Ausgabe 
17.1.1871
 
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verbindung mit den Forts ermöglichte. Die Ueber legenheit der deutschen Geschütze über die Marine geschütze in den Batterien ist schon seit dem ersten Tage der Beschießung erwiesen.Times läßt sich aus Bersailles schreiben, dies käme daher, weil die breltschlundigen Marinegeschütze nach 40 Schüssen so verschleimt und erhitzt seien, daß sie erst vollständig abgekühlt werden müssen und nicht eher wieder verwendet werden können, als bis sie völlig frisch geputzt worden seien, während die deutschen Artilleristen weniger schnell feuerten, dafür aber nur Treffer abgäben, die allzugroße Erhitzung des Geschützes sowie nutzlose Vergeudung der Munition vermeidend.

Ueber Basel ist eine französische Ambulanz, welche von deutschen Truppen in Orleans abgefangen wurde, nach Frankreich zurück · gekehrt. Es befand sich ein halbes Dutzend grau; därtiger Aerzte dabei, wovon mehrere das Offiziers kreuz der Ehrenlegion trugen. Die Ambulanz⸗ gehülfen und Krankenwärter sahen dagegen nicht besonders Vertrauen erweckend aus.

Nach Berichten aus Dijon soll Garibaldi einen Schlaganfall gehabt haben und schwer krank darnieder liegen.

Die hessische Division ist nach An⸗ gabe derDarmst. Zeitung augenblicklich in verschiedene Detachements aufgelöst, so daß der Divisionsstab sich mit nur noch 3 Bataillonen und 1 Batterie in Orleans befindet; 3 weitere Bataillone liegen in Faubourg St. Marceau auf dem anderen Loire⸗Ufer. Das 4. Infanteric- Regiment soll nach Blois detachirt sein.

DieStraßb. Ztg. bringt ein Namens- verzeichniß von neuerdings der Gefangenschaft entflobenen französischen Ofsizieren, das die Zahl von 73 aufweist, wovon allein 14 aus Köln, 13 aus Aachen, die meisten übrigen aus Schlesien desertirt sind.

Bern, 14. Januar. Privatberichte aus Pruntrut von gestern Abends melden: Seit Mittag heftiges Gefecht zwischen Herimoncourt und Croix. Dasselbe blieb bis jetzt ohne ent⸗ scheidendes Resultat. Von Norden wird der Anmarsch bedeutender deutscher Verstärkungen signalisirt.

Hessen. Darmstadt. Ueber die Verluste der Großherzoglichen(25.) Division veröffentlicht dieDarmst. Ztg. weiter folgende Liste:

2. Reiter⸗ Regiment. (Gefecht kei Co zue am 27. Dezember 1870.) Gefr. Anton Wick, Wihlheim, Kr. Alzey, l. v., zwei

Schuß durch d. l. Unterschenkel; liegt in Briare.

(Gefecht bei Neuvy am 27. Dezember 1870.) Chevaurl. Heinr. Schäfer, Rodheim, Kr. Vilbel, l. v.,

Streisschuß am l. Ohr; liegt in Briare.

(Gefecht bei Briare am 29. Dezember 1870.) Chevauxl. Phil. Krämer, Oder⸗Hilte sk ingen, Kr. Er bach, I. v., Schuß durch den r. Arm.

2. Infanterie Regiment.

Zu ber bereits veröffenttichten Verlusiliste bezüglich des Gefechtes bei Briare am 31. Dez. 1870 wird auf Grund glaubwürdiger Miltheilung ergänzend bemerkt:

1) Ceiporal Joh. Riebel aus Pfaffen⸗Beerfurty und die Musketiere Karl Wilh. Bauer(Lauer) aus St. Goar, Heinr. Schenk aus Nidda, Phil. Dohsy(Dosy) aus Lim⸗ burg und Melchior Wall aus Holzhausen, sowie ter Gefc. Heinr. Schmidt von der 3 Comp. aus Gießen(welcher am 1. d. M. wegen Krämpfen von der Feldwache in das Lazareib zu Briare gebracht worden war) sind von dem Feinde als Gefangene mitgeführt worden;

2) Musk. Suppes aus Eichelsdorf ist nicht tobt, son⸗ dern schwer verwundet;

3) Musk. Adam ODiterbein aus Queck und Valentin Mangold aus Maar sind gestorben und in Briare be⸗ graben worden.

Nach dem Gefecht bei Bonny am 5. Dezember wurden ron der Leibschwadron des 2. Reiter⸗Regiments vermißt:

Lieutenant Freiberr v. Riebesel zu Eisenbach, Sergeant Ernst Mahr aus Traisa, Corporal Joh unes Fauerbach aus Flomborn, Gefreuer Georg Johann Hoos aus Ale⸗ feld, die Chevaulegers Ludwig Pfeil aus Nieder- Ofleiden, Johann Reiß aus Weinheim(Kr. Alzey), Friedrich Wagner aus Vonbausen, Martin Jakob Merget aus Klein-Krotzen⸗ burg, Ludwig Müller aus Schwalheim, Friedrich Joseph Bieberich aus Zwingenberg, Nikelaus Gölz aus Reisen, Christian Johann Mennel aus Auerbach, Jakob Weil aus Pleitercheim, Carl Mandler aus Bechenheim, Peter Färber aus Ockenheim, Johann Abam Klinger aus Gadecnheim und Joh. Dieter Wösselschueider aus Höchst(Kr. Neustadt).

Nach Aussage eines Parlamentärs ist einer der ver⸗

mißten Chevaulegers leicht verwundet, alle übrigen unver⸗ wundet in französische Gefengenschaft gerathen. i 2. Reiter⸗Regimenl.

(Gefecht bei Briare am 25. December 1870.) Gefreiter Anton Grob. Nieder⸗Roßdach, vermißt. Chevauleger Ludwig Vickel, Emrich im Königreich Preußen

vermißt.

* Joch Huster, Gonsenheim, schw. v., Schuß

durch den Rücken, liegt in Briare.

* Carl Bitz, Kostheim.

Am 11. d. wurde dem Gr. Kreisassessor v. Grolman zu Worms die Verwaltung der Kreisrathsstelle zu Offenbach provisorisch übertragen.

Zu den im Bezirke des XI. Armeecorps zu errichtenden sieben Garnisons-Bataillonen mit einem Etat von je 600, im Ganzen also von 4200 Mann, hat auch das Großherzog⸗ thum sein in einem Bataillon bestehendes Con⸗ tingent zu stellen. Die Formation dieses Ba⸗ taillons ist bereits angeordnet worden und dürfte mit dessen Führung Major Weyland betraut werden.

§ Friedberg. Der Abg. Curtman hat folgende Interpellation an die Regierung ge⸗ richtet: Die Kirchenregierung hat vor einigen Monaten den Entwurf einer Verfassung der evangelischen Kirche für das Großherzogthum veröffentlicht und dessen practische Durchfüh⸗ rung in Aussicht gestellt. Diese neue Kirchen⸗ verfassung berührt aber an vielen Puncten staatliche Interessen, so daß deren Durchfuͤh⸗ rung unmöglich erscheint, wenn nicht gleich⸗ zeitig ein staatliches Gesetz erlassen wird, das die Verhältnisse zwischen Staat und Kirche regelt. Um nur ein Beispiel anzuführen, be⸗ merke ich, daß in dem Entwurfe die Aus schließung aus der Kirchengemeinschaft als kirchliches Strafmittel vorgesehen ist, und daß also ein aus der Kirche Ausgeschlossener oder Ausgetretener weder Recht noch Pflicht hat, sich der Dienste der Kirche bei der Eheschließung und sonstigen Beurkundungen des Personen standes zu bedienen, daß somit Vorsehung zu treffen ist, daß hieraus keine Verwickelungen und Inconvenienzen entstehen. Ich richte daher an Großherzogliche Staatsregierung die Anfrage:

ob dieselbe geneigt ist noch diesem Land⸗

tage und gleichzeitig mit Einführung der

protestantischen Kirchenverfassung ein Gesetz vorzulegen, welches die Verhältnisse zwischen

Staat und Kirche ordnet.

Friedberg. Von Angehörigen unseres zweiten Regiments sind auch hier Nachrichten ein getroffen, welche das in einer der letzten Rummern des Anzeigers erwähnte scheußliche Verfahren fran⸗ zösischer Truppen gegen die in ihre Hände gefallenen Verwundeten, namentlich in Bezug auf den ge⸗ fallenen Hauptmann Weber, bestätigen. Ebenso liegt demGießener Anzeiger ein neuerer Brief vor, welcher den Befund der Leiche Webers beschreibt. Das erwähnte Blatt sagt darüber: Wir wollen diese Schilderung als zu schauder⸗ erregend nicht wiedergeben, sondern beschränken uns auf die Bemerkung, daß man französischer⸗ seits dem Grundsatz gefolgt zu sein scheint, die Verstümmelung des durch einen Granatsplitter am Halse Verwundeten durch jede der bei ihm vorgefundenen Waffen, wie Säbel, Revolver und Messer, auszuführen, wie denn auch mehrfach die Beobachtung gemacht wurde, daß die Franzosen unsere Verwundeten mit deren eigenen Bajonetten niedermetzelten.Es erzählte ein Verwundeter, den die Halunken im Walde nicht gesunden hatten und den wir anderen Tags zurückb rachten, in seiner Nähe habe ein am Bein Verwundeter um Pardon gebeten, die Kerls hätten denfelben aber ausgelacht, wären um ihn herumgetanzt, hätten ihn verstümmelt und schließlich erschossen. Diese Mitthe lungen, an Cooper's Erzählungen von Kannibalen erinnernd und uns doch so nahe an⸗ gehend, mögen als weiterer Beitrag dienen zur Kennzeichnung der grande nation, die den An⸗ spruch erhebt, an der Spitze der Civilisation zu marschiren. Dieselben mögen uns aber auch und insbesondere allen etwaigen Freunden, Be⸗ wunderern oder Bemitleidern der Fran⸗ zosen den Gedanken recht nahe legen, was wir

ganz abgesehen von Turcos und dergleichen Gesindel von einem bewaffneten Einbruch fran⸗ zösischer Truppen zu gewärtigen hätten. Einem so gearteten Nachbar gegenüber kann nur das unbedingte Festhalten an der Forderung sicherer Grenzen die einzige annehmbare Bürgschaft ge⸗ währen.

Mainz. Von dem hiesigen Reservedepot sind Mörser schwersten Kalibers nebst dazu gehöriger Munition am 12. d. nach Paris abgegangen. Mannschast, 3. Festungsartillerie, ging ebenfalls dahin ab.

Preußen. Berlin. Im Abgeordneten⸗ baus wurde auf den Antrag des Abgeordneten Reichensperger(Coblenz) das bisherige Präsidium Forckenbeck, Koller und Bennigsen durch Accla⸗ mation einstimmig wieder gewählt.

DerStaatsanzeiger bestätigt die Er⸗ nennung des Generals v. Manteuffel zum Com- mandirenden der Ostarmee. DerKreuzzeitung zufolge ist General v. Manteuffel mit seinem gesammten Stabe bereits über Versailles hinaus nach seinem neuen Bestimmungort abgegangen.

Wie dieOstd. Ztg. hört, sind jetzt strengere Anweisungen über Bewachung der ge⸗

fangenen Offiziere vom Kriegsministerium ein- Nach diesen soll z. B. ein Offizier,

getroffen. welcher das gegebene Ehrenwort bricht, eniflieht und wieder ergriffen wird, den Offiziersrang verlieren und in eine Sträflingscompagnie eingestellt werden.

DerStaatsanzeiger veröffentlicht eine

Note des Grafen Bismarck vom 9. d., welche die von Chaudordy gegen die deutsche Kriegführung erhobenen Anklagen zurückweist. Die Note hebt die aus der allgemeinen Wehrpflicht hervorgehende Zusammensetzung des deutschen Heeres gegenüber den theilweise aus Turcos und Strafbataillonen bestehenden französischen Truppen hervor und ver⸗ weist auf das Zeugniß englischer und amerikanischer Berichterstatter. Die Note constatirt sodann 21 Fälle, wo auf deutsche Parlamentäre geschossen worden, sowie 31 Verletzungen der Genfer Con- vention. Die Note constatirt ferner die An⸗ wendung von Sprenggeschossen und gehackten Blei⸗ patronen. Außerdem wird der völkerrechtswidrigen Kriegsweise zur See gedacht und der Verbrennung deutscher Schiffe Seitens französischer Kriegsschifft erwähnt. Die deutschen Schiffe würden deßhalb zu Repressalien gegen französische angewiesen werden. Die Note erwähnt ferner der den deutschen Ge⸗ fangenen und Verwundeten zu Theil gewordenen schlechten Behandlung, sowie des von der fran⸗ zösischen Regierung ermutbigten Ehrenwortbruchs gefangener französischer Offiziere. Eine Regierung, welche darauf rechne in Zukunft an der Spitze des Landes zu bleiben, werde solche Maßregeln im Interesse des eigenen Landes vermeiden. In der Absicht der gegenwärtigen Machthaber Frank⸗ reichs aber liege es nicht, die Herstellung des Friedens zu ermöglichen, deßhalb hätten sie die freie Meinungsäußerung durch die Presse und die

Vertreter der Nation unmöglich gemacht. Die Verantwortlichkeit für die Deutschland aufgenöthigte

strengere Handhabung des Kriegsrechtes falle auf die Personen, welche ahne Beruf und Berechtigung

die Fortsetzung des Krieges unter Lossagung von

den Traditionen der europä ischen Kriegführung übernommen und der französischen Nation auf⸗ gezwungen hätten.

DieKreufztg. schreibt: Dem Vernehmen nach beabsichtigen einige neutrale Regierungen, auf der Conferenz Friedensvermittlungen zwischen

Deutschland und Frankreich eintreten zu lassen.

Da biecse Regierungen nicht darüber im Zweifel sein können, daß deutscherseits unter keigen Um⸗

ständen von den aufgestellten Friedensbedingungen 5

abgegangen wird, läßt sich jene Absicht nur so

verstehen, daß auf die französischen Machthaber f dahin eiagewirkt werden soll, dieselben zur Ab⸗

tretung der ehemals zum deuischen Reiche gehörigen Gebietstheile zu bestimmen. Dasselbe Blatt bezeichnet die von einigen Blättern gebrachte Meldung über eine beabsichtigte Friedensvermitt⸗ lung Seitens Oesterreichs als voreilig.

Aus Geestemünde wird gemeldet, daß daselbst der DampferBaltimore eingetroffen sei,

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