werden und er werde sich, wie er sich der Deputation gegenüber ganz offen aussprechen müsse, gegen eine jede Aenderung, namentlich aber da;
gegen aussprechen, daß ein Bataillon der Garnison
Gießen nach Friedberg dislocirt werde; wenn aber für das zweite, dermalen in Gießen garnisonirende Regiwent noch ein drittes Bataillon errichtet
werde, was indessen noch eine Frage der Zeit sei,
dann könne vielleicht Friedberg zur Garnison dieses Bataillons bestimmt werden. Endlich sprachen sich S. G. H. nach weiterem Verhandeln noch dahin aus, daß Sie, wenn es die Verhältnisse erlaubten, veranlassen wollten, daß vorläufig we⸗ nigstens eine Compagnie Infanterie nach Friedberg abwechselnd gelegt werde.
Um sich über die Gründe der Garnisonsver— legung auf das Genaueste zu informiren und um auf diese Weise auch Mittel und Wege in Er- fahrung zu bringen, die für jetzt oder doch für die Zukunft eine Aenderung der dermaligen Sachlage möglich machen dürften, begab sich die Deputation hierauf in das Kriegsministerium. Auch dort hatte sich die Deputation eines sehr freundlichen Empfangs zu erfreuen. Herr Oberst Dornseiff und Herr Oberkriegsrath Niepoth sprachen übereinstimmend ihr Bedauern darüber aus, daß Friedberg seine Garnison verloren habe, erklärten aber ebenso übereinstimmend, daß die Maßregel nur auf rein militärischen Gründen beruhe, weil es einestheils zum feststehenden Princip geworden sei, Garnisonen nur in größere Städte oder doch nur an solche Orte, die für die Militärzwecke und Bedürfnisse ausgiebige Einrichtungen besitzen und in die Bezirke der betreffenden Landwehrstämme zu legen und weil es anderutheils nicht angemessen sei, Regimenter zu vertheilen, wenn dies äußerst umgangen werden könne. Sie erklärten ferner, daß wenn für das zweite Regiment ein drittes Bataillon errichtet werde, Friedberg Hoffnung habe, dessen Garnison zu werden, vorausgesetzt jedoch, daß nicht gleich nahe gelegene Orte concurrirten und ihre Concurrenz durch Militärzwecken entsprechende Of⸗ ferten zu unterstützen wüßten. Beide Herren er⸗ klärten übrigens noch, worauf auch schon Seine Großherzogliche Hobeit Prinz Ludwig hingedeutet hatte, daß man in den maßgebenden militärischen Kreisen nicht habe annehmen können, daß die Stadt Friedberg auf eine Garnison besonderes Gewicht lege, einestheils, weil sich die Stadt bei militärischen Anforderungen nichts weniger als zu⸗ vorkommend gezeigt habe und anderntheils, weil, während doch schon längere Zeit von der Mög- lichkeit einer Aenderung der Barnisonsverhältnisse die Rede gewesen sei, doch von Seiten Friedbergs nicht gerade besondere Bemühungen zur Erhaltung der Garnison geschehen seien. Endlich eröffneten beide Herren noch der Deputation, daß nicht Friedberg, sondern Worms die Garnison verloren haben würde, wenn der ursprüngliche Organisations— plan durchgeführt worden sei, aß dieser Plan aber, ihnen selbst unvermuthet, von der Reichs- militärgewalt eine andere Gestaltung erlitten habe.
Aussichten auf einen augenblicklichen Erfolg liegen also nicht vor; allein alle Hoffnung ist jedoch nicht verloren und die Stadt Friedberg ist der Unterstützung Seiner Königlichen Hoheit des Groß— herzogs sicher, wenn sie es an weiteren energischen Bimühungen, namentlich zur Zeit der Formation eines dritten Bataillons des zweiten Regiments nicht fehlen läßt.
Dies meine Herren, ist die getreue Darstellung dessen, was die Deputation gethan und erfahren hat und es erübrigt der Deputation, welche mit dieser Berichterstattung ihre Mission für beendigt ansehen muß, nuc noch ihren Dank für das Ver- trauen auszusprechen, mit welchem Sie dieselbe beehrt haben.
Friedberg, den 25. Juni 1871.
Drentauo. Curlman. Foncar. Schimpff. Seyd.
Der Verlesung dieses Berichtes durch Herrn Hefgerichts⸗ Advokaten Seyd foigte unter dessen Leitung eine längete und lebhafte Besprechung der für unsere Stadt so sehr wichtigen Garnisons⸗ Angelegenheit und einigte man sich schließlich zu dem einmüthigen Beschlusse, in der von S. K. H.
dem Großherzoge angedeuteten Weise mit größter
Energie alle Kräfte zur Wiedererlangung einer Garnison rechtzeitig aufzubieten. Mit der ernsten Mahnung, daß die ganze Einwohnerschaft Fried- bergs in vereintem Streben Hand in Hand gehen und Jeder das Seine zur Erreichung dieses Zieles beitragen müsse, was gewiß allseitig ge
schehen werde, wurde die Versammlung geschlossen.
* Friedberg. Nach der„Darmst. Ztg.“ ist gleichzeitig mit dem Erlasse der in vorstehen⸗ dem Art.„Darmstadt“ mitgetheilten Cabinetsordre dem Ministerium des Innern eine Allerhöchste Entschließung zugegangen, durch welche das Militär⸗Sanitäts⸗Kreuz an 387 Personen verliehen wird. Dasselbe erhielten in unseren
nächsten Kreisen: Prof. Dr. Köhler, Naufm. Huber,
Reablehrer Dr. Ed. Schmid, Georg Hieronymus, Frau Regierungsrath Trapp, Frl. Hilda Dieffen— bach, Frau Ramspeck, Kreisarzt Dr. Lorenz, Dr. med. Wagner, Director Schäfer, Major Hauß, sämmtlich in Friedberg; Bürgermeister Schutt, Medieinalrath Dr. Ehrhard, Medieinalr. Dr. Bode, pract. Arzt Dr. Bode jun., Bade- meister Meister, sämmtlich in Bad⸗Nauheim; Frau Landrichter Gilmer in Butzbach, Kammerherr Wilhelm Löw zu Steinfurth, Pfarrer Heinrich Gust. Landmann in Rendel, Frau Gräfin v. Unruh in Groß⸗Karben, Frau Marie Berna in Büdes- heim, Frau Kreisrath v. Zangen in Vilbel, Frau Carolina Kinee in Nieder-Eschbach, Frl. Marie Eisenmenger in Höchst a. d. N., Frl. Johanna Hoffmann aus Altenstadt.
Friedberg. Am 24. Juni traf das 2. Bataillon des 2. Regiments auf seinem Marsch nach Gießen in unserer reichgeschmückten Stadt ein und wurde hier einquartiert. Am Mainzerthore vom Stadtvorstand, sowie von weißgekleideten Jungfrauen begrüßt, wurden die Truppen mit einem wahren Blumenregen überschüttek. Jeder Einwohner bemühte sich durch zuvorkommendes Benehmen und liebevolle Aufnahme in seinem Hause die Soldaten merken zu lassen, daß sie wieder auf heimischem Boden sich befinden. Am 25. Juni zog das 1. Bataillon desselben Regiments bier durch. An beiden Tagen wurden die Truppen seitens des„Verpflegungscomités für durchpassirende Krieger“ bewirthet. Dienstag Vormittag den 27. Juni erwartet man den Durchmarsch der in Butzbach garnisonirenden Reiterei unter Begleitung der Musik des betreffenden Regiments. Es wäre wohl am Platze, wenn der Schmuck unserer Straßen bis dahin erhalten bliebe und die theil— weise schon eingezogenen Fahnen wieder ausge— steckt würden.
Berlin. Der für Berlin ernannte fran— zösische Geschäftsträger, Marquis de Gabriae, seither erster Botschaftssecretär in Petersburg, ist gestern früh hier eingetroffen und hat Abends seine Reise nach Versailles fortgesetzt. Derselbe kehrt in etwa acht Tagen hierher zurück, um seinen Posten anzutreten.
— Der„Reichsanzeiger“ veröffentlicht die Gesetze, betreffend den Ersatz der Kriegsschäden, die Entschädigung der Rhederei und die Be— schaffung von Betriebsmitteln für die Eisenbahnen in Elsaß⸗Lothringen, ferner das Gesetz über die Beihülfen an ausgewiesene Deuische und das Ge— setz, betreffend den Erweiterungsbau des Dienst gebäudes des Reichskanzleramtes. 0
— Den bayerischen Mannschaften, welche zu dem Einzuge der Truppen hierher entsendet worden sind, ungefähr 150 an der Zahl, hat, wie die „Spen. Ztg.“ mittheilt, Se. Maj. der König Ludwig von Bayern laut nach hier gelangtem Befehl für die Dauer des Aufenthaltes in Berlin eine Extrazulage bewilligt. Dieselbe ist für den Feldwebel auf 3, für den Unteroffizier auf 2 und den Gemeinen auf 1 Gulden pre Tag festgesetzt.
— Det„Reichsanzeiger“ veröffentlicht einen kaiserlichen Erlaß, worin der Kaiser, für die an⸗ läßlich des Truppeneinzuges und der Friedensfeier von Gemeinden, Festgenossenschasten und einzelnen Personen ihm dargebrachten Glückwünsche seinen Dank ausspricht. Das genannte Blatt veröffent- licht ferner eine allerhöchste Cabinetsordre betref— fend die Bildung von Armeeinspectionen. Die erste Armeeinspection umfaßt das erste, fünfte und
sechste, die zweite das vierte, siebente u. neunte, die dritte das achte, zwölfte, vierzehnte, und fünf⸗ zehnte, die vierte das elfte und dreizehnte Armee · corps und die periodische Inspizirung des ersten und zweiten bayrischen Armeecorps. Das zweite, dritte und zehnte Armeccorps sind einer Armee⸗ inspection vorläusig nicht zugewiesen. Der. Reichs⸗ anzeiger“ veröffentlicht weiter eine Bekanntmachung, betreffend die Vorschriften zur Ausführung des Prämiengesetzes.
Bremen. In der Sitzung der Bürgerschaft wurde der Antrag angenommen, daß zum dauern⸗ den Gedächtniß an den glorreichen Frieden des Jahres 1871 silberne Denkmünzen zum Werth von 1 Thaler Gold zum Gesammtbetrag von 25,000 Thlr. ausgeprägt werden.
Leipzig. Die Durchtraneporte der Truppen des zweiten Armeecorps, welche am Dienstag den 20. d. M. begonnen haben, sind durch ein ent- setzliches Eisenbahnunglück unterbrochen worden. Der vorige Nacht um 1 Uhr auf der Berliner Bahn von bier abgelassene Zug, auf welchem sich das zweite Bataillon des Grenadier-Regiments Ne, 2 in der Stärke von 4 Offizieren und 1023
Mann befand, ist zwischen Rackwitz und Zschortau,
den beiden nächsten Stationen von hier aus, da⸗ durch verunglückt, daß infolge einer Entgleisung mehrere Wagen aufkinandergedrängt und zertrüm⸗ mert wurden. Leider haben hierbei 21 brave Soldaten, denen es vergönnt war, die Gefahren und Strapazen des Krieges glücklich zu überstehen, ihren Tod gefunden, während 42 Mann mehr oder weniger schwer verwundet worden sind. Die Unglücksstelle soll mit ihren Trümmerg einen ent⸗ setzlichen Eindruck machen. Einen ebenso ergrei⸗ fenden Anblick gewähren die Verletzten, welche hierher in das Barackenlazareth geschafft werden. Aerzte und Sanitätssoldaten sind an Ort und Stelle. Die Ursache der Entgleisung ist bis jetzt noch nicht ermittelt.— Weiter wird noch gemel⸗ det, daß die Verunglückten bereits bei Zschortau in einem gemeinsamen Grabe der heimischen Erde übergeben worden. Auch sie starben den Tod fürs Vaterland! Friede ihrer Asche! Die unver⸗ sehrt gebliebenen Kameraden haben ihnen die mili⸗ tärischen Ehren erwiesen und über ihr Grab ge— schossen.
1 Ludwigshafen. Der„Pf. Kur.“ erzählt: Am Samstage hielten 2 Militärzüge im hiesigen Bahuhofe, einer mit heimkehrenden 71ern und im daneben liegenden Grleise ein solcher mit Fran⸗ zosen. Letztere hatten Gelegenheit, dig Freude und den Jubel der deutschen Känpfer mit anzusehen und gaben ihrem Grimme durch mancherlei Ge⸗ berden Ausdruck, ohne jedoch thätlich zu werden. Ein anderer Transport derselben jedoch die auf der Strecke nach Weißenburg einem rückkehrenden Zuge begegneten, warfen beim Vorüberfahren mit Flaschen, Gläsern ꝛc. in die Wagen unserer Sol— daten hinein. Wie mitgetheilt wird, befindet sich eine namhafte Anzahl derselben zu Straßburg in sicherem Gewahrsam.
Straßburg. Vor einigen Abenden hat, nach dem„Niederrh. Kur.“ zwischen französischen Ge⸗ fangenen und Civilisten einerseits und deutschen Soldaten andererseits eine bedauerliche Schlägerei stattgefunden, wobei aus mehreren Häusern mit Steinen auf die deutschen Soldaten geworfen, aas einem Hause auch heißes Wasser herabgeschüttet wurde. Bedeutender Auflauf und Verhaftungen sind selbstverständlich.— Wie die„Volkszeitung“ aus militärischen Kreisen vernimmt, dürfte die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in Elsaß⸗ a schon in der allernächsten Zeit bevor⸗ stehen.
Ausland.
Frankreich. Paris. Das„Journal officiel“ veröffentlicht die Bedingungen der neuen Anleihe. Dieselbe besteht aus 5 pCt. Renten, zum Cours von 82. 50 ausgegeben, mit Zinsge⸗ nuß vom 1. Juli 1871. Der Nettopreis der Emission, d. h. unter Einrechnung der Einzahlungs⸗ termine und der Escomptebonification, stellt sich auf 79.27. Die Zinscoupons werden vierteljähr⸗ lich bezahlt, und zwar am 16. Februar, 16. Mai,
persch


