Ausgabe 
1.4.1871
 
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1871.

Samstag den 1. April.

M39.

Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.

Friedberger Intelligenzblatt.

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Auf den wöchentlich dreimal erscheinendenOberhessischen Anzeiger kann man für das zweite Quartal l. J. bei allen Poststellen für 38 kr., mit Bestellgeld für 47 kr. abonniren. Bei der Verlags⸗ Expedition kostet das Blatt für das zweite Quartal 30 kr.

Amtlicher Theil.

Betreffend: Die Gemceindevoranschläge für das Jahr 1871.

Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürbermeistereien des Kreises.

3 Die abgeschlossenen Voranschläge lassen wir Ihnen unter Couvert

zugehen mit dem Auftrag, Ihr Exemplar dem Original gleichzustellen, dann das Original mit allen Beilagen dem Gemeinde-Einnehmer so fort einzuhändigen und, daß Beides geschehen, binnen 8 Tagen bericht lich anzuzeigen. Sie werden auch nicht versäumen, Ihre Anweisungs Register nach den Voranschlägen zu vervollständigen, und Gleiches

Betreffend: Das Beweiden der Wiesen.

Friedberg am 30. März 1871.

den Gemeinde-Einnehmern bezüglich ihrer Handbücher aufzugeben. Zugleich empfehlen wir Ihnen die in den Vorauschlägen vorgesehenen Arbeiten sofort zur Ausführung zu bringen und bemerken weiter, daß wir die Bezirksbauaufseher angewiesen haben, Sie hierbei in⸗ structionsgemäß zu unterstützen.

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Friedberg am 30. März 1871.

Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Das Beweiden der Wiesen durch die Schaafheerden muß vom 1. April an nach den Bestimmungen der Wiesen⸗-Polizei- Ordnung

unterbleiben.

Bedeuten Sie die Schaafhirten noch besonders hiernach und fordern Sie das Feldschutzpersonal zur sofortigen Ueberwachung

der bezeichneten Vorschrift und Anzeige von Zuwiderhandlungen auf. Nachlässigkeiten hierin werden wir mit Disciplinarstrafen ahnden.

Trapp.

Deutsches Reich.

Noth des Krieges hinaus Frankreich heute er

Darmstadt. Die bessische Diviston bezieht duldet, bekräftigen die oft, doch noch niemals

Standquartiere bei Bar sur Aube. Das Haupt- quartier ist gegenwartig bei Dangers. Prinz Ludwig kehrt demnächst wieder zur Diviston zurück, um das Commando zu übernehmen.

Die kleine Abtheilung hessischer Truppen, welche mit so großer Bravour die Erstürmung des Schlosses Chambord unternahm, hat dort in origineller Weise ihre Anwesenheit verewigt; wie dieDarmst. Zig. mittheilt, steht nämlich seitdem in der höchsten Kuppel des berühmten Jagdschlosses Franz' I. geschrieben:Le chateau défendu par 3300 Frangais, fut pris par 54 soldats hessois qui emmenaient 5 pièces de canons et 250 prisonniers. An einer anderen Stelle steht als Souvenir:Die Stürmer des Schlosses halten sich dem Grafen v. Chambord bestens empfohlen. IIs lui promettent une seconde visite agréable dans une dizaine d' années.

Berlin. Der Adreßentwurf des Reichs- tages lautet:

Allerdurchlauchtigster zt. Durch Gottes gnädige Fügung ist es Ihrer Majestät und der einmüthigen Nation gelungen, die Sehnsucht der Vorfahren und die Hoffnung der Mitlebenden zu erfüllen. Auf festeren Grundlagen als je ist das deutsche Reich wieder aufgerichtet, entschlossen, es zu er- halten in der Fülle seiner Kraft, es fortzuent- wickeln auf den Bahnen der Freiheit und des Friedens Wollen Ew. Majestät den Dank ent- gegennehmen, welchen die gesammte Nation den erhabenen Feldherren, dem Heldenmuthe und der Hingebung des deutschen Heeres schuldet, den Dank für gewaltige Thaten, denen beschieden war, nicht allein die gegenwärtige Gefahr abzuwenden, sondern auch die Zukunft vor der Wiederkehr gleicher Gefahren zu schützen. Denn mehr noch als die erlittenen Niederlagen wird jetzt die starke Be festigung unserer Gränzen die Nachbarn zur Vor- sicht mäßigen.

Die schweren Drangsale,

welche über die

straflos verkannte Wahrheit, daß im Verbande civilisirter Völker selbst die mächtigste Nation nur in weiser Beschränkung auf volle Entfaltung ihres innern Wesens vor schweren Verwirrungen ge sichert bleibt.

Auch Deutschland hat einst, indem Herrscher den Ueberlieferungen eines fremdländischen Ur⸗ sprungs folgten, durch Einmischung in das Leben anderer Nationen Keime des Verfalls empfangen. Das neue Reich ist selbst dem eigenen Geiste des Volkes entsprungen, welches, nur zur Abwehr gerüstet, unwandelbar den Werken des Friedens ergeben ist.

In dem Verkehr mit fremden Völkern fordert Deutschland für seine Bürger nicht mehr als Achtung, welche Recht und Sitte gewährleistet und gönnt, unbeirrt durch Abneigung oder Neigung, jeder Nation, die Wege zur Einheit, jedem Staate, die beste Form seiner Gestaltung nach eigener Weise zu finden.

Die Tage der Einmischung in das innere Leben anderer Völker werden, so hoffen wir, unter keinem Vorwande, keiner Form wiederkehren.

Ew. Majestät folgen wir mit freudiger Zu stimmung zu den dringenden Aufgaben, welche dieser beendete Krieg zu dauernden Aufgaben macht, welche die Verfassung des Reiches uns stellt.

Alle unsere Kräfte werden zuerst dem hohen Berufe gewidmet sein, die Wunden zu heilen, welche der Krieg geschlagen, und die Pflicht des Vaterlandes zu erfüllen gegen diejenigen, welche Leben oder Gesundheit für seinen Schutz geopfert haben.

Allen Vorlagen werden wir aufmerksame Mit- thätigkeit zuwenden.

Es überrascht nicht, daß der Krieg die Vor- arbeiten zur regelmäßigen Gesetzgebung verzögert hat, und vermindert nicht unsere Hoffnung, daß die Gesetzgebung des Reiches sich eben so frucht bar erweisen werde, wie die Gesetzgebung des

Norddeutschen Bundes. Die umfangreiche Ein- fübrung norddeutscher Gesetze in die Südstaaten erhöht unser Vertrauen zu harmonischem Zusammen⸗ wirken aller Glieder des Reiches, auch der Organe, welche berufen sind, die einzelnen Staaten zu vertreten.

Mit Genugthuung vernehmen wir, daß aus der Kriegsentschädigung zunächst das Bedürfniß des Reiches, sodann die berechtigten Ansprüche seiner Mitglieder befriedigt werden sollen. Für das Wohl der Deutschland zurückerworbenen Ge⸗ biete ist das deutsche Volk mit den wärmsten Gefühlen brüderlicher Theilnahme erfüllt. Die schönsten Denkmäler deutscher Cultur und deutschen Volkslebens erinnern an deutsche Vergangenheit in Elsaß und Lothringen. Lange Entfremdung hat manche Spur eines reichen Jahrtausends deutscher Geschichte verwischt, doch unsere Sprache und Sitten sind der Mehrzahl des Volkes noch unverloren. Mögen Gesetzgebung und Verwaltung zusammenwirken, an diese Beziehungen überall anzuknüpfen, das Wiedererwachen deutschen Geistes zu unterstützen, in Versöhnung der Gemüther die Bande zu stärken, welche die herrlichen Provinzen mit dem übrigen Deutschland wieder vereinigen. In diesem Geiste werden wir uns den Arbeiten widmen, welche die Grundlagen der neuen Ord- nung schaffen und vorbereiten sollen.

Majestät! Der Zufriedenheit Deutschlands, der Sicherheit Europa's hat die Einheit des Deutschen Reiches gefehlt jetzt ist die Einheit errungen, das Reich unter dem Schutze seines Kaisers, unter der Herrschaft seiner Verfassung und seiner Gesetze sichergestellt jetzt kennt Deutschland keinen höheren Wunsch, als im Wett- kampfe um die Güter der Freiheit und des Frie- dens den Sieg zu erringen.

Berlin, 29. Marz. In der heutigen Reichs- tagssitzung beantragte bei der zweiten Lesung der Reichsversassung Reichensperger(Olpe) im Namen seiner Fraktion, hinter dem Artikel 1 der Reichs- veifassung als zweite Abtheilung die Grundrechte

berhessischer Anzeiger.