Ausgabe 
31.1.1871
 
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mit 2 Fr. das Pfund verkauft. Besonders pein⸗ lich für die Pariser ist es, daß die Waschweiber in Folge des Mangels an Brennmaterial ihre Arbeiten haben einstellen müssen. Nur noch sehr wenige arbeiten, und reine Wäsche ist in Paris ein ungeheurer Luxus geworden.

Die Strapazen der deutschen Armee,

welche im Westen gegen Chanzy operirte und le Mans nahm, überbieten an Härte Alles, was wir bis jetzt in diesem Kriege davon gehört haben. Es war vom 6. Jan. an kein Tag, meldet der officielle Bericht, an welchem unsere Soldaten nicht im feindlichen Feuer waren. Ausgesetzt dem feindlichen Kugel- und Granatregen, und beim Vorgehen gegen einen hartnäckig in seinen natür⸗ lichen Positionen sich haltenden Feind, durch den dichtesten Schnee und die Dornenhecken hindurch, oft Stunden lang im Schnellfeuer, auf dem Eise oder im Wasser liegen müssend, dazu meistentheils ohne Nahrung, weil die Zeit zur Bereitung der- selben fehlte, so brachten sie diese Tage hin, die so kalt und doch heiß waren, und wenn die mühe⸗ volle Kampfesarbeit des Tages gethan war, dann erwartete sie des Abends nicht etwa ein Quartier unter Dach und Fach, nein, das Bivouak unter freiem Himmel, denn die Wohnungsdichtigkeit dieser Gegenden ist eine geringe, und der Dörfer sind sehr wenige Vom 6. Januar an waren die Truppen im Bivouak auf den Schneefeldern, ohne Stroh, und oft auch, wenn die Truppen auf Vorposten waren, ohne Feuer des Abende um 9, 10 Uhr erst kamen für sie die Stunden der Ruhe im Gefühl der äußersten Ermüdung, und am nächsten Morgen, wenn uur erst der Tag graute, wurden sie schon wieder allarmirt, und von neuem ging es Marsch Marsch! gegen den Feind vor. e Die Umgegend von Langres beherrschen trotz der Anstrengungen, welche die deutschen Fuppen machen, dennoch immer die französischen Ffanctircurs. Ueber die Art ihres Kampfes schreibt ein Berichterstatter derKöln. Ztg.: Bei der Annäherung von stärkeren Patrouillen liehen sich dieselben auf Schleichwegen durch die Wälder in die zunächst gelegenen Ortschaften zurück, werden größere Abtheilungen zum Absuchen einer Gegend ausgesandt, so hat die ganze Bande als letzten Zufluchtsort die Fistung Langres selbst. Wie selten gelingt es deshalb, eine Abtheilung dieses Gesindels aufzuheben, denn auch für den Fall, daß sie wirklich in einem Dorfe überrascht und umzingelt werden, haben die Franctireurs noch Mittel, sich dem Kampfe des Soldaten gegen den Soldaten zu entziehen, indem sie Uniform mit Waffen verstecken, Civilkleider anziehen und sich für friedliche Landbewohner ausgeben.

Nancy, 24. Jan. Der hiesigeMoniteur officiel du Gouvernement génsral de la Lorraine macht in seinem amtlichen Theil bekannt:Seine Majestät der König von Preußen, Kaiser von Deutschland, befiehlt: Wegen der Zerstörung der Brücke von Fontenoy, östlich von Toul, wird der dem Generalgouvernement von Lothringen unterstellte Bezirk eine außerordentliche Kriegs schätzung von 10 Millionen Franken als Buße zahlen. Dies wird dem Publikum mitgetheilt, indem bemerkt wird, daß die Art der Vertheilung sofort bekannt gegeben und daß der Eingang der Summe mit der größten Strenge betrieben wird⸗ Das Dorf Fontenoy wurde sofert in Brand gesteckt, mit Aus nahme einiger Gebäulichkeiten welche für den Gebrauch der Truppen bewahrt wurden. Nancy, 23. Januar 1871. Der Ge⸗ neralgonverneur von Lothringen, General der Infanterie und Genkraladjutant S. M. des Königs von Preußen, v. Bonin.

Die Summen, die bis jetzt für die durch das Bombardement benachtheiligten Straßburger bei dem dortigen Comite eingegangen sind, belaufen sich nach dem letzten Ausweis, den derNiederrh. Aux. publicirt, auf 349,236 Fr. in Geld und reiche Gaben in natura, 100,000 Fr. bat allein das Schweizer Comite übersandt und aus Amerika wurden etwa 60,000 Fr. beigestenert. Zu Unter⸗ stützungen siud davon etwa 230,000 Fr. ver⸗ wendet; 4334 Familien wurden unterstützt.

Longwy, 26. Jan. Fast Hagen

dem Bombardement verschont geblieben. Die

Kirche ist eine vollständige Ruine, ein Drittel des Thurmes ist heruntergeschossen, der Rest droht einzustürzen. Das Stadthaus, das daneben liegt, ist vollständig ausgebrannt, die Commandantur ist ein einziger Trümmerhaufen; die an den Seiten sich erhebenden Thürme sind eingestürzt. Die Kasernen, welche in den niedriger gelegenen Stadt theilen stehen, sind ganz ausgebrannt und von Granaten durchfurcht. Am Stadthausplatze sind die Häuser ausgebrannt, nur noch die Mauern stehen. In den andern Stadtvierteln ist kein Haus unbeschädigt geblieben; besonders die Dächer haben stark gelitten. Die Deutschen rückten heute um 10 Uhr in die Stadt ein. Seit heute Mittag werden die Kriegsgefangenen(Linie und Mobil- garde) in der Nichtung von Diedenhofen und Metz abgeführt. Die Nationalgarde wurde nicht zu Kriegsgefangenen gemacht. Die Berölkerung von Longwy, welche vor Beginn der Beschießung bereits nach Luxemburg und Belgien geflüchtet war, ist erst zum geringsten Theile wieder hierher zurückgekehrt.

Bern, 28. Januar. Ein Telegramm des Bund vom 28. Jan. aus Pruntrut meldet: Die Preußen nahmen Pont de Roide und avan- ciren auf der Straße St. Hippolyte-Maiche gegen Morteau⸗Pontalier. Längs der Schweizergränze befinden sich aufgelöste Banden. Das 24. französische Corps ist in Pontalier eingetroffen und marschirt südwärts. Salins ist von den Preußen besetzt. Das Hauptquartier Bourbaki's befand sich gestern in Roulans nordöstlich von Besangon. f*

28. Jan., Abends. Die Preußen sind bis Chambagnole(südlich von Salins) vor⸗ gedrungen. Flüchtige franzüsisihe Militärs kom⸗ men fortwährend auf schweizerischem Gebiet an,

Aus Baden. Die Begleiter unserer Lazareth⸗ züge können nicht genug von dem Elend erzählen, das unter den hülflos zurückgelassenen Verwundeten der Bourbaki'schen Armee herrschte. Der Rückzug muß ein überstürzter gewesen sein. Noch Tage darnach kamen Bauern aus den Ortschaften zu den Preußen mit der Frage: ob sie die Todten begraben dürften. Auch schweizerische Gewährs⸗ männer beztichnen jetzt die ganze dreitägige Schlacht als eine entschiedene französische Niederlage. Mitt⸗ lerweile hat sich auch unsere Vermuthung bestätigt, daß Bourbaki die Rückzugslinie nach Lyon noch nicht genommen hat, ihm vielmehr die Verbin- dungen nach rückwärts durch die Besetzung von St. Vit, Quingey und namentlich des als Eisen⸗ bahnknotenpunkt wichtigen Mouchard bereits unter⸗ brochen sind(in Mouchard treffen die Linien von Besangon, Döle, Pontarlier und Lons ke Saulnier zusammen). Im Rücken gefaßt und von der Rückzugslinie abgedrängt, wird es sich für Bour⸗ baki also um eine Schlacht, um Waffenstrecung oder um Uebertritt auf Schweizergebiet(im Augen- blick über die schneebedeckten Ketten des Jura nicht ohne große Beschwerden) handeln. Ueber die Vorgänge bei Dijon fehlen noch immer deutsche Berichte. Man wird wohl daran thun, von den aufgebauschten französischen Nachrichten gerade nur so viel zu glauben, daß die Preußen noch nicht Dijon besetzt haben. Man sammelt auch in Karlsruhe für eine Ehrengabe für den General v. Werder, Oberbürgermeister Lauter hat sich zur Entgegennahme von Beiträgen erklärt.

DieKarlsr. Ztg. veröffentlicht Folgendes; Telegramm vom 20. Januar 1871, Ahends 7 Uhr. Dem Gencral v. Werder, Commandi⸗ render des 14. Armeecorps in Montbeliard. Ihre heldenmüthige, dreitägige, siegreiche Vertheidigung Ihrer Position, eine belagerte Festung im Rücken, ist eine der größten Waffenthaten aller Zeiten. Ich spreche Ihnen für Ihre Führung, den tapferen Truppen für ihre Hingebung und Ausdauer meinen königlichen Dank, meine höchste Anerkennung aus und verleihe Ihnen das Großkreuz des Rothen⸗ Adler⸗Ordens mit Schwertern als Beweis dieser Anerkennung. Ihr dankbarer König.(gez) Wilhelm.Indem ich den Truppen diese

allergnädigste Cabinetsordre zur Kenntniß bringe,

*

spreche ich allen Offizieren, Beamten und Soldaten,

die diese ruhmreichen Erfolge erkämpfen und er⸗

ringen halfen, nochmals meinen wärmsten Dank aus.(gez.) v. Werder. Brevillers, 19. Jannar 1871, Abends halb 7 Uhr Folgt der bekannte Corpsbefehl des Kaiser⸗ Königs, welcher Werder und seinen tapferen Truppen diehöchste An⸗ erkennung ausspricht.

DerIndustriel alsatien von Mülhausen meldet: Der Maire hat folgende Depesche er halten: Bourogne, 23. Januar. An das Bürgermeister⸗ amt von Mülhausen. Westlich von Mümpelgard, wo die Armee Bourbaki's vor ihrem Rückzuge stand, ist die Civilbevölkerung in großer Noth. Ich bitte Sie, die Unterstützungs-Comiteen auf diese Lage aufmerksam zu machen; ich werde für die Gefangenen sorgen, aber ich, vermag nicht dasselbe für die Civilbevölkerung zu thun. Ge⸗ zeichnet: v. Tresckow.

Ueber den muthigen Kampf unseres 2. Infanterie und 2. Reiterregiments bei Briare vom 14. d. bringt derGieß. Anz. aus dem Feldpostbriefe eines Feldwebels des 2. Inf. Regis. einen größeren Bericht, welchem wir Fol⸗ gendes entnehmen: Am 12. d. drang der Feind gegen den von unserer Leib Compagnie besetzten Ort Ouzouer sur Tressee vor, so daß sich die Leib Compagnie zurückziehen mußte. Das Deta⸗ chement wurde allarmirt und erhielt die 3. Com- pagnie speciell den Auftrag, zur Unterstützung der Leib⸗Compagnie vorzugehen. Beide Compagnien griffen nunmehr den Feind mit aller Energie an, und wurde der Ort Ouzouer sut Tressee wieder genommen und der fliehende Feind weithin verfolgt. Abends gegen 6 Uhr kehrten die beiden Com- pagnien nach Briare zurück. Verlust hatten wir nicht gehabt. Am 13. d. M. bezog die 3. Com⸗ pagnie abermals die Feldwachen und wurde gegen

des Feindes gemeldet. allarmirt, jedoch verlief die Nacht ruhig. Ganz anders sollte es aber am 14. werden. Schon in aller Frühe waren unsere Patrouillen auf den Feind gestoßen. Gegen 9 Uhr wurde das ganze Detachement allarmirt. Der Feind war in starken Abtheilungen von allen Seiten herangerückt und hatte eine vollstäudige Umgehung bewerkstelligt. Das ganze Detachement mit einer reichen Bagage, zu welcher noch eine mit vielen Lebensmitteln ver⸗ sehene aus Orleans hinzugekommene Proviant⸗ Colonne zählte, stand in der größten Gefahr von dem viel überlegenen Feinde gefangen genommen zu werden. Jetzt galt es, für sein Leben, ja für seine Freiheit zu kämpfen! Und man kann sagen,

Feindliche Abtheilungen in der Stärke einer Compagnie wurden von einem unserer Züge zurück⸗ geworfen. Eine Schwadron Cavalerie war b⸗ gesessen und gab Salpenfeuer mit ihren Cara-

Feind. Ja selbst Leute, die zur Bagage com⸗ mandirt waren und wohl während des ganzen Feldzugs keinen Schuß gethan hatten, griffen zum Gewehr und warfen sich auf die andringenden feindlichen Abtheilungen.

Ich lasse hier einen Auszug aus einem De⸗

tachementsbefehl des uns commandirenden Generals v. Rantzau, d. d. 16. Januar 1871, folgen, um

Detachement, welches sich vorgestern, den 14. Jan., durch einen überlegenen Feind durchschlagen mußte

Bravour aussprechen zu können.

munus Leiß Ouzouer sur Tressee mit Energie wiedergenommen,

Am 14. Abends langten wir in unserem jetzigen Cantonuementsquartier Ouzouer sur Loire an,

welches etwa 6 Stunden von Briare entfernt ist.

4 Ubr Nachmittags eine wiederholte Annäherung Das Detachement wurde

das Regiment hat seine Schuldigkeit gethan! binern, auf den die Straße besetzt haltenden

Das Detachement mit seiner Bagage, mit seinen Vorräthen war gerettet.

zu zeigen, daß die Haltung des Regiments ic. an diesem Tage Anerkennung gefunden hat:Es gereicht mir zur großen Genugthuung, dem

meine volle Anerkennung für die dabei bewiesene 0 Schon am 12. haben einzelne Theile des Großherzoglichen 2. Infanterie- Regiments unter Führung des Haupt

Das Bewußtsein unserer Ueber? legenheit war festgestellt; am 14. hat dieses Be- wußtsein uns aus einer mißlichen Lage geholfen, wofür ich dem Detachement meinen Dank sage. 1 f

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