die Baume umgelegt und die Geschütze solchergestalt demaskirt worden. Es batten übrigens während der Nacht noch 2000 Mann zu schaffen gehabt, und die Sorge war keine geringe, daß der Feind
noch in der letzten Stunde die Orte, wo diese
Menschenmasse arbeitete, mit Granaten bewerfen würde. Wider Verhoffen verhielt er sich aber gerade diese Nacht vollkommen ruhig. Ohne Zweifel batte er also von dem ihm drohenden Unheile doch keine rechte Ahnung.“
— Feldpostbriefe von Soldaten im Lager vor Paris beschreiben übereinstimmend den Jubel, mit welchem dort das Bombardement des Mont Avron begrüßt worden ist. Als der erste Schuß los- gegangen, sei ein so donnerndes Hurrah aus · gebrochen, wie es damals bei Sedan erschollen, als die Nachricht von Napoleons Gefangennahme wie ein laufendes Feuer durch das sieghafte Heer ging.
— Der„Globe“ bringt Nachrichten aus Paris bis zum 30. Dez, denen zufolge der Be ginn des Bombardements von der Bevölkerung aufänglich als ein Zeichen der Schwäche des Feindes ausgelegt wurde. Man glaubte der Regierung, daß die Preußen der fruchtlosen Be⸗ lagerung müde seien und daß man bald eine Auf. hebung derselben erwarten dürfe. Selbst als die ungeheuere Kälte die Generale zwang ihre Truppen zurückzuziehen und in Cantonnements unterzu⸗ bringen, war die Stimmung noch eine gute. Seit aber die Räumung von Mont Aron bekannt wurde, herrscht allgemeine Entmuthigung, welcher ge⸗ nanntes Blatt in folgenden Worten Ausdruck zibt: Avron, worauf alle unsere Hoffnungen sich stützten, besteht für uns nicht mehr als befestigte Position; Avron, welches die preußischen Linien deherrschte und eine äußerst wichtige Position war, ist geräumt, nachdem die Geschütze in der Stille der Nacht entfernt worden waren. Unsere hohen Offiziere halten dies für das größte Ungläck, das uns hätte treffen können, und die Bevölkerung sieht in der Aufgabe der Position das Vorspiel zu einer Capitulation. Die Regierung von Paris fühlt sich unter diesen Umständen keineswegs be⸗ haglich, was aus folgender Bemerkung eines offi⸗ ziellen Blattes hervorgeht, es sagt: Die Regierung ist für den Fall einer entscheidenden Niederlage zu dem Entschlusse gekommen, entweder abzudanken oder sich in eines der Forts zurückzuziehen, ent⸗ schlossen, sich nimmermehr der Demüthigung einer Capitulation zu unterziehen. Diese Mittheilung hat nicht allein im Publikum, sondern auch in der gesammten Presse große Erbitterung hervor gerufen und eines der Blätter sagt: Würde die Regierung Paris in der Stunde der größten Gefahr verlassen, so wäre dies ein Act unver- gleichlicher Feigheit, wahrhaften Verraths.. Auf eigene Faust nahm sie die Zügel der Re⸗ gierung an sich und nannte sich eine Regierung für die nationale Vertheidigung. Die Mitglieder der Regierung mögen sich in Acht nehmen; alle ihre Bewegungen werden überwacht, das Volk wird ihnen nie gestatten, den Posten zu verlassen, den sie mit solcher Anmaßung usurpirt haben.
— Eine Proclamation des Generals Schmitz vom 29. Dez. schreibt den Rückzug vom Mont Avron dem überlegenen Kaliber der Krupp'schen Kanonen zu und fährt dann fort: Die Höhen von Avron konnten von unserer Infanterie werden. Der Gouverneur sah sich hierdurch ver-
pflichtet, die Artillerie und die Truppen in eine Position zurückzuziehen, wo das dichte Kreuzfeuer
des Feindes sie nicht erreichen konnte. Er befahl,
sofort die Geschütze hinter die Forts zu placiren. Diese neue Position, in welche die Belagerung von Paris nunmehr getreten ist, mag die Be⸗ dingungen der Vertheidigung umgestalten, wird aber ihre Mittel und ihre Energie nicht schä⸗ digen.— Die ungeheure Kälte hat den fran- zösischen Truppen vor den Thoren von Paris General Vinoy erklärte, er habe seine Leute 2—3 mal während der Nacht alarmiren müssen, um sie vor dem Erfrieren zu Ducrot sagte, vielen der Verwundeten seien die Augen erftoren gewesen, als sie gefunden Ein Wachtposten wurde bei der Ab⸗ In der unmittelbaren Kilogrammes Pulver.
ungemein zugesetzt.
bewahren.
wurden. lösung erfroren gefunden.
ernsthaft halten könne, da der Oberst R. Gari⸗
nicht gehalten
Nähe von Bourget mußten 600 Mann ins Laza⸗ reth gebracht werden, und die Zahl Derer, die auf Avron erfroren sind, wird als sehr groß angegeben.
— Die Festung Rocroy, bemerkt der„St.“ Anz.“, ein Kriegsplatz zweiter Klasse, hat seit Entstehung der Eisenbahnen an Wichtigkeit ver⸗ loren; sie liegt an keiner solchen, ist aber sder Sammelpunkt mehrerer Straßen. Der Platz liegt etwa 1000 Fuß hoch auf einem hügeligen Plateau des Ardenner Waldes unweit der Quellen des schwarzen Wassers, das bei Revin der Maas zu⸗ fließt. Die Stadt, welche 3000 Einwohner zählt, liegt bart an der belgischen Gränze, etwa 4 Meilen nordwestlich Mezieres.
— ueber die Vorfälle am Doubs liegt fol ⸗ gendes Telegramm des„Genfer Journ.“ vor: „Dampvant, 3. Jan. Die Zahl der gestern zu Grandfontaine Entwaffneten beträgt ungefähr 200 vom Corps der„Rächer“, Turko's 1c. Diese Soldaten wurden in Pruntrut bei den Einwohnern untergebracht und gehen nach Thun ab, wo sie internirt werden. Diesen Morgen waren 1500 Mann mit zwei Kanonen in Blamont; sie sagen, sie seien von ihren Führern verlassen worden und sind im Begriff, sich über Pont de⸗Roide nach. Besangon zurückzuziehen. Einige Bataillone Mobile vom Doubs befinden sich im Augenblick hinter der Biegung, welche der Doubs bildet. Hier ist Alles ruhig.“
Ricciotti Garibaldi hat folgendes Schreiben an den preußischen Commandanten in Chatillon gerichtet:»An den Herrn Com⸗ mandanten der preußischen Streitkräfte in Chatillon. Man setzt mich in Kenntniß, daß Sie die Bewohner der Stadt Chaätillon mit Repressalien wegen des Angriffs der»Franc— tireurs“ vom 19. bedrohen. Ich weiß nicht, daß je ein durch die Tapferkeit eines regel⸗ mäßigen Corps errungener Sieg zu solchen Maßregeln ermächtigen konnte. Ein für alle⸗ mal, fuhren Sie doch in der Folge Krieg auf loyale Weise und nicht wie Vandalen, die nur von Plünderung träumen. Drohung für Drohung, und wenn Sie die Infamie haben, Ihre gehässigen Projecte auszuführen, so gebe ich Ihnen die Versicherung, daß ich keinen der 200 Preußen, die Sie in meinen Händen wissen, schonen werde. Der Oberst R. Garibaldi.“ — Der preußische Commandant antwortete einfach, daß er, da sich die Bewohner von Chatillon au seinem(Ricciotti's) Handstreich betheiligt, sie nach Kriegsrecht behandeln werde, und daß er die Drohung, die gemachten preußischen Gefangenen umzubringen, nicht für
baldi wissen müsse, daß er für jeden preußischen Kriegsgefangenen, den man umbringe, zwanzig und noch mehr erschießen lassen könne.
— Der„St.⸗Anz.“ bringt folgende Zusammen⸗ stellung über die Kriegstrophäen der deutschen Heere: Die Zahl von 3577 Offizieren, 123,700 Mann— sämmtlich unverwundet— und etwa 2100 Geschützen sowie 56 Adler, welche bis zum Schlusse des Monats September in die Hände des deutschen Heeres gefallen sind, hat sich im Laufe der Monate Oktober und November auf 10,067 Offiziere, 303,842 Mann unverwundeter Kriegsgefangenen, auf etwa 4130 Geschütze, unter denen 170 Mitrailleusen, und auf 112 Adler er⸗ höht. Einen ferneren Beleg für die Größe der Kriegsbeute geben einige Zissern über die bedeu⸗ tende Zahl von Fabrzeugen, von Feuer⸗ und Handwaffen und von Munition, welche in einzelnen der gewonnenen Plätze erbeutet worden sind. So sielen uns bei Sedan 740 einrädrige, 75 zwei⸗ rädrige Munitionswagen zu, 54 Lafetten, über 100 Protzen, 355 Trainwagen, 61 Feldschmleden, ferner z. B. 57,000 Gewehre und 2800 Cavalerie⸗ Säbel, 900,000 Infanterie Patronen, 60,000 Vollkugeln, 50,000 Hohlkugeln, Granaten und Kartétschen. In Metz fand sich ein bedeutendes Material, aus welchem nur Einiges namhaft gemacht werden soll; so 1400 Lafetten, 1000 Protzen, 2000 Wagen, 100,000 Gewehre, 280,000
Plätze waren im Verhältniß gleich günstig aus⸗ gestattet. Hierzu muß jedoch bemerkt werden, daß der Werth des genommenen Materials zwar ein großer Verlust für die Franzosen, keineswegs aber ein großer Gewinn für unsere Heere ist, da sich unter der Beute eine bedeutende Menge von Fahrzeugen, selbst von Munition befindet, welche für die Verhältnisse unserer Artillerie nur den Werth des Holzes oder Eisens hat, keineswegs aber von derselben irgendwie verwendet werden kann.
Hessen. Darmstadt. Die„D. Ztg.“ bringt weiter folgende Verlustliste des zweiten Reiter⸗Regiments beim Patrouillenritt der dritten Schwadron nach Briare am 25. Dez. 1870
Gefr. Christoph Conr. Ant. Groh aus Nieder- Rosbach,
vermißt. Chevauxleger Ludwig Nickel aus Emrich(in Preußen),
vermißt. 5 Heinr. Jos. Huster aus Gonsenheim, schw. v., Schuß
durch den Rücken, liegt in Briare. a Carl Bitz aus Kostheim, schw. v., Schuß durch die „Fr.
Brust, am 25. Dez. zu Briare gestorben.
— Wie ein hiesiger Correspondent der Ztg.“ aus zuverlässiger Quelle vernimmt, soll von preußischer Seite das großh. Kriegsministerium kürzlich dahin informirt worden sein, daß die im Kriege gegen Frankreich erbeuteten Trophäen, gleichviel welcher Gattung dieselben angehören, alsbald nach Friedensschluß an die einzelnen Staaten des künftigen deutschen Reichs nach Maßgabe ihrer Bevölkerungszahl zur Vertheilung lommen würden.— Unter Zugrundlegung dieses Maßstabes würden auf das Großherzogthum Hessen, das an der Bevölkerung des neuen Deutschlands im Gesammtbetrag von etwa 38½ Mill Köpfen mit 823,138 Köpfen participirt, 2,14 Proz., auf die Staaten Norddeutschlands, Preußen, Sachsen ꝛc. 76,96, auf Bayern 12,54, auf Würtemberg 4,63 und auf Baden 3,73 Proz. der erbeuteten Adler, Standarten, Geschützen, Gewehre ic. kommen.
— Wie die„H. V.“ aus guter Quelle ver- nehmen, hat das Großherzogl. Kriegsministerium neuerdings wiederum die Beschaffung einer großen Quantität wollener Bekleidungsstücke für die Diviston, bestehend in 10,000 Paar Socken, 5000 wollenen Hemden und 5000 Leibbinden, in Auftrag gegeben.
Preußen. Berlin. Einer Bekanntmachung des Ministeriums des Innern vom 3. Januar zufolge sind in der ganzen preußischen Monarchie die Wählerlisten zu den bevorstehenden Reichstags ⸗ wahlen vom 19. Januar ab auszulegen. Da hiernach die Offenlegung bis zum 16. Februar zu dauern hat, werden die Wahlen einige Tage nach diesem Termin stattfinden können.
Königsberg. Nach einer Verordnung des Kriegsministeriums sollen sämmtliche kriegs⸗ gefangene Ossiziere des Garibaldi'schen Corps hierher nach Königsberg gebracht werden. Aus⸗ drücklich ist jedoch bestimmt, daß nur die Fran- zosen diejenigen Vergünstigungen genießen sollen, welche den übrigen Offizieren gewährt sind, alle anderen dagegen, als Italiener, Spanier, Griechen, Polen ic. in der Kaserne Haberberg unter strenger Beaufsichtigung internirt werden.
Hofgeismar. Im benachbarten Beberbeck sollen an 1000 französische Kriegsgefangene unter- gebracht werden, zu welchem Zwecke einer der großen Gestüteställe entsprechend eingerichtet wird, welche Arbeiten binnen 14 Tagen beendet sein müssen..
Frankfurt. Ein Versailler Correspondent be⸗ richtet der„Allg. Ztg.“ als angebliche Thatsache, daß von dem Magistrat unserer Stadt in der Krönungsaffaire eine Adresse an den König ge- richtet worden. Der Correspondent will nicht bestimmt aussprechen, ob Frankfurt eine direkte Bitte vorgebracht, oder die bevorstehende Krö⸗ nungsfeierlichkeit nur im Allgemeinen berührt hat. Schließlich meint der Berichterstatter, das Züng⸗ lein an der Waage der letzten Entscheidung scheine unentschlossen nur noch zwischen Berlin und Frank- furt hin⸗ und herzuschwanken.
Mainz. Nachdem in den Gemeinden Weisenau und Mombach die großartigsten Diebstähle an
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Doch auch die kleineren
Militäreffetten, vorzugsweise aus Chassepots be⸗


