politischen und literarischen Pilze hervorkeimen, welche der bonapartistische Mist allein erzeugen kenn. Ich erwarte alle Tage zu erfahren, daß Napoleon III, zurückgekehrt in seine Stellungen, im Begriff stehl, eine Amnestie zu erlassen; und nachdem ich von der Republik verurtheilt worden, sehe ich mich zu

bedroht demjenigen, von dem Kaiserreich begnadigt zu werden.

VBersailles. In Folge strenger Ueber- wachung bonapartistisch- inter nationalistischer Coa⸗ litionsumtriebe warden bereits geheime Waffen⸗ sendungen mit Beschlag belegt. Man beobachtet verdoppelte Wachsamkeit. 5 5 9

Italien. Rom, 27. Oct. Der Papst be⸗ dauert in einer Allocution den gegenwärtigen

Stand der Dinge, weist neuerdings die Garan⸗ tien zurück, beklagt den Altkatholikencongreß und erklärt, alle erledigten Bischofssitze in Italien wieder besetzen zu wollen. Hierauf ernannte der Papst 55 Bischöfe, darunter 11 ausländische. Die päpstliche Allorution wendet sich auch gegen die Verworfenheit und gottlose Kühnheit Derer, die in gotteslästerlichen Versammlungen und Schristen das volle Richteramt und das unfehlbare Lehramt des Papstes leugnen und die Autorität des Con cils angreifen, als wären seine Decrete neu und staatsgefährlich. Der Papst beklagt, daß an ge⸗ wissen Orten selbst die Staatsleiter die neuen Sectirer öffentlich schützen und durch ihre Gunst kräftigen. a

Amerika. Newyork. Hierher gelangten Nachrichten aus Mexico zufolge hat dort unter den Truppen eine Empörung stattgefunden. Etwa 400 Soldaten nahmen die Citadelle durch einen Handstreich und befreiten 800 Gefangene. Der übrige Theil der Garnison schloß sich jedoch den Aufrührern nicht an, ging vielmehr gegen dieselben vor und eroberte die Citadelle mit Sturm zurück. 250 Insurgenten wurden erschossen.. Der General Sheridan, Commandant und Generalgouverneur in Chicago, läßt formell er⸗ klären, daß an den telegraphisch verbreiteten Ge⸗ rüchten von bei dem Brande aufgegriffenen Brand⸗ stiftern und von gescheheuer Lynchjrstiz kein wahres Wort sei. 8

15,000,000 Fres.; 3) Ersparniß an Seld für die in Frankreich verbleibenden Mannschaften 3,000,000 Fres.; 4) Ersparniß an Unterkunft, Beleuchtung und Ernährung in sechs geräumten Departements 10,000,000 Frcs.; 5) Ersparniß an der im Durchschnitt mit pCt. berechneten Commissionsgebühr für 160 Millionen, die den Bankiers hätte gezahlt werden müssen, wenn künd⸗ bare Wechsel hinterlegt worden wären 10,000,000 Fres., Summa 47,000,000 Frcs. Davon in Abzug die ungefähren Interessen für im Vorhinein gezahlte Summen mit 2,000,000 Fres., verbleiben 45,000,000 Fres., welche, um den Ausdruck des Journal de Paris zu gel rauchen,die Misston des Herrn Pouyer-Quertier für Frankreich ge⸗ wonnen hat.

Die Räumung von St. 23. October stattgefunden. Im Augenblick ihres Abzugs ließen die Deutschen folgende Bekannt machung an den Straßenecken anschlagen:Herr Maire! Der Herr Major hat dem Offizier, welcher die Nachhut befehligt, Ordre gegeben, von den Gewehren Gebrauch zu machen, wenn die Truppen,

Quentin hat am

Aus Rio de Janeiro kommt die erfreuliche Nachricht, daß in Brasilien nach langen Verhand- lungen und Schwankungen die Aufhebung der Sklaverei definitiv beschlossen ist. Der Senat hat die betreffende Regierungsvorlage angenommen und so soll das Gesetz schon in wenigen Tagen in Kraft treten. Nach diesem Gesetze sind alle von jetzt an geborenen Sklavenkinder frei, die Minder⸗ jährigen werden es mit dem 20. Jahre und im Jahre 1900 hört die Sklaverei vollständig auf. Asien. In Jounpoke, einer indischen Stadt, am Flusse Gumti mit 9000 Häusern und über 25,000 eingebornen Bewohnern, hat eine plötz⸗ liche Ueberschwemmung fürchterlichen Schaden an⸗ gerichtet. Menschenleben gingen muthmaßlich nicht verloren, aber nach mäßiger Schötzung stürzten zwischen 2 bis 3000 Häuser zusammen und 10,000 Personen wurden obdachlos.

* FFriedberg. Sicherem Vernehmen nach wird die hiesige Ackerbauschule nächsten Mittwoch mit 22 Schülern eröffnet werden.

Darmstadt. Wie dem Fr. J. berichtet witd, schwebte

welche morgen abziehen, beschimpft werden sollten.

bel dem Theaterbrande unsere Neustadt in einer großen Ge⸗ fahr, von welcher nur die Wenigsten die leiseste Ahnung

Ich bitte Sie, diese Weisung den Einwohnern der Stadt kundzugeben, damit jede Unzuträglich⸗ N

Million wird für unvorhergesehene Fälle zurückbe. halten, besonders für die nach Frankreich ausge⸗.

Bevor Rochefort das Gefängniß von Ver⸗

gleicher Zeit von einem noch schrecklicheren Unglück