Ausgabe 
12.1.1871
 
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Berlust am 8. etwa 25 Mann, am 9. ganz un⸗ bedeutend.

Die von Vendome aus vorgerückten diesseitigen Colonnen setzten am 8. ihren Marsch ohne wesent⸗ liche Gefechte bis über St. Calais fort.

v. Podbielsky.

Die Karlsruher Blätter melden telegraphisch: Vesoul, 7. Jan. Bei den gestern stattgehabten Recognoscirungsgefechten wurden Echenoz le See und Levretey genommen. 3 Ofsiziere und 207 Mann uuverwundete Gefangene. Diesseitiger Ver⸗ lust 14 Todte und 27 Verwundete. Premier- Lieutenant Max Meiger vom 6. Inf.⸗Regt. und Seconde⸗Lieutenant Delorme vom 5. Inf.-Regt. todt. v. Glümer. Bourogne, bei Bel⸗ fort, 8. Jan. Festungscompagnie Weiß seit heute Morgen im Feuer gegen Perche. v. Trescko w.

Versailles. Graf v. Bismatck ist seit einigen Tagen unwohl; trotzdem begab er sich doch zum Conseil bei dem Könige, obschon er nach Anrathen seines Arztes das Zimmer hüten soll. Seine rheumatischen Schmerzen sollen ziem⸗ lich bedeutend und sein Aussehen allerdings das eines Patienten sein.

Versailles. Unterm 8. d. M. wird der Times von bier telegraphirt: Die Forts von Paris sind beinahe ganz verstummt. Es ist zur Gewißheit geworden, daß die preußischen Kanonen die Stadt mit Leichtigkeit beschießen lönnen. Der vereinigte Staatenconsul, Mr. Reed, hat die Er⸗ laubniß erhalten, Paris zu verlassen, und ist hier angekommen. Wie es heißt, soll derselbe Klage geführt haben, über den nicht annoncirten Beginn des Bombardements von Paris, wodurch denn auch von dieser Seite die erfolgte Beschießung der Stadt bestätigt wird. Von gleichem Tage Nachmittags 2 Uhr wird weiter gemeldet: Es hat den Anschein, als wenn Häuser in Paris in Flammen stünden. Die Batterien und Forts waren heute auf beiden Seiten ziemlich schweigsam, nur der Valerien feuerte während der Nacht sehr oft. Eine deutsche Batterie hat 140 Kugeln er⸗ halten, ohne beschädigt zu werden.

Vor Paris. Allen Nachrichten nach schreitet die Beschießung der Nord, Ost⸗ und Südfront der Pariser Befestigungen mit dem besten Erfolge fort. Die schnelle Räumung des Mont Avron und die geringe Widerstandskraft dee Fort Rosny gegen die preußischen Batterien haben auch die Ueberlegenheit des deutschen Belagerungsgeschützes gegen die in den Pariser Forte aufgestellten Marinegeschütze bewiesen. Auf der Südfront sind die am westlichsten gelegenen Forts Issy und Banvres nach nur zweitägiger Beschießungzeit- weise zum Schweigen gebracht. Die Beschießung der mehr östlich gelegenen Forts Montrouge, Bicetre und Jory ist insofern erschwert, als hier die Schanzen von l' Hay, Villejuif und Vitry den Forts vorliegen und erst niedergekämpft werden müssen. Fort Issy ist ein reguläres Fünfeck von etwa 300 Schritten Seitenlänge; innerhalb des⸗ selben befinden sich eine dreistöckige Kaserne, zwei eben so hohe Offizier Pavillons und ein kleines hölzernes Gebäude, welches zu Werkstätten ein⸗ gerichtet ist. Au der nach Westen gekehrten Flanke des Forts liegen die beiden Pulvermagazine des⸗ selben, zu beiden Seiten des Thores, welches in in dieser mit fünf Kasematten versehenen Seite des Werkes nach Außen führt. Die südwestliche Face des Forts ist stark kusemattirt, da sie neun⸗ zehn Kasematten mit zusammen 57 Gewehrscharten enthält, während an der anderen Seite des Werkes sich drren nur etwa halb sovlel befinden. Das Fort de Vanvres hat dagegen die Form eines unregelmäßigen Vierecks, dessen rückwärtige und längste Seite über die Hälfte des Raumes ein⸗ nimmt, welcher zwischen der Eisenbahn Paris; Sevres und der Straße nach Chatillon gelegen ist. Bemerlenswerth im Innern des Werkes ist ein vierstöckiger Offizier Pavillon und eine eben solche Kaserne, welche beide mit flachem Dache gedeckt sind. Wie aus Versailles weiter berichtet wird, wurde bereits auch gegen den Mont Valerien gefeuert und eine Batterie am Fuße desselben jusammengeschossen. Ueher die Wirkung des

Feuers gegen die Nordfront liegt noch keine genauere Nachricht vor. Nach englischen Berichten sind Batterien auf dem Windmüblenberg bei Montmagny und bei Dugnßy errichtet. Der Schw. M. will wissen, daß bereits eine fran⸗ zösische Parallele vor St. Denis in der Nähe von le Bourget eingeschossen worden sei. Das⸗ selbe Blatt will ferner mit Bestimmtheit wissen, daß schon am 6. d. baperische Artillerie Brand⸗ raketen nach Paris hineingeschleudert hätte, wo⸗ durch einige Häuser in der Pariser Vorstadt Vaugirard in Brand geschossen sein sollen. Fran⸗ zösische Berichte melden endlich, daß auf der Ost⸗ seite eine deutsche Batterie errichtet und Kanonen auf dem Mont Vvron aufgerichtet sind. Der Nebel, der augenblicklich auch vor Paris herrscht, begünstigt die Fortschritte unserer Batteriebauten und erleichtert die Aufzabe der Ingenieure.

Corbeil, südlich don Paris. Die Seint hat sich mit einer so starken Eisschicht bedeckt, daß nicht nur Fußgänger, sondern auch Wagen die Eisbahn passiren können. Durch den starken Eisgang ist ein Theil der von den Deutschen geschlagenen Schiffbrücken fortgerissen worden. Nur wenige vermochten gerettet zu werden. Es ist Thatsache, daß die Belagerten mit der Außen⸗ welt in immerwährender Verbindung stehen. Vor⸗ gestern wurde in Ablon ein katholischer Pfarrer verhaftet, der sich im Besitz einer nach Paris führenden Telegraphen⸗Leitung befand. Er wurde nach dem Hauptquartier abgeführt.

Nach derKreuzztg. hätte es sich heraus gestellt, daß bereits am 5. d. beim Beginn des Bombardements der Südforts von Paris Granaten über die Forts hinweg bis in den Garten des Palais du Luxembourg, mitten in die auf dem linken Seine-User befindlichen Stadttheile(l'Uni⸗ versité) hinein, einschlugen. Sie erreichten also nicht nur die Kreislinie der äußeren Boulevards und den Seine⸗Inseln, auf denen das alte Paris, die Cité, sich befindet.

Von der Höhe von Montretout aus, schreibt man derKreuzzeitung aus Versailles, 3. Jan., hat man durch einige Probeschüsse die Ueberzeugung gewonnen, den Mont Valerien er- reichen und somit wenigstens seine Hochbauten und Wohnräume ausbrennen zu können; eine am Fuße des Berges eben erst entstehende Schanze ist der⸗ maßen von unserer Artillerie zugedeckt worden, daß alle Arbeiter davongelaufen und die schon aufgeworfenen Brustwehren in eine unförmliche Masse zusammengeschossen worden sind, und auf anderen Stellen werden den Parisern eben solche Ueberraschungen vorbereitet, wie ihnen der Mont Avron eine gewesen zu sein scheint.

Epernay. In dem zwei Stunden von hier gelegenen Dorfe Dambry wurde ein von hier ab⸗ geschicktes Jäger Detachement im Walde von Franktireurs überfallen. Die Jäger vertheidigten sich heldenmüthig, zogen jedoch den Kürzeren; die Mehrzahl von ihnen blieb todt oder verwundet auf dem Kampfplatz und nur wenigen gelang es, sich durchzuschlagen; der commandirende Offizier fiel schwer verwundet in die Hände der Feinde. Die Jäger gehörten zum 2. Reserve⸗Jägerbataillon, das hier neu gebildet wird. Von den Franktireurs, wie nicht anders zu erwarten war, keine Spur. Noch durchstreifen zwar starke Detachements die Gegend, doch wird alles Suchen resultatlos sein. Das stark coupirte Terrain bietet so mannichfache Schlupfwinkel, daß es den Freischärlern leicht it, zu verschwinden und au anderer Stelle, wo man sie am wenigsten erwartet, wieder aufzutauchen.

Einer Mittheilung desProgrös du Saone et Loire entnehmen wir Folgendes:Die Preußen hatten bei ihrem Einzug in Dijon(30. Oct.) die Summe von 500,000 Fr. zur Garautie für die getreue Ausführung des Uebereinkommens in Betreff der Uebergabe der Stadt verlangt. Da- von wurden der Stadt 200,000 Fr. auf die dringliche Vorstellung des Maires zurückgegeben, welcher eine lebhafte Schilderung des Elendes der Arbeiterklasse gemacht hatte. Diese Summe ver⸗ wendete man zur Errichtung von Gemeinde⸗Holz⸗ plätzen. Der Rest von 300,000 Fr wurde von der preußischen Verwaltung am Dienstag in den

Augenblick zurückerstattet, als sie die Stadt ver⸗ ließ, wie man sagt, mit einem Schreiben des Generals v. Werder, worin der Patriotismus der Bevölkerung von Dijon anerkannt und höchlich gelobt wird. N

Hessen. Darmstadt. Unterm 6. Januar wurden ernannt: 1) im Großh. Artilleriecorps: die Lieutenants der Reserve Theod. Schünemann, Wilhelm Grodhaus und der Portepeefähnrich Rudolph Baltz zu außeretatsmäßigen Lieutenants, sowie der Vicefeldwebel Heinrich Lembke zum Lieutenant der Reserve, 2) im 1. Jäger⸗Bataillon: der Lieutenant Gustav Emil Ludwig v. Lyncker vom 1. Inf. Regt. zum Oberlieutenant, 3) im 3. Inf.⸗Regt.: der Oberlieutenant Albert Theodor Hauß zum Hauptmann, der Lieutenant und Ba- taillons⸗ Adjutant Heinrich Lauckhard und der Lieutenant Mootz von der Pionniercompagnie zu Oberlieutenants, 4) im 4. Inf.⸗Regt.: der Vice⸗ feldwebel Hermann Hochgesand zum Lieutenant der Reserve.

Preußen. Berlin. DieKreuzzeitung meldet: Wie wir hören, sollen noch im Monat Januar die Wahlen zum Reichstage ausgeschrie⸗ ben werden.

Das Abgeordnetenhaus genehmigte sämmt⸗ liche Positionen des Etats der Eisenbahnverwal⸗ tung, sowie den Antrag des Abg. Hennig wegen Vermehrung des Betriebsmaterials und einen An- trag des Abg. Reichensperger wegen Heizung der Eisenbahnwagen. Eine von Hammacher gestellte Anfrage, ob der Vertrag mit Hessen bezüglich der Offenbach Hanauer Bahn im Juli ausge- führt werden wird, bejaht der Handelsminister, indem er gleichzeitig die demnächstige Vorlage eines bezüglichen Gesetzentwurfs verspricht.

Liegnitz. Nach demLiegn. Stadtbl. sind fünf der hier internirten französischen Offiziere wegen Einsendung einer Protestation gegen die Restituirung der Napoleonischen Dynastie an die Indep. belge nach der Festung Glogau über⸗ wiesen worden.

Bayern. München. Der Bericht des Abg. Jörg über den deutschen Bündniß vertrag ist jetzt vertheilt; am 11. d. beginnt die Berathung.

Baden. Karlsruhe. Nachdem der König von Preußen nach der Einnahme von Straßburg dem Prinzen Wilhelm von Baden das eiserne Kreuz 2. Classe verliehen, erhielt dieser unterm 3. d. M., in Anerkennung seiner fortgesetzten rühm⸗ lichen Theilnahme an den Actionen des 14. Ar- meccorps, das eiserne Kreuz 1. Classe.

Frankreich. Bordeaux, 7. Jan. Gestern hat der Feind bei Villechauve und St. Cyr(süd⸗ lich Vendome) angegriffen und hat die französischen Linien bei Neuvillt fortirt. Derselbe hat sich darauf nach Vendome zurückgezogen.(Französische Meldung über den Angriff Friedrich Karls.) Der Feind bedroht Nogent le Rotrou.

Aus Nevers wird vom 7. d. gemeldet, daß Auxerre am 6. neuerdings von den Preußen besetzt wurde. Semur ist von den Franzosen besezt. Aus Briare wird ein Vorpostengefecht gemeldet.

DasJournal offiziel veröffentlicht ein Dekret der Regierung, wodurch die Zollsteiheit für die Einfuhr von Pulver, Kriegsgeräthen und Kriegsmunition bis zum Ende des Krieges ver⸗ längert wird. DasSieele veröffentlicht einen Artikel, welcher den General Trochu in der hef⸗ tigsten Weise angreift und ihn beschuldigt, die gesammte Streitmacht des Landes in eine Stadt eingeschlossen zu haben, welche auf dem Punkt stand, belagert zu werden. Trochu habe versäumt, einen Organisator in die Provinz zu schicken, und habe die Provinz ohne Verhaltungsmaßregeln ge⸗ lassen; statt den Entsatzarmeen enutgegenzurücken, wie verabredet war, habe Trochu am 30. Nov. und 2. Dez. Ausfälle unternommen, die Armee außerhalb Paris der Gnade des Feindes über- lassen und dieselbe in eine lächerliche Situation gebracht; schließlich habe er neuerdings einen Ausfall à la Bazaine gemacht.

Durch Decret der Regierung wird die sofortige Aushebung des Contingentes pro 1871,