Ausgabe 
25.7.1871
 
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Deutsches Reich.

Darmstadt. Mit der Berichterstattung über den von dem Allg. Hallwachs und Genossen ge⸗ stellten Antrag auf alsbaldige Vorlage eines neuen Wahlgesetzes zur Stände Versammlung resp. die in Aussicht stehende Weigerung der 2. Kammer, auf eine von der Regierung kürzlich angeordnete Berathung des neuen Budgets für die Finanz- periode 1872/74 einzugehen, wurde der 2. Präsi⸗ dent der Kammer, zugleich auch Vorsitzender des Finanz- Ausschusses. Abg. Wernber, beauftragt.

Am 22. d. wurde eine Anzahl Mann- schaften der biesigen Garnison entlassen, da die- selben jetzt zur Reserve übertreten.

Berlin. DieKreuzzeitung bezeichnet die Mittheilung, daß der Kaiser sich in nächster Woche nach Wiesbaden begeben werde, als durchaus unrichtig. Vor der Beendigung der Kur, also Anfangs August, ist an weitere Reisen nicht zu denken. Ueber die Art der Nachkur scheint bisher keine Bestimmung getroffen zu sein. Uebrigens bekommt die Emser Kur dem Kaiser wohl. Mi nister von Eulenburg ist heute in Berlin eingetroffen.

DerStaatsanzeiger veröffentlicht eine königliche Verordnung, durch welche die im Mi⸗ nisterium der geistlichen, Unterrichts- und Medi cinal⸗ Angelegenheiten jetzt bestehenden gesonderten Abtheilungen für evangelische und katholische Kirchenangelegenheiten aufgehoben und deren Ge schäfte einer Abtheilung für geistliche Angelegen⸗ heiten übertragen werden.

Das Gesetzblatt für Elsaß und Lothringen veröffentlicht das Gesetz, betreffend die Einführung der deutschen Zoll⸗Sieuergesetzgebung in Elsaß Lothringen, und zwar sollen das Vereinszollgesetz vom 1. Juli 1868, die Gesetze, betreffend die Besteuerung des Zuckers, die Abgaben vom Salz, sowie der Zollvereinstarif, soweit sie nicht bereits in Wirksamkeit sind, an einem durch den Reichs- kanzler festzusetzenden Tage in Kraft treten.

Die Frage, ob die im Verlauf des letzten Krieges deutscherseits erbeuteten Eisenbahntrains als wahre und wirkliche Kriegsbeute zu betrachten und damit für Frankreich als dauernd verloren anzusehen seien, hat nach der von dem deutschen Regierungs- Bevollmächtigten bereits der franzö⸗ sischen Regierung abgegebenen Erklärung eine Beantwortung im verneinenden Sinne erfahren. Die Rückgabe des noch im deutschen Besitz befind lichen Eisenbahnmaterials dürfte demnach wahr- scheinlich unmittelbar mit Abschluß der jetzt noch stattgehabten großen Transporte erfolgen. Um welch bedeutendes Object es sich hierbei gehandelt hat, ergibt sich aus der officiell in der franzö sischen Nationalversammlung erstatteten Mittheilung, daß sich gegenwärtig noch gegen 10,000 Waggons im deutschen Besitz befinden.

Eine sehr traurige, für die hohe franzö⸗ sische Civilisation und Humanität beschämende Er⸗ scheinung ist, nach vielfachen und zum Theile völlig authentischen Nachrichten, die sich mehrende Schändung der deutschen Soldatengräber auf französischem Boden. Es soll von Berlin aus nunmehr darauf hingewirkt werden, daß die Ge setze gegen die Uebelthater nach voller Strenge zur Anwendung kommen. An Aufforderungen und Mahnungen hat es bisher zwar nicht gefehlt, doch soll diefe Angelegenheit der Pietät und Ge sittung auf geordnetem Wege weiter verfolgt werden.

Dem Vernehmen nach ist dem König Lud⸗ wig von Bayern der Schwarze Adlerorden mit Eichenlaub verliehen, welcher demselben mit einem Handschreiben des Kaisers überreicht werden soll. Auf Antrag des Kronprinzen soll ferner der General v. d. Tann zum General- Feldmarschall ernannt sein.

DerBörsenzeitung zufolge hat der Handelswinister an die Direction der bergisch märkischen Eisenbahn die bestimmte Aufforderung gerichtet, sich binnen Kurzem zu erklären, inwie⸗ fern sie die Ausführung einer directen Eisenbahn von Kassel nach Köln zu übernehmen bereit sei, da er sonst die Concession dieser Bahn für andere Bewerber befürworten werde.

Die k. Münze ist augenblicklich derartig mit Arbeiten der einzelnen deutschen Regierungen überhäuft, daß alle Privataufträge zur Ausmuͤn

zung von Silberbarren zurückgewiesen werden müssen. Diese Privataufträge hatten in letzter Zeit ebenfalls eine ganz abnorme Höhe erreicht.

Nach einer statistischen Zusammenstellung der während des deutsch- französischen Krieges 1870/71 gebliebenen und verstorbenen Officiere der Königl. Preußischen Armee beträgt die Ge- sammtsumme beider Kategorien 1364, von denen 1210 unmittelbar im Gefecht geblieben oder an Wunden und 154 an Krankheiten gestorben sind. Nach den verschiedenen Waffengattungen vertheilen

Infanterie kommen, 96 auf die Cavallerie, 83 auf die Artillerie, 17 auf die Ingenieurs und 19 auf den Train. Von den 1210 an Verwundung gebliebenen Officieren kommen 755 auf den ersten Monat des Krieges, nämlich auf die Tage Weißen burg, Wörth-Spicheren 192 und 484 auf die Tage, bei Metz nämlich am 14., 16., 18. August je 55, 209 und 220 und endlich 79 auf die Tage Beaumont Sedan. Auf die sechs übrigen Monate des Feld- zuges kommen demnach noch 455 Officiere.

DerReichsanzeiger schreibt: Nachdem der Kaiser die Räumung der Departements Eure, Somme und Seine inférieure durch die deutschen Truppen anbefohlen hat, werden das General commando des ersten Armeetorps und die erste Division den Rückmarsch in die Heimath antreten.

DieKreuzzeitung bemerkt bezüglich der Maßregel betreffend die Aufhebung der besonderen Abtheilung des Cultusministeriums für die katholi schen Angelegenheiten, daß dieselbe ihren Grund unzweifelhaft in der jetzigen Spannung zwischen der Regierung und dem Episcopat habe.

Aus Ems wird gemeldet, daß der König den Kronprinzen zum Protector der königlichen Museen ernannt und demselben persönlich das be treffende Diplom überreicht hat. Es fallen damit dem Kronprinzen nicht unwichtige Functionen zu, die derselbe ohne Zweifel im Inkleresse unserer Kunstinstitute verwerthen wird.

Gegenüber den aus Frankreich kommenden Nachrichten von dort stattfindenden Grabschän dungen kann man nur mit höchster Befriedigung folgenden Bericht aus Breslau lesen, welcher ein schönes Zeugniß davon gibt, wie in Deutschland auch das Grab des todten Feindes in Ehren ge halten wird: Vor Kurzem fand hierselbst die feier liche Enthüllung des Denkmals, welches die hier internirt geweseuen französischen Offiziere ihren in Breslau verstorbenen Kameraden gewidmet hatten, auf dem neuen Militärkirchhofe statt. Auf Anord⸗ nung der hiesigen königlichen Commandantur waren von jeder hier garnisonirenden Truppenabtheilung 10 Mann und ein Unteroffizier zur Enthüllungsfeier⸗ lichkeft commandirt, und außerdem noch das voll ständige Musikcorps des 2. schlesischen Grenadier regiments Nr. 11 zur Mitwirkung befohlen worden. Zur festgesetzten Stunde fiel auf Befehl des an wesenden Commandanten, Generalmajors von Lindern, die das Monument noch verhüllende Decke, und nachdem das Musikcorps den Choral Jesus meine Zuversicht intonirt hatte, hielt der General folgende Ansprache:Den zwölf franzö sischen Soldaten, welche treu dem ihrem Kaiser und ihrem Vaterlande geleisteten Eide während des Krieges zum Opfer fielen und hier in Breslau ihren Wunden erlagen, ist von ihren sie ehrenden Kameraden dieses Grabmonument errichtet worden. Es ist wohl nicht anzunehmen, daß die in weiter Ferne wohnenden Angehörigen der Verstorbenen diese Gräber werden pflegen und erhalten können, und darum hat die hiesige Commandantur diesen Act der Pietät übernommen, und boffe ich, daß in Frankreich eine gleiche Achtung den Gräbern der preußischen Helden widerfahren möge. Hierauf wandte sich der General an einen hier internirten und noch anwesenden Sseuslieutenant vom 44. Linienregiment und bat denselben in französischer Sprache, daß er seinen Kameraden in Frankreich sagen möge, wie Preußen seine ihrem Eide treu gebliebenen Feinde achte. Nachdem das Musikcorps einen Trauermarsch executirt hatte, vollzog der Regens und Domvicar Sambale die

den Militärbehörden und den Anwesenden im

diese Verluste sich so, daß 1149 Officiere auf die

Namen der binterbliebenen Angehörigen für diesen Liebesdienst seinen Dank aussprach. Mit einem

von der Regimentsmusik vorgetragenen Schlußchoral wurde diese würdige Feier beendet.

München. Nunmehr sind 1552 Bayern durch Verleihung des eisernen Kreuzes zweiter Klasse ausgezeichnet, und zwar 3 Prinzen, 130 Generale und Stabsofficiere, 511 Oberofficiere, 839 Unterofficiere und Soldaten und 69 Aerzte, Beamte und Feldgeistliche. Das eiserne Kreuz erster Klasse haben 17 Bayern erhalten.

Professor Friedrich ist vom Exzbischof sei⸗ nes ihm vom König verliehenen Beneficiums ent- setzt worden. Als Grund der Maßregel bezeich- net der Erzbischof die Erklärung des Professor

Friedrich, geistlichen Beistand leisten zu wollen,

sowie die Spendung der Sacramente an Prof. Zenger und die kirchliche Beerdigung des Letzteren durch Professor Friedrich.

Aus der Pfalz schreibt man demF. J.: Der wiederholte Ausbruch der Rinderpest in El⸗ saß Lothringen hat zu einer abermaligen Ab- sperrung der Grenze geführt, was sich für unseren Handel mit den neuen Landestbeilen, der sich bei den großen Bedürfnissen derselben in letzter Zeit etwas gehoben hatte auf das Empfindlichste fühl⸗ bar macht. Hier ist man davon überzeugt, daß nach den vielen, schweren Schlägen, von denen das Reichsland betroffen, der Ausbruch eines all⸗ gemeinen Nothstandes sicher zu erwarten sei; in einzelnen Gegenden haben die Preise der aller- nothwendigsten Lebensmittel bereits eine ganz enorme Höhe erreicht, wozu noch Stocken fast aller Ge schäfte tritt.

Straßburg. DieStr. Ztg. schreibt: Skit einigen Wochen geht durch die Bevölkerung von Elsaß⸗Lothringen eine Bewegung, die wir nicht unbeachtet lassen dürfen. Theils auf Grund von Correspondenzen in einigen deutschen Blättern, theils durch absichtliche Anstrengung von gewisser Seite hat sich das Gerücht verbreitet, daß schon im Herbste dieses Jahres eine Militäraushebung stattfinden solle. Die Folge davon ist, daß die Auswanderung der waffenfähigen jungen Leute, unterstützt durch förmliche französische Werbungen, größere Dimensionen annimmt. Wir können diesen Gerüchten und Umtrieben gegenüber die bestimmte Versicherung geben, daß bisher nicht die mindeste officielle Andeutung vorliegt, welche eine solche Beschleunigung der Einführung der deutschen Mi litärgesetzgebung erwarten ließe.

Auch in Königshofen bei Straßburg ist jetzt die Rinderpest ausgebrochen.

Ausland. Oesterreich. Wien. Die amtlicheW. Ztg. enthält ein kaiserliches Handschreiben vom 20. Juli, durch welches der Geheimerath Graf

Goluchowski zum Statthalter von Galizien er⸗

nannt wird.

In diplomatischen Kreisen verlautet auf das Bestimmteste, Fürst Bismarck habe im Auf- trage des deutschen Kaisers den Wunsch aus- sprechen lassen, die diesseitge Regierung möge den früheren österreichischen Gesandten in Berlin, Grafen Alois Karolyi, zum Betschafter beim deutschen Kaiser ernennen.

Wie aus diplomatischen Kreisen weiter ver⸗ lautet, wird Graf Karolyi bestimmt den Berliner Botschafterposten übernehmen und ist Frhr. v. Kübeck an Stelle des Baron v. Prokesch, welcher in den Ruhestand tritt, als Botschafter bei der Pforte in Aussicht genommen.

Schweiz. Pfarrer J. B. Egli veröffentlicht imLuz. Tagbl. einen Appell an das gesammte liberal ⸗katholische Schweizervolk, dasselbe möchte sich zu einer neuen Kirchengenossenschaft zusammen⸗ thun und für dieselbe den Schutz des Staates anrufen.

Frankreich. Paris. DasJournal offi⸗ ciell sagt: Die Räumung der Departements Eure, Seine inferieure und Somme wird in Folge besonderen Befehls des deutschen Kaisers erfolgen, da die guten Absichten des Generals Manteuffel

Einsegnungsceremonie, worauf er in kurzer Rede an den Schwierigkeiten der materiellen Beglau⸗

bigungen scheitern. Der Conseilspräsident er-

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