Ausgabe 
14.2.1871
 
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das Detachement Rantzau, bestehend aus dem 2. Reiter-Regiment, 2. Infanterie-Regiment und der reitenden Batterie, abcommandirt von der Division. In Orleans bleiben der Divisionsstab und das Commando der Feld-Artillerie, in der Vorstadt St. Marceau cantoniren das 1. Infanterie-Regt., Stab und 2. Bat. des 4. Inf.⸗Regts. sowie 2 Fußbatterien. Das 3. Inf.-Regt. liegt mit Stab und 1. Bat. in der Vorstadt Bourgogne, das andere Bataillon vertheilt sich nach St. Jean le Blane und Combles. Das 1. Jägerbataillon cantonirt in La Ferte St. Aubin(Stab 1. und 2. Comp.), Sandillon(3. Comp.), Clery(4. Comp.). Das 2. Jägerbataillon und das 1. Bat. des 4. Inf.⸗Regts. in Blois, woselbst auch eine Fußbatterie steht. Das 1. Reiter Regiment ist vertheilt auf Olivet(woselbst der Stab liegt), La Ferte, Clery, Sandillon. Außerdem steht eine Fußbatterie zu Boigny, eine zu Vennecy, die Munitionscolonne zu Marigny, die Pionier: Compagnie zu Chezy und Mardy, die Trains, das Sanitétsdetachement und die Feldlazarethe zu Vaumainbert. Der Stab der 49. Brigade verbleibt zu St. Marceau. Außerdem sind in Orleans das Commando des 9. Armeecorps, der Stab und Theile der 18. Division.

Die bayerische Feldeisenbahnabtheilung ist zur Zeit damit beschäftigt, zwischen Versailles und Lagny mittelst der Pariser Gürtelbahn einen direkten Eisenbahnverkehr zu schaffen. Derselbe soll vorderhand auf die Evacuation der Kranken und Verwundeten und auf den Transport von Proviant für die Stadt und die deutsche Armee deschränkt werden. Die Entfernung zwischen Ver- sailles und Lagny beträgt 11 Stunden.

Eine in Liverpool eingetroffene Depesche, datirt Havanna, 23. Januar, gibt nachstebenden Bericht über einen deutschen Flottensieg im Stillen Meere:Etwa am 20. Dezember fand im Pacific (die genaue Localität ist nicht angegeben) ein Gefecht zwischen der preußischen Kriegsfregatte Medusa und zwei kleinen französischen Kanonen- booten, demCurieux und demBruix statt, das damit endete, daß die französischen Kanonen boote geschlagen und in den Grund gebohrt wur- den. DerCurieux, welcher zu derselben Klasse von Kriegsfahrzeugen gebört, wie derd'Entre Casteaux, führte vier Bronce⸗Zwölfpfünder, der Bruix zwei Zwölfpfünder und einen Vierund zwanzigpfünder, während die preußische Fregatte mit 13 Geschützen armirt ist. Ohne Zweifel fand das Seegefecht irgendwo in der Nähe der südamerikanischen Küste statt, da die französische FregatteCirce, sobald sie Nachricht davon er- hielt, unverzüglich den Hafen von Montevideo verließ, um dieMevusa aufzusuchen.

Deutschland.

Berlin. Es verlautet, daß die Formation der gesammten Reichsarmee im Zuge sei. Für das künftige 13. Armeecorps sind die würtem- bergischen und hessischen Truppen in Aussicht genommen.

Nach einem Verzeichniß des Kriegsmini⸗ steriums haben sich bis zum 25. Januar c. im Ganzen 142 französische Offiziere durch Flucht der Gefangenschaft zu entziehen gewußt. Davon kommen 10 auf Breslau, 22 auf Köln, 17 auf Hirschberg, 6 auf Münster, 19 auf Aachen, 8 auf Düsseldorf, 5 auf Trier, 2 auf Minden, 4 auf Magdeburg, 3 auf Wiesbaden, 11 auf Neu⸗ wied, 6 auf Oppeln, 4 auf Schleswig, 4 auf Görlitz, 1 auf Burg, 1 auf Rieb, 3 auf Colberg, 1 auf Altona, 2 auf Erfurt, 9 auf Dresden, 2 auf Metz, 3 auf Küstrin und 1 auf Glatz.

Gegenüber den Mittheilungen der Blätter bezüglich einer Verlängerung des Waffenstillstandes bemerkt dieKreuzzeitung, daß die Entscheidung hierüber nicht früher getroffen werden kann, als bis sich erkennen läßt, wie weit die gewählte französische Nationalversammlung wirklich Chancen für den Friedensschluß darbietet.

Nach einem Wilhelmshöher Telegramm derHamb. Nachr. vom 9. Febr. soll das Na⸗ polconische Manifest erst veröffentlicht werden, wenn das Ergebniß der Wahlen bekannt ist.

München. Die Bestimmung, wonach kriegs⸗ gefangene Mobilgarden aus dem Elsaß, welche dortselbst Grundbesitzer sind, auf Ansuchen gegen Revers aus der Kriegsgefangenschaft entlassen werden können, wurde nunmehr auch auf die kriegsgefangenen Mobilgarden aus Deutschlothringen unter gleicher Voraussetzung ausgedehnt.

DieCorresp. Hoffmann meldet: Zu Vertretern Bayerns im deutschen Bundesrath wurden vom König die Staats minister Pfretzschner, Schlör und Lutz, sowie der bayerische Gesandte v. Perglas in Berlin, der Oberst Fries und der Ministerialrath Berr ernannt.

Würzburg. Am 6. und 7. d. trafen per Bahn, aus Soissons kommend, 44 schwere Festungsgeschütze nebst 3 Waggons mit Munition und Waffen dahier ein und wurden diese Tro⸗ phäen in den Zeughäusern der Feste Marienberg untergebracht. 1 Schweiz Der Oberbefehlshaber der eid⸗ genössischen Armee, General Herzog, macht durch eine Proklamation mit Rücksicht auf die ihm zur Kenntniß gebrachten Thatsachen allen inter- nirten französischen Militärs zur Pflicht, sich jeden Verkaufes von Pferden und Ausrüstungsgegen⸗ ständen aller Art, die dem Staate angehören und ihnen anvertraut sind, zu enthalten. Er empfiehlt überdies der schweizerischen Bevölkerung und den- jenigen Fremden, welche sich vorübergehend in der Schweiz aufhalten, keinerlei Gegenstände irgend einer Art käuflich an sich zu bringen, da im Be- tretungsfalle ohne anders Ueberweisung an den Richter erfolgen müßte.

General Ochsenbein, der mit seiner Division bereits im Gefechte gestanden, wird von seinen Verwandten in Biel wieder zurücker wartet. J dDdie Schweiz hat um die Verwendung des Grafen Bismarck nachgesucht in Bezug auf die Rückkehr der internirten französischen Armee nach Frankreich. Graf Bismarck hat ablehnend geant⸗ wortet, weil die französische Regierung erfahrungs⸗ gemäß außer Stande sei, die Garantie zu geben, daß die rückkehrende Armee nicht sofort gegen die Deutschen marschire. Graf Bismarck ersucht die Schweiz, in der bislang lopalen Haltung ihrer Neutralität für eine hoffentlich noch kurze Zeit fortzufahren und dadurch an der Beschleunigung des Friedens theilzunehmen.

die Evacuation der Internirten von der Grenze nach dem Innern ist beendigt. Die de⸗ sinitive Gesammtzahl der Internirten schwankt zwischen 65,000 und 66,000 Mann.

Nach derGrenzpost haben bereits eine Anzahl Offiziere und 44 Soldaten der internirten Armee über Basel zu entwischen gesucht; es soll ihnen aber nu: theilweise gelungen sein, und der Rest dürfte nun mit der Strafgarnison Luziensteig Bekanntschaft machen.

Frankreich. Paris. Die aus Paris vorliegenden Nachrichten englischer Blätter besagen: Am Sonnabend den 4. d. in aller Frühe kam ein Transport Lebensmitsel in Paris an und so groß war die Menge der Einkäufe auf den Märkten, daß die Behörde, ängstlich geworden, unter Trommelschlag die Nationalgarde zu den Waffen rief, um die Ordnung aufrechtzuhalten. Der Correspondent derTimes schreibt: Täglich mehren sich die Anzeichen, daß der Wunsch nach Frieden das höchste Gefühl im Publikum wird, und möglich ist, daß eine Kammer, die ihn schließt, sich dadurch mit Ruhm bedecken wird.

Nach einem Telegramm aus Paris, welches La Presse veröffentlicht hatte, sollte dem briti⸗ schen Cabinete die Kündigung des französisch⸗ englischen Handelsvertrags zugestellt worden sein. DieCorresp. Havas behauptet das Gegentheil. Sie ist ia der Lage zu erklären, daß die Re gierung der Nationalvertheidigung die ihr vom Minister Dorian unterbreitete Vorlage, den Ver trag aufzuheben, zurückgewiesen hat. Der Vertrag bleibt daher wenigstens bis 1872 noch in Kraft.

Figaro, Temps, Patrie melden überein- stimmend, die Regierung in Bordeaux habe be-

schlossen, die National-Versammlung nicht in

Bordeaux, sondern in Poitiers zu berufen.

Der Kriegsminister, General Leflo, ist nach Bordeaux, der amerikanische Gesandte, Washburne, nach Brüssel abgereist. Die Zufuhr von Lebensmitteln dauert ununterbrochen fort, doch bleibt während des Waffenstillstandes die Ratio- nirung derselben aufrecht erhalten. Auf Bahnhöfen beginnt sich der Verkehr wieder in gewohnter Weise herzustellen. Die Regierung beschäftigt sich lebhaft mit der Reorganisation der Gensdarmerie.

Einer Pariser Depesche vom 6. d. zufolge hat die französische Regierung die Generale Chanzy und Faidherbe, und die Befehlshaber der Ost armee instruirt, competente Officiere nach Bordeaux zu senden, die der Nationalversammlung über die Lage der resp. Armeen genauen und vollen Bericht erstatten sollen. General Farre, Divisions-Com- mandeur in Faidherbe's. Armee, ist zu diesem Behufe bereits in Bordeaux eingetroffen.

Aus Amiens wird gemeldet: Faidherbe ist schwer erkrankt.

In Paris sind die Wahlen nachDaily News ruhig verlaufen. Man erwartete eine Compromißliste: Thiers, Victor Hugo, Louis Blanc, Delescluze

Bordeaux.

General

Bourbaki ist vollständig außer Gefahr, seine Wunde beginnt langsam zu heilen. Etienne Arago soll mit einer Mission nach Italien betraut werden.

Nachrichten aus Bordeaux besagen, daß dort große Unterschleife und Betrügereien bei den Lieferungen für den Staat entdeckt worden sind.

Aus Lyon vom 5. Februar wird gemeldet, daß zwischen Clubisten und Nationalgarden Zu⸗ sammenstöße stattgefunden haben. Die Ordnung wurde bald wieder hergestellt, einige Verhaftungen wurden vorgenommen.

Cremieux hat seine Entlassung gegeben, wird jedoch bis zur Constituirung der National- versammlung seine Functionen noch versehen. General Leflo ist eingetroffen und hat die Leitung des Kriegsministeriums übernommen. Lionville ist an Stelle Lauriers zum Generaldirector des Ministeriums des Innern ernannt worden.

Nach den bis jetzt vorliegenden Wahl⸗

ergebnissen aus Frankreich kann mit Be⸗ stimmtheit angenommen werden, daß die repu⸗ blikanische Partei unterlegen ist. S lbst in den südlichen Departements wurde wider alles Erwarten wenigsteus auf dem Lande antirepubli⸗ kanisch gewählt. Dein Sieg hat die sogenannte national⸗conservative Partei mit Thiers, Dufaure und Trochu an der Spitze davongetragen, so daß die Wahlen als Friedens wahlen be⸗ zeichnet werden können, denn diese Majorität der

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Constituante wird wahrscheinlich der Fortsetzung des Krieges noch mehr abgeneigt sein, als die

Republikaner Jules Favre und Anhänger. Die Sehnsucht nach dem Ende der Metzeleien bricht mächtig in Frankreich durch und so vermehren sich die Aussichten auf einen baldigen Friedensschluß. Brest. In den bei Landernau angesammelten, für Paris bestimmten Schlachtviehherden ist die Rinderseuche ausgebrochen. Die Thiere fallen so zahlreich, daß es unmöglich geworden ist, die⸗ selben einzuscharren; die Cadaver werden daher auf Kriegsschiffe verladen und von dort ins Meer versenkt. Aus Lyon vom 4. d. wird derIndepen⸗ dance gemeldet:Das Corps des Generals Cremer, welches sich auf Gex zurückzog, war ge⸗ zwungen, wegen der Terrainschwierigkeiten 40 Kanonen vernagelt zurückzulassen.

Belgien. Brüssel. DasEcho du Parlament meldet: England will Preußen ver⸗ anlassen, die Friedensbedingungen einem Schieds- gericht der Neutralen vorzulegen. Diese sollten dann die Aufrechthaltung der Stipulationen garan- tiren. Ein europäischer Congreß sei wahrscheinlich.

DasEcho du Parlement meldet, daß der König durch den Bürgermeister von Brüssel einen Lebensmittelzug nach Paris zur Unterstützung der nothleidenden Belgier hat abgehen lassen.

Großbritannien. London, 9. Febr. Die Königin eröffnete heute das Parlament mit

einer Thronrede, welche besagt: Der Krieg, der

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