soweit nach menschlichen Verhältnissen möglich. Noch weiter gehende Forderungen hätten größere Opfer erfordert. Ich habe das Vertrauen, es sei die Absicht der französischen Regierung, den
Vertrag auszuführen und daß die Kräfte dazu
vorhanden sein werden. Die Behauptung, die
Höhe der Kriegsentschädigung sei unerschwinglich,
wurde von dem französischen Finanzminisser nicht getbeilt. Der Reichskanzler spricht schließlich die Hoffnung aus, der Friede werde ein dauerhafter und segensreicher sein, und daß wir der Bürg⸗ schaften, deren wir uns versichert haben, um gegen erneute Angriffe gesichert zu sein, in langer Zeit nicht bedürfen werden.“
— Die dritte Reichstags⸗Abtheilung hat be— schlossen, die Wahl Sonnemann's, des Abgeord— neten für Frankfurt, wegen der in die Wahllisten nicht aufgenommenen 800 Bayern fü ungültig zu erklären und den Bundeskanzler aufzufordern, für Frankfurt neue Wahllisten aufstellen zu lassen
— 13. Mai. Reichstag. Die Deklaration zu F. 1 des Genossenschaftsgesetzes wird in dritter Lesung ohne Debatte angenommen. Es folgt die erste Berathung des Militärpensionsgesetzes. Kriegs- minister v. Roon befürwortet die Annahme. Das Gesetz biete den Verzoundeten nicht vollen Ersatz, nur eine Entschädigung. Das Pensionsmaß sei billig bemessen, gemäß der Dienststellung, der Dienstzeit und Individualität(2) Das Gesetz beschäftig sich auch mit den im Frieden invalid gewordenen, welchen eine Anerkennung nicht ver— sagt werden könne, denn wir hätten eben erfabren, was es für das Vaterland bedeute, ein Heer zu besitzen, welches im Frieden geübt worden, das Schwert zu führen. Im Laufe der Debatte er⸗ klärt der Kriegsminister auf die Anfrage Miquels, ob die elsaß⸗lothringischen Invaliden ebenfalls nach vorliegendem Gesetzentwurf behandelt werden würden, daß die Frage im Bundesrathe nicht unerwogen geblieben, jedoch kein Beschluß darüber gefaßt sei. Er glaube jedoch erklären zu können, daß der Bundesrath solch großmüthigem Ansuchen gegenüber nicht widersprechen werde. Ein Antrag Mallinckrodt's auf theilweise Ueberweisung des Ent⸗ wurfes an eine Commission, wird abgelehnt und der Entwurf zur zweiten Berathung im Hause gestellt. Es folgt die Fortsetzung der zweiten Berathung des Gesetzentwurfes über das Post- wesen. Sämmtliche Paragraphen werden mit unwesentlichen Aenderungen angenommen. Bei §. 50 beantragt Behr eine Resolunion, wonach der Reichstag die Erwartung ausspricht, das Generalpostamt werde dem Geldvermittlungs- und Postvorschußverkehr seine besondere Aufmerksamkeit zuwenden, damit die Post umfangreicher als bis- ber zum Ausgleich von Zahlungen benutzt werde. Generalpostdirector Stephan erklärt sich gegen die Resolution, welcher namentlich bezüglich des Postvorschußverkehrs nicht ganz in gewünschtem Umfange nachgegeben werden könne; es liege übrigens die Absicht vor, Postordres zum Inkasso auszugeben. Die Resolution wird nach Streichung der Worte„und Postvorschuß“ mit großer Majorität angenommen. Die zweite Berathung ist damit beendet. Das Posttaxgesetz wird in zweiter Lesung nach unwesentlicher Debatte unverändert ange⸗ nommen.
München. In der Sitzung des Magistrats wurde beschlossen, die Kreistegierung von Ober bayern um sofortige Entfernung des Religions- lehrers an der höheren städtischen Töchterschule, Streber, vom Religionsunterricht zu ersuchen, widrigenfalls der Magistrat selbst Streber den Eintritt in die Schule verbitten und im außersten Falle die höhere Töchterschule als Gemeindeschule ganz auflösen werde.(Streber, auch Religtons⸗ lehrer am Wilhelms-Gymnasium und Geschichts⸗ professor, behandelt die Unfehlbarkeitslehre als Theil des Religionsunterrichts.)
Ausland.
Oesterreich Wien. Das Aufhören der großh. hessischen Gesandtschaft in Wien ist bereits vertraulich angezeigt. Baron Heinrich v. Gagern der bisherige Gesandte, übersiedelt dauernd nach Wien.
Frankreich. Paris, 10. Mai. Rossel hat vor seiner Demisston einen Befehl veröffent-
räumt,
licht, wonach Fliehende und solche, welche einzeln zurückblieben, von der Cavalerie niedergemacht werden sollten. Größere Massen von Fliehenden und Widerspenstigen sollten von der Artillerie niedergeschossen werden.— — 11. Mai, Abends. Fort Vanvres, welches letzte Nacht von den Versaillern lebhaft ange⸗ griffen wurde, soll zeitweilig in ihren Händen gewesen, aber diesen Morgen durch die Föderirten wieder genommen worden sein. Seit heute Morgen heftiger Kampf. Die Batterien von Montretout und Mont Valerien überschütten die Bastionen von Point du jour und Auteuil mit Geschossen. Die Nationalgarden vermögen sich auf der Um⸗ wallung dieser Seite nicht mehr zu halten. Die Kanonenboote der Föderirten feuern nicht mehr. Zu Neuilly und Asnières machen die Versailler häufige und kühne Angriffe. Vor der Redoute Hautes⸗Bruperes, Bicétre und Montrouge unter— nehmen ihre Plänkler kecke Recognoscirungen.
— Fort Vanvres ist von den Föderirten ge— die Versailler besetzen Fort Issy mit schweren Marinegeschützen, die zum Bombarde— ment der Enceinte und des Point du jour dienen sollen. Die Wälle und Barrikaden an der Porte Maillot existiren nicht mehr. Die Artllleristen decken sich hinter einem Trümmerhaufen; die Batterie der Versailler hat eine Bresche zu Stande ge⸗— bracht.— Das Haus des Herrn Thiers wird soeben von den Nationalgarden geräumt, um morgen zerstört zu werden.
— 12. Mai, Morgens. Es fand ein er— bittertes Gefecht bei Issy statt; die Föderirten sollen die Barrikade im Park wieder genommen haben. Die Versailler machen an der Porte Maillot Fortschritte; sie führen auf dieser Seite Schanzarbeiten auf. Heute Morgen lebhaftes Gewehrfeuer in der Nähe des Forts Bicétre.— Schölcher wurde verhaftet.
— 12. Mai, Mittags. Eine Proclamation des Wohlfahrtsausschusses sagt:„Die Commune und die Republik find einer tödtlichen Gefahr entgangen. Der Verrath hat sich in unsere Reihen eingeschlichen. Gold wurde mit vollen Händen ausgestreut und hat käufliche Seelen ge— funden. Die Räumung des Fort von Issy, welche von dem Elenden, der das Fort auslieferte, durch ein ruchloses Plakat selbst bekannt gemacht wurde, war nur der erste Act des Dramas; die innere monarchische Insurrection trifft biermit zusammen, die Auslieferung eines Thores sollte folgen. Alle Fäden des Gewebes sind in unseren Händen; der größte Theil der Schuldigen ist verhaftet. Das Kriegsgericht hat sich permanent erklärt; Ge⸗ rechtigkeit wird geübt werden.“
— 12. Mai, Abends. Das 208. Bataillon hatte diesen Morgen auf Befehl des Wohlfabrts- ausschusses die Bank cernirt, da man dort ein Waffendepot vermuthete; man hielt über eine Stunde Haussuchung, ohne Etwas zu finden. Man versichert, Delescluze habe vollständig mit dem Centralcomite gebrochen. Das Blatt„La Justice“ versichert, das Centralcomite ziehe sich zurück und habe auf die Leitung der Kriegsver⸗ waltung verzichtet.
— 13. Mai, Abends. Das Haus des Herrn Thiers ist trotz allgemeiner Mißbilligung zerstört worden. In Folge davon sind die Straßen des 9. Arrondissements militärisch besetzt. Die Bürger werden auf der Straße genbthigt, ihre Papiere vorzuzeigen; wer ohne Papiere ist, wird sofort in die Kirche Notre Dame de Lorette eingesperrt. Die Vendömt⸗Säule steht immer noch.
— Nach Mittheilungen der Commune ist ein Versuch der Versailler, eine Brücke von St. Quen zu schlagen, zurückgewiesen worden. Die Föde— rirten haben den Ort Issy gänzlich geräumt. Die Versailler gewannen in der Richtung der Porte Maillot einiges Terrain. Die Operationen gegen Montrouge haben begonnen. Fort Vanvres ist noch in der Gewalt der Föderirten.
Versailles, 11. Mai. Die Nachrichten aue Algerien lauten vorzüglich. In einem am
6. Mai stattgehabten Kampfe wurde Kalif Mokrani, J
der Chef des Aufstandes, getödtet.
i Der Kampf hörte alsbald auf.
machte Thiers Mittheilungen über die in Frank⸗ furt stattgehabten Unterhandlungen. Aus denselben heben wir folgende Stellen hervor: Der defininive Frieden ist zwischen Frankreich und Deutschland unterzeichnet. Ich wünschte, Ihnen sagen zu können, daß die durch die Präliminarien festge⸗ setzten Bedingungen verbessert find. Unsere Lage gestattete es nicht; aber ernste Verwickelungen, welche wir fürchten konnten, sind abgewandt. Ich kann Ihnen das Friedensinstrument noch nicht vorlegen, aber ich kann Ihnen schon jetzt sagen: alle Franzosen werden Frankreich zurückge⸗ geben werden, die einen dem Vaterlande, welchem sie so treulich gedient haben, die anderen, welche noch Soldaten der Armee und glücklich sind, fort dienen zu können, alle ohne Ausnahme werden uns zurückgegeben werden. Unsere glorreiche tapfere Armee wird auf eine weit größere Zahl, als die Präliminarien zuerst erlaubten, gebracht werden können. Unsere Armee hat übrigens in Europa den hohen Ruf des französischen Namens und der Macht Frankreichs wiederhergestellt,(2) und man läßt ihr neuerdings Gerechtigkeit in der Welt widerfahren. Diese neue Lage gestattet uns, zu sagen: Für Afrika wird genügend Sorge getragen werden. Die Gefahren, welche Algerien bedrohten, find übrigens zum Theil beseitigt. Die Depeschen, welche wir erhalten, sind sehr günstig. bischer Chef hat es selbst bestätigt. Ich hoffe, daß binnen Kurzem die Gefahr gänzlich beschworen sein wird.
— In derselben Sitzung trat folgender Zwischen⸗ fall ein. Ein legitimistischer Abgeordneter, Mortimer Ternaux, wollte den Chef der Executivgewalt zur Rede stellen wegen eines Berichts, den Delegirte des Bordeauxer Gemeinderaths über eine Zu⸗— sammenkunft mit Thiers erstattet haben. Die Linke protestirte, Ternaux dagegen beharrte auf seinem Verlangen um Aufklärung. Hierdurch veranlaßt hob Thiers in ziemlich gereiztem Tone seine Uneigennützigkeit hervor, mit welcher er sich dem Dienste Frankreichs hingebe und sagte: Wenn ein Mann alles gethan, was er gekonnt, was wollen Sie, daß er denke, wenn er Ihre Undankbarkeit erblickt? Ich widme den Rest meines Lebens dem öffentlichen Dienst. Die Erfüllung meiner Aufgabe muß mir ermöglicht, werden. Ich verlange, daß die Versammlung sich ausspricht. Unter diesen Bedingungen kann ich nicht weiter regieren. Ein motivirtes Votum ist nothwendig. Meine Demission ist bereit. Wenn Sie mich schwächen, schwächen Sie sich selbst. Die gegenwärtige Lage erheischt Freimuth. Ich kann nicht länger meine öffentlichen Fune⸗ tionen bei einer solchen Behandlung erfüllen. Ternaux vertheidigt sich gegen den Vorwurf, daß er Thiers habe angreifen wollen. Cocherp, Bethmont und andere Mitglieder der Linken bringen eine motivirte Tagesordnung ein, welche besagt:„Die Versammlung, in vollem Vertrauen zu dem Chef der Executivgewalt der französischen Republik, geht zur Tagesordnung über.“ Es werden noch andere Tagesordnungen beantragt, aber Thiers erklärt, nur die Tagesordnung Bethmont's anzu⸗ nehmen. Die Tagesordnung Bethmont's wird schließlich mit 495 gegen 10 Stimmen angenommen.
— 12. Mai, Morgens. Montretout und die anderen Batterien feuern fortwährend mit großer Heftigkeit. Die Annäherungsarbeiten machen an verschiedenen Puncten Fortschritte. Fort Vanvres wird in Kürze vollständig cernirt sein.
— 12. Mai, 6 Uhr Abends. Im Laufe des Nachmittags haben die Truppen das Kloster des Oiseaux bei Issy mit dem Bajonnet genommen. Viele Insurgenten wurden getödtet und zu Ge⸗ fangenen gemacht; 3 Kanonen sind genommen.— Die Nationalversammlung nahm mit 515 gegen 21 Stimmen das Gesetz an, durch welches das seit dem 8. April in Paris mit Beschlag belegte Privat- und Staatseigenthum für unveräußerlich erklärt wird.
— 13. Mai. Ein Tagesbefebl Mac Mahon's an die Armee vom 12, d. Mts. constatirt die Gefangennahme von 3000 Iysurgenten und die Erbeutung von 150 Geschützen und fügt hinzu:
Ein ara⸗
— 11. Mai. In der Nationalversammlung
ess


