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was das Volk daheim für das Heer gethan. Der Krieger fühlte sich geboben, gestarkt, da er wußte, wie in der Heimath für die Seinigen gesorgt sei, da er darauf vertrauen durfte, daß den zurück- kehrenden Kampfunfähigen die liebende Fürsorge nicht fehlen werde. Was die Gestaltung Deutsch⸗ lands und meine persönliche Stellung zu derselben betrifft, so habe ich für mich Nichts gesucht, son⸗ dern kaum erwartet, daß wir gegenwärtig schon diesen Abschluß erreichen würden. In der kurzen Spanne Zeit, die mir noch gegeben ist, wird es mir nur vergönnt sein, die Grundlagen zu legen, meine Nachfolger werden den jungen Baum weiter wachsen und grünen sehen. Lange lag dieser Ausgang in den Herzen, jetzt ist er an das Licht gebracht; sorgen wir, daß es Tag bleibt!“
— Bei seinem Scheiden von französischem Boden dat der Kaiser Wilhelm folgenden Tages- befehl erlassen:„Soldaten der deutschen Armee! Ich verlasse an dem heutigen Tage den Boden Frankreichs, auf welchem dem deutschen Namen so viel neue kriegerische Ehre erwachsen, auf dem aber auch so viel theueres Blut geflossen ist. Ein ehrenvoller Frieden ist jetzt gesichert und der Rück- marsch der Truppen in die Heimath hat zum Theil begonnen. Ich sage Euch Lebewohl, und Ich danke Euch nochmals mit warmem und ge— hobenen Herzen für Alles, was Ihr in diesem Kriege durch Tapferkeit und Ausdauer geleistet habt. Ihr kehrt mit dem stolzen Bewußtsein in die Heimath zurück, daß Ihr einen der größten Kriege siegreich geschlagen habt, den die Weltge— schichte je gesehen,— daß das theuere Vaterland vor jedem Betreten durch den Feind geschützt worden ist, und daß dem deutschen Reiche jetzt Länder wiedererobert worden sind, die es vor langer Zeit verloren hat. Möge die Armee des nunmehr geeinigten Deutschlands dessen stets ein- gedenk sein, daß sie sich nur bei stetem Streben nach Vervollkommnung auf ihrer hohen Stufe er— halten kann; dann können wir der Zukunft ge- trost entgegensehen. Nancy, den 15. März 1871. Wilhelm.“
— Der Kaiser⸗König hat an die Kaiserin- Königin nachstehendes, aus Nanch vom 14. d. M. datirtes, Handschreiben gerichtet, das nach der „Nordd. Allg. Ztg.“ also lautet:„Indem ich von meinen tapferen und siegreichen Truppen, welche noch auf fremdem Boden zurückbleiben, Abschied nehme, drängt es mich, Ew Majestät auszusprechen, wie tief und freudig mein Herz die liebreiche Fürsorge und Unterstützung bewegt hat, welche der Armee unter dem Vorgange und dem Schutze Eurer Majestät aus der Heimath, aus dem ganzen deutschen Vaterlande während des ganzen Feldzuges zu Theil geworden ist. Die deutsche Einheit war durch das Centralcomite der deutschen Vereine zur Pflege im Felde ver— wundeter und erkrankter Krieger auf dem Ge— biete der Humanität vollzogen, als die politische Einheit unseres Vaterlandes sich noch im Kreise der Wünsche bewegte. Dasselbe hat sich bei Be— ginn der Feindseligkeiten zu einem fest organi— sirten Körper gestaltet, in welchem die Landes— Vereine sämmtlicher deutschen Staaten vertreten sind, und dem selbst über den Ocean herüber die Hülfsvereine Amerika's die Hand gereicht haben. Mit Freuden habe ich erkannt, wie gerade durch diese Zusammenfassung aller deutschen Kräfte, ge— tragen von der allgemeinen Opferwilligkeit und von der hingebenden und unermüdlichen Thätigkeit der Männer, welche der schwierigen Leitung dieses Werkes ihre Kraft und Zeit widmeten, Leistungen möglich geworden sind, die jede Erwartung über— stiegen, und wesentlich dazu beigetragen haben, der Armee, unter den schweren Mühsalen des Krieges, Freudigkeit und Kraft zu erhalten. Die dankbare Erinnerung daran wird in der Armee und der Nation unauslöschlich fortleben. Meinen Dank und meine Anerkennung kann ich nicht besser bezeugen, als indem ich Eure Majestät selbst bitte, sie dem Central-Comite der Vereine in meinem Namen auszudrücken.
— Wie die„D. R. C.“ hört, wird am Sonntag, den 2. April, auf Befehl des Kaisers in dem gesammten Deutschland eine Gedächt—
nißfeier für die gefallenen Helden des deutschen Heeres abgehalten werden. Die Art und Weise dieser kirchlichen Feier, wird durch eine allgemeine Verfügung geregelt werden.
— Bis jetzt sind von Frankreich ca. 10,000 Mann Landwehr hier eingetroffen. Der Rück- marsch geht in dieser Weise ununterbrochen vor sich, so daß anzunehmen ist, in etwa sechszehn Tagen werde die gesammte deutsche Landwehr auf heimischem Boden sich befinden. Die Entlassung geht Zug um Zug vor sich, schon im Hinblick auf die Feldbestellungen. Daß die Landwehr schon jetzt zurückkehren kann, ist von der allergrößten wirthschaftlichen Bedeutung.
— Der goldene Lorbeerkranz, welchen 3000 Gemeinden der Rheinprovinz dem Kaiser bei seinem Wiederbetreten des deutschen Bodens über— reichten, ist ein künstlerisches Prachtstück. Derselbe besteht aus zwei Lorbeerzweigen mit 60 Blättern, durch welche sich ein weißes Platinband schlingt, auf dem in schwarz emalillirter Frakturschrift die Namen„Weißenburg, Wörth, Saarbrücken,— Metz, Sedan und Straßburg“ prangen. Der Hauptzweig, die Beeren und die Stiele der Blätter sind von rothem Golde, die theilweise von grünem, theilweise von dunkelgelbem Golde getriebenen Blätter sind auf der Rückseite blendend polirt und die Hauptadern polirtes Gold. Beide Zweige werden durch den Knoten eines Platinbandes zu— sammengehalten, dessen Innenseite aus gelbpolirtem Golde besteht; auf dieser lassen reiche Ciselirungen das Platin wieder in gefälligen Arabesken hervor— treten. In der Mitte des Knotens steht das Wort„Paris“, während die beiden Endschleifen desselben in mattgelber und erhabener Fraktur schrift die Widmung„Ihrem Kaiser und Helden— könige die dankbare Rheinprovinz 1870—71“ tragen. Der Kranz, welcher auf einem Kissen von dunkelrothem Seidensammt ruht, wird durch Decken von weißem Atlas mit einem fein und kunstreich gestickten, heraldischen preußischen Adler geschützt. Das Ganze ruht in einem reich aus— gestatteten Ebenholzkasten.
— Zur Bewillkommung des Deutschen Reichs— tages soll nach dem Antrage der für diesen Punkt eingesetzten gemischten Deputation der Stadtbehörden von Berlin eine Festlichkeit im Rathhause statt— finden, die durchaus den Charakter eines zwangs— losen gemüthlichen Beisammenseins tragen soll An einem mäher zu bestimmenden Tage Abends 8½ Uhr würden sich die Eingeladenen, die Mit— glieder des Reichstages, die Bevollmächtigten zum Bundesrathe, die Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung, die Ehrenbürger, Stadtältesten 1c., ca. 800 Personen in dem Fest—
saal und den anstoßenden Räumlichkeiten ver— sammeln. Die Festlichkeit soll ohne Festmahl, doch mit Verabreichung leichter Erfrischungen
stattfinden, so daß die gegenseitige zwangslose Unterhaltung nicht beeinträchtigt wird. Darnach wird auch die Musik eingerichtet werden. Die Kosten für das projektirte Fest sind auf circa 12,000 Thlr. veranschlagt.
Dresden. Es heißt, daß der ruhmgekrönte Feldherr Sachsens, Kronprinz Albert, zum Vertreter des Kaisers in Elsaß-Lothringen erkoren sei, zumal er sich als katholischer Fürst besser dazu eigne, als Prinz Wilhelm von Baden.
Wilhelmshöhe. Am 19. März, 11% Uhr Vorm., ist Napoleon mit einem Extrazug abgereist. General Graf Monts begleitete den— selben bis zur Grenze. Zwei Compagnien des 83. Inf.-Regts. hatten Spalier gebildet. Die Reiseroute ging über Gießen, Köln und Aachen nach Herbesthal, von da mit einem neuen Extra- zug na Verviers und ohne Aufenthalt über Brüssel, Ostende, Dover nach Chislehurst. Der größte Theil des Reisegepäcks, die Pferde und Wagen sind nach der Schweiz und zwar nach Schloß Arenenberg abgegangen.
München. Die allmählich aus der Kriegs— gefangenschaft heimkehrenden bayerischen Soldaten bringen einstimmig mit der größten Erbitterung ihre Klagen über die unwürdige Behandlung zum Ausdruck, welche ihnen während ihrer Internirung in Frankreich widerfahren ist. In den Briefen,
welche mehrere derselben aus ihrer Gefangenschaft nach Hause geschrieben und worin sie über ihr Befinden sich befriedigend aussprachen, hatten sie sich nicht anders aussprechen können, da jeder Brief mit Klagen zurückgehalten wurde und noch schlimmere Behandlung zur Folge hatte.
Karlsruhe. Das Hauptquartier der badi schen Division befand sich am 19. d. in Mübl⸗ hausen. Man glaubt, daß das Leib-Garde⸗Re⸗ giment am 2. oder 3. April hierher zurückkehren werde. Prinz Wilhelm, seit einiger Zeit wieder bei der Armee, wird dem Einzuge anwohnen und deßhalb erst etwas später seinen Sitz im Reichstag einnehmen. Gerüchtsweise verlautet auch von der Betheiligung des Generals v. Werder am Einzuge.
Ausland.
Oesterreich. Auch in Baden bei Wien hat eine bedeutende Menschenmenge die deutsche Friedensfeier, die im„Hotel zur Stadt Wien“ abgehalten werden sollte, gestört. Sämmtliche Spiegel des Lokals und die aufgestellte Germania wurden zertrümmert.
Wien. Der erste General- Adjutant des Kassers, General Graf Bellegarde, reiste nach Berlin ab. Derselbe ist Ueberbringer eines eigen; bändigen Gratulationsschreibens des Kaisers Franz Joseph zu dem Geburtsfeste des Kaisers Wilhelm.
Schweiz Bei Bürgern und Einwohnern Zürich's eirtulirt eine bereits mit vielen Unter- schriften bedeckte Adresse an die Cantonsbehörde, in welcher die Unterzeichner ihrer Enutrüstung Ausdruck geben über die kürzlich bei Anlaß des deutschen Friedensfestes in der Tonhalle stattgefundenen schmählichen Auftritte. Sie sind tief empört über die begangenen Rohheiten und beklagen von Grund ihres Herzens jene Vor⸗ kommussse, die den Namen des Züricher Volkes schaͤnden. Der Kern dieses Volkes, sagt die Adresse weiter, will nicht blos mit den Franzosen, er will auch mit den deutschen Nachbarn in gutem Einvernehmen leben; siad sie doch zum guten Theil Träger und Förderer der Gesittung und Bildung, auf welche Zürich von jeher so stolz war. Die Unterzeichner bitten schließlich die Re⸗ gierung, in der Ueberzeugung, daß dieselbe die ausgesprochenen Gesinnungen im vollsten Maße theile, gegenüber den beleidigten Deutschen Dol metscher ihrer Gefühle zu sein.
Frankreich. Paris, 20. März, 1 Uhr Mittags. Folgende Adresse ist in der Stadt an- geschlagen:„Durchdrungen von der Nothwendig— keit, Paris und die Republik zu retten, indem wir die Ursachen des Streites entfernen, und überzeugt, daß es kein besseres Mittel gibt, diesen Zweck zu erreichen, ale die legitimen Wünsche des Volkes zu befriedigen, haben wir baschlossen, heute von der National-Versammlung zu verlangen, daß sie zwei Maßregeln genehmige, welche, wie wir hoffen, dazu beitragen werden, die Ruhe herzustellen. Diese zwei Maßregeln find die Wahl aller Chefs der Nationalgarde, und die Einrichtung des von den Bürgern gewählten Municipalrathes. Das, was wir wollen, Das, was das öffentliche Wohl erheischt, Das, was die gegenwärtige Lage mehr denn je als unerläßlich hinstellt, das ist die Ord⸗ nung in der Freiheit und durch die Freiheit. Es lebe Frankreich, es lebe die Republik! Unter- zeichnet: Louis Blanc, Schölcher, Peyrat, Adam Floquet, Bernard Langlois, Lockroß, Busson, Greppo, Milliere.“
— General Chanzy, der auf dem Bahnhof bei seiner Ankunft von Tours von den Nationalgarden festgenommen wurde, ist arg mißhandelt worden.
— Der Exminister Rouher wurde am Sonntag in Boulogne durch Nationalgarden verhaftet. Bei der Verbringung desselben ins Gefängniß machte der Pöbel einen Versuch, ihn zu lynchen, wurde jedoch zurückgewiesen.—
— 20. März. Aufrührerische Bataillone der Pariser Nationalgarde marschiren auf Versailles. Die um Versailles liegenden Dörfer werden als Außenwerke bewaffnet und militärisch besetzt.
General Vinoy organisirt die Vertheidigungs⸗
anstalten.


