Reichstage auf den 3. März angeordnet und die
Einberufung des Reichstages auf den 9. März
festgesezt wird. Eine zweite Verordnung beruft den Bundesrath des deutschen Reichs auf den 20. Februar ein. Eine dritte Verordnung erklärt, daß die Brrordnung vom 18. Juli 1870, betreffend die Aufbringung und Wegnahme franuzösischer Handelsschiffe, mit dem 10 Februar außer Wirk- samkeit trete.
— In der„Kreuzztg.“ wird mitgetheilt, daß zwar amtliche Bestätigungen der Versailler Ver- dandlungen nicht vorliegen, daß aber ebensowenig Grund vorhanden sei, um as der Glaubwürdig— keit der Mittheilungen im Allgemeinen zu zweifeln, vielmehr werden einige indirekte Anzeichen als Bestätigung jener Mittheilungen angesehen. Uebri- gens seien amtliche Meldungen über die gegen— wärtig noch vertraulichen Verhandlungen gewiß noch nicht zu erwarten.
— Beim Beginn des Jabres 1871 belief sich nach dem„St. Anz.“ die Zahl der unverwun— deten Kriegsgefangenen auf 11,160 Offiziere und 333,885 Mann, die Zahl der eroberten Geschütze auf 4640, der Adler oder Fahnen auf 115. Durch die Schlachten und Kämpfe des laufenden Menats mag die Zahl der Gefangenen auf etwa 387,000 (Offiziere und Mannschaften) gestiegen sein.
Oesterreich. Pest. In der ungarischen Delegation stand die Debatte über das Budget des Ministeriums des Aeußeren auf der Tages- ordnung. Nachdem die meisten Redner sich im Ganzen mit der Politik der Regierung einverstan— den erklärt hatten, antwortete der Vertreter der Regierung, Baron Orezy auf mehrere Bemerkungen: Die Regierung habe keinen Schritt gethan, um den Anschluß Süddeutschlands an den Norden zu verhindern. Die Regierung babe seit 1867 nie etwas gegen Preußen unternommen; vor Beginn des Krieges habe man geglaubt, daß der Krieg sich vielleicht an unseren Grenzen vollziehen würde; es sei also Pflicht der Regierung gewesen zu rüsten.
Frankreich. Aus Bordeaux, 23. Jan. wird telegrapbirt:„Bei La Flche hat ein Kampf stattgefunden; eine Schwadron Chasseurs d' Afrique, von Infanterie unterstützt, hat den Feind zurück⸗ geworfen. Da eine starke preußische Colonne kam, haben sich die Franzosen auf Bozouges zurück⸗ gezogen. Die Preußen haben große Verluste in den Straßen von La Fleche erlitten. Cing Mars ist geräumt. Bei Gien hat eine Recognoscirung deutscher Seits stattgefunden. Montargis ist von 600 Preußen besetzt.
Bordeaux, 27. Jan. General Vinoy er ließ folgenden Tagesbesehl an die Armee von Paris:„Die Regierung stellt mich an Eurk Spitze; sie appellirt an meinen Patriotiemus und an meine Ergebenheit. Ich habe nicht das Recht, mich zurückzuziehen. Es ist eine sehr schwere Aufgabe, welche ich auf mich nehme. Nach einer mehr als viermonatlichen Belagerung sind wir nunmehr zu dem kritischen Momente gelangt. Ich übernehme eine große Verantwortlichkeit,
während im Innern eine Partei für die Unord⸗ nung agitirt. Ich bin der Ueberzeugung, daß der Beistand aller guten Bürger, der Armee und der Nationalgarde mich unterstützen wird, die Ordnung aufrechtzuerhalten und das allgemeine Wohl zu schützen.“— Die Mitglieder der Re- gierung haben am 23. Januar eine Proklamation erlassen, worin der Aufstand als das Werk einer kleinen Anzahl von Leuten bezeichnet wird, welche der Sache der Fremden dienen, die Regierung werde ihre Pflicht erfüllen und die Ordnung auf- recht erhalten.— Ein Aufruf des Commandanten der Nationalgarde ermahnt dieselbe, sich gegen die Aufrührer zu vereinigen, welche die Vertheidigung von Paris lähmen.
— 28. Jan. Die Regierung verbreltet folgende Mittheilungen: Die hiesige Regierungsdelegation erfährt von ihren auswärtigen Agenten, daß die „Times“ Miltbeilungen enthält, wonach zwischen Paris und Versailles über das Bombardement
von Paris und die angeblich bevorstehende Ueber⸗
die Verwundeten und die Frauen und Andes antes unbemittelten Wehrleute.
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gabe der Hauptstadt W angeknüpft wären. Die Regierungsdelegation schenkt diesen Nachrichten der„Times“ keinen Glauben, da ste es für unmöglich halt, anzunehmen, daß Verhand⸗ lungen von dieser Art und Wichtigkeit ohne vor⸗ herige Benachrichtigung der Delegation eingeleitet seien. Die bisher eingetroffenen Ballonnachrichten lassen nichts Derartiges voraussehen. Heute ist dei Rochefort ein Ballon signalisirt worden, doch weiß man nicht, ob derselbe bereits niedergegangen ist. Sobald die Regierung Nachrichten hat, wird sie dieselben veröffentlichen.
Aus Paris liegen folgende Nachrichten vom 23. d. vor; Die Regierung hat bestimmt, daß die Functionen des Obercommandos der Armeen und des Präsidiums der Regierung nationaler Ver⸗ theidigung getrennt werden. Ferner werden ab⸗ geschafft der Titel, sowie die Functionen eines Gouverneurs von Paris. General Vinoy ist zum Commandeur en chef der Armee von Paris er- nannt. Trochu behält seine bisherige Stellung als Mitglied der Regierung. Die Regierung hat weiter verfügt, daß alle Clubs während der Belagerung geschlossen bleiben. Die Anzahl der Kriegsgerichte wurde vermehrt. Die Journale „Reveil“ und„Combat“ sind unterdrückt worden. Flourens wird polizeilich verfolgt.
— Weiter trafen am 27. d. aus Paris durch Ballonbriefe folgende Nachricht ein:„In ver⸗ flossener Nacht stürmte eine Anzahl Personen das Gefängniß Mazas, befreite Flourens und die übrigen daselbst inhaftirten politischen Verbrecher, begab sich dann nach der Mairie des 20. Arron- dissements, woselbst sie ihr Hauptquartier einrichtete und sich 2000 Rationen Brod nebst großen Wein- vorräthen bemächtigte. Die Nationalgarde be⸗ wickte die Räumung der Mairie ohne Blutvergießen. Um 6 ½ Uhr Morgens war die Ruhe in Belleville wieder hergestellt. Sonstige Anzeigen von Ruhe- störungen nicht vorhanden. Zur Zeit jedoch, wo die Regierung im Stadthause zusammentrat, um zu berathen, bedeckte sich der Platz vor dem Hotel de Ville mit zahlreichen Menschengruppen. Eine angebliche 150 Mann starke Abtheilung National- garde marschirte auf und schoß auf die dortstehende Mobilgarde. Auf beiden Seiten wurde lebhaft gefeuert. Die Ruhestörer schossen namentlich auf die Fenster des Stadthauses. Das Einschreiten der Garde republicaine brachte endlich die Auf⸗ rührer, zum Weichen. Man zählt 5 Todte und 18 Verwundete. Etwa 20 Verhaftungen wurden vorgenommen. Der Commandant der National⸗ garde fordert letztere in einer Proclamation auf, zur Unterdrückung der Emente kräftigst mitzuwirken.“
Havre. Die preußischen Truppen sind am 26. Januar in Pont- Audemer eingetroffen und haben daselbst Requisitionen eingetricben. Der Feind steht mit beträchtlichen Streitkräften zwischen Brionne(an der Rille) und Corneville.
Abbeville. Ein Matrose, Namens Belp, der Paris am 24. Morgens mittelst Ballon ver- ließ, ist, mehrfach bedroht von preußischen Kugeln, hier eingetroffen und meldet den Ausbruch von Volks ⸗Excessen, welche so bedeutend waren, daß das Militär auf die Volkshaufen schießen mußte. Nach seinem Berichte würde die Situation von Minute zu Minute schwieriger.
Dünkirchen. General Faidherbe ist am 24. d. hierselbst angekommen. Derselbe hatte eine Conferenz mit dem Vertheidigungscomite. Die Bevölkerung ist sehr erregt. Man befürchtet, daß der Befehl zur Ueberschwemmung der Umgegend gegeben wird. Faidherbe begibt sich von hier nach Lille.
— Der„Messager du Nord“ meldet, daß eine Volksversammlung in Cherbourg, trotz des von Gambetta erlassenen Ausweisungsdecrets, be⸗ schlossen hat, den Prinzen Joinville in die nächste Constituante zu wählen.— Aus Bordeaux wird berichtet, die Regierung verzichte Angesichts der einmüthigen Verurtheilung der decretirten Organi- flrung von Departemental⸗Commissionen auf dit Aushebung der Genktalräthe.
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Zu Friedberg bei Bindernagel& Schimpf.
Geiger. eng gde setzungsprozeß mit rapidem Schritt vorwärts geht,
is zum 24. d. eingelaufenen Be richten iit, daß der sich in Paris voll
heude Ze
Eine Brieftaubennachricht vom 25. d. an der
hiesigen Vertreter eines ersten Bankhauses befürchtet f das Allerschlimmste, wenn die Capitulation nicht
unmittelbar staltfinde. 0 Großbritannien. London. Die„Times“
bringt eine Depesche aus Berlin vom gestrigen Tage. Thiers hatte bei Gelegenheit seiner Wiener und Petersburger Mission wiederholt auf die Thunlichkeit and Rathsamkeit angespielt, die Krone Frankreichs dem König der Belgier anzu. bieten. Neuerdings ist versucht worden, diese
Idee zu verfolgen. Deutschland wird möglicher
5 ori fel, 27. gan. Der t ö 5 4
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weise gegen die eigensinnige Fortführung des
Krieges Seitens Frankreichs auf der Maaslinie statt auf der bisher verlangten Moselgränze be- steben. Eine offciöse Erklärung der preußsschen Regierung steht bevor behufs Entmuthigung aller 1 Vermittelungsversuche. ö
9 Frankfurt. Nachden am Freitag gegen Schluß 1
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der Börse das Gerücht verbteitet war, die Depesche mi!
der Capitulation von Paris habe das hiesige Telegraphen⸗ bureau passirt, umstanden von 3 Uhr Nachmittags bis Abends zahlreiche Gruppen das Telegrapyen⸗ und das Wagner'sche Correspondenz⸗ Bureau, auf die Mittheilung der Depesche wartend, deren Verlesung zeitweise mit Un⸗ gestüm verlangt wurde. Der Telegraph konnte aber nicht herausgeben, was er selbst nicht hatte. Das Gerücht der Uebergabe war ein ganz allgemeines, und behauptete man,
Herr v. Rothschild habe die desfallsige Privalbepesche schon
kurz nach der Börsenzeit empfangen. Einige wollten sie sogar gelesen haben. Unter der neuen Kraͤme, in der
Döngesgasse, auf der Gallusgasse waren einige Häuser
beflaggt.— Dieser Tage wurde in den einzelnen Quar⸗ lieren bei den Hausbesitzern sowohl wie bei den Mieihern Umfrage gehallen, eb sie geneigi wären, franz ösische Offiziere mit deren Burschen gegen Eulschädigung in Quartier zu nehmen. Es sollen sich nur wenige Familien
dazu bereit gefunden haben. Im Ganzen sollen 800
Offiziere nach Frankfurt kommen.
Dar mstadt. Vor einigen Tagen, nach der Nieber⸗ lage der französischen Nordarmee standen Offiziere vor⸗ dem hiesigen Telegraphenbureau. Einer derselben über⸗ setzte die affichitte officielle Depesche von der Niederlage Jaidherbe's seinen Kameraden in's Französische und be⸗ merkte schließlich:„uch das sind ja lauter Lügen,“ worauf ein hinter diesen stehender pensionirler höherer Offizier, dessen Ohr diese ächt französische Aeußerung nicht enigangen war, an den Franzosen die Frage richtete:„Sind das auch Lügen, daß Sie als Gefangene hier sind?“ n
Don der Bergstraße wird gemeldet: Den Viehbe⸗ sitzern, wie überhaupt allen Landwirthen des Großherzog⸗ thums glauben wir die Minbeilung schuldig zu sein, daß 1 daß Secketariat des Groß. Badischen Handels ministeriums an das Wochenblatt bes landw. Vereins im Großh. Baden eine Warnung vor dem Eintrttt oder ferneren Betheiligung an der Viehversicherungsgesellschaft„Pan“ in Berlin zur Veröffentlichung zugesandt hat, welche sich darauf gründet, daß diese Gesellschaft in ber letzteren Zeit ihren Ente schädigungsverbindlichkeiten gegenüber den Versicherten nicht mehr nachgekommen und daß die deshalb mehrsach gegen das Institut erhobenen Entschädigungsklagen sich— nebst. dem, daß sie nicht unerhebliche Proceßkosten verursachten — wegen gänzlicher Mittellosigkeit der Gesellschaft als er⸗ solglos erwiesen haben. Bs
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Eingesandt. N Friedberg. Wie sehr in unserer ernsten Zeit dit allgemeine Summung sich gegen die lauten Vergnügungen ausspricht, das wissen wir aus vielen Gauen Deutschlands. Ueber„ein Tänzchen“ in dem Casino einer kurhesssichen Stadt enthäl! die„Hessische Morgenzeitung? folgende ernste Rüge: Unsere Zeit ist eine ernste. Hundert⸗ 4 tausende unserer Brüder sind in Feindesland und sehen
läglich dem Tode in's Angesicht; Tausende liegen in den
Stätten des Jammers; Tausende sind gebettet in fremder
Erde. So manches Auge weint, so manches Herz brich!
daheim. In's stille Kämmerlein zieht sich der Schmerz
zurück. Es ist deutsche Art, geduldig das Beschiedene zů tragen. Es ist aber auch deutsche Art, ein mitfühlendes⸗ Herz für die Schmerzen Anderer zu haben. Ist es darum recht, daß ein bestimmter, wenn auch zum großen Theil dem unbedachten Alter angehörender, Gesellschastskreis n erwähnter Stadt tanzt? Ist jetzt, wo alle Kräfte auf Nieder- werfung des Feindes, auf Milderung der durch den schreck! lichen Krieg erzeugten Noth hingerichtet sein sollen, Zeit zum Tanzen? Wird durch die häufigen Vergnügungen nicht der gerechte Schmerz so mancher Familie entweih? Wenn die Glieder der f. g. bessern Gesellschaft mit solchem 1 0465 vorangehen, was soll der sog. gemeine Mann
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