Ausgabe 
22.6.1871
 
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Der Unterzeichnete macht die Aussteller von Vieh nochmals besonders darauf aufmerksam, daß die Musterung durch die Experten an den Tagen der Viehpreisvertheilungen Vormittags 8 Uhr beginnt, weßhalb sämmtliches Vieh, welches um einen Preis 1

Betreffend: Viehpreievertheilungen.

bis zu dieser Stunde auf dem Festplatz aufgetrieben sein muß.

Laubach am 17. Juni 1871

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Der Präsident des landwirthschaftlichen Vereins von Oberhe 0 n.

N41.

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Otto, Graf zu Solms, Laubach.

Zur Garnisonsfrage. Ein offenes Wort an Friedbergs Bürger.

Es bedarf den Einwohnern Friedbergs gegen über wohl keiner Auseinandersetzung über die Wichtigkeit der Garnisonsfrage und keiner Recht- fertigung der Schritte, welche zu einer günstigen Erledigung derselben unternommen werden. Ueber diese Schritte ist am 17. d. M., wie schon in der vorigen Nummer dieses Blattes berichtet wurde, Beschluß gefaßt worden Gesammtadresse an S. K. H. den Großherzog und Verhandlungen mit dem Gr. Kriegs⸗Ministerium und es sind diese Beschlüsse gegenwärtig in der Ausführung begriffen. Es ist daher gewiß Pflicht aller Bürger dieser Stadt hierzu eisrigst mitzuwirken um einen günstigen Ausgang zu sichern.

Was soll man aber dazu sagen, wenn im Gegensatz zu diesen Bestrebungen Schlag auf Schlag im Wetterauer Boten(18. Juni), der Frank- furter Presse(18. Jun) und in der Main-Zeitung (20. Juni) aue Friedberg datirte Artikel er⸗ scheinen, worin nicht allein das Kriegsministerium sondern sogar die Person des Großherzogs in hämischer und verleumderischer Weise angegriffen, worin die Entziehung der Garnison in schlecht verhüllter Form als ein Akt politischer Rache und die Folge eines Wortbruchs dargestellt wird? Ich nenne nämlich Denjenigen einen Verleumder, der Jemand beschuldigt ohne für diese Beschul digung genügenden Nachweis zu haben. Da man aber unbedenklich annehmen darf, daß den Cor- respondenten der genannten Blätter weder aus dem preußischen noch aus dem hessischen Kriegsministerium oder gar aus den Cabinetten der betreffenden Fürsten authentische Mittheilungen darüber zugegangen sind, Wer an der Nichtberücksichtigung Friedbergs Schuld ist, so bezeichne ich die Behauptung, daß das hessische Kriegsministerium hieran Schuld, das preußische hierauf keinen Einfluß geübt, oder daß gar der Landesherr selbst entgegen gegebenen Ver sprechungen die Anträge des Kriegs ministeliums genehmigt habe, als eine Verleu mdung.

Es ist sonst nicht meine Art mich um schmutzige Preßerzeugnisse zu kümmerg, und ich würde es auch im vorliegenden Fall nicht gethan haben, wenn es hier nicht gälte einer Presse und deren Zuträgern entgegenzulreten, die sich für den wahren Ausdruck der Ansichten der hiesigen Bürgerschaft ausgeben, während Dies auch nicht zum kleinsten Theil wahr ist, während die Büsgerschaft in ihrer großen Ma- jorktät jenes verächtliche Treiben aufs Schärfste mißbilligt. Ich halte es aber für Pflicht diese Mißbilligung nicht bloß in vertraulichem Kreise laut werden zu lassen, sondern davon öffent lich Zeugniß zu geben. Denn wie sollte die an den Großherzog K. H. zu entsendende Deputation dem Landesfürsten gegenübertteten, wenn aus der Stadt Friedberg keine andere Meinungsäußerung in die Oeffentlichkeit gedrungen wäre, als daß der Großherzog und sein Ministerium der Stadt Fried berg aus falschen Motiven die Garnison entzogen hätten? Und sollen solche halb trotzige halb blöd sinnige Attikel für den Ausdruck der Gesinnungen unserer ebenso maaßvollen wie verständigen Bürger unwidersprochen gelten?

f Ich glaube nun, daß die hiesige Bürgerschaft ihre entgegengesetzte Anschauung schon durch die fast ausnahmslose Unterzeichnung der an S. K. H. den Großherzog gekichleten Adresse bezeugt hat, bin aber gleichzeuig der Ansicht, daß Dies öffentlich dadurch konstatirt werden möge, daß Jed weder, welcher den Inhalt der er- wähnten Schmähartikel und die darin ausgesprochene Gesinnung billigt und vertreten will, entweder feinen Namen

von der Adresse ausstreichen oder öf- fentlich eine gleichbedeutende Erklä⸗ rung abgeben möge. Geschieht Das nicht, so darf mit vollem Grund an genommen werden, daß die Bürger schaft Friedbergs jenes Treiben ver⸗ dammt und von sich abweist.

Möge man aber hieraus auch erkennen, von welcher Seite Verderben für die Stadt droht! Denn diejenigen sind gewiß die schlimmsten Feinde des öffentlichen Wohls, welche in dem Augenblick, wo eine schwere Calamität abgewendet werden soll, die Instanz, die allein helfen kann, verleunden und mit Koth bewerfen, und die je nach Umständen sogor leugnen, daß Friedberg überhaupt lokale Interessen habe.

Friedberg, den 21. Jubi 1871.

Withelm Curtman.

Deutsches Reich.

Darmstadt. Ein Mannheimer Correspondent derH. V. bringt noch weitere Mittheilungen. vom 18. d. über den Einzug und Aufenthalt unserer hessischen Division in Mannheim. Er sagt: Nachdem in der Morgenfrühe das 1. Re⸗ giment nach Worms, das 2. nach Heppenheim abgerückt waren, durchzogen um 10 Uhr Vor

mittags die ganze Cavallerje- rigade in ge schlossenem Zuge von Ludwigshafen kommend

unsere Stadt, sowie einige Batterien Artillerie. Mannschaft wie Pferde dieser Truppengattungen sahen gleichfalls vorzüglich aus, Roß und Reiter mit Blumen und theilweise Kränzen geschmückt. Eine halbe Stunde später rückte sodann das 3. Inf. Reg. ein und bezog mit einem Bataillon(2) hier Quartiere, während das 1. den Neckar über- scritt und in den badischen Orten Feudenheim, Käferthal, Heddesheim und Wallstadt einquartirt wurde. Große Menschenmassen gaben den ein ziehenden und abrückenden Truppen jedesmal das Geleite, wie sich denn die Leute durch ihr biederes, einfaches und bescheidenes, von jeder Renomage entferntes Betragen nicht allein hier, sondern auch aller Orten der bayekischen Pfalz das beste An denken gesichert haben. Die mir vorliegenden Blätter letzterer Provinz sprechen sich einmüthig in diesem Sinne aus. So schreibt namentlich der Speyerer Anzeiger:Das freundliche und he scheidene Wesen dieser Leute wird von Jedermann gerühmt. Von übermüthiger Siegesfreude und Prahlerei keine Spur; dieselben äußern nur ihre herzliche Freude, wieder auf deutschem Boden und in der Nähe des häuslichen Heerdes zu sein. Soweit unser Mannheimer Correspont. Von Worms, wie Heppenheim, bringt oben genanntes Blatt Schilderungen über den enthustastischen Empfang, welcher den dort einziehenden Wackeren wurde. In Worms namentlich wurde das 1. Re giment mit unbeschreiblichem Jubel begrüßt, die Stadt prangte in einem Festschmucke, so großartig, wie bei der Enthüllung des Lutherdenkmals und die Blumenspenden waren so bedeutend, daß auch kein Soldat unter 56 Sträußen und Kränzen wegkam, Helm, Bajonnet, Brust waren bei Allen damit geschmückt, sogar die Pferde bekränzt. In Heppenheim empfing die Gemeinde an der Grenze die Heimkehrenden, die ganze Umgegend war zu sammengeströmt und lief ergreifend waren einzelne Scenen des ersten Wiedersehens. Aehnlich, wenn auch nicht ig dem großen Maßstab, war der Empfang in allen Städtchen und Dörfern; die Thräne, die leider an diesem Tage bei so Vielen ihr Recht geltend machte, stahl sich hinweg, vor dem nur zu berechtigten Ausdruck der Freude der Lebenden und Gesunden.

Berlin. ˖ DieN. A. Ztg. schreibt: Die erhebende patriotische Feier, deren Schauplatz die

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Residenz gestern war und noch heute ist, läßt wenig andere Gedanken aufkommen, als solche,, welche sich auf diese Feier beziehen. Es ist aller⸗ dings äußerlich der Einzug unserer Truppen, der

den Anlaß zu diesem Feste bildet, innerlich ist es aber der Gedanke der Wiedergeburt des deutschen Vaterlandes, der die Feier beherrscht, der die Hunderttausende von Gästen aus allen Theilen Deutschlands nach Berlin geführt. Und dieser Gedanke fand denn auch seinen offieiellen Aus- druck in dem Sinnspruch des Banners, das aus den Fenstern des naturgemäß bei diesen Festen so

schweigsamen Hotels des Fürsten Reichskanzlers

wehte: 5 Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, In keiner Noth uns trennen und Gefahr.

DieKreuzztg. schreibt: Der Kaiser hat

die Entschließung bezüglich einer dreitägigen Reise

nach Ems geändert und ist es zweifelhaft, ob der Kaiser überhaupt noch diese kürzere Reise antritt.

DiePost berichtet in halb offizieller Weise: Ueber die Verhandlungen, welche in Frank- furt gegenwärtig noch zwischen deutschen und fran⸗ zösischen Commissären geführt werden, verbreitet man vielerlei irrthümliche und widersprechende Gerüchte. Es handelt sich aber bei denselben einzig und allein um die in dem Friedensvertrage ausdrücklich für solche Verhandlungen vorbehaltenen Specialfragen, wie die genaue Grenzregulirung ꝛc. Von der Aufnahme neuer außerhalb des Friedens vertrages liegender Verhandlung ist nicht die Rede.

Es verdient als eine Erinnerung an König Friedrich Wilhelms III. Zeit noch besonders her vorgehoben zu werden, daß gestern dem Sieges- zuge voraus ritt der greise General-Feldmarschall Hraf Wrangel mit dem österreichischen General der Cavallerie Frhrn. v. Gablenz und dem russischen Oberstallmeister Frhr. v. Meyendorff. Beide Herren trugen das große Band des rethen Adlerordens. Der Kaiser hat bestimmt, daß die Straße auf dem linken Ufer der Spree, von der Unterbaum- brücke nach den Zelten(im 3. Polizei-Revier) den Namen Kronprinzen ⸗Ufer, und die Straße auf dem rechten Spree-Ufer, von der Unterbaums⸗ bis zur Eisenbahnbrücke(im 4. Polizei-Revier) den Namen Friedrich-Karls-Ufer führen soll.

DieBörsenztg. erfährt positiv, daß die französische Anleihe im Betrage von 2150 Mil- lionen Francs auf der Basis von Sproc. Renten- liteln abgeschlossen sei. Die öffentliche Subseription werde in aller Kürze erfolgen, hier wahrscheinlich bei Bleichröder, zum Course von 82. Bei der Subscription sollen 12 pCt. eingezahlt, der Rest durch 14 Ratenzahlungen zu 5 pt. berichtigt werden. Bei sofortiger Vollzahlung werden 5 pCt. Zinsen vergütet, der Cours wird sich mithin auf circa 79/ pCt. stellen.

DerStaatsanz. berichtet: Der Kaiser empfing am 15. d. M., Nachmittags 1 Uhr, die sämmtlichen General ⸗Superiatendenten der Mo- narchie, welche Allerhöchstdemselben ihre Glück wünsche im Namen ihrer Gemeinden zu dem wiederhergestellten Frieden darbrachten.

Kassel. Am 16. Juni starb dahier hoch- bejahrt ein in Hessen sehr geachteter Mann, der im öffentlichen Leben unseres früheren Kurstaates einst sehr viel genannt wurde und ssch große Ver⸗ dienste erworben hat: der Justiz Minister a. D. Me ritz v. Baumbach.

München. Nachdem nunmehr der feierliche Einzug der aus Frankreich zurückkehrenden baye⸗ rischen Truppen in München bestimmt auf Mitte Juli festgesetzt ist, ist bayerischen Blättern zufolge von Seiten des Königs Ludwig die officielle Ein- ladung an den Deutschen Kronprinzen ergangen, diesem Einzuge an der Spitze der von ihm so glorreich geführten baperischen Kämpfer beizuwohnen. In allen Schichten der Münchener Bevölkerung

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