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1871.
Donnerstag den 26. Januar.
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berhessischer Anzeiger.
Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.
Fritdberger Jutelligenzblatt.
Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.
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Kriegs nachrichten. Officielle militärische Nachrichten. Versailles, 22. Jan. Vor Paris er⸗ — 5 die Beschießung gegen St. Denis gute esultate. Am 22. verstummte dort das Feuer af ganz. In St. Denis, wie auch in Paris, semerkte man mehrere Feuersbrünste.
Eine fliegende Colonne unter Oberstlieutenant
Debschitz zersprengte in der Gegend von Bour⸗ nont an der oberen Maas Mobilgarden; feind— licher Verlust über 180 Mann, diesseits 4 ver- vundet. v. Podbielsky.
Bourogne, 22. Jan. In der Nacht vom
21. zum 22. wurden die Laufgräben gegen die
Perches in der Linie Danjoutin bis Perouse ohne
Berlust eröffnet.
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v. Tresckow.
Versailles, 23. Jan. Am 21. Januar
besetzten Abtheilungen der deutschen Süd- Armer
nach leichtem Gefechte Döle und nahmen 230 nit Lebensmitteln, Fourage und Bekleidung be— ladene Eisenbahnwagen.
Am 22. Januar wurde die Eisenbahn-Mosel- brücke zwischen Nanch und Toul durch eine Franktireurs-Bande gesprengt.
Im Norden hat die erste Armee das Terrain bis zu den Festungen vom Feinde gesäubert. v. Poadbielsky.
Aus Versailles wird vom 18. Januar über die Feier der Annahme des Kaisertitels
Seitens des Königs gemeldet: Morgens rückten
die Fahnen und Standarten aus den Conton— nements der dritten Armee und der beiden bayerischen Armeccorps hier ein. ½12 Uhr war Versamm⸗ lung in der Spiegel- Gallerie(„des Glaces“) guf der Gartenseite. In der Mitte stand ein Altar, umgeben von der Militärgeistlichkeit der dritten Armee. Am Ende des Saales befand ssch eine Estrade, auf welcher Fahnen und Standarten fanden. Die Mannschasten, welche die Fahnen cbcortirt hatten, und Deputationen der Regimenter landen links, die Militärmusik rechts neben dem Altar, das Offiziercorps an den Langseiten des Altars. In den Vorsälen und auf den Treppen befanden sich, als Stabswache, Repräsentanten aller Regimenter der Armee. Der König, der Kronprinz und die übrigen Prinzen und anwesen⸗ den Fürsten nahmen gegenüber dem Altare Platz Nach Absingung eines Chorals folgte die Liturgie, de Festrede hlelt der Divisionsprediger Rogge. Der König begab sich nach der Estrade, hinter uhm die Fürsten. Der König hielt eine Ausprache, worauf die Verlesung der bezüglichen Urkunde durch den Grafen Bismarck statifand. Die gunbgebung der Proklamation über die Annahme bes Kaisertitels folgte. Die Anwesenden stimniten ein in den Ruf:„Hoch Kaiser Wilhelm!“ Ein Desile schloß die Feier.— Graf Bismarck ist zum Gent rallitutenant ernannt worden.
— Unterm 18. d. hat der König aus dem bauptquartler Bersallles anläßlich der Uebernahme ur Kalserwürde folgenden Armkebefehl erlassen:
„Mit dem heutigen Tage, für mich und mein Haus so denkwürdig, nehme ich im Einverständ⸗ eiß mit allen beutschen Fürsten unter der Zu-
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stimmung der deutschen Völker neben der durch Gottes Gnade ererbten Stellung eines Königs von Preußen auch die eines deutschen Kaisers an. Eure Tapferkeit und Ausdauer, für welche ich Euch wiederholt meine Anerkennung aussprach, beschleunigte das Werk der neueren Einigung Deutschlands: ein Erfolg, den Ibr mit Einsetzung Eures Blutes und Lebens erkämpftet. Seid ein- gedenk, daß der Sinn für Ehre, treue Kamerad- schaft, Tapferkeit und Gehorsam eine Armee groß und siegreich macht. Erhaltet Euch in diesem Sinne, dann blickt das Vaterland immer wie heute mit Stolz auf Euch und Ihr werdet immer sein starker Arm sein.“
— Der„Times“ wird aus Versailles vom 14. Januar geschrieben: Es steht fest, daß sich die deutsche Artillerie als sehr gut bewährt, daß sie aber die der Franzosen nicht in dem Maße übertraf, wie es wohl die ersten Tage der Fall zu sein schien. Die Batterien der Deutschen sind gewöhnlich gruppenweise aufgestellt. So zählt man, von der Linken angefangen, Nr. 1 isolirt, die von Montretout dicht bei St. Cloud, dann folgen vier auf dem Plateau von Meudon, darch ein Thal getrennt Nr. 19 und 20, woran sich zur Rechten und im Hintergrunde der letzten vor
Plessis Piquit zwei weitere schließen; endlich folgt
eine lange Reihe vor der bayerischen Redoute am Rande des Plateau's von Bievre, oberhalb Cha- tillon, Fontenay, Bayneux c., eilf an der Zabl. Ohne Indiscretionen zu begehen, kann angegeben werden, daß am 12. ein Laufgraben zwischen Chatillon und Clamart eröffnet wurde. Die erste Parallele auf dieser Seite. Bei Nacht rückten 1200 Pionniere unter Bedeckung von 2500 Mann zum Ausschauseln aus und arbeiteten so wacker, daß Morgens gegen 4 Uhr die Tranchee vollendet war und sie mit Hinterlassung gut gedeckter Wachen zurückgehen konnten. In der Nacht vom 13. nun richteten die Franzosen einen starken Angriff, nach Aussage der Gefangenen mit acht Mataillonen, gegen diese Parallele. Starkes Ge— wehrfeuer entwickelte sich auf der ganzen Linie und die deutschen Batterien sprachen auch ihr Wort mit. Drei Bataillone Bapern hielten den Anstoß drei Stunden lang aus und warfen schließ— lich die Feinde mit dem Bayonette zurück.
— Die deutsche Armee, welche neuerdings im Südosten Frankreichs gebildet und unter den Oberbefehl des Generals der Cavalerie Frhrn. v. Manteuffel gestellt worden ist, hat die Benennung deutsche Südarmee erhalten. Sie wird ihre Operationen aach dem Süden Frankreichs aus- dehnen.
— Nach der„Straßb. Ztg.“ sind in Mühl⸗ hausen am 19. Jan. 504 Gefangene von der Armee Bourbaki's angekommen, 800 Gartbaldianer waren angekündigt. Umgekehrt brachte der Zug von Straßburg 8 Geschütze schweren Kalibers für Belfort. Die dortige Garnison soll täglich Ausfälle machen, das Feuer der Belagerer fast keinen Augenblick aufhören.
— General v. Werder hat folgenden Armee— Befehl erlassen:„Das 14. Armeecorps und die um Belfort vereinigten Truppen haben durch ihre außerordentlichen Leistungen in Ertragung von
Strapazen, größter nur denkbarster Art, sowie durch ihre glänzende Tapferkeit dem Vaterlande einen Dienst geleistet, den die Beschichte gewiß zu den denkwürdigsten Ereignissen des ruhmreichen Feldzuges zäblen wird. Es ist uns gelungen, den sehr überlegenen Feind, der Belfort entsetzen und in Deutschland einfallen wollte, aufzuhalten und sodann siegreich abzuweisen. Mögen die Truppen, auf deren Leistungen die Augen Deutsch⸗ lands gerichtet waren, zuvörderst in diesem Er- folge einen Lohn für ihre Mühe erblicken. Der Dank Sr. Majestät wurde mir bereits aller⸗ gnädigst übermittelt. Meine aufrichtigsten Glück⸗ wünsche für diese ruhmreichen Tage vom 14. bis 18. Januar füge ich binzu. gez. v. Werder.
— Nach langer Pause wieder einmal ein Lebenszeichen von der Festung Bitsch. Dem „Niederrh. Kur.“ schreibt man von dort vom 20. Januar:„Nach drii Monaten Ruhe hat, wie es scheint, die französische Besatzung lang- weilig gefunden, Zweibrücker Bier zu trinken, pfälzer Ochsensleisch zu essen und die von der deulschen Post bezogene„Jndependance belge“ zu lesen. Zur Abwechslung hat sie nun in der letzten Nacht einen durch lebhaftes Artilleriefeuer unterstützten Ausfall gemacht, wurde aber von dem bayerischen Observationstorps zurückgeschlagen. Verlust noch unbekannt.“
Straßburg. Nach einer in mehreren deut- schen Blättern erschienenen Anzeige bat das Bundeskanzleramt eine Lieferung von 80 Loco- motiven und 2000 Wagen für das General- gouverntment Elsaß ausgeschrieben. Diese mit Rücksicht auf die Verkehrsverhältnisse sehr erfreu⸗ liche Thalsache ist auch nach einer andern Seite hin nicht ohne Interesse: da nämlich die biesige Eisenbahnbetriebs-Commission bisher vom preußi⸗ schen Handelsministerium ressortirte, so wird durch die Intervention des Bundeskanzleramtes in dem vorliegenden Falle bereits der Uebergang von Elsaß und Lothringen in die Stellung eines reichs- unmittelbaren Vorlandes angedeutet.
— Ein zweites Zeitungsverbot in Straßburg: „Bekanntmachung. Die in Basel erscheinende Zeitung„Schweizerischer Volksfreund“, Organ der Liberalen Basels, welche in feindlicher Weise gegen die deutsche Verwaltung agtitirt, wird bier mit für den Bezirk des General- Gouvernements verboten. Straßburg, den 20. Januar 1871. Der General-Gouverneur im Elsaß: Graf von Bismarck- Bohlen, Generallieutenant.“
Aus Baden, 23. Januar. Lure und Vesoul sind wieder von den Truppen des Generals v. Werder besetzt. Mit der temporären Räumung Vesouls war seinerzeit auch die Etappen straße für die badischen Truppen über Epinal aufgegeben und gingen alle Transporte über Mühlhausen bis Dannemarie. Jetzt wird jene Route wieder in Gang kommen. Gray ist gleich- falls von den Deutschen besetzt, ebenso nach fran— zösischer Meldung Döle, von wo die südliche Bahnlinie nach Lons le Saulnier führt, vielleicht die einzige Straße, die für Bourbaki noch frei bleibt. Es ist sehr fraglich, od der Weg nach Westen nicht bereits in Folge des für Garibaldi ungünstigen Gefechts bei Dijon verlegt ist.


