Ausgabe 
12.10.1871
 
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getroffen und im Hotel Ropal abgestiegen. französische Minister begab sich im Laufe des Vormittags in das französische Gesandtschaftshotel.

Graf Arnim kam am 9. d. aus Paris hier an und ist im Hotel Royal abgestiegen. Der französische Finanzminister Pouper-Quertier hatte am 8. d. Abend Uhr eine Audienz bei dem Fürsten Bismarck.

Bezüglich der Berliner Wohnungsnoth ist amtlich festgestellt, daß Alles in Allem elf Exmis⸗ sionsklagen vorliegen und eine Abführung von 83 Familien mit 234 Köpfen in das Arbeitshaus nothwendig geworden war. Extesse, wie sie be⸗ fürchtet wurden, haben nicht stattgefunden.

Unter dem Titel:Eine Dotation für's Volk bringt derVolksfreund von Parisius einen Aufsatz aus der Feder des Reichstags- abgeordneten Eugen Richter, welcher dem Reichs⸗ tag die Aufgabe stellt, bei der Beschlußfassung über die Verwendung der Kriegscontribution auf Abschaffung der Salz-, Reis- und Zeitungssteuer, der Schlacht und Mahlsteuer u. s. w. hinzuwirken.

Die dabier erscheinende ultramontane Zei tungGermania äußert in einer polemischen Besprechung des Darmstädter Protestantentages u. A.:Wir, und mit uns Millionen selbständiger preußischer und deutscher Staatsbürger, haben nun einmal Lust, nach Fagon selig zu werden, welche uns gerade von den Jesuiten vorgezeichnet wird, und deßhalb werden sich wohl die excommuni⸗ cationssüchtigen Herren zu Darmstadt ein anderes Object für ihre freiheitlichen Unterdrückungsbe strebungen aussuchen müssen, denn auch das wollen wir ihnen hier gleich bei unserer ersten Begegnung sagen: Wo sich erst einmal dit Jesuiten festgesetzt und im Volke Wurzel gefaßt haben, da sind sie so leicht nicht zu vertreiben!

Wie dieKrzztg. meldet, wird in der nächsten Woche eine Immediat⸗Commission zur Prüfung des Entwurfs einer Militär- Strafgesetzge⸗ bung für das deutsche Reich hier zusammentreten.

DieFlorentiner Nazione erhält von ihrem gewöhnlich gutunterrichteten römischen Corre⸗ spondenten einen Bericht über den Eindruck, welchen die Beschlüsse des Münchener Altkatholikencongresses im Vatican hervorgebracht haben. Die Jesuiten- partei sei entschlossen, den Kampf gegen die Gegner des Unfehlbarkeitsdogma's um jeden Preis durch- zukämpfen; die gemäßigte Partei dagegen, an ihrer Spitze einige Cardinäle, welche sich bis jetzt zurückgehalten hätten aus Furcht, die inneren Zer- würfnisse in der Kirche zu vermehren, seien er⸗ schreckt über den Gang, den die Bewegung gegen das Dogma in Deutschland nehme und betonten die Nothwendigkeit, daß der h. Stuhl irgend einen Ausweg suche, um die Consequenzen der Procla- mirung des Unfehlbarkeitsdogma's abzuschwächen.

Der Kaiser hat, wie dieWeserzeitung meldet, die Eingabe der preußischen Bischöfe an das Staatsministerium abgegeben. DieKöln. Volksztg. legt dem Kaiser bezüglich dieser Ein gabe die Aeußerung in den Mund:Er wolle Frieden auf religiösem Gebiet, keinen Streit mit den Bischöfen. Ob die Quelle des ultramon tanen Blattes wirklich so gut ist, wie es be hauptet, wird sich bald erweisen.

Bei den Postanstalten hat der Verkauf der Formulare zu den am 15. d. Mts. ins Leben tretenden Postmandaten(5 Stück ¼ Sgr.) be⸗ gonnen. Sie sind für Inkassos bis 50 Thaler bestimmt. Das sehr einfache Verfahren ist folgen- des: Der Absender füllt das Mandatformular dem Vordruck entsprechend aus, und schließt es, nebst der zugehörigen quittirten Rechnung(dem Wechsel, Coupon, Schuldschein ꝛc.) in ein Couvert ein, welches von ihm an diejenige Postanstalt zu adressiren ist, in deren Stadt- oder Landbestell⸗ bezirk der Schuldner wohnt. Auf der Adresse des Couverts ist der VermerkPostmandatsbrief zu machen. Der Brief wird dann recommandirt an die Postanstalt des Bestimmungsorts befördert; diese öffnet das Couvert und zieht von dem Schuldner unter Präsentation des Mandats und dessen Belages(Quittung, Wechsel 1c.) durch den Briefträger den Betrag ein, welcher demnächst

sowie dem Grafen Feénélon und Valon hier ein⸗ Der

durch Postanweisung sofort direct an den Absender übermittelt wird. Der Mandatsbrief ist mit Frei marken im Werthe von 5 Sgr. zu frankiren (3 Sgr. für den recommandirten Brief, 2 Sgr. Gebühr für die Einziehung des Betrages). Die badische Postverwaltung hat sich dem neuen Ver fahren angeschlossen.

Die kirchliche October-Versammlung ist am 10. d. eröffnet worden. Zum Vorsitzenden wurde Staatsminister a. D. v. Bethmann⸗-Hollweg gewählt. Die Versammlung berieth über das Thema:Was haben wir zu thun, damit unserem Velte ein geistliches Erbe aus den großen Jahren 1870 und 1871 verbleibe? Während der Rede Ahlefeld's aus Leipzig erschien der Kaiser in der Versammlung.

In Königsberg sind am 4. wieder drei Personen an der Cholera erkrankt und zwei ge⸗ storben.

Frankfurt. Der Kronprinz und Gemablin sind am 9. d. dahier eingetroffen und setzten nach kurzem Aufenthalte in der Westendhalle, von der auf dem Bahnhöfe der Main-Weser-Bahn ver sammelten Menge freudig begrüßt, die Reise nach Wilhelmshöhe fort.

München. Dieser Tage kam von Berlin in 15 Eisenbahnwaggons die dritte Sendung von französischen Kriegsentschädigungsgeldern hier an; 5 Millionen Gulden wurden in die Gewölbe der k. Centralstaatscassa im alten Hofe, 4 Millionen Gulden zur Eisenbahndotationshauptcassa verbracht. Mit demselben Zuge sind auch noch mehrere Mil- lionen in Papiergeld und Werthpapieren hier eingetroffen.

Der König hat den Profeffor Dr. v. Pößl, langjährigen Präsidenten der Abgeordnetenkammer, zum lebenslänglichen Reichsrath ernannt. General v. d. Tann hat, gutem Vernehmen nach, die Reichsrathswürde abgelehnt,

Passau. DerDonauzeitung zufolge hat der Augsburger Bischof die Absicht, den Kultus- minister von Lutz bei der Abgeordnetenkammer der Verfassungsverletzung anzuklagen, weil derselbe ihm und dem Erzbischof von München ⸗Freysing auf 12 Anfragen, besonders die Meringer Ange legenheit betr., keine Antwort ertheilt habe.

Karlsruhe. Man schreibt demFr. J. von hier: Wir haben auf das Illusorische der Annahme aufmerksam gemacht, daß das Spiel in Baden über das Jahr 1872 hinaus fortdauern werde. Auch daß das Spiel als sog.Cercle werde fortgeführt werden, muß als völlig unbe gründet bezeichnet werden. Vom 1. Januar 1872 an hat das deutsche Strafgesetzbuch auch in Baden Geltung, in welchem sich der Paragraph befindet: Wer aus dem Glücksspiel ein Gewerbe macht, wird mit Gefängniß bis zu zwei Jahren bestraft

Baden-Baden. Nach derA. 3. hat wirklich eine städtische Deputation beim Kaiser die Bitte um Verlängerung des Spielpachts vorge bracht, ist aber abweisend beschieden worden.

Straßburg. Höherer Anordnung gemöß sind in allen deutschredenden Gegenden des Elsasses die französischen Straßennamen wieder durch deutsche zu ersetzen. Das Appellations- gericht zu Colmar wird Vonnerstag den 12. d. seine feitrliche Eröffnungssitzung halten.

Ausland.

Oesterreich. Wien. Der Wiener Ge meinderath hat den Altkatholiken nicht nur die städtische Capelle im Rathhause zur Verfügung gestellt, sondern er ist noch einen Schritt weiter gegangen, und hat sich bereit erklärt, ihnen die Mitbenutzung aller städtischen Patronatskirchen zu gestatten.

Frankreich. Paris. DaeJournal offi⸗ ciel veröffentlicht ein Decret, durch welches der Beschluß des Pariser Municipalrathes, betreffend die Repartition der Obligationen der Stadtan- leihe, genehmigt wird.

Das Kriegsgericht verurtheilte Rossel mit 6 gegen 1 Stimme abermals zum Tode. Lam- brecht, der Minister des Innern, ist in Folge des Bruches einer Pulsadergeschwulst in Versailles

gestorben.

Die Capitulations-Untersuchungscommisston hat den General Cissey als Zeugen in der Unter- suchung gegen Marschall Bazaine vorgeladen, ebenso alle hier anwesenden Offiziere und Aerzte, welche im belagerten Metz waren. Alle, fast ohne Aus- nahme, sagen gegen Bazaine aus.

Ueber die noch immer sehr darniederlie⸗ genden geschäftlichen und gewerblichen Zustände von Paris machen dortige Blätter folgende Angaben: Von 24,000 Schuhmachern fehlen ungefähr 12,000 (7 8000 Deutsche); ebenso mangeln 5000 Schneider von 30,000. Die Industrie der Blumenmacherinnen und Modistinnen allein hat bis jetzt nicht gelitten. Die Fabrikation ächter und falscher Bijouterien zieht sich mehr und mehr von Paris nach England und Amerika, wie die Industrie der Schneider und Schuhmacher ihr Entrepot in London und Brüssel aufschlägt. Die Möbelindustrie ist ebenfalls gefährdet; es fehlt da nicht an Bestellungen, aber an Arbeitern: 6000 Möbelschreiner sind verschwunden; die mit der Möbelschreinerei zusammenhängende Holzschnitzerei feiert; da fehlt es nicht an Arbeitern, aber an Bestellungen. Zahlreiche Marmorarbeiter sind gleichfalls nach Belgien ausgewandert. Bronze: arbeiter fehlen; Mechaniker, Gießer haben keine Arbeit. Die Clienteèle der Nähmaschinen, meist Weißnäherinnen, ist verschwunden, sie ist theils ausgewandert, theils verhaftet, durch Elend ver- trieben. Von 3500 Buchdruckergehülfen sind 500 bei den Journalen beschäftigt, 2500 arbeiten da und dort, 500 sind brodlos, denn der Buchhandel liegt gänzlich darnieder ꝛc. ꝛc.

DerAgence Havas wird über den Ausfall

der Generalrathswahlen aus Versailles gemeldet:

Von den bis jetzt bekannt gewordenen Wahlen fallen vier Fünftel auf die Candidaten der conservativ⸗ liberalen Partei und der regierungsfreundlichen Republikaner. Die hervorragenderen Candidaturen der Bonapartisten haben keinen Erfolg gehabt. DasJournal officiel schreibt: Vor einigen Nächten gegen 12 Uhr griff ein mit einem offenen Messer bewaffnetes Individuum den Posten vor der Ambulanz won Courcelles von rückwärts an, warf ihn zu Boden und suchte ihn zu eni⸗ waffnen. Es entspann sich ein heftiger Kampf, und die Schildwache konnte sich nicht anders ver⸗ theidigen, als indem sie von ihrer Waffe Gebrauch machte und dieselbe gegen den Angreifenden ent⸗ lud. Derselbe wurde tödtlich getroffen; das Messer, dessen er sich bedient hatte, ward auf dem Schau platz des Kampfes vorgefunden. Eine sorgsame Untersuchung dieses Vorfalls ist angeordnet. Lyon. Der Gerichtshof hat den Polen Dombrowski als Haußptanstifter der gegen die Deutschen hierselbst verübten Excesse zu 2 Mo⸗ naten Gefängniß und 100 Fr. Gelostrafe verurtheilt. Italien. Rom. Nach einer Nachweisung derGermania hat der Peterspfennig seit 10 Jahren folgende Summen eingetragen: 1861 14,184,000 Frs., 1862 9,402,000, 1863 7 047,000, 1864 5,832,000, 1865 6,445,000, 1866 5,939,000, 1867 11,312,000, 1868 11,000,000 Frs., zusammen 71,161,000 Frs. Am 7. d. haben Agenten der Regierung

von zwei Klöstern ungeachtet des Einspruchs der

Insassen und der geistlichen Behörden Besitz ergriffen.

Amerika. Newyork. Nachrichten aus Chicago zufolge ist durch eine große Feuersbrunst, welche durch einen Orkan angefacht wurde, die halbe Stadt, darunter der hauptsächlichste Ge⸗ schäftsstadttheil, vernichtet. Viele öffentliche Ge bäude, Bahnhöfe, Hotels ersten Ranges, das Telegraphenbureau, die Redactionslokale mehrerer Icurnale wurden zerstört. Viele Todte, 50,000 Obdachlose Von allen Seiten gehen Unter stützungen ein.

Frankfurt. Der diesjährige, vom schönsten Welter begünstigte Herbstpferdemarkt weist eine außerordentlich große Zahl seiner Reit- und Wagenpferde, die in den städlischen Stallungen untergebracht sind, auf. Unter ben Arbeitspferden bemerkt man viele nach den verschiedenen Kapitulationen und Niederlagen der Franzosen in deutschen Besitz übergegangene Pferde. Diejenigen, welche dieselben either im Besitze hatten, wissen nicht viel Rühmliches über dieselben zu erzählen und geben unserem deulschen Pferde den Vorzug.

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