sei in Folge höherer Ordre von Berlin aus ge⸗ scheben. 5
Berlin. Der„Kreuzzeitung“ zufolge wird der Bundesrath Mitte nächsten Monats zusammen⸗ treten, um die Etats und sonstigen Bedürfnisse Elsaß⸗Lothringens zu regeln.
— Es gilt als feststehend, daß ein neues Ge⸗ wehr in der deutschen Armee eingeführt werden wird, eine bestimmte Wahl ist aber noch nicht er⸗ solgt. Sicher ist, daß die neue Kriegswaffe ein Hinterladungsgewehr sein wird, bei welchem die Entzündung durch einen directen Schlag des Hahnes auf die Außenseite der Patrone bewirkt wird. Höchst wahrscheinlich wird man sich für irgend ein Repetiegewehr entscheiden. Bei diesem Ge wehrsystem ist die Feuergeschwindigkeit eine ganz bedeutende. Die mit 10— 20 Patronen gefüllte Kammer wird entweder durch eine unter dem Laufe liegende Röhre gebildet, in welcher die Patronen eine nach der anderen durch eine Spiral— feder nach dem Ladungsraum geschoben werden, oder es liegt der Patronenvorrath in einer durch den Kolben gehenden Röhre, von wo die Patro— nen ebenfalls durch eine Spiralfeder in den Lauf geschoben werden. Zwei Staaten haben bereits das System des Repetirgewehrs angenommen: England das Henry ⸗Martini⸗Gewehr, und die Schweiz das Vetterli'sche Repetirgewehr.
— Der Graf Arnim ist zu den Friedens- verhandlungen nach Frankfurt a. M. zurückgekehrt.
— Die„Germania“ veröffentlicht ein Schreiben des Feldprobstes Bischofs Namczanowski, in wel- chem derselbe die Mittheilung verschiedener Zei⸗ tungen, die Conferenz der Bischöse habe am 3. d. in Fulda stattgefunden, für unwahr erklärt. Die Conferenz werde erst am 5. September in Fulda abgehalten werden.
— An Kranken der französischen Gefangenen befanden sich nach den eingegangenen Rapporten in Preußen am 10. Juni noch 7932, am 20. Juli nur 3935 und am 30. Juli 3031. Die starke Abnahme der Kranken wurde zum Theil auch durch die Evacuation derselben nach Frankteich bedingt. Unter den Kranken befindet sich auch eine nicht geringe Zahl von Verwundeten. Die Kranken waren mit ihrer Verpflegung so zufrieden, daß sie keine Neigung zeigten, sich in ihr Vater⸗ land schaffen zu lassen.
— Der„Magdeb. Ztg.“ schreibt man von hier:„Wie es heißt, hat der Kronprinz von Sachsen cine Dotirung durch den kaiserl. Ober-
feldherrn abgelehnt.“
— 18. August. Der„Schles. Ztg.“ wird über die Beziehungen zu Frankreich officiös von hier geschrieben:„Dem Artikel der„Neuen Pr. Ztg.“ über die Vorgänge in Poligny scheint nicht allgemein die Bedeutung zugeschrieben worden zu sein, welche er in Anspruch nehmen kann und auf welche allein schon die eryste Drohung mit der Wiedereröffnung des Krieges hinweist. Aller⸗ dings mag unter diesem Ausdruck nicht gerade ein neuer Feldzug zu verstehen sein, aber wohl ein Kriegszustand, durch welchen den Franzosen der occupirten Gebiete zunächst alle diejenigen Vortheile verloren gehen, welche ihnen aus dem Frieden, in dem sie sich befinden und welchen sie durch ein wider das Völkerrecht laufendes Ver⸗ fahren brechen würden, entstehen. Doch läßt sich wohl erwarten, daß es genügt, den vollen Ernst zu zeigen, um Nothwendigkeiten zu vermeiden, welche man tief bedauern müßte.
— Der„Kreuzzeitung“ wird aus Wien ge⸗ schrieben: Die Angelegenheit der Besitzer der ru⸗ mänischen Eisenbahn⸗ Obligationen geht einer freundlichen Regelung entgegen. Glaubwürdigen Nachrichten zufolge ist eine Verständigung im Zuge. Man vernimmt zugleich, es sei Grund vorhanden, eine directe Vereinbarung zwischen dem deutschen Reiche und der Regierung des Fürsten Carl hoffen zu dürfen.
— Während die Cholera bisher fast aus- schließlich auf Königsberg i. Pr. beschränkt ge⸗ blieben, ist dieselbe in den letzten Tagen nunmehr auch iu den Kreisen Pillkallen, Olotzko, Lyck und
N
Landau.
und Feigheit zum Tode.
Ausland. Oesterreich. Gastein.
6 ½ procentigen Obligationen in 5 procentige zu convertiren und das Consortium Strousberg zum vollständigen Ausbau der Eisenbahn zu verpflichten.
Schweiz. Bern. Der„Helvötle“ zufolge ist Stämpfli vom Bundespräsidenten zum Schieds⸗ richter in der Alabama Frage bezeichnet worden.
Frankreich. Paris. Der dem General Uhrich von Elsäßern in Newyork anerbotene Ehrendegen wurde ihm am 17. d. überreicht. Der General antwortete:„Dieser Degen bildet ein neues Band zwischen Elsaß und mir. Er wild erst an dem Tage aus der Scheide gezogen, an dem wir unsere Schwesterprovinzen wieder zu er⸗ obern suchen werden, indem wir unsere neulichen Demüthigungen durch einen großen Sieg aus löschen.“— Die„Presse“ sagt: Briefe aus den Ostdepartements constatiren, daß die preußzische Occupation den Charakter einer systematischen Ag⸗ gression annehme. Bedauernswerthe Kämpfe finden täglich statt. Man glaubt, daß den preußischen Soldaten gegebene Losungswort sei, die schon so schwer geprüfte Bevölkerung zu erbittern.(2
— Wie versichert wird, sind Verhandlungen im Gange, um den Antrag Rivet in nachstebendem Sinne zu modificiren: Die Vollmacht Thiers' soll für zwei Jahre verlängert werden und derselbe den Titel„Präsident der Republik“ führen. Die Verantwortlichkeit der Minister wird eingeführt, aber Thiers' behält das Recht, sich an den De⸗ batten zu betheiligen. Die Nationalversammlung trennt sich nicht, ohne vorher gewisse bereits be⸗ zeichnete Gesetze zu votiren.— Wie es heißt, wird die Commission ihren Berichterstatter nicht vor Dienstag oder Mittwoch wählen. Die Dis⸗ cussion selbst kann deßhalb im besten Falle nicht vor Donnerstag stattfinden.
— Das„Journal officiel“ schreibt:„Man hat das Gerücht verbreitet, daß die Behörde am 15. August ganz außerordentliche Maßregeln ge- troffen hätte, um die Ordnung in Paris aufrecht zu erhalten, daß sie die Poslen verdoppelt, die Truppen consignirt hätte u. s. w. Alle diese Ge— rüchte, welche von ängstlichen und böswilligen Leuten erfunden sind, entbehren durchaus jeder Begründung. Die Wahrheit ist, daß an dem ge⸗ wöhnlichen Dienste nichts geändert war und die Ordnung keinen Augenblick an irgend einem Punkte der Hauptstadt gestört wurde.“
Versailles. Die Bureaux ernannten die Mitglieder der Commission zur Prüfung der An- träge, betreffend die Verlängerung der Vollmachten Thiers'“. Es heißt, von 15 Mitgliedern der Com⸗ mission seien 9 gegen die Verlängrrung.— Der „Sidcle“ sagt: Die Zusammensetzung dieser Com- mission kann nicht als maßgebend für die Ab⸗ stimmung der Versammlung betrachtet werden. Man ist beinahe gewiß, daß der Antrag mit einigen von den meisten Buregux für nothwendig trachteten formalen Abänderungen von der Ver sammlung günstig aufgenommen werden wird.— Passelbe Blatt schreibt: Die Schwierigkeiten, welche den Abschluß der Frankfurter Verhandlungen ver- zögern, rühren von der elsässischen Zollfrage her. Da der zollsreie Eingang elsässischer Erzeugnisse mit dem 1. Sept. abläuft, verlangte Fürst Bis⸗ marck, daß entweder die Frist verlängert oder günstige Aus nahmebestimmungen für das Elsaß getroffen würden. Der„Sidle“ glaubt, daß Thiers einer Verlängerung geneigt, dem Erlaß von Ausnahmebestimmungen aber entgegen sei.
Ein hier constituirtes Kriegsge · richt verurtheilte den bayerischen Unterlieutenant von Waldenfels wegen Desertion vor dem Feind
Fürst Bismarck ist mit dem geh. Rath Keudell hier eingetroffen.
Pest. Der„Ungar. Lloyd“ meldet von hier: Die Grundlage der Verhandlungen zwischen dem deutschen und dem österreichischen Reichskanzler über die rumänische Frage werde ein Antrag der Bukarester Regierung bilden, der dahin gehe, die
— Zur Prorogationsfrage hat der Deputir Chambrun einen neuen Antrag eingebracht, nach welchem Thiers unter dem Titel eines Präsidenten der Republik die ihm unter'm 17. 7 91 übertragenen Functionen fortführen soll. Diese Würde bildet die einzige Veränderung im oder Sinne des Paktes von Bordeaux, welcher erneuert, bestätigt und ohne jegliche Beschränkung in der Dauer gewährleistet würde. Die National⸗ versammlung soll nicht eher auseinander gehen, als bis sie die Constitution Frankreichs votirt hat. Der Präsident der Republik soll alle Gesetzent⸗
zwischen der Linken und der Rechten herbeizuführen.
— Die Lage wird hier für ernst gehalten, falls es den Monarchisten gelingen sollte, durch Ablehnung des Rivel'schen Antrages Thiers zu stürzen. Man befürchtet alsdann eine Schilder⸗ hebung Gambetta's und glaubt, daß ein großer Theil der Armee daran theilnehmen werde.
— Nationalversammlung. Der General Chanzg
Armeegtsetzentwurf. Derselbe macht den Dienst vom 20. bis 40. Jahre obligatorisch, hebt die Stellvertretung auf, schließt die unter der Fahne befindliche Mannschaft vom Stimmrecht aus und lös't die Nationalgarde auf. 164 Mitglieder sind für sofortige Auflösung der Nationalgarde. Die 4 Dringlichkeit wird beschlossen. Großbritannien. London. Die Königin hat der Heeresbill ihre Zustimmung ertheilt. Liverpool. Wie hierher gemeldet wird, ist der Pacific Postdampfer„Henry Chauneey“ bei Cap Henry(im stillen Ocean) verbrannt. Die Passagiere wurden gerettet, dagegen gingen Ladung und Postsäcke zu Grunde. f Rußland. Aus dem Gouvernement Suwalki sind Nachrichten eingegangen, wonach die Cholera in der Abnahme begriffen ist. Vom 20. bis 27. Juli kamen in dem Gouvernement 238 neue Erkrankungsfälle vor. Im Ganzen erkrankten 443 Personen, wovon 190 genesen und 83 ge⸗ storben sind.
* Bad⸗ Nauheim. Am Vorabend des Namens- kages S. K. H. des Großherzogs, Donnerstag den 24. d., wird nach einer in der„Kurliste“ enthaltenen Ankündigung, ein brillantes Feuerwerk auf der Terrasse vor dem Kur⸗ hause dahier abgebrannt werden, dem eine bengalische Be⸗ leuchtung des Parkes folgt. Die Direction der Bank gibt zum Besten der Armen Karten 3 2 fl. aus, welche zum Besuche des oberen Salons des Kurhauses während des Feuerwerkes berechtigen. Das hohe Namensfest des Landesfürsten selbst wird durch ein Festessen und einen Festball im Kursaale gefeiert werden. Frankfurt. Dieser Tage wurde von einem gutge⸗ kleideten Manne auf einem der hiesigen Eisenbahnhöße ein Säckchen mit Geld gefunden. Als er sah, daß er mit seinem Funde bemerkt worden war, trat er auf den Portier zu und sagte zu diesem und einem anderen Eisenbahnbe⸗ amten, er habe ein Säckchen mit Geld gefunden; er se i der Herr X aus Mainz, wohne in der X⸗Straße und werde das Geld, bis sein Eigenthümer sich melde, reserviren. Man ließ hierauf den Mann ganz ruhig ziehen. Einige Stunden darauf meldete sich der rechtsmäßige Eigenthümer. Man setzt den Telegraph in Bewegung, geht selbst nach Mainz, der ehrliche Finder ist jedoch nicht zu finden und das Geld bleibt vorerst verloren.* Soden. Zwei Curgäste, eine Dame aus Worms und ein junger Maler aus Darmstabt, fanden vor Kurzem auf einem Spaziergang ein kostbares mit Brillanten be⸗ setztes Medaillon. Im Begriffe, dasselbe auf die Bade⸗ inspection zu bringen, erfubren sie bereits unterwegs durch die Schelle, daß ein reicher Frankfurter Kaufmann das Medaillon verloren und dem redlichen Finder eine Be⸗ lohnung von 20 Thlrn. zusichere. Die beiden Finder be⸗ gaben sich sofort in die Wohnung des letzteren, präsentirten ihm das Medaillon und beanspruchten zu nicht geringem Exsiaunen des Herrn die als Belohnung ausgesetzten 20
hielt er ihre Forderung Anfangs für Scherz, mußte sich jeboch schließlich zur Wiedererlangung seines Medaillons zur Zahlung bequemen. Die belohnten redlichen Finder begaben sich in die Curanlagen, wo sie seit einigen Tagen bereits zehn bessische Verwundete zusammengehen sahen und tbeuten unter diese die 20 Thlr. aus. Der Frauk⸗
Insterburg in Ostpreußen aufgetreten.
Auf dieser Grundlage würden die Verhandlungen in Frankfurt nun fortgesüht,
surter Kaufmann hakte sein verlorenes werihvolles Medaillon, die Finder das Bewußtsein einer edlen That und die ver⸗ wundeten Landsleule einen vergnügten Abend. b
würfe der Versammlung durch einen Minister vor. legen lassen und präsidirt dem Ministerrath, welcher der Versammlung solidarisch verantwortlich ist. Die übrigen Bestimmungen sind denen des Antrages Rivet(linkes Centrum) analog. Man legt den Antrage Chambrun eine gewisse Bedeutung bei, da derselbe geeignet erscheint, eine Ausgleichung
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verliest den Commissionsbericht über den neuen
Thlr. Bei dem noblen Auftreten der beiden Fremden


