Ausgabe 
13.4.1871
 
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mühe, die deutschen Regierungen zur Intervention in Paris zu bewegen. 8

Aus Sachsen schreibt man derK. Z.: Es ist jetzt bestimmt, daß der Rückmarsch aller Linien ⸗Regimenter sistirt und keine Beurlaubung von Offizieren, außer im Falle der Erkrankung, mehr slattfinden soll. Da die meisten Gegenden in Nord⸗Frankreich, in denen unsere Truppen jetzt stehen, an Lebensmitteln total erschöpft sind und die Soldaten nicht mehr zu ernähren vermögen, so sind jetzt neue Lieferungen an Brod, Mehl und Fourage für die Pferde in Deutschland aus- geschrieben worden.

München. Nachrichten von hier zufolge nehmen die Verhandlungen mit dem Fürsten Hohen- lohe wegen Uebernahme der Ministerpräsidentschaft und Neubildung des Ministeriums ihren Fortgang und werden in kürzester Frist zu einem befriedigen⸗ den Abschluß gelangen.

Man meldet, daß sicherem Vernehmen nach der Erzbischof von München Freising in Rom bezüglich der gegen Dr. v. Döllinger zu ergrei fenden Maßregeln angefragt habe und von dort der Bescheid erfolgt sei, daß Alles dem Ermessen des Erzbischofs anheimgegeben werde. Der Erzbischof wird den Studirenden der Theologie vorläufig den Besuch der Vorlesungen Döllinger's untersagen.

Augsburg. DieAllg. Ztg. meldet: Der Erzbischof von München⸗Freising notificirte dem Professor Dr. Friedrich, er müsse sich in 14 Tagen unterwerfen, sonst sei er ipso facto excommunicirt; eine gleiche Eröffnung soll dem Professor Döllinger zugekommen sein.

Karlsruhe. General v. Werder, während seines hiesigen Aufenthaltes Gast des Großherzogs im Schlosse, hat unsere Stadt wieder verlassen und sich nach Berlin begeben. Daß Karlsruhe der Sitz eines deutschen Armeecorps und General v. Werder dessen Befehlshaber werde, erscheint immer wahrscheinlicher.

Vom Rhein wird gemeldet: In endlosen Zügen werden französische Gefangene nach Frank⸗ reich transportirt, deren Bestimmungsoit Charles ville ist. Die Leute werden dort durch Bevoll mächtigte der Thiers'schen Regierung in Empfang genommen und sofort bewaffnet, um gegen die Insurrection zu kämpfen. Sie befinden sich in Begleitung ihrer Offiziere und sind vom Zweck ihrer künftigen Thätigkeit unterrichtet; die Leute sind meist wohlgenährt und schauen recht heiter drein.

Ausland.

Oesterreich. Wien. Viceadmiral Tegetthoff an der Lungenschwindsucht gestorben. Der Kaiser hat verfügt, daß die Be⸗ stattung desselben auf allerhöchste Kosten mit allen Ehren eines Armeecommandanten stattfinden soll. Schweiz Bern. Die deutsche Gesandtschaft machte hier die Mittheilung, daß die Deutsch Lothringer und Elsässer bis zum definitiven

Friedensabschluß zur Erwerbung des Schweizer

Bürgerrechts keiner Entlassung aus dem deutschen Staatsverbande bedürfen. In der eidgenössischen Staatscasse erhebt sich ein Desieit von 500,000 Frs. Staatscassirer Eggimann ist des Unterschleifs geständig.

Frankreich. Paris, 5. April. In dem gestrigen Gefecht wurden die Nationalgarden ge⸗ nöthigt, die Batterien in Val de Fleury aufzu⸗

geben; dieselben verschanzten sich in den Häusern

von Vanvres und Issy. Die Truppen von Ver⸗ sailles erbauten darauf sofort eine Batterie bei den Chalets. Die Nationalgarde soll gestern eben⸗ soviel Verluste gehabt haben, als am Montag.

Abends. Der Artilleriekampf zwischen den Forts Issy, Vanvres und Montrouge einerseits und den Batterien der Regierungstruppen anderer- seits dauert fort. Einige Scharmützel ohne merk liches Resultat haben im Laufe des Tages statt⸗ gefunden. Man spricht viel von einer versöhn lichen Intervention. Zahlreiche Vereinigungen organistren sich in diesem Sinne in Paris. Nach den eingelangten Berichten hatte heute auf den Bergabhängen von Chatillon, Clamart und Meudon ein Infanteriegefecht stattgefunden und schien der Mittelpunkt der Action sich nach Montrouge hin ziehen zu wollen.

Am 7. April ist

(Pariser Quelle.) Der heutige Kampf blieb erfolglos. Die Nationalgarden fechten unter dem Schutze der Forts Issy, Vanvres und Mont⸗ rouge. Die Truppen der Regierung zu Versailles haben die Höhen von Clamart, Meudon und Chatillon besetzt. Neun Regimenter verließen Paris; in den leitenden Kreisen der Commune herrscht große Entmuthigung.

6. April. Ein Dekret der Commune ver- fügt:Jeder des Einverständnisses mit Versailles Verdächtige wird sofort verhaftet; binnen 24 Stunden wird eine Anklage-Jury niedergesetzt sein, welche binnen weiteren 48 Stunden ihr Urtheil spricht. Alle durch die Jury Verurtheilten werden als Geißeln des Volkes von Paris zurück gehalten und für jeden durch die Versailler er schossenen Anhänger der Commune wird die drei fache Zahl der erwähnten Geißeln erschossen wer den. Ebenso wird jeder Kriegsgefangene vor die Jury gebracht, welche erkennt, ob derselbe in Frei heit zu setzen oder als Geißel zurückzubehalten sei.

6. April. Die Regierungstruppen scheinen auf dem linken Ufer vorgeben zu wollen; dieselben haben Bagneux besetzt. Die Nationalgarden gehen zurück; sie erhielten den Befehl, die Positionen zu verlassen, in die Forts zurückzukehren und sich in der Defensive zu halten. General Cluseret hat einige Bataillone in die Stadt behufs ihrer Reor: ganisation geschickt.

6. April, Abends. Die Kanonade zwischen den Forts Issy und Vanvres und den Batterien von Meudon und Clamart dauerte den ganzen Tag über, etwas schwächer als früher, fort. Eine starke Kanonade hat heute wieder um 6 Uhr Morgens begonnen. Die Förderirten waren längs der Avenue von Neuilly und an der Porte Maillot, die Truppen von Versailles auf dem gegenüber liegenden Seineufer postirt. Letztere sind bis zur Avenue vorgegangen. Die Wälle der Enceinte sind mit neuen Geschützen armirt worden. Auf die Place Maillot fielen mehrere Granaten und verwundeten fünf Leute lebensgefährlich. Die Kanonade und das Gewehrfeuer hielten den ganzen Nachmittag auf der Seite nach Montrouge sowie zwischen Asnières und Montrouge an. schützkampf wurde ferner zwischen den Forts Bicétre, Jory, Charenton und der Versailler Artillerie unterhalten. Die Regierungstruppen schritten zu einem heftigen Angriff auf die dies⸗ seitige Position bei Neuillyg. Um 6 Uhr war die Barrikade an der Brücke von Neuilly theilweise zerstört. Auf der Ebene von Gennevilliers machten umzingelte Nationalgarden einen fruchtlosen

Versuch, die feindlichen Linien zu durchbrechen und die Stadt zu erreichen. Mehrere Wurf⸗ geschosse platzten in der Nähe der Enceinte und in der Avenue de l'Impératrice. Der Pfarrer von St. Eustache ist in seiner Kirche verhaftet worden, während er die Ceremonie der Fußwaschung an den hierzu ausersehenen Greisen vollzog. Die Commune erließ ein Dekret, durch welches sie alle waffenfähigen und unverheiratheten Männer zu den Fahnen ruft. Dasselbe brachte große Bestürzung in Paris hervor. Man holt bereits die Nakionalgarden gewaltsam aus den Häusern und zwingt sie in den Kampf zu ziehen.

7. April. DerCri du Peuple berichtet: Die Truppen der Commune halten ihre Posi tionen fest. Der Feind hat die Brücke von Neuilly mit Nachdruck angegriffen. Das Plateau von Chatillon ist von den Unsrigen wieder ge nommen. Die Versailler Batterien wurden de montirt. Bei dem Fort Vanvres nahmen die Nationalgarden den Regierungstruppen zwei Mitrailleusen ab. Seit heute Morgen heftiges Gefecht bei Courbevoie. Die Artillerie der Na tionalgarde steht in der Allee vor der Porte Maillot und auf den Wällen am Thor von Neuilly. Drei Geschosse sind innerhalb der En ceinte bei dem Thor von Neuilly niedergefallen. Es geht das Gerücht, ein Gefecht in der Avenue außerhalb der Porte Maillot stände nahe bevor. Von der Seite von Chatillon her, von den Forts Issy, Vanvres und Montrouge hört man keine Kanonade, auch der Mont Valerien schweigt.

7. April, Abends. Gegen 2 Uhr griffen

Ein Ge⸗

die Truppen von Versailles in großer Stärke die Barrikade der Brücke von Neuilly an, welche während der Nacht durch Nationalgarden wieder- hergestellt und besetzt worden war. Die feind lichen Kugeln fielen in der ganzen Avenue bis zur Porte Maillot nieder, die Häuser in der Avenue sind in Folge dessen stark beschädigt worden. Das Geschützfeuer dauerte bis Uhr. Um diese Zeit gingen Seitens der Versailler Tirailleurs vor, in der scheinbaren Absicht, die Barrikade mit Sturm zu nehmen, gaben aber dies Vorhaben bald auf, um auf beiden Flanken anzugreifen.

Garibaldi hat das ihm von der Commune angetragene oberste Commando abgelehnt.

7. April, Nachts. Nach achtstündiger Kanonade forcirten die Regierungstruppen den Uebergang über die Seine bei der Brücke von Neuilly. Sie bestreichen mit den Kanonen die Avenue de la grande Armee und beschießen den Are de Triomphe, welcher bereits beschädigt ist.

Felix Pyat spricht imVengeur gegen den verblendeten Deutschenhaß und die Verfolgung einzelner Deutschen Er versucht nachzuweisen, daß sich Frankreich allein durch die Volksregierung und die Abstreifung des kirchlichen Verdummungs⸗ systems an Deutschland rächen könne, welches mit den Principien von 1789 wohl vertraut und Frankreich deßhalb weit überlegen sei. f

7. April. Gegen 7 Uhr Abends haben die Versailler Truppen die Barrikaden an der Brücke von Neuillh genommen. Kurze Zeit darauf begannen Kugeln in der Avenue de la grande Armee am Eingang der Avenue Josephine nieder- zufallen; 3 bis 4 Granaten explodirten in den angrenzenden Avenuen. Gegen 8 Uhr entwickelte sich eine lebhafte Kanonade in der Richtung nach Neuilly. l Arc de Triomphe gelegenen Quartieren nieder. Alle Häuser wurden geschlossen, die Straßen ver ödeten. Mehrere Personen waren verwundet worden, jedoch wurde, wie es scheint, Niemand

getödtet. Das Comite sandte Verstärkungen an Artillerie auf die Champs Elysses. Die

Verité zeigt an, daß der General Henny gestern Abend wieder in Paris eingetroffen ist, nachdem er aus seinem Gefängniß in Versailles zu ent⸗ kommen gewußt hat. ö

8. April. Die Schlacht rund um Paris dauerte heute heftiger als jemals fort. Mont Valerien und die Batterien der Versailler, die auf der Brücke von Neuillh errichtet sind, bestreichen die Avenue de la grande Armee, sowie das Viertel zwischen dem Triumphbogen und der Porte Maillot. Einzelne Granaten fielen bereits in den Champs Elysees nieder. Das Comite schickt fortwährend Verstärkungen nach der Porte Maillot. Die da⸗ selbst und an dem Pont Neuilly aufgestellten Batterien feuern unaufhörlich. Bei 5 Villejuif wird gekämpft, ebenso fanden Scharmützel statt auf verschiedenen Punkten zwischen Bagneux und Billancourt. Alle Südforts feuern, die Batterien von Versailles antworten. Die Truppen von Versailles sind vor Bicstre und Montrouge aufgestellt; im Allgemeinen gewinnen dieselben Terrain. N

9. April, Morgens. Sämmtliche National- garden sind die Nacht über außerhalb der Enceinte geblieben. In diesem Augenblick kehren einige in die Stadt zurück und berichten, die Versailler Truppen seien theils auf einer Schiffbrücke, theils auf der Brücke von Asnières über die Seine gegangen und concentrirten sich auf der Ebene von Longchamp. Deleseluze und Bergeret sind verhaftet worden. Assi ist aus der Conciergerie entflohen. Die Föderirten nahmen die Brücke von Neuilly wieder. Die Commune ließ alle Weih⸗ und Sacramentsgefäße aus der Kirche von Notredame entfernen. Die Kanonade war heute äußerst heftig. Der Mont Valerien und die Marinegeschütze von Courbevoie beschießen die Porte Maillot, die Avenue de la grande Armee bis zum Triumphbogen und die Avenue des Ternes. Letztere hat viel unter dem unaufhör lichen Kugelhagel gelitten. Alle Einwohner ver- lassen die gefährdeten Viertel. Die Zahl der

Mehrere Geschosse fielen in den um den,