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— 6. Juni. Reichstag. Bei Fortsetzung der zweiten Berathung des Militär ⸗Pensionsgesetzes wurden die§§. 39— 48 wiederum mit einigen Modisicationen angenommen, wobei indeß die Ab- stimmung über§. 44 ausgesetzt wurde. Die ein⸗ gebrachten Amendements bezwecken keine principielle Aenderung der Vorlage, sondern nur Aufbesserungen im Einzelnen, damit das Gesetz nicht gefährdet werde. Man ist so sehr auf das Zustandekommen desselben bedacht, daß man gern von weitgreifen⸗ den Correctiven absieht.
— Die Enthüllung des Denkmals Könige Friedrich Wilhelm III. soll am 16. d. in unmittel- barem Anschluß an den festlichen Einzug der sieg- reichen Truppen stattfinden.
— Wie der Wiener„Presse“ von hier tele— graphirt wird, soll es sich bestätigen, daß der Herzog Wilhelm von Braunschweig mit der be— dingungsweisen Zustimmung des Kaisers Wilhelm den Kronprinzen Ernst An gust von Hannover zu seinem Nachfolger, bezw. Mitregenten bestellen will.— Als Curiosum theilt die„B. u. H.⸗Ztg.“ mit, daß an das Polizeipräsidium die Anfrage gerichtet worden ist: ob es 800 Deutschen, die in Ungarn leben, gestattet sein würde, an den Ein- zugsfeierlichkeiten Theil zu nehmen. Bejahenden— falls wollen sie mit einer Zigeuner-Musikbande von 50 Mann im Nationalcostüm dem Siegerzuge sich anschließen.
Köln. Seit dem 4. d. hat der Rücktrans⸗ port der Truppen in großartigem Maßstabe seinen Anfang genommen. Täglich passiren bis zum 12. d. sechs Militärzüge unsere Stadt.
Bad Homburg. Der hiesige Gemeinderath hat mit Stimmeneinheit beschlossen, höheren Orts alle geeigneten Schritte zu thun, um eine Ver⸗— längerung des Spiels herbeizuführen. Mit der Ausführung derselben wurde der Bürgermeister Schleußner betraut.
Frankfurt. Am Samstag ist Graf Arnim mit dem Legationsrath Grafen v. Wartensleben in unstrer Stadt eingetroffen, um mit den fran zösischen Bevollmächtigten, den Herren Leclere und Goulard, die bereits an der Unterzeichnung des Friedenstractats theilnahmen, noch weiter zu con- feriren. Wie wir vernehmen, werden die Herren bis Ende dieser Woche hier berathen. Bis jetzt baben täglich Besprechungen stattgefunden.
München. Gutem Vernehmen nach wird der König dieses Jahr an der Frohnleichnams- prrcesston nicht Theil nehmen.
— Die 1. Division des 1. bayerischen Armee⸗ torps wird am 6. d. in drei Colonnen von Paris abrücken und am 30. Juni in Saarbrücken an⸗ langen.
— Während der letzten Kämpfe zwischen den Insurgenten und Regierungstruppen vor Paris sind 4 auf Vorposten befindliche bayerische Soldaten verwundet und 1 getödtet worden.
Mannheim. Zwischen Bevollmächtigten der Regierungen von Baden und Hessen wurden dahier Verhandlungen eröffnet über den Bau der sog. Riedbahn, von hier nach Darmstadt, im An- schluß an die Bahn zwischen Worms und Darm— stadt. Man hofft, daß diese Verhandlungen zu einem baldigen und gänstigen Resultate führen werden, und daß es möglich sei, die für den hie⸗ sigen Platz so wichtige Bahn bald in Angriff nehmen zu können.
Straßburg. Wie die„Straßb. Ztg.“ mel⸗ det, werden nach Verfügung des Reichskanzlers die in Straßburg von Frankreich ausgezahlten 40 Millionen Francs zur Deckung der Kriegsschaden in Elsaß Lothringen in der Art verwendet, daß diese Summe auf die verschiedenen betheiligten Städte nach Maßgabe des erlittenen Schadens vertheilt wird.
Ausland.
Oesterreich. Wien, 5. Juni. Ein Tele⸗ gramm der„Wiener Abendpost“ aus Bukarest vom 4. d. meldet, daß die Kammer an diesem Tage von dem Fürsten eröffnet wurde, welcher bei seinem Er- scheinen begeistert begrüßt worden ist. Die Thron⸗ rede wurde häufig von Beifall unterbrochen.
Frankreich. Paris, 5. Juni. Der Fremdenzufluß ist enorm; seit heute Morgen sind mehr als 400,000 Personen mit den Eisenbahnen angekommen. Das Haus Rotbschild bat feine Bureaux wieder eröffnet, nachdem seine Chefs an⸗ gelangt sind.
— Nach dem„Gaulois“ beträgt dei Anzahl der Geschütze, die im Besitz der Commune waren, wenigstens 2500 und die Zahl der abgenommenen Gewehre übersteigt 500,000 worunter 60,000 Chassepots und 200,000 in sogenannte Tabatieres umgewandelte Gewehre. Die schöne Waffensamm⸗ lung von Vincennes ist gänzlich geplündert worden. Von den 50,000 in diesem Arsenal befindlichen Waffen haben die Kommunler nur etwa 1000 Kavalleriesäbel zurückgelassen. Der Verlust dieser Sammlung ist sehr bedauerlich, denn sie enthielt alle Modelle der in Frankreich in Gebrauch ge⸗ wesenen Feuerwaffen.
— Aus Details, welche über die Ermordung des Erzbischofs und anderer Geißeln erzählt werden, ist noch zu entnehmen, daß man dem erschossenen Monsignor Darboy den Finger abgeschnitten, an dem er seinen bischöflichen Ring trug und sich desselben bemächtigt hat. Man nahm von dem Todten außerdem 900 Fr. und seine Uhr.
Versailles, 4. Juni. Paschal Grousset ist gestern in Paris verhaftet worden. Man forscht eifrig nach Pyat, welcher Paris wahrscheinlich gar nicht verlassen hat. Man bestätigt, daß morgen in der Nationalversammlung ein Antrag auf Verlängerung der Vollmachten Thiers' gestellt werden wird.
— Das Journal„Frangais“ sagt bei Be⸗ sprechung der gegenwärtig schwebenden parlamen— tarischen Fragen: Das einfachste Mittel, um zu verhindern, daß die Motive irrig gedeutet würden, welche die Nationalversammlung veranlassen, die Wahl der Prinzen von Orleans gültig zu erklären und das Ausweisungsgesetz aufzuheben, würde sein — wenn die Nationalversammlung nochmals aus- drücklich sich zu den Grundsätzen bekennte, welche in dem Programm von Bordeaux ausgedrückt sind.
— Die Gesammtzahl der Gefangenen, welche den Föderirten in der Woche vom 21. zum 28. Mai abgenommen wurden, beträgt 29,000 und die der getödteten oder füstlirten Nationalgarden wird auf 14,000 veranschlagt. Die Verluste der Regie- rungsarmee sind natürlich ungleich geringer; doch fehlt es zu ihrer Schätzung noch an sicheren An— haltspunkten.
— Die preußische Garde, 8000 Mann stark, ist von St. Denis ausgerückt, 6000 Mann In- santerie werden an ihrer Stelle einrücken. Die Deutschen ziehen sich jetzt allmählich heimwärts zurück. Viele der Einwohner von St. Denis tranken mit den preußischen Soldaten, die sehr froh sind, die Heimath wiederzusehen, auf den Abschied.
— Auf den General Ladmirault wurde schon zum dritten oder vierten Male seit dem Eindringen seiner Truppen geschossen. Der General blieb unverletzt.
— 5. Juni. In der Nationalversammlung steht auf der Tagesordnung die Prüfung der Wahl der Prinzen aus dem Hause Orleans. Thiers ergreift das Wort und erklärt: Ich habe mehrere Stunden in der Commission zugebracht. Dieselbe hat mit mir die Unmöglichkeit erkannt, schon heute über eine Frage zu entscheiden, welche eine so schwere Verantwortlichkeit im Gefolge hat. Eine neue Commissionsberathung wird nöthig sein, um uns zu verständigen, wenn wir dies überhaupt können. Ich habe verlangt, daß die Commission die Arbeit nicht beeile, denn ich bin sehr leidend.“ Thiers verlangt Vertagung der Discussion auf nächsten Donnerstag und fügt hinzu, die Commission glaube, daß über die Gültigkeitserklärung der Wahl der Prinzen von Orleans und die Aufhebung des Exil⸗ gesetzes gleichzeitig Beschluß gefaßt werden müsse. Tie Versammlung beschließt, die Berathung auf nächsten Donnerstag zu verschieben.
— 6. Juni. Das„Journal officiel“ ver⸗ öffentlicht die Ernennung Lambrecht's zum Minister des Innern, Lefranc's zum Minister des Acker baues,
zum Seinepräfecten.
Prinzen von Orleans, welchen man das Versprechen abverlangt habe, nach der Gültigkeitserklärung ihrer Wahlen ihre Entlassung zu geben— wird in parlamentarischen Kreisen für unbegründet erklärt. Die Linke, sowie das Centrum, sind nach wie vor entschlossen, die Verlängerung der Vollmachten Thiers' auf 2 Jahre zu beantragen, damit dem Lande diejenigen Bürgschaften der Dauerhaftigkeit gegeben würden, ohne welche die handeltreibenden und Finanzmänner kein größeres Geschöft zu un ⸗ ternehmen wagten. Man zweifelt nicht, daß die Majorität der Nationalversammlung die Verlänge- rung genehmigen wird.
Friedberg. Die Temperatur ist seit einigen Tagen auch dei uns eine ganz abnorme. Das Thermemeler zeigte an mehreren Morgen nur 5—6 Grad Wärme und in vielen Häusern sind geheizte Zimmer zu finden.
Gießen, 26. Mai. Die Sitzungen des Schwurgerichls vom III. Quartal l. J. werden Montag den 3. Juli, Vormittags 9 Uhr, unter dem Vorsitze des zum Präsi⸗ denten des Schwurgerichtshofs bestimmten Großherzog⸗ lichen Hofgerichtsraths Herrn Hoffmann beziebungsweise des zu dessen Stellvertreter ernannten Großherzoglichen Hofgerichtsraths Herrn Dr. Bindewald eröffnet werden und es sind demzufolge in der heute made e öffent⸗ lichen Sitzung Großherzoglichen Hofgerichts dahier die Haupt⸗Geschworenen in folgender Reihenfolge ausgeloost worden. 1) Dr. Wilhelm Diehl, Gymnastallehrer in Gießen.— 2) Bernhard Schwarz, Fabrikant in Reichels⸗ beim.— 3) Wllhelm Leo Vogt, Landwirth daselbst.— 4) Joseph Eulau, Fruchthändler in Bübingen. 5) Eduard Trapp IV. Hofgerichts⸗Advocat in Friedberg. 6) Heinrich Thylmann, Landwirth in Altenstadt.— 7) Johann Jacob Schuch, Müller in Ilbenstadt.— 8) C. Wernhard Dietz, Hauptagent in Gießen.— 9) Friedrich Hast, Müller in Rimbach.— 10) Dr. August Trapp, Fabrikant in Friedberg.— 11) Dr. Paul Gordan, Pro⸗ sessor in Gießen.— 12) Karl Kaufmann, Tuch⸗ und Eisenwaarenhändler in Schotten.— 13) Johannes Walz III., Gastwirth in Friedderg.— 14) Ludwig Frey, Müller in Lollar.— 15) Heinrich Hansel V., Landwirth in Dir⸗
— 17) Heinrich Kraft II., Pachter in Düdelsheim.— 18) Georg Rasch, Schildwirth in Freien⸗Steinau.— 19) Karl Ebel II., Weinhändler in Gießen.— 20) Dr. Franz Eckstein, Hofgerichts⸗Advocat daselbst.— 21) Isaac Grünebaum, Fruchthändler in Bindsachsen.— 22) Jean Bach, Pachter in Mittel⸗Gründau.— 23) Friedrich Koch, Pachier in Eckardtshausen.— 24) Philipp Görlach IV., Bürgermeister in Eberstadt.— 25) Andreas Gemmer II., Bürgermeister in Zell.— 26) Heinrich Carls, Bürger⸗ meister in Ruppertenrod.— 27) Bernhard Schaum, Sammtealh in Lauterbach.— 28) Johannes Specht, Bürgermeister in Heidelbach.— 29) Friedrich Fink, Branntweinhändler in Lauterbach.— 30) Johann Conrad Brückmann, Oekonom in Dortelweil.
Frankfurt. Der„Frankfurter Hauptverein für Verwundete und Nothleidende am Kriegssckauplatze“ hat während des Krieges 68 größere und 72 kleinere Expe⸗ ditionen unternommen. Der Werth der ihm gespendeien Naturalbeitträge an Lebensmitteln, Medicamenten berech⸗ nei sich auf 45— 55,000 fl., die Gesammteinnahme auf 102,651 fl. 26 kr. Der Rest der Naturalien und der
Cassabestand von 1073 fl. 19 kr. wurde an nothleidende Orischaften in Elsaß⸗Lothringen gesandt. Außer den Samm⸗ lungen für ganz spezielle Zwecke(Bilsch, Straßurg, Pfalz⸗ burg, gingen den Vereinen, welche sich mit dem Dienst der freiwilligen Krankenpflege, der Unterstützung von Ver⸗ wundeten und Nothleidenden, der Unterstützung der Hin⸗ terlassenen ꝛc. beschäftigten, etwas über 350,000 fl. in Baar zu. Die Geschenke an Victualien, Verbandzeug, Kleidern, Medicamenten, Wein, Bier, Schnaps, Cigarren ꝛc. ꝛc., sind, da darüber keine Statistik geführt wurde, nicht ge⸗ nau zu schätzen; doch dürften dieselben ebenfalls eine Summe von 200,000 fl. repräsentiren.
Darmstadt. Die Nr. 22 der Zeitschrift für die landwlrthschaftlichen Vereine des Großberzogthums Hessen veröffentlicht die Ernennung des Professors an dem Poly⸗ lechnikum in Zürich Dr. August Krämer zum Ehrenmit⸗ gliede der Vereine des Landes.
Hahnheim in Rheinhessen. Vor einem Jahre ließ ein hiesiger Landwirth ein Grundstück, nahe an dem Orte, mehrere Fuß tief abtragen. Man stieß bei dieser Arbeit auf einen früheren Begräbnißplatz und fand bei den Todlengerippen verschiedene Waffenstücke, Metallstücke, Perlen, Urnen u. s. w. Dieses Jahr fand man wieder bei derselben Arbeit Gräberrethen und in diesen zwei Schwerter, eine Lanze, verschiedene größere, mii vielen Verzierungen versehene Urnen und bis jetzt nur eine Silbermünze. Die Taglöhner und Knechte bei dieser Arbeit kümmern sich weniger um diese Dinge, sie zerschlagen oft die schönsten Sachen und glauben, nur Geld oder Geldeswerth suchen zu sollen. Würde die Arbeit behutsam oder von Sach⸗ kennern vorgenommen, so würde jedenfalls mehr gefunden und das Gefundene besser erhalten bleiben. Was die
Generals Cissy zum Kriegsminister, Generals Leflo
einzige bis jetzt gefundene Silbermünze angeht, so bat dieselbe eine länglich runde Form, und ist Form und
zum Botschafter in Petersburg und Leon Say's — Die Zeitungenachricht, daß der Antrag aufVer⸗
längerung der Vollmachten Thiers' vertagt sei,— wie man versicherte, in Folge von Unterhandlungen mit den
lammen.— 16) Karl Hölzinger II., Bäcker in Büdingen.


