— Ueber die Fortsetzung der Operationen gegen Bourbaki meldet der Telegraph bis jetzt nichts, dagegen hat General v. Treskow in der Belagerung von Belfort wesentlich Fortschritte gemacht, die Gehölze Taillis und Baillg, sowie das Dorf Perouse dem Feinde abgenommen und seine Batterien bis auf 1200 Schritt dem Fort Perches genähert. Aus Mühlhausen wird ferner von zahlreichem Geschütze gemeldet, das nach Belfort destimmt, diese Stadt passirte. Da noch immer Nichts über das Eintreffen Bourbaki's in Besangon verlautet, dürfte sich die Lage dieses Generals immer schlimmer gestalten.
Hessen. Darmstadt. Am 22. Abends kamen mit der Bahn die 5 von unserer Infanterie bei Chambord genommenen französischen Geschütze hier an. Mit Blitzesschnelle hatte folgenden Morgens sich diese Kunde in der Stadt verbreitet und rasch prangte die Rheinstraße und mehrere Nebenstraßen im Fahnenschmuck. Eire unabsehbare Menschenmenge hatte sich dald am Bahnhof ge— sammelt, um den Einzug der Geschütze und ihrer tapferen Begleitmannschaft, zu deren Empfang die ganze Garnison in Galla ausgerückt war, mit anzuseben. Unter unermeßlichem Jubel langten dieselben unter Führung des bei dem Sturm auf Schloß Chambord betheiligten Lieutenants Neßling um 11 Ubr im Großberzoglichen Schloß an, um von dem Großherzog inspicirt zu werden. Der⸗ selbe richtete im Schloßhof an die Tapferen eine Ansprache, worauf die Geschütze in's Zeughaus übergeführt wurden.
— Wohl im Hinblick auf die bevorstehende Capitulation von Paris ist Großherzoglichem Kriegsministerium der Auftrag geworden, für die Aufnahme von 3000 Gefangenen Räumlichkeiten herzustellen, und ist deßhalb die sofortige Errich- tung eines Barackenlagers auf dem Exertierplatze, gegenüber der Reiterkaserne, angeordnet worden. Die Arbeiten, unter Leitung des Militärbau— meisters, Herrn Baurath Wehland, haben bereits begonnen, und wird das Lager in etw 3 Wochen fertig dastehen. Es werden Holzzelte mit doppelter Verschalung, Werkstätten für Schuhmacher und Schneider, eine große Küche, Wohnung für den Lagerinspicienten, Wachtlocal ꝛc. errichtet. Das Ganze wird mit einem Graben umzogen.
— Die Subscription auf 30,600,000 Thaler oder 4,500,000 Pfund Sterling, fünfjährige, fünfprocentige Schatzanweisungen des Nord- deutschen Bundes findet gleichzeitig bei den in einer Bekanntmachung vom 19. Januar 1871 bezeichneten Stellen am Donnerstag den 26. Jan. und am Freitag den 27. Jan. a. C., von 9 Uhr Vormittags bis 1 Uhr und von 3 bis 5 Uhr Nachmittags(hier bei der Oberpostkasse) statt und wird alsdann geschlossen. Der Subscriptionspreis ist 96½% und sind die Bedingungen derselben die der letzten Ausgabe von Schatzanweisungen.
Mainz. Die Dislocation der Gefangenen wird auf's Aeußerste beschleunigt: 8000, nach Umständen auch 12,000, werden von bier in Garnisonen in's Innere verlegt, dagegen 15,000 von den neueren Gefechten bier erwartet. Bereits sind einige Züge abgelassen. Der Eisenbahn— verkehr dient überhaupt fast ausschließlich seit einigen Tagen dem Kriege. Eines Theils werden die französischen Arsenale gänzlich geräumt, und kommen seit einigen Tagen auch massenhafte Trans- porte von ganz neuen eroberten Gewehren hier an. Anderen Theils haben die Eisenbahnver— waltungen der rheinischen Linien Weisung erhalten, sofort große Wagen⸗Colonnen zur Verfügung des Hauptquartiers(wahrscheinlich für Gefangenen und andere von Parié abzulassende Transporte) bereit zu stellen.
Preußen. Berlin. Graf Bismarck wird, wie man von bier meldet, seinen bisherigen Amis— titel als norddeutscher Bundeskanzler in den eines deutschen Reichskanzlers verwandeln.
— Dieser Tage wurden zwei hier lebende Franzosen, Dr. Mercier und sein Secretär, auf Requisition des 9. Armeccorps-Commandos ver— haftel, weil sie der Conspiration mit französischen
zur Untersuchung nach Altona befördert. f
— Die„Kreuzztg.“ schreibt:„Nachdem Graf Bismarck abgelehnt hatte, Jules Favre einen Ge⸗ leitschein auszustellen, bat sich dieser an die Militärbehörde mit dem Ersuchen um einen Passix⸗ schein gewendet, von welcher er ihn natürlich ohne alle politischen Consequenzen erhalten hat.“
Sachsen. Dresden. Nach einer Ber- liner Correspondenz des„Dresdener Journals“ dürften die allgemeinen Reichstagswahlen am 3. März, die Berufung des Reichstags zum 9. März und die Einberufung des Bundesrathes zum 20. Februar erfolgen.
Bayern München. Die„Correspondenz Hoffmann“ meldet, daß die Gemeindebehörden an⸗ gewiesen werden, die Wählerlisten für den deut— schen Reichstag ungesäumt herzustellen und am 3. Februar öffentlich aufzulegen.
— Der Minister Freiherr v. Prankh und v. Lutz sollen in den nächsten Tagen behufs Voll⸗ ziehung der Ratification der Bundesverträge nach Berlin abreisen.
Würtemberg Stuttgart. Der„St.“ Anz.“ erfährt laut einer telegraphischen Mittheilung der Direktion der Verkehrsanstalten in Karlsruhe, daß wegen erfolgter Sprengung der Moselbrücke bei Toul momentan nur Truppen- und Muni⸗ tionszüge, nicht aber Lastzüge über Toul nach Paris befördert werden können 5
— Wie der„Staatsanzeiger“ vernimmt, würden die Reichstagswahlen, welchen die Er— öffnung des Reichstages alsbald nachfolgen dürfte, nicht vor Anfang März stattfinden.
Schweiz Basel. Der hiesigen inter⸗ nationalen Agentur ist die Nachricht zugekom⸗ men, daß allein zwischen Belfort und Lure über 2000 französische Verwundete von Bourbaki ohne Hülfe zurückgelassen wurden, daß dieselben zwar so gut als irgend möglich von den Be— wohnern der Orte untergebracht worden, daß es aber an ärztlicher Behandlung fehle. Un— verzüglich sandte dann diese Agentur Aerzte und Krankenwärter dahin. Bourbaki's Rückzug muß demnach ein sehr überstürzter gewesen sein.
Bern, 23. Januar. Nach Berichten aus dem schweizerischen Hauptquartier marschirt ein französisches Detachement mit Geschützen der Grenze entlang auf Abbevillers.
Frankreich. Bordeaux. Das„Journal officiel“ cus Paris enthielt die Nachricht aus Bordeaux vom 14. Jan., dahin lautend, daß General Chanzy geschlagen sei und 12 Geschütze sowie 10,000 Mann Gefangene verloren habe. Die„Corrtspondance Havas“ vom 20. Januar sagt hierzu, daß sich Paris hierdurch in seinem Stoicismus nicht beirren lasse; indessen sei mit Rücksicht hierauf dem Angriff der Pariser Be— satzung gegen die Position des Feindes im Süd— westen der Hauptstadt plötzlich Einhalt gethan worden, da der Generalstab wahrscheinlich während des Kampfes am 19. Jan. von dem Rückzug des Gentrals Chanzy Nachricht erhielt und unnützes Blutvergießen vermeiden wollte.
— Ueber den letzten Pariser Ausfall liegen folgende Nachrichten vor: Der Kampf begann Morgens und erstreckte sich von Montretout bis Ravin(2). Französischerseits waren 10,000 Mann und starke Artillerie im Gefecht. Der Rapport des Generals Trochu von 10 Uhr Abends besagt: „Der Tag begann glücklich, hatte aber nicht den Erfolg, den wir erwarteten. Der Feind ent— wickelte starke Artillerie mit bedeutenden Infan⸗ terieresetven. Um 3 Uhr gerieth unser linker Flügel ins Wanken; bei Anbruch der Nacht konnte die wieder versuchte Offensive nicht zur Entwick⸗ lung gelangen, da das feindliche Feuer hestig fortdauertte. Wir außten deßhalb die von uns besetzten Höhen räumen. Der Kampf war blutig.“ General Trochu befahl dem Genkcralstabschef Schmitz, um einen 48 stündigen Waffenstillstand nachzusuchen.
— 22. Jan.
Starke feindliche Colonnen mit Artillerie haben gestern versucht, Dijon zu
nehmen. Die Garibaldianer haben den Angriff in cinem zwölfstündigen Kampf zurückgeschlagen.
(Kriegsgefangenen verdächtig ind. Sie würden] Die Schlacht dehnte sch von Val Sußel biz“ Fontainelez Dijon und Talant aus. Unsere
Truppen haben ihre Positionen gehalten und haben andere genommen. Die Verluste sind beträch! aber geringer als die des Feindes. Die Schl hat heute wieder begonnen.(Ueber die vor-“ erwähnte Schlacht sind bis jetzt noch keine Nach⸗ richten von deutscher Seite eingetroffen.)
— Die Antwort des Generals Aurelles de Paladines an Gabetta lautet: Ich will ein Commando nur dann haben, wenn es mir von einer ordnungsmäßigen Regierung übertragen wird, die es ihre erste Amtshandlung hat sein lassen, die Ehrsüchtigen und Unfähigen, die Frankreich zu Grunde gerichtet haben, vor den Richter zu stellen.“
— Die Regierung erhielt am 22. Januar von Spanien die officielle Notification der Thron⸗ besteigung des Königs Amadeus. Berichte aus Marseille vom 21. Januar melden, daß auf Be⸗ febl des Präfecten 1200 Deutsche ausgewlesen wurden. 0 5
Lille. Die Journale sprechen sich zu Gunsten des Friedens aus. Das„Echo du Nord“ schreibt:
„Die Menschlichkeit redet eine lautere Sprache
als die Empfindlichkeit und Eigenliebe. Unsere Ehre ist unverletzt. Die Londoner Conferenz bietet unsern Bevollmächtigten von Neuem die Gelegenheit, dem Kaiser von Deutschland entweder das Schwert oder den Oelzweig darzubieten. Wir müssen diese Gelegenheit ergreifen, die Mensch⸗ lichkeit, die Vernunft gebieten es!“ Ebenso spricht sich das„Memorial de Lille“ aus. 1
— Der General Paulze de Ivoy ist hier angekommen. Die Franzosen sollen bei Saint Quentin nur 30—35,000 Mann stark gewesen sein. Die preußische Artillerie zählte 180 Ka⸗ nonen. Die Mobilen von Lille zeigten sich wäh⸗ rend der Schlacht sehr standhaft.— Preußische Ulanen haben sich des Bahnhofs von Cattenieres (südöstlich von Cambrai) bemächtigt. Ein feind⸗ liches Detachement hat bei Rumilly, in der Nähe von Masnieres, Arbeiten zur Aufstellung von Belagerungsbatterien gegen Cambrai begonnen. Aus guter Quelle wird berichtet, daß die bei der Schlacht am 19. d. betheiligten preußischen Truppen theilweise unter die Mauern von Paris zurück- gekehrt sind.
— 23. Jan., Abends 10 Uhr. Gambetta ist nach Calais abgereist. Vor Longwy wufde am Nachmittag ein Ausfall zurückgewiesen. Ein am Vormittag gemachter Versuch, die Festung durch Ueberrumpelung zu nehmen, ist mißlungen.
— 22. Januar. Die Beschießung von Cam- brai hat seit heute Nachmittag 1 Uhr begonnen. Die Nordarmee wird überraschend schnell reconstituirt; die zerstreuten Soldaten kommen in Masse zurück. General Faidherbe ruhte einige Tage hier aus; er wird heute wieder abgehen.
— Aus Arlon vom 23. Jan. wird gemeldet: Das Bombardement von Longwy wird Tag und Nacht fortgesetzt. Die Festung antwortet schwach. Die„Etoile belge“ will wissen, daß das Bomj⸗ bardement von Cambrai bereits begonnen habe. Dasselbe Blatt meldet aus Lille, 23. Januar, es habe an diesem Tage daselbst unter dem Vorsitz Gambetta's ein Kriegsrath, an welchem die Ge⸗ nerale Faidherbe, Farre und Paulze theilnahmen, stattgefunden. Der General Robin ist seiner Stelle als Divistonsgencral enthoben und an seiner Stelle Oberst Isnard ernannt worden.
— General Faidherbe hat eine Proclama-⸗ tion an seine Truppen gerichtet. Er beglück⸗ wünscht dieselben zu ihrer guten Haltung und erklärt, nach einigen Tagen der Ruhe träfen Diejenigen, welche geschworen Frankreich zu Grunde zu richten, die Nordarmee wieder auf dem Kampsplatz.— Hier ist das Gerücht ver⸗ breitet, Landrecies sei bereits cernirt. Bei Jvuy(uordöstlich Cambrai) haben sich preu⸗ bische Plänkler gezeigt, 1
Havre, 22, Jan. Die Deulschen haben
Orbee besetzt, nachdem sie ein Gefecht mit der Nationalgarde gehabt. Lisieux ist bedroht. Gace soll 45,000 1 Contributi nen entrichte 5 und hat davon 10,000 Frs, bereit begabt. Die
3. 7 1 1 Preußen rücken eben in Bern ay ein.


