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sondern das Ober⸗Commando dem General Stosch
nicht lange mehr leben,
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übergeben und nach dem Bade Gastein gehen.
— Die Vorbereitungen zur Räumung der Umgegend von Paris werden sehr eifrig betrieben. Die Kanonen, welche sich in den Forts Auber⸗ villiers und Romainville befinden, werden nach dem Bahnhofe von Pantin gebracht Unter den deutschen Truppen berrscht überall großer Jubel, daß sie endlich fortkommen.
— Der Generalbericht der Budgeteommission führt aus, die Ausgaben dürften nur auf das Noth⸗ wendigsie beschränkt werden; ein Volk, welches nach solchen Erschütterungen, inmitten so vieler Ruinen weiterlebe, wie bisher, ohne sich Ent— sagungen aufzuerlegen, werde jede Weltstellung verlie'rcen. Der Bericht betont, die Regierung vabe die formelle Versicherung gegeben, daß keine neuen Truppenkörper gebildet werden sollen, bevor das neue Milftärgesetz die Zustimmung der National- versammlung erhalten habe. Frankreich bedürfe einer Armee und Marine, es bedürfe aber auch des Friedens. Ohne den Blick auf die Zukunft zu richten, die in Gottes Hand stehe, wolle das Land die Ruhe, welche zur Wiederherstellung der Kräfte, zur Sammlung, zur Regenerirung noͤth— wendig ist.
—„Agence Havas“ melder: Die Räumung der vier Departements wind nächsten Mittwoch beendigt sein. 12
— Vor Parie haben noch in den letzten Tagen Attentate auf deutsche Truppen stattgefunden. Verschiedene Blätter meldeten vor Kurzem aus Chelles einen solchen Fall Am 5. d. wurde beim Fort Roeng ein deutscher Soldat erstochen; einige Tage vorher wurde Nachts in Neuilly auf einen Posten geschossen, der aber unverletzt blieb und seinerseits das Glück hatte, den Angreifer im Grsäße derart zu treffen, daß er 100 Schritte davon im Graben liegen blieb. Die nächste Folge dieser Attentate ist natürlich einmal die Verhängung des Belagerungszustandes über die ganze Gegend, sowie erhöhte Einquartierung und dann für die Deutschen erböhte Vorsichtsmaß regeln, als Verstärkung der Posten, Patrouillen, Consigni— rung der Truppen u. dgl. m.
Großbritannien. London. Die Ex- kaiserin von Frankreich reist zu einem Besuche bei ihrer Mutter nach Spanien ab. Der Exskaiser und der kaiserliche Prinz werden ihr bis Southampton das Geleite geben und dann auf fünf bis sechs Wochen nach dem Seebade Torquay geben, um darauf nach Cbislehurst zurückzukehren.
— Der Dampfer„Leander“ verließ auf dem Weg von Danzig nach Amsterdam am 23. Aug. Kopenhagen und ist seitdem spurlos verschwunden. Nach einer Nachricht des„North Shields“ soll derselbe mit Mann und Maus(er führte 20 Per- sonen und hatte eine Ladung Waizen und Rüb⸗ saat) untergegangen sein. 1
Schweden. Bei Eröffnung der außeror⸗ dentlichen Reichstagssession wurde in der Thron— rede hervorgehoben, daß die Reorganisation der Armee den einzigen Gegenstand der Verhandlungen bilden werde und betont, daß es immer bedenklich sei, auf morgen zu verschieben, was man heute thun könne. Der König spricht schließlich die Hoffnung aus, daß es dem Reichstage gelingen werde, diese Frage einer glücklichen Lösung zuzu⸗ führen.
Amerika. Der letzte Brief des amerikanischen Correspondenten der„Times“(Pbiladelphia, 25. August), entbält folgende Mittheilung über dit Pläne der englischen Demokraten und Fenier: „Die in dieser Woche erfolgte Ankunft mehrerer politischen Agitatoren, welche mit der jüngsten Kundgebung Herrn Odger's in Beziehung standen, ist aufgefallen. Den Newyporker Berichterstattern zufolge wollen diese Leute eine„Mission“ haben, nämlich sich mit den amerikanischen Feniern ins Einvernehmen zu setzen bezüglich der„großen Er— eignisse“, die sich demnächst in England begeben sollen. Die„großen Freignisse“, welche diese In. dividuen in Aussicht stellen, und für welche sie die Hülfe der amerikanischen Fenier anrufen, be— gründen sich auf bie Wahrscheinlichkeit des Todes
[Fremdendestand von 45,935 Personen.— Nach öffentlicher
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N Verlauf der Ereignisse, so stirbt, wird gleichzeitig in allen hervortagen
erklärt werden. Die ganze Maschinerie zur
bedürfe nur der practischen Mithülfe von Seiten der amerikanischen Fenier. Am Erfolg zweifeln sie natürlich nicht, und sie wollen der Theilnahme und Unterstützung vieler hochstehenden Offiziere in Heer und Flotte gewiß sein.— Abwarten!“
Frankfurt. Von der Bedeutung des Wortes Strike, über welche vetschiedene Ansichten laut werden, geben hiesige Blätter folgende Erklärung: Das eng—⸗ lische Wort Strike heißt Streich, als Zeitwort(to strike) beißt es streichen.(To strike sail= Segel streichen.) Im abgeleiteten Sinne heißt the strike auch der Scheffel(das gestrichene Fruchtmaß). Als Bezeich⸗ nung für Arbeitseinstellung haben es die Nord⸗ amerikaner aufgebracht. Wir könnten einfach dafür Strich oder Streich sagen, was mit strike völlig dasselbe sein würde. Unser Wort Zapfenstre ich entspricht J. B. ganz dieser Wortbedeutung. Es wird ein Strich über den Zapfen an der Stelle gemacht, bis zu welcher im Fasse die Flüssigkeit steht, um zu controliten, daß nachher nicht weiter getrunken sei. Den Strich über'n Zapfen machen oder den Zapfen streichen, hieß also„Feler⸗ abend“ bieten oder machen. Das Militär streicht noch immer den Zapfen, wenn auch nur symbolisch mit der Trommel. Die Bergleute sagen für dieselbe Sache: Schicht machen. Im gewöhnlichen Leben heißt es auch: einen Strich machen, einen Strich drunter machen (d. i. bis hierher und nicht weiter). Strich und Streich sind sonach nur zwei Formen für denselben Begriff, und das englische Wort strike bedeutet im originellen Sinne damit völlig ein und dasselve.
Vom Main. Beim Aschaffenburger Eisenbahnun⸗ glück wurde bekinntlich der Graf Szapary getödtet. Einem Telegramme der„N. Fr. Pr.“ aus München zufolge sind die Erben des Getödteten klagbar geworden, doch wurden ihnen, ohne die richterliche Entscheidung abzuwarten, 50,000 Gulden angeboten.
Darmstadt. Die„H. V.“ schreiden: Große Heiter keit erregt hier die in aller Form und mit Zustimmung der beiderseitigen Eltern vor Kurzem erfolgte Verlobung eines 18jährigen, das hiesige Polytechnikum besuchenden jungen Mannes und einer 16jährigen Bessunger Dame. — Man sieht also, daß bei der Frage der Fortexistenz unseres Polytechnikums auch unsere jüngere Damenwel! gewissermaßen mit interessirt ist;z eine Thatsache, die ge⸗— wiß in Erwägung gezogen zu werden verdient.
Von der Weschnitz meldet man: Die in einigen hessischen Orten unserer Gegend stattgefundenen Kirchweihen zählten zu ihren Besuchern auch Fremde, die zur Aus⸗ wanderung nach Peru ermuthigten und es besonders auf ledige Mädchen abgesehen hatten.— Nun fahndet die Polizei streng auf diese Vögel, die aber bereits aubere Gegenden unsicher machen werden.— Aufkäufer zahlen für das Hundert Zweischen 16 kr., für den Ctr. 5—5½½ fl. Wie theuer die Aepfel sind, ergibt sich schon daraus, daß ein Bäumchen mit Borsdorsern zu 11 fl. verkauft wurde. Ein Theil der Aepfel ist nach Baden-Baden bestimmt. Wiesbaden. Die neueste„Kurliste“ zeigt einen
Anzeige der Eltern sind am 7. d. M. Luise und Max Saccörsberg, Erstere 11, Letzterer 10 Jahre alt, aus dem Hause Ablerstraße 21 spurlos verschwunden. Die Eltern ersuchen Jeden, der eiwas von dem Aufenthalte dieser Kinder weiß, um schleunige Nachricht.
Stuttgart. Vor Kurzem hat Nachts um 10 Uhr eine Schildwache am Pulvermagazin einen Kameraden, welcher den Veisuch machte, die Schiloͤwache am Pulver- thurm mittelst zweier Scheinhölzer zu ängstigen, nach vorausgegangenem 6maligen Anrufen zum Halten auf eine Entfernung von circa 60 Schritten mitten durch die Brust geschossen, daß er sofort todt war.
Vom Rheine. Als am vorletzten Sonntag ⸗Nach⸗ mittag das Dampfboot die„Königin“ von Königswinker aus weiter den Rhein hinauf fuhr, bemerkte dessen Capitän in der Nähe von Rolandseck einen ganz dichten Nebel auf dem Rhein, welcher sich schnell dem Schiffe näherte. Da ihm nun um diese Zeit der Anblick ein ungewohnter war und er nichts Gutes ahnte, hieß er alle Personen sofort von dem Verdeck sich in die Cajüte begeben. In der That stellte sich bald heraus, daß diese Vorsicht eine sehr weise war, denn gleich darauf befand sich das Schiff in einer Wasserhose, welche so stark war, daß sie nicht nur Alles, was nicht gehörig befestigt war, von dem Ver⸗ deck des Schiffes buchstäblich wegfegte, sondern basselbe auch noch derart sonst beschäbigte, daß es nicht mehr weiter konnte und zur Ausbesserung der Schäden hier landen mußte. Dürkheim. Nach einer Notiz in der„Neust. Z.“ hat das von hier gemeldete Unglück, welches eine hiesige geachtete Beamtenfamilie betraf, eine noch schrecklichere Ausdehnung genommen: der älteste Sohn hat sich in Köln am Ende der Rheinbrücke erschossen und ist in den Strom gestürzt, wo seine Leiche aufgefunden wurde. Coblenz. Wie aus Stromberg gemeldet wird, ist in den ersten Tagen dieser Woche der Vorsteher der dortigen Postexpedition, Geib, in Begleitung seines neunjährigen Sohnes verschwunden. Zugleich mit demselben werden 18,000 Thaler hauptsächlich in Staatspapieren, vermißt.
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n Städten des vereinigten Königreiches die Republik
langung dieses Zieles sei in der Ordnung und es“
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3223 V—— Essen. Am 8. d. hat ein bede⸗ Unfall auf der Bergisch⸗Märkischen Strecke zwischen Bochum
zweier Eisenbahnzüge im Bahnhof Kösen zu überstehen.
Nachmittags 4 Uhr war eben im Abfahren begriffen, als plötzlich die Beschädigung einer Bremse und in Folge dessen der Zug stillhalten mußte. Während man noch mit der Reparalur des leichten Schadens be⸗
Zahlreiche Personen, meistentheils zu den Abreisenden in Verbindung stehend, befanden sich am Bahnhofe. Im
waggons des stillhaltenden Schnellzuges.
Felsensturz— und die Katastrophe war erfolgt. verspätete Personenzug von Eisenach nach Halle suhr auß den voranstebenden Schnellzug. schädigt, wunderbarer und glücklicher Weise bloß einige Passagiere, scheinbar nur leicht verletzt. In dem Schnell- zug befanden sich u. A. der Großherzog von Weimar mit Gemahlin.
Berlin. Dieser Tage fand hier in Arnim's Saal die erste ordentliche Generalversammlung des Vereins „Deutsche Mode? siatt, dessen Tendenz dahin gerichtet ist, alle deutschen Gewerbe, welche im Dienste der Mode wirken, möglichst von den Einflüssen des Auslandes zu emancipiren. Außer den hier in Berlin wohnenden Mit⸗ gliedern des Vereins hatten sich zahlreiche auswärtige, sowie eine Anzahl von Gästen eingefunden. Aus den erstatteten Berichten ist zu entnehmen, daß die Vereinsmit⸗ glieder sich aus ganz Deutschland, sowie aus Deutsch⸗ Oesterreich recruliren und daß die finanzielle Lage des Vereins trotz seines kurzen Bestebens eine glänzende ist. Der Verein konnte bereits ein großes, elegantes Vereins⸗ local miethen, sowie zur Gründung der Fachschule und zum Engagement von Lehrern(mit Gehalten von 600
sodann die Bildung von Sectionen für jeden einzelnen Zweig des großen Reiches der Mode und ließ diesem Beschlusse die That folgen. Ein Antrag, nach Berlin einen allgemeinen Congreß deutscher Herrenkleidermacher zu berufen, fand einstimmige Annahme, und es soll dieser Congreß im August 1872 stattfinden.
Aus Basel wird berichtet: Dieser Tage reiste der hiesige Friseur A. mit einem Rückbillet nach Mühlhausen. Dort angekommen, fragte ihn der deutsche Zollbeamte ganz böflich, ob er vielleicht etwas zu verzollen habe. „Ja“, antwortete unser Friseur,„e verreckte Katz!“ Da der dieser Rohheit gegenüber mit Geistesgegenwart han⸗ delnde Beamte im Augenblicke nicht zu wissen vorgab, welcher Zollsatz auf verreckte Katzen angesetzt sei, so lud er unsern Friseur ein, sich in das anstoßende Zimmer zu begeben. Er ging und— der Beamte drebte den Schlüssel um und der Friseur war gefangen.— Erst des Abends spät öffnete der Beamte wieder die Thür und berichtete dem Gefangenen, daß er(der Beamte) sich alle Mühe gegeben babe, den Zollsatz der verrecken Katzen aufzufin⸗ den, daß es ihm aber nicht gelungen sel. In seiner Ver⸗ legenheit babe er alsdann nach Berlin telegraphirt, um daselbst anzufragen. So eben sei nun die Rückantwort eingelaufen, daß verreckte Katzen zollfrei seien; der Herr Friseur könne nun unbehelligt weiter gehen. Nun war aber das Vergnügen in Mühlhausen vorüber, der letzte Zug nach Basel war schon abgefahren, und so blieb unserem
zu übernachten und des andern Morgens in der Frühe der Heimath zuzueilen. Das Rückbillet war natürlich verfallen. Glaubwürdigen Nachrichten zufolge soll unser Friseur den Entischluß gefaßt haben, bei seinen Reisen nach Deulschland nie mehr„verreckle Katzen“ mit sich zu fübren. Denn wenn sie auch, wie nun amtlich sestgestellt ist, zollfrei sind, so möchte er doch sich nicht wieder der Verlegenheit aussetzen, einen Tag lang eingesperrt zu werden, und sogar ohne Wasser und Brod. London. Während der Cholera⸗Epidemie von 1866 wurde bei den Beamten des Londoner Postamtes die sol⸗ gende Orangeade mit vestem Erfolg an Stelle des Trink⸗ wassers gebraucht: 3 Unzen concentrirter Saft von Apfel⸗ sinenschalen, 12 Unzen gewöhnlichen Syrups, 4 Gallonen Schwefelsäure.
Von diesem Getränk, dessen Herstellung
Von der hiesigen Oberpostdirection ist für Ergreifen des
der Königin Victoria. Bei dem gewöhnlichen
Entwichenen eine Belohnung von 1000 Thalern ausgesetzt.
auf 4½ d. per Gallone kommt, wurden im Londoner Posi⸗ amt während des Jahres 1866 1850 Gallonen verbraucht.
kle einen t noch nie dagewesenen Preis lich 11 r. per Pfd., 25 Eu kf 1 5 gegen ist Wüidyr rasch gesunken, der Haase von 1½
bemerkt wurde
schäftigt war, ertönte wie aus einem Munde von allen Seiten der Angstruf:„Alle aussteigen! schnell! schnelll⸗
Mehrere Wagen sind be⸗
bis 1500 Thlrn.) schreiten. Die Versammlung beschloß
17 ein Maschinist gelddtet und mehrere Zugbeamte mehrt
Aus Kösen schreibt man vom 8. Sept.: Einen wahrhaft grauenvollen Schrecken hatten heute die Passagiere
Der dichlbesetzte Schnellzug von Frankfurt nach Berlin ö
gellen Aufschrei stürzte Alles nach und aus den Eisenbahn⸗ Ein prasselnder Krach, wie ein Gemisch von Mitrailleusengeknatter und Der
wackeren Friseur keine andere Wahl, als in Mühlhausen
Uekochten und gefilterten Wassers und 3 Unzen verdünnter


