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reich zurückmarschirenden königl. sächsischen 2. Di- vision Nr. 24 hier für eine Zeit lang Garnison nehmen.
Berlin. Der„Reichsanzeiger“ enthält eene Bekanntmachung des Reichskanzleramts, wodurch das Oberbergamt zu Bonn zum Oberbergamte für Elsaß⸗ Lothringen bestellt wird. Eine weitere Bekanntmachung betrifft die Festsetzung der Ein⸗ theilung der Reviere in Elsaß Lothringen. Eine dritte Bekanntmachung bestimmt, daß sämmtliche Collegialgerichte in Elsaß⸗Lothringen am 1. Oct. ihre Wirksamkeit beginnen sollen.
— Vom 1. Oct. ab erscheint in Berlin ein neues Blatt, die„Demokratische Zeitung“, welche sich die Aufgabe gestellt hat, eine demokratische Partei zu bilden,„die Muth und Thatkraft ge— nug besitzt, dem Volke zu seiner Freiheit zu ver⸗ helfen“. Sie will„in populärster Weise zum Volke sprechen, dasselbe mit seinen Rechten vertraut machen und ihm die Mittel und Wege zeigen, durch welche es dieselben erreichen kann. Gleich⸗ zeitig wird die„Demokratische Zeitung“ der so— cialen Frage das lebhafteste Interesse widmen und nach Kräften dazu beitragen, dieselbe einer fried— lichen Lösung entgegen zu führen.“
— Der„Kreuzztg.“ zufolge hat Graf Arnim anläßlich der jüngsten in Lyon stattgefundenen groben Excesse gegen Deutsche sehr ernste Recla— mationen bei der französischen Regierung erhoben.
— Die Geschäfte des Reichskanzleramtes nehmen, wie die„C. S.“ meldet, so sehr zu, daß die Arbeitskräfte bei Weitem nicht mehr zureichen und auf eine weitere Vermehrung derselben Be— dacht genommen worden ist. Es ist die Rede von der Ernennung von zwei vortragenden Räthen, einem ständigen Hülfsarbeiter, 2 expedirenden Sekre— tären, 2 Registratoren, 2 Kanzleisekretären, 1 Reichs- kassenbuchhalter über den Etat für 1871 hinaus. Das Reichskanzleramt würde dann bestehen aus: dem Reichskanzler, dem Präsidenten des Reichskanzleramtes, dem Direktor, 6 vortragenden Rätßen, 5 ständigen Hülfsarbeitern, einem Bürean— vorsteher, 16 expedirenden Sektretären, Kalkula— toren und Registratoren, 1 Kanzleivorsteher und 9 Kanzleisekretären, nebst 16 Unterbeamten.
Köln. Wie man der„A. Z.“ mittheilt, hat die jüngst zu Fulda abgehaltene Conferenz der Bischöfe das Resultat gehabt, daß sich die hoch— würdigsten Herren in einer Immediat- Eingabe um Schutz der„Kirche“ an Se. Majestät den König gewandt haben.
In Königsberg sind am 18. Sept. c. beim Polizei ⸗Präsidium als an der Cholera erkrankt 52 und gestorben 40 Personen angemeldet worden.
Frankfurt. Die seit dem Juli unter- brochenen Friedensconferenzen sollen in laufender Woche dahier wieder eröffnet werden, und sind sowohl deutsche als französische Bevoll⸗ mächtigte dahier wieder eingetroffen.
Baden-Baden. Der König von Däne⸗ mark traf unter dem Namen eines Grafen von Moen hier ein, stattete dem Kaiser einen halb⸗ stündigen Besuch ab, empfing dessen Gegenbesuch und reiste Abends wieder ab.
München. Zum Altkatholikencongreß mehren sich die Anmeldungen von nah und fern mit jedem Tag; man rechnet im Voraus auf 6000 Theil— nehmer. Das Comite gibt sich alle Mühe, um sowohl den auswärtigen Theilnehmern Unterkunft zu verschaffen, als auch das Lokal für die öffent- lichen Versammlungen im Glaspalast geeignet her— zurichten. Freitag und Samstag Vormittag, nach Bedarf noch am Sonntag Vormittag, werden die berathenden Vorversammlungen im Saale des Muscums abgehalten, welchen blos die Delegirten und einige besonders geladene Persönlichkeiten an— wohnen. Samstag und Sonntag Nachmittag finden die öffentlichen Versammlungen im Glas- palast statt, zu welchen der Eintritt nur gegen Karten gestattet ist.
Bei dem großen Interesse, welches dem in München zusammengetretenen Congresse der Altkatholiken von den Gebildeten und Aufge⸗ klärten jeden Glaubens und aller Länder zugewendet ist, muß es von hoher Wichtigkeit sein, das diesen Berathungen zu Grunde liegende Programm aus-
führlich kennen zu lernen. Dasselbe, unter Zustim- mung von Professor v. Döllinger festgestellt, ent hält folgende Punkte: Wir halten fest an dem alten katholischen Glauben, wie er in der Schrift und Tradition bezeugt ist, sowie an dem alten katholischen Cultus. Wir lassen uns als vollbe⸗ rechtigte Glieder der katholischen Kirche weder aus der Kirchengemeinschaft noch aus den durch dieselbe erwachsenden kirchlichen und bürgerlichen Rechten verdrängen. Wir erklären die über uns wegen der Glaubenstreue verhängten kirchlichen Censuren für gegenstaͤndslos und willkürlich. Vom Standpuncte des im tridentinischen Symbolum enthaltenen Glaubensbekenntnisses verwerfen wir die unter dem Papste Pius IX. im Widerspruch mit der Kirchenlehre und den Grundsätzen des apostolischen Conecils zusammengebrachten Dogmen, insbesondere vom unfehlbaren Lehramte und von der höchsten Jurisdiction des Papstes. Wir balten fest an der alten Kirchen verfassung und verwerfen jeden Versuch, die Bischöfe aus der unmittelbaren selbstständigen Leitung der einzelnen Kirchen zu verdrängen. Dem tridentinischen Canon zufolge besteht eine göttlich gestiftete Hierarchie von den Bischöfen, Priestern und Diakonen. Wir bekennen uns zum Primat des römischen Bischofs, wie er auf Grund der Schrift von den Vätern and Concilien anerkannt war. Wir erklären, daß Glaubenssätze nur im Einklange mit der heiligen Schrift desfinirt werden können, und die Lehrent— scheidungen eines Coneils in dem unmittelbaren Glaubensbewußtsein des katholischen Volkes, in der theologischen Wissenschaft sich als überein— stimmend mit dem ursprünglichen überlieferten Glauben der Kirche erweisen müssen. Wir wahren der katholischen Laienwelt, dem Clerus wie der wissenschaftlichen Theologie bei der Feststellung der Glaubensregeln das Recht des Zeugnisses und der Einsprache.[Wir erstreben eine Reform in der Kirche, welche die heutigen Gebrechen und Mißbräuche im Geiste der alten Kirche heben und
Wirksamkeit dieses Ordens ein Ende gemacht wird.
Als Glieder der katholischen, durch die vatikanischen Dekrete noch nicht alterirten Kirche, welcher die Staaten politische Anerkennung und öffentlichen Schutz garantirt haben, halten wir unsere An⸗ sprüche auf alle realen Güter und Besitztitel der Kirche aufrecht. München, 21. September. Das Redactions-Comite: Döllinger, Reinkens, Schulte, Huber, Maaßen, Langen, Friedrich.
— 22. Sept. In der nicht öffentlichen be. rathenden Versammlung sind circa 500 Delegirte von bedeutendsten Namen anwesend. Oberstaats- anwalt Wolf, Vorstand des Münchener Actions Comites, eröffnet die Sitzung mit einer kurzen Ansprache, übergibt das Ehrenpräsidium dem Professor Schulte(Prag), das Ehrenvicepräsidium an Dr. v. Windscheid(Heidelberg) und Dr. Keller (Nationalrath von Aarau). Professor v. Schulte tritt das Präsidium mit der Erläuterung des Standpunktes der Bewegung an und dementirt die in der Presse erschienenen unrichtigen Pro— gramme. Reserenten sind die Professoren Huber und Reinkens, Ersterer beginnt sein Referat über das Programm. Er verliest die einzelnen Artikel des Programme und erläutert dieselben satzweise. Professor v. Döllinger, bei dessen Auftreten sich die Versammlung unter lebhaftester Beifallsbe⸗ zeugung erhebt, gibt über das Wesen der Kirchen von Utrecht eine historische Erläuterung. Nach⸗ dem er gesprochen, erklärte sich Prof. v. Schulte verpflichtet, Döllinger, als dem geistigen Urheber der pflichtnäßigen Opposition, für sein standhaftes Wirken seinen Dank auszusprechen, und fordert die Versammlung auf, dieser Anerkennung Ausdruck
zu geben, worauf sich dieselbe unter dreimaligem
Hochrufe abermals erhebt. Hierauf beendet Huber sein Referat. Der Präsident schlägt vor, im
Hinblick auf die gegebenen klaren Erklärungen
von einer allgemeinen Discussion abzusehen und
wird hierauf in die Specialdebatte eingetreten.
die berechtigten Wünsche des Volkes auf Theil— nahme au u den kirchlichen Angelegenbeiten erfüllen der Kirche von Utrecht Vorwurf des Jansenismus ist grundlos. Zwischen ihr und uns besteht kein dogmatischer Gegensatz. Wir boffen auf die Wiedervereinigung mit der griechisch-orientalischen und der russischen Kir he, deren Trennung ohne genügende Ursache erfolgte und in keinem wesentlichen dogmatischen Unter— schiede begründet ist. Wir erwarten unter Vor— aussetzung der angestrebten Reformen dem Wege der Wissenschaft und der fortschreilen— den schristlichen Cultur allmählich eine Verständigung mit den übrigen christlichen Confesstonen, namentlich mit den protestantischen und bischöflichen Kirchen Englands und Amerikas. Wir halten bei Heran— bildung des Clerus die Pflege der Wissenschaft für unentbehrlich und wünschen die Mitwirkung der weltlichen Obrigkeit zur Heranbildung eines sittlich frommen, wissenschaftlichen und patriotischen Clerus.]“) Wir verlangen für den niederen Clerus eine würdige, gegen hicrarchische Willkür geschützte Stellung und verwerfen die willkürliche Versetz⸗ barkeit des Seelsorgs-Geistlichen. den die bürgerliche Freihtit und die humanitäre Cultur verbürgenden Verfassungen unserer Länder
Wir halten zu
und erklären, unseren Regierungen im Kampfe gegen den irn Syllabus dogmatisirten Ultramon— tanismus treu und fest zur Seite zu stehen. Da offenkundig durch die Jesuiten die gegenwärtige unheilvolle Zerrüttung verschuldet worden ist, da dieser Orden seine Machtstellung mißbraucht, um in der Hierarchie, dem Clerus und dem Volke culturfeindliche, staatsgefährliche und antinationale Tendenzen zu verbreiten und zu nähren, und da er eine falsche corrumpirende Moral lehrt, so sprechen wir es als unsere Ueberzeugung aus, daß Friede, Gedeihen und Eintracht in der Kirche und ein richtiges Verhältniß zur bürgerlichen Gesell. schaft eist möglich ist, wenn der gemeiaschädlichen
Die Berathung, welche bis gegen 2 Uhr dauerte, gedieh bis zum Punkte 4 excl., betreffend die Heranbildung des Clerus. An der Discusston betheiligten sich Prof. Michelis, Ossinin(Peters⸗ burg), Anton(Wien), Nittel(Warrensdorf), Stumpf(Coblenz), Schwicker(Ofen), Döllinger, Keller(Aarau), Maaßen(Wien), Tangermann (Bonn), Wollmann(Braunsberg) und die Re— serenten. Nachmittags 3¼ Uhr wird die Sitzung fortgesetzt. Es entspann sich eine lebhafte Debatte vorerst über Artikel 4, die Bildung des Clerus betreffend, wobei Döllinger eindringlich vor der
Anrufung der welllichen Obrigkeiten betreffs der
Erziehung der Geistlichkeit warnte. Nach der Durchberathung der einzelnen Artikel wird das ganze Programm mit folgenden wesentlichen Aenderungen an Art. 3 und 4 angenommen, und zwar Art. 3 in folgender Fassung:„Wir er⸗ streben unter Mitwirkung der theologischen und canonistischen Wissenschaft eine Reform in der Kirche, welche im Geiste der alten Kirche die
insbesondere die berechtigten Wünsche des katho— lischen Volkes auf verfassungsmäßig geregelte Theil nahme an den kirchlichen Angelegenheiten erfüllen werde, wobei unbeschadet der kirchlichen Einheit in der Lehre die nationalen Auschauungen und
Bedürfnisse der katholischen Völker Berücksichtigung finden können. Wir erklären, daß der Kirche don Utrecht der Vorwurf des Jansenismus grundlos gemacht wird und folglich zwischen ihr und uns kein dogmatischer Gegensatz besteht. Wir hoffen auf eine Wiedervereinigung mit der griechisch— orientalischen und russischen Kirche, deren Trennung ohne zwingende Ursachen erfolgte und in keinen unausgleichbaxen dogmatischen Unterschieden be— gründet ist. Wir erwarten unter Voraussetzung der angestrebten Reformen und auf dem Wege der Wissenschaft und der fortschreitenden christlichen Cultur allmählig eine Verständigung mit den pro- testantischen und bischöflichen Kirchen.“ Art. 4 lautet jetzt:„Wir betrachten die künstliche Abschlie—
) Die vorstehend in Klammern(] gestellten Sätze ßung des Clerus von der geistigen Cultur des Jahr⸗
des Programms haben in der vorberashenden Versamm⸗ lung wesentliche Abänderungen erfahren, wie solche in dem
hunderts(in Knabenseminaxien und einseitig von
unten folgenden Berichte über die Sitzung vom 22. Sept. Bischöfen geleiteten höheren Lehranstalten]) bei
mitgetheilt sind.
dessen großem Einfluß auf die Volkscultur zur
heutigen Gebrechen und Mißbräuche heben und
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