zu sein; der Rest der Föderirten deckt sich in den Tranchen längs der Seine. Seit Vormittag ist der Tag sehr ruhig verlaufen; nur vereinzelte Kanonenschüsse erschallten. Der Mont Valerien hat während der Nacht nicht gefeuert. Die Föderirten beginnen die Bresche bei der Porte Maillot auszubessern und die dort befindliche, von der Versailler Artillerie zerstörte Brücke wieder⸗ herzustellen. 12 Kanonenbote sind am Pont des Invalides und am Pont d' Alma vor Anker ge⸗ gangen. Das Kanonenboot„Liberté“ ist mit formidabler Artillerie ausgerüstet.
— 11. April, Abends. Die Versailler Truppen beginnen den Angriff auf Fort Montrouge. In diesem Augenblicke ist diesseits starkes Kanonen- und Gewehrfeuer zu hören.
— Der„Vengeur“ berichtet:„Die Kanonade gegen die Südforts war ohne Erfolg, der Angriff wurde vollständig zurückgeschlagen. Der Verlust der Versailler soll schwer sein.“— In Paris berrscht große Panik in Folge des Gerüchts, daß die Enceinte bei den Südforts gestern genommen worden sei. Die Kanonade dauerte bis 11½ Uhr.
— 12. April, Mittags. Ununterbrochenes Geschützfeuer seit gestern Abend zwischen den Forts Issy, Vanvres, Montrouge und den Batterien der Versailler bei Chatillon; auch die Infanterie scheint in das Gefecht einzugreifen, da seit 5 Uhr Morgens von zwei Seiten anhaltendes Gewehr- feuer gehört wird. Heftige Kanonade zwischen dem Mont Valerien, den Batterien bei Neuilly und Courbevoie und denjenigen an den Thoren Maillot, Neuilly und Ternes; auch im Bois de Boulogne und bei Asnieres finden Gefechte statt. Die Ambulanzen bringen viele Verwundete nach Paris. Es geht das Gerücht, die Föderirten seien in der vergangenen Nacht aus dem Park von Issy, wo sie sich seit drei Tagen verschanzt hatten, von den Versailler vertrieben.— Eine officielle Depesche, um Mitternacht ausgefertigt, jedoch ohne Unterschrift, lautet wie folgt:„Mein Adjutant kommt soeben aus den Forts mit den Rapporten der drei Commandanten und dem Be— richt des Generals Eudes zurück. Alles geht gut. Der Feind ist auf der ganzen Linie zurückge⸗ schlagen. Der Angriff der Versailler fand zwischen dem Fort Issy und dem Forts Vanvres statt. Die Versailler, welche bis auf 100 Metres vor die Gräben vorgedrungen waren, wurden mit be⸗ deutenden Verlusten zurückgeworfen. Unsere Ver⸗ luste äußerst gering.“
— 12. April, 6 ½ Uhr Abends. Ueber den Gang des gestern Abend stattgefundenen Gefechtes wird folgendes mitgetheilt:„Die Versailler Truppen rückten von Chatillon und Clamart gegen die Forts Vanvres und Issy vor. Einige Bataillone der Nationalgarde, welche vor den Werken Auf⸗ stellung genommen hatten, wurden Anfangs auf die Forts zurückgedrängt, welche nun ein heftiges Feuer eröffneten und die Versailler Truppen zum Rückzug nöthigten; schließlich nahmen beide Par⸗ teien ihre ursprünglichen Stellungen wieder ein. Heute feuern die Forts Vanvres, Issy und Montrouge nur selten; der Hauptkampf findet in der Linie von dem Bois de Boulogne bis zur Avenue des Ternes statt. Auf dem Trocadero wurde heute eine neue Batterie von 6 schweren Geschützen errichtet, welche besonders dazu be⸗ stimmt ist, den Mont Valerien zu beschießen. Geschosse des Mont Valerien sind auf dem Trocadero niedergefallen. Diesen Morgen ließ die Kanonade etwas nach, des Nachmittags jedoch war sie wieder sehr stark. Dombrowski scheint Asnieres zum Stützpunkt seiner Operationen gegen Longchamp und Courbevoie machen zu wollen. Er hat die dort befindliche Barrikade stark befestigt und Ver⸗ stärkung an Artillerie erhalten; gepanzerte Waggons mit Kanonen besetzt befinden sich auf der Eisen⸗ bahn bei Asnieres.
— 12. April, Nachts. Seit 24 Stunden finden mörderische, bis jetzt noch unentschiedene Kämpfe im Westen und Süden von Paris statt. — Die Auswanderung dauert in großartigem Maßstabe fort. Am 9. verließen mit der Nord- bahn allein an 45,000 Personen Paris. a
Versailles, 10. April. Gestern haben der
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Mont Valerien und die in Courbevoie und Neuilly errichteten Batterien einerseits und die der Porte Maillot andererseits eine Kanonade unterhalten. Auf der Seite von Asnieres fand ein Kampf
und Issy beschossen den ganzen Tag das Plateau von Chatillon. Die Insurgenten versuchten einen Angriff, welcher energisch durch die Regierungs- truppen abgewiesen wurde. Um 10 Uhr Abends erneuerten die Föderirten den Angriff, wurden jedoch wiederum zurückgeschlagen.
— 10. April, Abends. Eine Depesche von Thiers an die Präfecten sagt:„Die Situation hat sich seit 3 Tagen nicht wesentlich geändert. In Marsaille ist die Entwaffnung ohne neuerliche Unruhen vor sich gegangen. In Toulouse wurde ein Versuch gemacht, Barrikaden zu errichten. Dieselben wurden durch ein Detachement genommen. Sonst herrscht überall Ordnung, ausgenommen Paris. Die Aufständischen kehrten nach Asnieres zurück, wurden jedoch wieder vertrieben. Die Truppen befestigen den Brückenkopf vor Neuilly.“
— 11. April, Morgens. Gestern wurde die Kanonade zwischen dem Mont Valerien und Neuilly Seitens der Regierungstruppen und den Batterien auf den Stadtwällen Seitens der Insurgenten fortgesetzt.— Marschall Mac Mahon hat heute den Oberbefehl über die gesammten vor Paris concentrirten Truppen der Regierung übernommen; General Ladmirault commandirt bei dem Mont Valerien, General Cissey bei Chatillon. Bei letztgenanntem Orte hat man zahlreiche, von den Insurgenten versteckte Munition entdeckt. Diesen Morgen wieder ziemlich lebhafte Kanonade. Die Journale melden, daß General v. Fabrice sein Hauptquartier in St. Denis aufgeschlagen habe. Die Blätter theilen ferner mit, der preußische Commandant habe gestern die französische Regie- rung benachrichtigt, daß ihm die Commune ihren Entschluß übermittelt habe, den Eisenbahndienst nach dem Norden ganz zu unterbrechen.— In Toulouse fanden am 9 d. M. unbedeutende Un⸗ ruhen statt, die sofort wieder unterdrückt wurden.
— Die Journale melden, daß bei der Porte Maillot Bresche geschossen ist.
— 12. April. Thiers macht die Entwaffnung der Insurgenten zur Bedingung der Basis aller Unterhandlungen.— In Paris herrscht Muth⸗ losigkeit und die Lebensmittel fangen an, selten zu werden.
Versailles, 12. April, Abends. Thiers erließ an die Präfekten eine Circulardepesche, welche die von der Commune verbreiteten Siegesnachrichten dementirt.— Dienstag fand kein Kampf statt, Mittwoch Seitens der Insurgenten nur Gewehr und Kanonenfeuer auf die Regierungstruppen, welche sich außer Schußweite befanden.
Lille. Die Bildung der Westarmee unter Ducrot bei Rennes schreitet sehr langsam vorwärts. Man ist hier nicht ohne Unruhe hinsichtlich dieser aus den verschiedensten Elementen bunt zusammen⸗ gewürfelten ehemals imperialistischen Armee.
Lagny, 13. April. General Fabrice hat sein Hauptquartier von Rouen nach Soisy verlegt.
Belgien. Brässel, 12. April. Seit dem 12. d. werden keine Eisenbahnbillets nach Paris mehr ausgegeben. Von den aus Paris hierher Geflüchteten wird berichtet, daß auch die Kirche Notredame de Lorette am Dienstag beraubt worden sei Die Nationalgarden bezögen seit Mittwoch einen Tagessold von 3 Frs. Die Nationalgarden wollen selbst Ausländer zum Dienste zwingen und insultiren auf den Straßen alle nicht uniformirten Männer.
Großbritannien London, 12. April. Der„Daily Telegraph“ meldet, daß sich in Paris 18,000 regierungsfreundliche Nationalgarden im Geheimen organisirt hätten, um das Hotel de Bille, sowie die Vorstädte Montmartre und Belle⸗ ville anzugreifen. Zu gleicher Zeit wird von den Versailler Truppen die Porte Maillot von Neuem angegriffen werden.—„Daily News“ berichten aus Versailles vom Heutigen:„Ladmirault hält mit Regierungstruppen Rueuil, Nanterre und das Gehölz von Colombes besetzt und beobachtet
Asnidres. Sein Hauptquartier ist in Garches
ohne große Bedeutung statt. Die Forts Vanvres
Auf der anderen Seite der Seine tommandirt Cissey. Das Lager von Satory ist aufgehoben. Der Vormarsch der Truppen hat begonnen. Die Regierungstruppen halten die Heerstraße nach Versailles besetzt. Die posthefg bern erfolgt auf der Orleansbahn zweimal täglich. 5 13. April. Die hiesigen Blätter bringen Berichte über die Kämpfe vom 11. zum 12. April, nach welchen die Versailler Truppen bei dem An- griff auf die Forts im Süden von Paris starke Berluste erlitten haben sollen. In Reuillp soll eine größere Abtheilung Gendarmen von den In⸗ surgenten eingeschlossen sein. Das Feuer an dem Porte Maillot dauert fort.— Die„Times“ melden aus Paris vom Gestrigen, Mittags:„Seit 6 Uhr Morgens haben die Föderirten aus den schwersten, gestern zur Beschießung von Clichy und Asnieres aus Paris gebrachten Geschützen ein Feuer auf diese Punkte unterhalten.“— In Betreff des letztnächtlichen Angriffs auf die Süd⸗ forts wird berichtet, daß sich die Gendarmen und päpstlichen Zuaven, 15,000 Mann stark, im Walde von Meudon gesammelt hatten. Ihre Absichten auf die Forts wurden jedoch entdeckt und in der Linie der Forts eine Armee von 80,000 Föderirten zur Abwehr des Angriffs auf⸗ gestellt. Eudes gestattete die Annäherung der Versailler Truppen bis zum Glacis vor Issy, worauf ein Kreuzfeuer aus Issy und Montrouge erfolgte. Die Regierungstruppen wurden blutig zurückgeschlagen. Dombrowski, welcher sich schweig · sam, unerschrocken und unentmuthigt zeigt, wird bei den Truppen immer beliebter. Wie es heißt, sollen in der letzten Nacht Nationalgarden die Häuser von Gallifet und Lafitte geplündert haben.
— 13. April. Die hiesigen Morgenblätter melden aus Chislehurst, daß Napoleon sich schon seit mehreren Tagen nicht mehr zeige und als unwohl ausgegeben werde. Damit steht das Gerücht im Zusammenhang, daß der Exkaiser mit dem Gedanken einer Landung in einem Hafen des westlichen Frankreichs umgehe, ein Gedanke, den Rouher, der sich bei ihm befinde, lebhaft befürworte.
Donaufürstenthümer. Bukarest. Die Ruhe ist ungestört geblieben. Es wird eine Ver⸗ fassungsrevision vorbereitet. Die oppositionelle Partei ergeht sich in spöttischen Aeußerungen über die Nachrichten, welche die Absicht Preußens melden, in der Eisenbahnangelegenheit energisch vorzugehen.
Türkei. Konstantinopel. Die Nomaden⸗ stämme am Tigris haben sich erhoben und die türkische Regierung schickt aus Mosul Truppen dahin ab, um den Aufstand im Keime zu unterdrücken.
Rußland. Aus Odessa wird gemeldet: Während der russischen Osterfeiertage plünderte der Pöbel drei Tage lang die Häuser der Juden. Die Läden und Comtoirs wurden gewaltsam er⸗ brochen. Ein allgemeiner Schrecken hat sich aller jüdischen Einwohner bemächtigt. Dieselben haben enormen Schaden erlitten. Die Behörden sind anscheinend machtlos. Eine Wiederholung der Excesse wird befürchtet.
Erfrischung
der durchpassirenden Truppen und zurückkommenden Verwundeten im hiesigen Bahnhofe. 23. Liste der Gaben aus hiesiger Stadt und Umgegend.
An Naturalien: Görbelheimer Mühle 39, Laib Brod, 64½ Maß Milch und 50 Eier; Friedberg 35 Laib Brod, 1 Topf Honig und 1 Kuchen; Ockstadt 4 Topf Honig; Lindheim 1 Laib Brod, 135 Eier; Altenstadt 21
Laib Brod, 5 Flaschen Wein, 13 Pfd. Fleisch, 98 Eter;
Staden 37 Laib Brod, 65 Eier, 100 Cigarren, 11 Pfd. Fleisch; Nidda 131 Laib Brod, 7 Pfd. Wurst, 3 Pfund Kaffee und Tabak; Bönstadt 150 Lalb Brod, 21½ Maß Branntwein, 50 Maß Milch, 12½ Pfd. Fleisch, 463 Eier, 100 Cigarren, Kaffee, Butter, Dörrobst, Aepfel ꝛc.; Assen⸗ heim 97 Laib Brod, 5½ Pfd. Wurst, 231 Eier und ½ Pfd. Tabak; Nieder-Rosbach 25 Laib Brod, 7 Pfd. Fleisch, 104 Eier, 2 Pfd. Butter, Aepfel und Honig; Stamm⸗ heim 26 Laib Brod, 3 Pfd. Wurst, 210 Eier, 10 Maß Aepfelwein und ½ Pfd. Kaffee; L. Kopp in Ossenheim 8 Laib Brod, 2 Maß Milch, 50 Eier und Aepfel.
Bescheinigung der Gaben an Geld folgt in nächster Nummer. Den freundl. Gebern sagen unsern besten Dank.
Friedberg den 14. April 1871.
Das Comits.
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