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Kriegs nachrichten. Offieielle militärische Nachrichten.
Bourogn, 8. Febr. Die in Felsen erbauten detachirten Forts Haute-Perche und Basse⸗Perche heute genommen, wozu die Lauf- gräben theilweise in Felsen gesprengt werden mußten und die bei dem jetzigen Thauwetter unter Wasser standen. v. Tresckow.
Versailles, 9. Febr. Die Forts Haute Perche und Basse⸗Perche vor Belfort wurden am 8. Febr. diesseits in Besitz genommen. Die Ab- gabe der Geschütze und Waffen der Armee von Paris hat am 7. Februar begonnen.
v. Podbielsky.
Versailles. Bismarck und Favre unter- handeln über eine Verlängerung des Waffenstill⸗ standes und über die Verlegung des Parlaments nach einer andern Stadt, da die jetzigen Zustände in Bordeaux die Verhandlungen daselbst unfrei machen würden.— Der Friedensvertrag wird für die Ostbahngesellschaft eine von Frankreich zu zahlende Geldentschädigung feststellen wegen der an Deutschland übergehenden Bahnstrecken in Elsaß und Lothringen. Auch in Luxemburg schweben Verhandlungen Behufs eines Arrangements mit der Ostbahngesellschaft.
— In unterrichteten Kreisen will man wissen, daß der am 19. ablaufende Waffenstillstand wahr- scheinlich bis zum 26. verlängert werden dürfte. Die 753 zu wählenden Abgeordneten werden schwerlich der schlechten Verbindungen halber schon am 12. in Bordeaux eintreffen können, so daß die Verhandlungen eine nothwendige Verlängerung erfordern werden.
— Durch die Pariser Capitulation sind 38 Linien-, 3 Marine⸗, 7 Cavalerie- und 40 Mobil⸗ garden ⸗ Regimenter, demnach 15 Infanterie- und 2 Cavalerie-Divisionen, etwa 180,000 Mann, gefangen und 400 Feldgeschütze und Mitrailleusen nebs 1500 Feßungsgeschützen erbeutet. Unter den letzteren find Marinegeschütze schwersten Kalibers und Panzer ⸗Kanonenboote der Seineflottille. Auch ein enormes Eisenbahnmaterial fiel den Deutschen in die Hände. Von dem französischen Heere bei Kriegsanfang sind nur 11 Regimenter nicht gefangen(5 von der Infanterie und 6 von der Cavalerie.) Die Zahl der Kriegsgefangenen beträgt jetzt weit über eine halbe Million, die der erbeuteten Geschütze aller Art über 20,000.
— Die„Kiel. Ztg.“ schreibt:„In dem deutsch⸗ftanzösischen Kriege sind bis zu seinem hoffentlich jetzt erzielten Abschluß dreiundzwanzig Schlachten geschlagen worden. Die Reihenfolge stellt sich: Weißenburg, Wörth, Spicheren, Pange, Mars la Tour, Gravelotte, Beaumont, Sedan, Noisseville(vor Metz), die drei Schlachten bei Orleans, Amiens, Champigny und Brie(vor Paris), Beaugeney, Bapaume, Vendome, Le Mans, Belfort, Le Quentin und als letztes Auf⸗ flammen des Kampfes, wiederum vor Paris, der große Ausfall gegen St. Cloud und am Mont Valerien. Unter diesen Schlachten haben sich in der bei Gravelotte beiderseits nahezu eine halbe Million Streiter gegenüber gestanden, nämlich 270,000 Deutsche gegen 210,000 Franzosen. Derselben zunächst kommen Sedan mit 210,000 Deutschen gegen 150,000 Franzosen, und die dritte Schlacht bei Orleans mit 100,000 bis 120,000 Deutschen gegen 200,000 bis 240,000 Franzosen. Zum ungleichartigsten hat sich das Zahlenverhältniß bei Mars la Tour und Belfort herausgestellt, wo in ersterer Schlacht von 8 Uhr Morgens bis gegen 4 Uhr Nachmittags höchstens 45,000 Preußen gleich von Anfang an wider 160,000 und schon gegen Mittag fast 200,000 Franzosen gekämpft haben, während vor Belfort höchstens 30 36,000 Preußen und Badenser 90 120,000 Feinden die Stirn bieten mußten. Auch für Bapaume stellt sich nahezu ein ähnliches Zahlenverhältniß. Die größten Verluste deutscher⸗ wie französischerseits weisen die drei Schlachten vor Metz(Pange, Mars la Tour und Gravelotte) aue und können namentlich dem riesigen Verluste
der zweitangeführten Schlacht, der sich auf deut⸗ scher Seite allein auf gegen 600 Offiziere und über 17,000 Mann berechnet, von allen Schlachten dieses und des vorigen Jahrhunderts höchstens nur die Erstürmung von Planchenoi in der Schlacht bei Belle⸗Alliance, Borodino, Eylau und Zorn⸗ dorf zur Seite gesetzt werden. Es treten zu diesen Schlachten noch 49 zum Theil ebenfalls schlachtähnliche Treffen und Gefechte und zwanzig bis zur Capitulation durchgeführte Belagerungen, darunter die von Paris, der ersten Festung der Welt, und die der beiden Waffenplätze ersten Ranges, Metz und Straßburg. Wirklich belagert ist gegenwärtig nur noch Belfort, cernirt ist Bitsch, blokirt und beobachtet sind Maubeuge, Gibet und Cambrai.“
— In Betreff Bourbaki's steht jetzt wenig— stens Das fest, daß er(wie auch der„Köln. Ztg.“ direct aus Lyon geschrieben wird) am 1. Februar in Lyon angekommen und seine Gemahlin dort erwartet wurde. Er ist also weder in Genf noch in Besangon, wie die letzten Nachrichten sagten. An jenem Datum hatte man Hoffnung, ihn zu retten; ob er in⸗ zwischen gestorben, ist noch nicht klargestellt.
— Ueber den verunglückten Sturm auf die Forts von Belfort, Basse und Haute Perche, welcher am 26. v. M. stattgefunden hat, entnehmen wir der„N. Stett. Ztg.“ folgenden näheren Bericht:„Am 26. Jan., Abends 6½ Ubr, mußte das 2. Bataillon des 3. Pommerschen Landwehr-Regts. Rr. 14 antreten und das Gepäck ablegen, hierauf wurde demselben mitgetheilt, daß es zum Sturm auf die Schanze Nr. 5 bestimmt sei. Die Mannschaften, welche schon früher davon gehört hatten, aber dem Gerüchte keinen Glauben schenken wollten, weil die Aufgabe eine unmögliche schien, gaben zum großen Theile ihr Geld und ihre Werthsachen ab und Mancher bat seinen Kameraden, für den Fall, daß er bleiben sollte, seinen Tod in die Heimath zu melden. Als das Bataillon nun gegen 9 Uhr aus der Parallele herauskam, umarmten sich noch Manche und drückten sich stumm die Hände. Dann ging jede Compagnie in der ihr bezeichneten Richtung auf die Schanze los. Als dieselben sich his auf die Hälfte ihrem Ziele genähert hatten, bekamen sie die ersten Schüsse, ließen sich dadurch aber nicht aufhalten, sondern rückten im Schnellschritt vor⸗ wärts. Aber der Feind überschüttete die tapferen Landwehrmänner nur mit Granaten, Shrapnels, Kartätschen, Mitrailleusen-, Wallbüchsen- und Gewehrfeuer in einer Weise, die aller Beschreibung spottet. Es war wie ein furchtbares Gewitter, das sich mit einem Hagel von Blei und Eisen entlud. An Rückkehr war nicht mehr zu denken, ebenso wenig an ein Vorwärtsdringen. Viele warfen sich platt auf den Schnee, jeden Moment Tod oder Verwundung erwartend. Zahlreiche der Wackren fanden diesen Tod, andere, so eben noch strotzend in männlicher Kraft, waren in wenigen Minuten hülflose Krüppel, während Mancher, der nicht mehr auf Rettung hoffte und die Seinen bereits in Gottes Schutz befohlen hatte, dennoch unverletzt blieb. In dieser furchtbaren Lage blieben die Mannschaften zwischen beiden Schanzen eine lange bange Weile, dann ließ das Feuer des Feindes etwas nach. Die Nacht deckte gnädig die Bilder des Schreckens zu, die rings sich ent⸗ falteten: viele Krieger wälzten sich in ihrem Blut, während das Aechzen der Sterbenden erscholl und wer immer konnte, auf dem Bauche zurück aus dem Bereiche der feindlichen Geschosse kroch. Plötzlich brach der Feind hervor, um den Rest des Bataillons gefangen zu nehmen. Die 5. Compagnie sah ich auf den Ruf ihres Führers genöthigt, in der Flucht ihre Rettung zu suchen. Jeder, der nur konute, lief. Viele, die nicht nachkommen konnten, riefen um Hülfe, leider ver— gebens! Eine große Anzahl kam ohne Gewehre zurück. Endlich erreichten die Mannschaften, matt und abgehetzt von Strapazen und Schrecken, die Parallele. Der Berlust des Bataillons konnte erst am nächsten Morgen, als vasselbe antrat, festgestellt werden. Dasselbe hatte etwa 350 Mann eingebüßt. Von der 5. Compagnie, welche
übrigens in die 12 Fuß tiefen und breiten Schanzgräben hineingestiegen und nur mit Mühe wieder herausgeklettert war, fehlten 64, von der 6. Compagnie 5 Mann. Von der 7. Compagnie waren nur ein Unteroffizier, ein Tambour und 47 Mann zurückgekommen. Alle Uebrigen waren in Gefangenschaft gerathen. Von der 8. Com- pagnie fehlten 56 Mann. Dienstfähig waren überhaupt beim Bataillon nur 311 Mann geblieben.“
Pruntrut, 6. Febr. Seit Sonntag früh ununterbrochene Kanonade in Belfort. Die Preußen sagen, sie würden vor Ablauf von zwei Tagen die Festung nehmen.
Bern. Die Kriegekasse der Ostarmee, im Betrage von 1½ Millionen Francs, ist der Bun⸗ deskasse zur Verwahrung gegeben. Die franzö— sische Regierung sendet 62 Waggons mit Lebens- mitteln für die Internirten.
Neuenburg, 5. Febr. Der„Bund“ meldet:
Gestern sind die letzten Franctireurs über die
Gränze gerückt. Auch diese weigerten sich An- fangs, die Waffen zu strecken. General Herzog ist gestern nach Neuenburg zurückgekehrt. In Colombier, wo Oberst Meyer eommandirt, befindet sich ein großer Park und über 2000 Pferde. Die Parkzüge müssen die Kanonen und Kriegsfuhr— werke auf der Straße stehen lassen, da die Pferde erschöpft liegen bleiben. Pferdeleichen trifft man auf allen Wegen. Alle Ortschaften sind überfüllt.
Genf. Am 6. d. Abends sind auf dem Eisenbahnhof in Genf 80 französische Soldaten und 15 Offiziere, als Civilisten gekleidet, ver— haftet worden.
Aus Chaux de fonds gibt ein Bericht noch nachfolgende Schilderung von dem jammervollen Zustande der auf Schweizergebiet übergetretenen französischen Armee: 300 französische Gefangene sind von hier abgegangen, um in der inneren Schweiz internirt zu werden; sie waren fast von Allem entblößt. Einige Stunden später kam ein anderer Zug an, der theilweise im neuen Collegium, tbeilweise in der deutschen Kirche untergebracht wurde. Den Meisten fehlte auch das Allernoth- wendigste: Wäsche und Schuhwerk. Ich sah solche, welche im Fieber der Blatternkrankheit zitternd, Gesicht, Hals und Hände mit Ausschlag bedeckt, kaum sich fortbewegen konnten. Die Mo⸗ bilen hatten an dem Scharmützel Theil genommen, das am 31. Januar gegen La Chapelle stattfand. Die Truppe befand sich auf dem Rückzug, angeblich ohne Arg und im Vertrauen auf den Waffen- stilltand marschirend, von dem ihnen die Kenntniß von der Schweiz hergekommen war. Beim Wenden um eine Waldecke wurden sie Abends 5 Uhr von einem lebhaften Gewehrfeuer überrascht. Sie schossen ihre wenigen Schüsse, die ihnen noch ver⸗ blieben, ab und stürzten sich dann vorwärts gegen die Schluchten des Doubs. Ohne Kenntniß von Weg und Steg, kamen sie durch Zufall an dessen Ufer. Auf dem Wege sind jedenfalls Viele ver⸗ unglückt. Die ganze Truppe befand sich ohne Organisation, ohne Lebensmittel und Munition. Auf 60 Mann traf es vielleicht 20 Patronen. Das Schuhwerk war noch ziemlich gut im Stande, aber an Lebensmitteln fehlte es beinahe gänzlich. Unter den Mobilen war auch eine Anzahl Zuaven und viele Franctireurs, schlecht ausgerüstet, ohne militärische Abzeichen und fast in Lumpen gehüllt. Junge Leute von 16—17 Jahren waren mehrere darunter. Die Offiziere befanden sich nicht bei der Mannschaft.
«Friedberg, 10. Febr. Heute früh gegen halb 6 Uhr wurde dahier eine ziemlich heftige Erderschütterung verspürt, welche von starkem Geräusche begleitet war. Eine gleiche Wahrnehmung wurde nach uns zugekommenen Miitheilungen auch an verschiedenen Orten der Umgegend gleichfalls um die erwähnte Zeit gemacht.
Karlsruhe. Die„K. Ztg.“ berichtet von einem abscheulichen Gaunerstückchen, dessen Opfer ein fran⸗ zösischer Kriegsgefangener war. Derselbe, nach Rastatt bestimmt, hatte, während der Zug hielt, einen in der Nähe stehenden Burschen aus dem Wagen, worin er sich befand, gebeten, ihm etwas zu essen zu kaufen, und dem⸗ selben zu dem Behufe ein 20-Frankenstück gegeben. Der Bursche nimmt das Geld und— kommt nicht wieder, und der arme Betrogene, welcher laut jammerte, daß er jetzt keinen Sou mehr besitze, muß mit dem abgehenden
Zug hungrig fort und hat kaum noch Zeit, dem Statlonschef seinen Namen zu hinterlassen. Die Kunde von diesem
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