Ausgabe 
25.3.1871
 
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soeben eine Demonstration zu Gunsten der Regierung statt. Thiers wird auf den Boulevards und dem Börsenplatz mit Beifall begrüßt. Die antirevolutionäre Bewegung ist im Zunehmen.

22. März. Die Regierung erläßt fol gende Mittheilung an die Praͤfecten: Die sonst überall aufrecht erhaltene Ordnung wird auch in Paris wieder hergestellt werden, wo rechtlich Gesinnte gestern eine bedeutungsvolle Manifestation veranstalteten. In Versailles herrscht vollkommne Ruhe. Eine belebte Dis cussion hat dazu beigetragen, das Band zwischen der Nationalversammlung und der ausübenden Gewalt zu befestigen. Von allen Seiten bietet man der Regierung die Mitwirkung der Mobil garden gegen die Anarchie an. Rouher ist in Arras in Gewahrsam. Die Regierung beab sichtigt keine Härte gegen ihn. Seine Beglei ter sind nach England zurückgekehrt.

22. März. Jules Favre hat in der Nationalversammlung mitgetheilt, Bismarck habe ihm notificirt, daß, wenn in Pantin die abgeschnittene Telegraphenleitung nicht wieder hergestellt und die anderen, dem Friedensver trage zuwiderlaufenden Gewalthandlungen nicht innerhalb 24 Stunden abgestellt würden, so wurden die Deutschen die Forts wieder besetzen und Paris beschießen. Favre theilte dies dem Maire von Paris mit, um die Nationalgarden davon zu benachrichtigen. Favre antwortete an Bismarck: die französische Executive wurde ihre Pflicht thun, um die Ordnung wieder her zustellen. Favre theilte in

der Nationalver⸗

sammlung ferner mit: er befände sich in ver traulichen Unterhandlungen mit dem preußischen Generalstab.

Belgien. Brüssel. Aus Paris eintreffende Reisende versichern, daß sich die Panik aller be sitzenden Classen bemächtige. Aus verschiedenen Richtungen ziehen Volkshaufen nach Versailles. Brüssel ist neuerdings von Pariser Emigranten Familien überfluthet.

DerSoix meldet, die Preußen hätten Angesichts der Pariser Ereignisse ihre Rückzugs bewegung eingestellt und St. Denis wieder besetzt.

Großbritannien. London. DieTimes melden aue Paris nach einem Telegramme vom 22. d.: Es ist eine Reaction in der Stimmung der Massen eingetreten. Die Patrouillen der Nationalgarde werden ausgepfiffen. Der revo lutionäre Ausschuß nimmt Requisitionen zur Be zahlung der Natlonalgarden vor.

Napoleon ist in Chislehurst eingetroffen. Die Kaiserin und der Kaiserliche Prinz empfingen ihn in Dover.

Spanien. Madrid. Das Königspaar ist am 19. d. bier eingetroffen und enthuslastisch empfangen worden.

Die spanische Regierung wies den Antrag der Vereinigten Staaten wegen Abkaufs Portorico's und Cuba's zurück.

Ip. Friedberg. Das 74ste Geburtsfest des deut schen Kaisers Wilhelm wurde auch in unserer Stadt durch reichen Schmuck der Häuser mit Fahnen, vorzugs⸗ weise in den deutschen Reichsfarben, festlich begangen.

Die Schulen waren für diesen Tag geschlossen, Nachmittags

batte man sich zahlreich zu einem Festessen imHotel Trapp zusammengefunden und das für den Abend arran⸗ girte Banket imHotel zu den drei Schwertern« fand eine sehr große Betiheiligung. Die patriotischen Reben und Gesänge, dazwischen Vorträge passender Musikstücke, waren geeignet, die begeistertste Stimmung in der Ver⸗ sammlung wachzurusen, und so endete erst in später Stunde eine des Tages würdige und schöne Feier.

Dornassenheim. Wie in Ockstadt erhielten auch in Dornassenheim diejenigen bedürftigen Familien, deren Väter oder Söhne im Kriege waren, von dem Herrn Reichsrathe v. Franckenstein sehr ansehnliche Gaben. Es wird biermit für dieselben öffentlich bestens gedankt. Der Geburtstag des deutschen Kaisers Wilhelm J. wurde dahier festlich gefeiert, und wurden bei dieser Ge⸗ legenheit zum Andenken an die großen Siege Deutschlands über Frankreich zwei Waldbäumchen auf zwei verschiedene steie Plätze gesetzt, von denen das Eine den Namen Kaiserbuche, das Andere den NamenFriedenseiche bekam. Es fanden dabei passende Lieder und Anreden stalt. Vivat Germania! Vivat der deuische Kaiser!

Von der Insel Macao berichtet die neue indische Post eine gräßliche Schiffstragödie. Das Schiff Nouvelle Penelope verließ jüngst Macao mit einem großen Cargo Kuli's. Unterwegs empörten sich letztere, ermordeten den Capitän und die Mannschaft, ließen das Schiff stranden und engagirten sich an Bord anderer Schiffe in Macan. Eines derselben, derHankow⸗, ver⸗ schiffte 550 Kuli's. Fünf Tage nach der Abfahrt von Macao brach unter den Kuli's abermals eine Meuterei aus, die von der Bemannung jedoch unterdrückt wurde. Darauf steckten die Meuterer das Schiff in Brand. Der Capitän und die Vemannung retteten sich auf Böten, etwa 100 Kuli's nahm das verüberfahrende britische Schiff Jounpote auf; die übrigen mußten ihrem fürchterlichen Schicksale überlassen bleiben.

Verloosungen. Mailänder Frs. 10 Loose. Ziehung am 16. März. Gezogene Serien: 647 7160 1706 1723 1736. Haupitreffer: Serie 7160 Nr. 18 50,000 Frs., Serie 1706 Nr. 90 1000 Frs., Serie 7160 Ne. 25 500 Fre.

702 Um unserem demnächst heimkehrenden Garde- Jäger-Bataillon einen ihren Thaten und großen Verdiensten um's Vaterland entsprechenden würdigen Empfang zu bereiten, hat sich aus dem hiesigen Stadtvorstand und einer größeren Anzahl von Bürgern ein Comité gebildet,

welches die Vorbereitungen eifrigst betreibt.

Das Comité hat nun unter Anderem beschlossen, die ganze heimkehrende Mannschaft als Ehrengäste der Stadt an diesem Tage zu betrachten, und da wegen mangelnder entsprechender Räumlichkeit ein allgemeines Banket nicht ausführbar, dieselben bei den hiesigen Einwohnern

festlich zu bewirthen.

Wir bitten also unsere Mitbürger, die Sache in ihren Familien zu besprechen, damit, wenn in näͤchster Woche einzelne Mitgkieder des Comité's in der Stadt Umfrage halten, wieviel

schon bestimmt sich schlüssig gemacht haben, bewirthen wünschen. Friedberg den 22. März 1871.

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