Ausgabe 
19.12.1871
 
Einzelbild herunterladen

rere

feieplich gegebenen Worte nicht abweichen wolle, dürfe als eine neue Bürgschaft für den ernsten und aufrichtigen Willen der Regierung aufge⸗ nommen werden, ihrerseits den Gedanken des Friedens zu entscheidender Geltung zu bringen. Gegenüber den Bestimmungen eines großen Theils der Bevölkerung, wie sie sich neuerdings bekun⸗ deten, ist es der Regierung als Beweis mora⸗ lischen Muthes anzurechnen, daß sie sich nicht scheute, die Rachegefühle im Volke und die Ver⸗ irrungen der französischen Rechtssprechung offen zu rügen. 8

DerReichs⸗Anzeiger veröffentlicht das Programm, den Entwurf zu einem Parlaments- gebäude für den deutschen Reichstag betreffend. Das Gebéude soll auf der östlichen Seite des Königsplatzes errichtet werden, und zwar sollen die hervortretenden Theile desselben sich innerhalb der auf dem anliegenden Situationsplane ange- deuteten Baufluchtlinien halten, die auf der West⸗ seite der Baustelle anzuordnenden Vorbauten dem Mittelpunkte des Siegesdenkmals sich nicht auf mehr als 170 Meter nähern.

DieN. Pr. Z. macht darauf aufmerksam, daß das in Nancy, dem Hauptquartier der deut schen Occupationsarmee in Frankreich, aufgegebene Telegramm, wonach im ganzen Umkreise des Occupationsrapyons in Frankreich der Belagerungs⸗ zustand proclamirt ist und Verbrechen gegen deutsche Soldaten durch deutsche Militärgerichte abgeurtheilt werden, nicht etwa eine neue Maßregel meldete, sondern sich nur auf die Wieder veröffentlichung eines Sicherungszustandes bezog, der, wie allge⸗ mein bekannt ist, in occupirten Gebieten aus selbst⸗ verständlichen Notbwendigkeitsgründen stets herrscht und herrschen muß.

DieKreuzztg. beslätigt, daß die Er⸗ nennung des Grafen Arnim zam deutschen Bot⸗ schafter in Paris als gesichert betrachtet wird. Das Ernennungsdekret ist, wie man hört, bereits dem Kaiser vorgelegt.

Die beiden neuen deutschen Panzerschisse Metz undSedan, deren Bau auf englischen Wersten bereits in Angriff genowmen ist, sodlen schon im nächsten Frühjahr vom Stapel laufen. Zu derselben Zeit werden auch die beiden im Bau begriffenen PanzerfregattenGroße Kurfürst undFriedrich der Große vollendet, so daß alsdann zehn Jahre nach dem eigenklichen Stif- sungstage der deutschen Marine(Seegesecht bei Arkona, 17. März 1864) die deutsche Schlacht⸗ flotte mit acht großen, vortrefflich ausgerüsteten Panzerschiffen und 16 Dampfcorvetten auf offener Ste wird auftreten können.

München. In der Abgeordnetenkammer ist solgender Antrag eingebracht worden: 1) In allen Fällen, in welchen der Bundesrath über tine Ab⸗ änderung der Competenz der Reichsversassung oder der Zusätze zur Reichsverfassung oder über die⸗ jenigen Vorschristen der Reichsverfassung beschließt, durch welche bestimmte Rechte Bayerns in dessen Berbältniß zur Gesammtbeit festgestellt wurden, sind die Vertreter Bayerns im Bundesrathe be züglich ihrer Erklärungen an die Zustimmung der Kammer der Reichsräthe und der Abgeordneten⸗ lammer gebunden. 2) Bis zur erfolgten Zu⸗ stimmung der Kammern haben die Vertreter Baverns alle Anträge auf solche Abänderungen abzulehnen 3) Die baperischen Staatsminister sind für die Beobachtung dieses Gesetzes gemäß der Gesetze über die Ministerverantwortlichkeit haftbar.

Ausland. 4

Oesterreich. Wien. Der Kaiser empfing den General v. Schweinitz in besordecer Audienz und nahm dessen Beglaubigungeschreiben als Bot schafter des deutschen Reiches entgegen.

Schweiz. Bern. Der Nationalrath be schloß, daß Mitglieder des Jesuitenortens in der Schweiz nicht aufgenommen werden sollen, und verbot die Lehr⸗ und kirchlich Thätigkeit derselben.

Der Nationalrath untersagt ferner die Errichtung

neuer, sowie die Wiederherstellung alter Klöster.

Frankreich. Pariser Berichten derKöln. Zig. zufolge, werden die Verhandlungen, betref- send den deutsch⸗ französischen Postverkehr, gegen ·

wärtig zwischen dem deulschen General-Postdirector Stephan und dem französischen General-Postditector Rampot in Paris eifrigst fortgeführt. In diesem Augenblicke handelt es sich namentlich um das Transitporto, auf welches Deutschland für die französische Correspondenz nach Rußland, Oester⸗ reich, der Schweiz und den seandinavischen Ländern, zu verzichten bereit ist, wenn Frankreich dies eben⸗ falls thut für die deutsche Correspondenz nach Spanien, Portugal und Amerika.

Paris leidet gegenwärtig schwer unter den Folgen des starken Schneefalls der letzten Tage in Verbindung mit der mangelhaften Straßen- reinigung. Es ist nichts geschehen, um den Schnee wegzuschaffen, wie dies zur Zeit des Seine-Pascha's Haußmann pünktlichst zu geschehen pflegte; denn man will ja Ersparnisse machen. Der ganze innere Handelsverkehr der Riesenstadt liegt dar nieder, weder Pferd noch Wagen vermögen die bochgehenden Schneewogen zu überwältigen und zu durchmessen, und zu den vielen Krisen, mit denen Paris behaftet, tritt nun auch als jüngste, die Schneekrisis. Nach demBien public liegt der Hauptgrund zu dieser Calamität an dem Mangel an Arbeitern, denn früher bestand das Straßenreinigungspersonal fast nur aus Elsässern und Deutschen, die jetzt in Folge des Krieges fehlen.

Wie aus Boulogne geschrieben wird, tritt in Arras binnen weniger Tage die von der fran zösischen Regierung ernannte Commission zusammen, um den Plan einer neuen Dampferverbindung zwischen Dover und Calais zu prüfen. Drei Riesendampfer sollen gebaut werden, die jeder mit dreißig Eisenbahnwaggons an Bord die Reise zwischen den genannten Häfen in 70 90 Mi⸗ nuten zurücklegen würden. Diese Dampfer, welche zusammen täglich seche Hin- und sechs Herreisen machen sollen, würden etwa 400,009 L. kosten. Die Gründer des Unternehmens beanspruchen von der französischen Regierung Construction der nöthi gen See⸗Siation in Calais und Verbindung der⸗ selben mit der Nordbahn, sowie ferner den aus- schließlichen Postcontract auf zwanzig Jahre mit jäbrlichen Subsidien im Betrage von 500,009 Frs. Von der englischen Regierung erwarten sie ähn⸗ liche Bedingungen.

Die Enqustecommissien über die Hand- lungen der Septemberregicrung hat den Marschall Lebocuf verbört. Der ehemalige Kriegsminister widerlegte den Ausspruch Thiers, die Regierung des Kaiserreiches habe mit nur 200 000 Mann den Krieg begonnen und macht sich anheischig, den Beweis dafür zu erbringen, daß er bei Be⸗ ginn der Feindseligkeiten 567,000 Mann unter den Waffen gehabt babe.

Versailles. Nationalversammlung. Der Minister des Innern eiklärt auf eine diesbezüg⸗ liche Anfrage, daß die Regierung, indem sie die Wablen in Corsifa vertage, in Gemäßbeit des Gesetzes von 1852 und im Jateresse der Freiheit handle. Die Versammlung nimmt auf das Ver⸗ langen des Ministers einfache Tagesordnung an. Der Kriegsminister erklärt io Erwiderung auf eine Anfrage Duprat'r, daß die zur Untersuchung ter Capitulationen nietergesetzte Commission be⸗ züglich der llebergabe von sechs festen Plätzen zweiter Classe Beshluß gefaßt babe. Die Comman- danten hätten Disciplinarst-afen erhalten. Die Commission werde in zwei Tagen die Affaire von Sedan wieder aufnehmen, die von Mitz werde nachfolgen.

In der Nationalversammlung legte der Unterrichtsminister Jules Simon einen Gesetzvor⸗ schlag über die Organisation des Volksunterrichts vor. Nich längerer Discussion wird die von der Regierung gutgeheißene Tagesocdnung angenommen und tie Prüfung der einichlägigen Fragen einer Spccialtommission von 30 Mitgliedern überwiesen,

Großbritannien. London. Die Nach⸗ richten über das Befinden des Prinzen von Wales constatiren eine am 14. d. eingetretene günstige Wendung in der Krankbeit desselben sowie eine fortrauernde Besserung aller Krankheitserscheinungen.

Span en Einem derSüdd. Pr. vor- liegenden Privatbriefe zufolge erließen 7 katho lische Geistliche zu Madrid ein Manisest für die

Frankfurt.

altkatholische Sache, verbunden mit Reformvor⸗ schlägen. Die Prinzipien, welche die Geistlichen in ihrem Programme aussprechen, sind nach der A. A. Z. folgende: 1) Reinigung der christ⸗ lichen Lehre nach der Richtschnur des neuen Testaments; 2) Scheidung und Unabhängi

der Kirche vom Staat; 3) Wahl zu den lirch⸗ lichen Würden durch allgemeine Abstimmung; 4) Abschaffung der lateinischen Sprache im Cul⸗ tus, Abschaffung der erzwungenen Ehelosigkeit der Geistlichen, und endlich Abschaffung aller Ge bühren für die Spendung der Sakramente und kirchlichen Dienstleistungen; 5) Selbstregierung der Kirche durch periodisch zusammentretende Synoden.

R. Friedberg. Palmkuchen und Pelmkerumehl haben unter den sogenannten Kraftsulterstoffen in neuerer Zeit sich eines sehr starken Verbrauchs zu erfreuen. So bat der landwirthschastliche Consumverein für Robheim und Umgegend innerhalb weniger Monate für 1033 ft. theils aus Groß⸗Gerau, theils aus Hamburg bezogen und sind die betreffenden Landwirthe sowohl hinsichtlich der Milch⸗ wie auch der Fleischproduclion sehr zufrieden. Während die Palmkuchen auf mechansschem Wege eniölt werden, noch circa 14% Felt enthalten und sich vor⸗ nehmlich bei Milchvieh bewähren, ist dem Palmkernmehl das Oel auf chemischem Wege entzogen, weniger gehalt voll an Feit,(circa 3,1%) aber reicher an Proteinstoffen und vorzüglich als Mastfüiter für Rindvieh und Schweine geeignen. Da es dem Einzelnen nicht möglich ist, kleinere Qumtitäten dieser Futterssoffe ohne Fälschung zu billigem Preise zu beziehen, die Fabrikanten geben nur ganze Wagenladungen ab so ist der genossenschaftliche Be⸗ zug derselben geboten und dürfte derselbe Veranlassung geben, mit der Bildung von landwirthschastlichen Con⸗ sumvereinen überall vorzugehen.

* Friedberg. Nach den uns zugekommenen Mit⸗ theilungen hat die jüngste Vo kszählung in unserer Stadt ergeben, daß am 1. Dezember in derselben 4307 Per⸗ sonen, und zwar 2093 männliche und 2214 weibliche, anwesend waren. Im Vergleiche zu der vorhergegangenen Zählung im Jahte 1867 zeigt sich eine Verminderung der Einwohnerzahl um 466 Personen, welcher Ausfall in der Verlegung der Garnison seinen Grund hat. Bel der Civilbevölk rung ergibt esitz eine unbedeutende Vermehrung.

Gießen. Das Ergebniß der neuesten Volkszählung der Stadt Gießen ist folgendes: Am 1. Dec. waren in der Siact Gießen anwesend 12 225 Personen(6489 männliche, 5736 weiblicht). Vor 4 Jahren zählie der Stadt 10,233 Personen und hat sich die Bevölkerung vei⸗ mehrt um 1992. Da aber sich jetzt 1122 Militärpersonen biet befinden, während vor 4 Jahren nur 464 Militär⸗ personen hier lagen, so hat sich der Militärstand um 658 Köpfe vermehrt, und wenn man diese 658 Personen in Abzug beingt, die Civilbevölkerung um 1334 Personen. Gleichen Schritt mit der Vermehrung der Seelenzabl hielt die Virmebrung der Wohnungen. In den letzten 4 Jahren sind 69 Wobnhäuser und 7 neue Bahnwärterhäuser erbaut und mebrere ehemalige Oekonomie⸗Gebäude wohnlich ein⸗

gerichtet worden.

In demFr. J. ist folgende Mit⸗ theilung vom 15. Dec. zu lesen: Heute früh 10 Uhr sah ich, den Ginnheimer Fußweg hinaufgehend, auf circa 60 Schritte Distanz einen starken Wolf quer über den Weg laufen und beobachtete ich denselben nachher noch wäbrend einer guten Viertelstunde, wie er sich auf den Schneeseldern binier der Grünenburg, gegen die Eschen⸗ beimer Landstraße zu. augenscheinlich sehr ermattet, umher⸗ trieb. Er wandte sich zuletzt nerewärte, wo ich ihn aus dem Gesichte verlor. Ich hätte kium gewagt, mich auf meine eigenen Augen zu verlassen; aber mehrere des Weges kommende Landleute haben auch gleichzeitig das Tbier geseben, so daß das Factum nicht zu bezweifeln ist.

Frankfurt. Auf dem Mainneckarrahnhof wurde am Ir ilag einem Hausknecht, während er ben Fracht⸗ brief in Ordnung brachte, der Stoßkarten sammt dem darauf befindlichen Colli gestoblen.

Frankfurt. Von Seiten der Stadtkanzlei wurde den bursigen Bättern zur. Publikation mitgetheilt, daß die Volkezäblung für Frankfurt nach vorläufiger Zu⸗ sammenstellung als ortsanwesende Bevölkerung, incl. Militär, 90 748 Persenen ergab, als vorübergehend Ab⸗ wesende 1690 Prsenen, d.. gegen die Zählung vom 3. Dec. 1867 ine Zunahme von 12,471 Köpfen. Jene auwesende Berölkerung repräsentirt 15,789 Haushaltungen und Anstalten, welche sich auf 5488 Wohnhäuser(bebaute Grundstück.) und sonslige Aufenthaltsorte vertheilen. In Bornheim soll die Zäplung nach einer Notiz des Fr. Anz. 6390 B wohner ergeben haben, Zunahme über 1200; in Bockenheim 8500, Zunahme 1756 Ein⸗ wohner. g Darmstadt. Ein hicsiges Bankhaus verkaufte s. Z. ein Augoburger 7 fl.⸗Loos, welches, wie es sich nachher berausgestellt. am Tage des Verkaufs bereils in der Serie gizogen war und später einen Treffer von 4000 fl. er. zielte. Das Stadtgericht und unlängst auch das Hofge⸗ licht wiesen die Klage des Veikäusers auf Herausgabe des Gewinn s indeß ab. Ebe der Gegenstand in letzter Justanz seine Erledigung findet, wird die Vorfrage zu enischeiden sein, welches Gericht hier compeient erscheint, des hissige Ober⸗Appellatiousgeticht oder das Reichs⸗Ober⸗ gandelsgerict in Leipzig.

Würzburg. Als interessanter Contrast zur neuesten

sranzösischen Rechtepflege wied folgender vor Kuczem vor

isctul, aun Jab lose vil lu 01 Angfübrt schen Ab. kattirt! llätie, sie Cob. haben sie gewachsen

publicur cüculirte die verse worsen bessert, Conlre⸗ usichtlie für die bahnacl an der bahn⸗ Minde Kaufli bahn, matten eingest 84½. fanden sind ange 18⁰2˙ Srer von L man Mmazier der d pro 1 durch so we