riums Unterhandlungen gepflogen werden und die⸗ selben einen günstigen Verlauf zu nehmen scheinen.
— Das russische Cabinet hat sich beeilt, durch seinen Vertreter die Circulardepesche Andrassy's mit einer besonders sympathischen Kundgebung zu beantworten.
Schweiz. Bern. Der Nationalrath ge⸗ währleistete bei der fortgesetzten Berathung über die Revision der Bundesverfassung in dem die Religion betreffenden Artikel Glaubens- und Ge— wissensfreiheit. Niemand soll wegen Glaubens- ansichten in Ausübung politischer und bürgerlicher Rechte beschränkt und Niemand zur Vornahme religiöser Handlungen verhalten oder wegen Unter- lassung derselben bestraft werden. Für eigentliche Cultuszwecke sollen nur Angehörige einer Reli gionsgenossenschaft besteuert werden. Glaubens- ansichten entbinden nicht von der Erfüllung der Bürgerpflichten.
Frankreich. Paris. Die Nachricht be⸗ treffs Modification des Cabinets wird dementirt. — In der letzten Sitzung der Akademie der Wissenschaften wurde die Aufnahme Emile Olli⸗ viers um ein Jahr verschoben.
— Vor einigen Tagen wurden zwei Indivi⸗ duen erschossen, welche einen deutschen Soldaten bei Aix ermordet und eine Anzahl Pferde ge⸗ stohlen hatten. Die Execution fand zwischen Cer⸗ nay und Berru statt, wohin die Verurtheilten in Wagen gebracht wurden. Ein Geistlicher begleitete dieselben. Sie starben ziemlich gefaßt. Nach der Execution wurden sie von den Soldaten begraben.
— Wie verlautet, wird die Frage Betreffs der communistischen Gefangenen gleich nach der Eröffnung der Session vor die Kammer gebracht werden. Die Regierung theilt die 20,000 Ge⸗ fangenen, die jetzt alle verhört worden sind, in zwei Kategorien. Die erste umfaßt die Gefange⸗ nen, welche gemeiner Verbrechen angeklagt sind. Es sind deren ungefähr 3000. Dieselben sollen obne Urtbeil deportirt werden. Die übrigen 17,000 sollen unter Beobachtung gewisser Vor⸗ sichtsmaßrezeln in Freiheit gesetzt werden. Als Deportationsort ist Neu⸗Caledonien festgesetzt. Den Deportirten soll gestattet werden, ihre Frauen und Kinder mitzunehmen. Der Transport eines jeden Deportirten wird allein 1000 Fr. kosten.
— Der nene Botschafter für Berlin, Marquis v. Gontaut⸗Biron, reist am Sonntag nach Berlin ab; man erwartet vorher die Nachricht von der ofsitiellen Ernennung des Grafen Arnim zum Ge⸗ sandten bei der Republik.— Heute Morgen sind die Verkaufsläden des Louvre, die„Maison de nouveautés“, abgebrannt; das Feuer entstand durch Unvorsichtigkeit.
— Die Untersuchungscommission über die Capitulationen hat so gravirende Documente gegen Bazaine in Händen, daß derselbe vor ein Kriegs ⸗ gericht gestellt werden wird.
Bersailles. In der Rationalversammlung wurde bei der Wahl des Präsidialbüreaus Grövz mit 511 von 521 Stimmen zum Präsidenten wiedergewählt. Desgleichen erfolgte die Wieder- wahl der früheren Vicepräsidenten und Secretäre.
Bersailles. In der Nationalversammlung wurde in Gegenwart der Prinzen von Orleans die Tagesordnung über die Petition bezüglich Rückerstattung ihrer Güter votirt. Bocher, ihr Vertrauensmann, war Referent. Die Prinzen dürften momentan davon abstehen, in der Kammrr ihre Sitze einzunehmen..
Belgien. Brüssel. Wie in parlamenta⸗ rischen Kreisen verlautet, haben sich die Unter⸗ hendlungen mit den zuletzt für die Ministerporte⸗ stuilles genannten Personen zerschlagen und ist gegenwärtig von folgender Combination die Rede: Graf de Theux Minister ohne Portefeuille, raf d'Aepremont- Lunden Minister des Auswärtigen, Delcour Ninifser des Innern, Malou Finanz⸗ wisister, Laubries Justizminister, Monchtur öffent. liche Arbeiten, Guillaume Kriegsminister. Dieses Cabinet enthält kein Mitglied der katholischen
Reformpartei. Demnach steht eine rein clericale Politik zu erwarten. 0 Italien. Rom. Die italienische Regie-
rung schenkte dem Papste eine aufgefundene Biblio⸗
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Mainzerin statt.
thek geistlicher Bücher im Werthe von fünfzig⸗ tausend Lire. Der Papst nahm das Geschenk an.
Amerika. Die Stände der Provinz Rio baben den Schulzwang für Kinder vom 7. bis zum 14. Lebensjahre eingeführt. Arme Kinder sollen überdies auf Kosten der Provinz anständig gekleidet werden. Aus allen Theilen des Landes kommen deshalb Anerkennungsadressen an die
Versammlung.
Afrika. Aus Massowah und Jiddah in Abessinien sind Gerüchte nach Aegyplen gedrungen, denen zufolge Fürst Kassar von Tigté die römisch⸗ katholischen Missionäre auf seinem Gebiete miß⸗ handelt.
1 Friedberg. Am 8. Dezember Morgens 7 Uhr zeigte das Thermometer unter 11 Grad Kälte.
Frankfurt. In der Sitzung des landwirthschaft⸗ lichen Monatsclubs, dem wieder viele Mitglieder beige⸗ treten sind, hielt Hr. Dr. Schulze einen Vortrag über die Frage: Welcher Handelsartikel liefert bei der Fütterung für Rindvieb am billigsten das Fett, welches bekanntlich in den zugänglichsten Futtermitteln nur ungenügend vor— handen ist. Redner empfahl mehr den indirecten Weg der Anschaffung durch Zukauf von gewerblichen Abfällen, von feithaltenden Fabrikationsrückständen, als den directen der Verfütterung von Felt selbst. Ueber die Versälschung der zur Verfütterung bestimmten zͤlhaltigen Kuchen wurde heftige Klage Seilens der Landwirthe geführt.— In der⸗ selben Sitzung wurden die Mitglieder des Clubs aufge⸗ fordert, sich an der neuen lanbwirthschaftlichen Credilbank als Actionäre zu betheiligen und dadurch der Landwirth⸗ schaft diejenigen Ersolge zu sichern, welche man bei der Gründung im Auge hatte.
Frankfurt. Drei Dienstmädchen versäumten beim Schlafengehen die in ihrem Zimmer befindliche Petroleum- lampe zu löschen, schraubten dieselbe vielmehr ganz klein. Im Laufe der Nacht verbreitete dieselbe einen solchen Rauch, daß die Mädchen nur einem Zufall ihr Leben verdankten, indem das eine noch soviel Geistesgegenwart balte, daß es schnell ein Fenster aufeiß und so frische Luft ein— strömen ließ, während die beiden anderen in bewußtlosem Zustande verblieben und erst durch ärztliche Hülfe wieder zu sich gebracht werden konnten und noch den ganzen Tag über die Nachwirkung der Betäubung verspürten.
Darmstadt. Nach dem Blumenthal'schen Projici werden 10 neue Straßen angelegt und erhalten die Häuserreihen von 5 Straßen Vorgärten. Der neue Stadt— theil erhält 3 freie Plätze, wovon der größte, ohnweit der Gas fabrik. 1¾ Morgen ausmißt.
Darmstadt. Das Bezilksstraf gericht verurtheilte einen Schriftsetzer, der sich in angetrunkenem Zustande im Wirths haus eine gröbliche Beleidigung der Person unseres Groß berzogs beikommen ließ und von einem Gendarmen deß⸗ wegen zur Anzeige gebracht wurde, zu 2 Monat 8 Tage Gefängniß verurtheil.
Aus Hessen. Der„D. Zig.“ wird geschrieben: m 22. Nov. starb zu Rodau im Kreise Dieburg ein Ehepaar, Johann Philipp Schellbaas II. und dessen Ehefrau, in einer und derselben Stunde zwischen 2 und 3 Uhr Nach⸗ mittags. Beide waren fast gleichalterig, der Mann 357 Jahre 4 Monate 21 Tage und die Frau 57 Jahre 5 Monate und 26 Tage alt. Die Frau war schon länger krank gewesen, durch deren Pflegen, namentlich Nachti⸗ wachen, erkrankte auch der Mann und Beiden ward das schon in den äliesten Sagen hochgepriesene Glück zu Theil in berselben Stunde aus dem Leben abgerufen zu werden.
Falkengesäß(bess. Odenwald). Am 4. Dec. früh gegen ½¼6 Uhr nahm man in hiesiger Gegend ein Erd— beben wahr, auf das bald nachher ein Schneegestöber folgte.
Mainz. Bis jetzt hat die Nachricht über Ver schüt⸗ tung eines Hauptschachies im Essener Revier keinerlei Bestätigung gefunden und es wird die von Köln aus ver⸗ breitete Nachricht auf einen einfachen Einsturz des Ein⸗ baues eines Förderungsschachtes zurückgeführt.
Mainz. Die hiesigen Weingroßhändler, die Bier⸗ probucenten u. s. w. haben beschlossen, von Neujahr ab die Preise pro 100 und 1000 Litres zu notiren. Mainz. Dieser Tage fand in der St. Quintins⸗ lurche die Trauung eines französischen Offiziers mit einer Derselbe halte bei seiner Gefangenschaft bier Gelegenheit Eroberungen zu machen, welche jetzt vor dem Altare gekrönt wurden. Der Neuvermählte wurde kürzlich zum Adjutant Thiers ernannt..
Karlsruhe. Zwei preußische Offiziere, welche sich einen Exceß gegen die hiesige Polizeimannschaft zu Schulden kommen ließen, wurden je zu 9 Monaten Festungsstrase verurtheilt. Das Urtheil harrt noch der Bestätigung det Kaisers. Auf den Spruch des Militärgerichts wird noch ein solcher von Seiten des Ehrengerichts folgen.
— Die hiesige Strafkammer hat einen Apothekerlehrling, welcher im August d. J. zu Bruchsal das Recept für einen kranken 8 jährigen Knaben statl mit Chinin mit Morphium(0,74 Gramm) präparirte, woran der betref⸗ sende Knabe auch starb, zu einer in Rastalt zu erstehenden Kreisgefängnißstrafe von 4 Wochen verurtheilt.
Aus Würtemberg wird gemeldet, daß man in Giengen g. Bi. am Sonntag 20 Grab Kälte hatte und daß in der Nähe dieses Ortes zwei Menschen, ein Vater mit seinem fünfjährigen Söhnchen, erfroten
aufgefunden worden sind.
Zur Oetroifrage der Stadt Friedberg. I.
Ein diese Frage in Nr. 140 b. Bl. besprechenbes „Eingesandt“ macht darauf aufmerksam, daß der Gemeinbe⸗ calh in den nächsten Tagen über Beibehaltung ober Ab⸗ schaffung des bestehenden Octrois zu enlscheiden haben werde, und scheint basselbe zunächst den Zweck zu haben, auf die Entscheidung dieser, von einer Anzahl betheiligten Gewerbsleute in Form einer Beschwerde vor den Ge meinberath gebrachten Angelegenheit, mehr oder minder einen Einfluß zu Gunsten der Antragsteller auszuüben, und wird, was der Einsender zu diesem Behufe vom volkswirth⸗ schaftlichen Standpunkt aus über den Gegenstand sagt, vorerst unerörtert bleiben, vielmehr sosort zur privatrecht⸗ lichen Seite der Frage, als der en tscheide nden, über⸗ gegangen werden können.
Diese besteht aber darin, daß die Stadt, d. h. die steuerpflichtigen und zahlenden Einwohner derselben dat Recht haben, von den Bäckern, Mehlhändlern ꝛc. bie in Frage stehende Abgabe zu beziehen, und daß, wenn diese Abgabe, welche einen nicht unansehnlichen Theil des ständigen städtischen Einkommens ausmacht, aufgehoben wird, die sämmtlichen steuerpflichtigen Einwohner der Stadt diesen Ausfall durch erhöhte Communalbeiträge werden decken müssen, ohne daß deßhalb der Laib Brod oder das Gescheid Mehl auch nur um einen Pfifferling wohlfeiler würde. 8
Die einseitige oder unentgeltliche Aufhebung dieser Berechtigung zu wollen, ist darum, genau genommen, gerade so ungereimt, als wenn die Besitzer von Grund⸗ stücken, welche z. B. mit einem Zehnten oder dergl. be⸗ laste; sind, verlangen wollten, es sollten ihnen diese Lasten abgenommen und auf die übrigen unbelasteten Grundbe⸗ sitzer ausgeschlagen werden, und dürfte, so lange nicht anderweitige Deckung des entstehenden Aussfalles nachgewiesen wird, der Gemeinderath den an ihn gestellten Antrag wohl in Erwägung zu ziehen haben, bevor er eine von den Vorfabren überkommene Berechtigung seiner Mit⸗ bürger so kurzer Hand aufhebt.—
N. Frankreich eine Freistätte für Meuchelmörder!
Ein Schrei der Entrüstung, des allertiefsten Abscheues durchzittert das ganze deutsche Volk und die ganze deutsche Presse. Meuchelmord! Dieses schreckliche Wort bezeichnet ja noch nicht vollständig die Schandthaten der Schandbuben in Frankreich, welche um 2 Litres Wein wetten, den ersten besten Deutschen, der ihnen begegnet, um⸗ bringen zu wollen, und dieses, was man nicht für Menschen möglich halten kann, auch ausführen. Ja,„Meuchelmörder“ genügt für solche Menschen nicht. Es sind Bestien in Menschengestalt. Armes Frankreich, wie bist Du so tief gesunken! Jeu bestialischen Mordthaten werden sich schrecklich an Deinen Kindern rächen.
Folgende Zeilen entnehmen wir einer größeren deutschen Zeitung, um uns denselben anzuschließen:
Der Meuchelmord eines schuldlosen Thüringers ist neuerdings in Paris nicht nur in der frevel⸗ haftesten Weise— eingestandenermaßen aus keinem anderen Grunde, als weil er ein Deutscher war — verübt, sondern auch in feierlicher Ge. richtssitzung als eine„That der heißesten Vaterlandsliebe“ gerühmt, von den Geschworenen als solche anerkannt und für straflos erklärt worden. Es ist das ein Ereigniß von unberechenbarer Tragweite. Zunächst ist es einleuchtend, daß Deutschland seine Bürger gegen solche ehrlose Ge⸗ sellen und Meuchelmörder wirksam schützen muß, wo es auch sei. Wir zweifeln daher keinen Augen⸗ blick daran, daß Fürst Bismarck bereits die er⸗ forderlichen Schritte gethan haben wird, um eine befriedigende nA e zu erwirken; aber auch das deutsche Volk darf nicht ruhig zusehen, wenn
nicht allein Hab und Gut, sondern auch Leib und
Leben seiner Brüder von einer ruchlosen Mörder⸗
bande täglich bedroht und deren Launen preiege· geben ist. „Gerechtigkeit erhöht ein Volk!“
Das ist ein alter Wahrspruch, der sich immerdar bewähren wird. Auch hat das Jahr 1870 ge⸗ zeigt, daß nicht minder die zweite Hälfte desselben: „aber die Sünde istber Leute Verderben!“ keine bloße Redensart ist, sondern ein Wahrspruch der ewigen Gerechtigkeit, der sich an den Fran- zosen bereits vollzogen hat, und wenn sie, wie man sieht, in ihrem wahnstnnigen Gebahren öe⸗ harren, mehr und mehr vollziehen wird. Wir Deutschen können ihnen begreiflicherweise auf diesem verderbenbringenden Wege nicht folgen. Wir werden selbst das bei rohen und verwilderten
Völkern im Nothfalle allerdings unvermeidliche
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