Ausgabe 
5.1.1871
 
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8 f K N f 12 N. die Schienen abgerissen und sodann so locker

wieder aufgelegt wurden, daß man die Zerstörung nicht seben konnte. Es geschah dies auch wieder am 24. Dez. bei Bricon, nicht weit von hier, wobei ein ganzer Militärzug mit 500 Mann aus dem Geleise gerieth. Kaum war dies geschehen, als ein im Walde verborgener Haufen von Frank⸗ tireurs herbeistürzte, um die Soldaten gefangen zu nehmen. Glücklicher Weise hatten die braven Landwehrmänner weiter keinen Schaden gelikten, sammelten sich schnell und empfingen die anstür⸗ menden Franktireurs nun mit einigen so wohl gezielten Salven, daß diese schnell mit Hinterlassung von Todten und Verwundeten die Flucht ergriffen.

Der Straßburger Zeitung wird von einem Manne, der von Lpon zurückgekehrt, berichtet, Schnee liege daselbst weit mehr, als hier, und es sei schon mehrmals vorgekommen, daß man in den Straßen der Stadt erfrorene Soldaken gefunden habe.

Pruntrut. Am 1. Januar fand bei Abbe villiers und Croix(südlich von Delle dei Heri⸗ montourt an der Schweizer Gränze) ein Kampf zwischen französischen und deutschen Truppen statt. Die Frauzosen zogen sich zurück. Vom Corps der Vengeurs wurden 200 Mann von Schweizertruppen gefangen genommen. Dieselben übernachteten hier. Am 2. Januar große Schlacht bei Delle. Das Gros der Schweizertruppen stand bei Boncourt. Verwundete wurden nach Pruntrut gebracht.

In Belfort wurde von den Franzosen am 25. Dez. ein Pulvermagazin in die Luft ge⸗ schossen, bei welcher Gelegenheit mehrere bayerische Artilleristen verwundet oder getödtet wurden.

Bern. Laut neuestem Bericht aus Pruntrut hat der Commandant der Belagerungstruppen bei Belfort den freien Durchpaß der Weiber, Kinder und Greise aus der Festung bewilligt. Es soll sich nur noch um die Feststellung des Tages handeln.

Hessen. Darmstadt. Man erwartet, daß die zweite Kammer gegen Mitte diefes Monats wieder zusammentreten wird.

Friedberg. Die hessische Diviston ist nicht, wie auch wir nach demFr. J. gemeldet, dem Verbande des achten Armee⸗Corps zugetheilt worden, sondern sie wurde, nachdem sie vorüber⸗ gehend dem 13. Armee ⸗Corps attachirt gewesen, wieder dem 9. Armee-Corps(v. Manstein) zugewie⸗ sen. Mit Bezug auf die richtige Adresstrung der Feld⸗ postsendungen ist diese Berichtigung von Wichtigkeit.

Mainz. Nach demF. J. bat der letzte Monat eine etwas größere Sterblichkeit unter deu französischen Gefangenen, nämlich 251 Ge⸗ storbene, aufzuzeigen; sie betrug vorher ½, jetzt 5 Procent. Die Keime zu diesem unerfreulichen Zustand müssen unter den Gefangenen selbst ge sucht werden, und werden von denselben meistens schon vom Felde miteingeschleppt. Der beste Be⸗ weis für die Vorzüglichkeit der hiesigen Einrichtungen und jener Annahme liegt in der geringen Zahl von 29 der hier gestorbenen deutschen Soldaten, obwohl diese Todesfälle meistens in Folge schwerer Verwundungen erfolgen, wegen deren die Soldaten als nicht mehr transportsähig hier meistens zu⸗ rüdbleiben müssen.

Preußen. Berlin. Die Bildung der neu zu errichtenden Garnisonbataillone nimmt ihren ruhigen Lauf. Die Zahl der ehemaligen und aus dem Landwehr Dienstverhältniß dereits aus geschiedenen Offiziere, welche sich freiwillig zum

Eintritt melden, ist sehr bedeutend; ebenso ist die

Zahl der Freiwilligen aus dem Unteroffizierstande so bedeutend, daß der Bedarf an Offizieren bereits vollkommen gereckt ist. Ueber die Bestimmungen der Bataillone hörte dasB. C. B., daß die⸗ selben sofort nach ihrer definitiven Formation in die Festungen zul Besatzung derselden und zur Ueberwachung der französischen Kriegsgefangenen, ebenso nach deujenigen Orten hin abrücken werden, in denen Kriegsgefangene untergebracht sind. Da⸗ für werden diejenigen Landwehrtruppen, welche jetzt die Festungsbesatzung bilden, sefort auf den Kriigeschauplatz obrücken. Um nun endlich die⸗ jenigen größeren Ortschafter, welche keine Fistangen oder Gefangenen repols siud, nicht ohne Schrtz zu

sturm zu organisiren.

Inne d nd an Rm aus der aus der Lan w aut schiedenen Bür⸗ gerschaft, den alten gedienten Leuten, einen Land⸗

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Einige Fingerzeige über die bisherige Be⸗ handlung der deulschen Gefangenen in Frankreich bringt diePos. Ztg. in der Abschrift eines Briefes, den der Militärarzt Dr. Schmidt, welcher bei Patay bei Orleans in französische Gefangen⸗ schaft gerathen war, an einen in Ostrowo lebenden Verwandten geschrieben hat, mit dem Bemerken, daß man Herrn Schmidt und seinen mitgefangenen Kollegen in Orleans Uhren, Geld und Werthsachen abgenommen und nicht wieder zurückgegeben hat. Man hat also die Gefangenen ausgeplündert. Das lautet anders, als Gambetta's Tagesbefehl.

Köln. Von bier aus sind in den letzten Tagen wieder drei kriegsgefangene französische Offiziere entflohen. An den Eisenbahnen geht es wieder sehr lebhaft her, indem ältere, bereits dem Landsturm angehörende Mannschaften ein berufen wurden, um bei dem Garnisons dienst verwendet zu werden. Dagegen werden die zur Landwehr zählenden Truppen, welche bis dahin die Gefangenen bewachten und den übriten Dienst versahen, in den nächsten Tagen nach den Gränz⸗ festungen, resp. nach Frankreich ausrücken, um da als Besatzung Verwendung zu finden.

Von den in Köln internirten französischen Generalen ist einer, weil er sein Ehrenwort, nicht zu entfliehen, zurückgezogen hat, verhaftet und nach Weichselmünde abgeführt worden.

Sachsen. Dresden. Zu den trotz schriftlich gegebenen Ehrenworts von bier entflohenen fran⸗ zösischen Offizieren gehörten auch der Capitän Auberk und der Lieukenank Sengler, die sich be⸗ reits im November von hier aus dem Staube machten. Wie man hört, sind dieselben sofort nach ihrem Wiedereintreffen in Frankreich in die Loire- Armee eingetreten, neuerdings aber dort zum zweiten Male von den deutschen Truppen gefangen genommen worden.

Bayern. München. Der König hat dem Präsidenten des Reichsrathes auf dessen An⸗ zeige von dem Resultat, welches die Abstimmung des Reichsrathes über die Versailler Verträge gehabt, eine dankende Antwort zugehen lassen, in welcher der König seine Freude und Befriedigung über die Mittheilung ausdrückt.

Oesterreich. Wien. Eine Privatdepesche derBerliner Börsen⸗Zeitung meldet:Ein Ministerialerlaß untersagt den Behörden die de monstrative Begünstigung der flüchtigen französi⸗ schen Kriegsgefangenen, und ordnet für die Zu⸗ kunft die Internirung derselben an.

Schweiz Genf. Fast mit jedem Eisen⸗ bahnzug kommen Mobilgarden, sowohl Ossiziere als Soldaten, in voller Uniform aus Frankreich hier an, um sich in ihre Heimath Savopen zu begeben. Dieß zeigt, daß der Kampfesmuth und die Disz'plin nicht sehr groß bei einzelnen Corps sein müssen. Von deutschen Ausgewiesenen treffen immer noch einzelne ein, namentlich solche, welche unter der falschen Anklage der preußischen Spionage seit Manaten in französischen Gefäng⸗ nissen geschmachtet hatten.

Frankreich. Bordeaux. Aue Paris per Lustballon hier eingetroffene Nachrichten vom 30. b. Abends melten: Der Mont Avron ist gestern früh nach Fortschaffung sämmtlicher Ge schütze geräumt worden. General Trochu leitete die Operation. Die Preußen unterhielten gestern den ganzen Tag eine lebhafte Kanonade gegen die Forts von Noisy, Rosuy und Nogent. Heute ist das Feuer schmächer. Die Bevölkerung von Paris ist durch die Räumung des Mont Avron tief erschüttert. Der Thermometer zeigt 10 Grad Kälte. Die Preußen haben während der zwei Tage tirta 12,000 Projectile geworfen.

Die Regierung hat eine unter dem Titel Der Frieden erschtenene Flugschrift von Royer Lalande(?) mit Beschlag belegen lassen.

Nachrichten aus Paris vom 30. Dec. zu⸗ folge waren die dortigen Maires am 29. unter Vorsitz Favre's zu einer Bespiechung versammelt.

lassen, liegt es in der Absicht, für diese Siät te

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auf die Vertheidigung von Paris und die Haltung

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Dieselbe währte 8 Stunden und erstreckte sich

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einiger Mitglieder der. Deleacluze und seine Anhänger nul Favre und allei

Picard sehr lebhaft an, Ideen der Mäßigung überwogen(12) Die Versammlung be schränkte sich darauf, den Wunsch auszusprechen, die militärischen Operationen möchten mit größt⸗ möglichster Energie fortgesetzt werden. Die Räu⸗ mung des Mont Avron rief eine gewisse Be⸗ wegung in Paris hervor, hatte aber keine Ruhestörung oder Agitation zur Folge. Wie man versichert, wäre Malmaison durch die Geschütze des Mont Valerien zerstört worden. 1

Paris 30. Dec.(per Ballonpost). Die Regierung erklärt die Räumung des Mont Avron für eine Nothwendigkeit. Die Kälte ist sehr stark.

Lille. Lille wird in Vertheidigungszustand gesetzt. Die Einwohner verproviantiren sich für den Fall der Belagerung. Der Munitipalrath hat seinen früher schon bewilligten Credit um 300,000 Francs vermehrt. Derselbe ist dazu bestimmt, die Verproviantirung der Stadt zu vervollständigen durch Ankauf großer Getreide

mengen.

Lilte, 31. Dec. Bei Abbeville hat ein kleines Gefecht stattgefunden. Eine 1 mobilisirter Nationalgatde wurde durch die Preuße gefangen genommen. i

Der Stadt Caudeber(Dey. Seine in⸗ ferieure, Arrond Avetot) mit 2200 Einwohnern wurde preußischerseits wegen Mißhandlung von Soldaten eine Contribution von 50,000 Fraucs auferlegt.

Belgien. Brüssel, 2. Jan. DieJu- dependance meldet aus Brest vom 30. December, daß zwei Dampfer mit mehr als 12,000(7) Kisten mit Flinten und Karabinern sowie mit mehreren Millionen Patronen dort gelandet seien. Dasselbe Blatt erfährt aus Havre vom 29. Dec., daß zahlreiche Preußen zwischen Duclair und St. Paer steben und dort eine Brücke über die Seine zu schlagen versuchen, 10,000 Preußen sind bei Avetot signalisirt. Neuere Nachrichten aus Lille bestätigen die Capitulation vor Abbeville bisher nicht. Die Eisenbahnverbindungen zwischen Lille und Cambrai sind unterbrochen, wahrschein⸗

Bresiguy nach einem Kampfe mit den Mobilgarden, worin Letztere zum Rückzuge gezwungen wurden. DieIndependance belge meldet:Faid⸗ herbe gab plötzlich seine Stellung bei Vitry auf. Unter den Truppen herrscht die größte Demorali⸗ sation; 300 Mobilgardisten in der Gegend von Hazebrouck(Dep. Nord) mußten als warnendes Exempel nach Cherbourg verbracht werden.

Aus Havre wird vom 31. Dezember ge⸗ meldet: Der Marineministet detretirt die Aus- rüstung eines neuen Nordseegeschwaders unter Gueyodon mit 7 Panzerschiffen und 6 gewöhnlichen mit dem Centralpunkt in Cherbourg, ferner eines Reservegeschwaders unter Dieudonne mit 5 Panzer- schiffen und 2 gewöhnlichen mit dem Centralpunkt in Brest. Das Noroseegeschwader soll Landungs⸗ Compagnien an Bord mitnehmen.

Großbritannien. London. Aus ofsi⸗ ciösen Kreisen verlautet, daß die orientalische Conferenz bis zur Ankurft Fav. e's vertagt sei. Man hofft, daß es mittlerweile den neutralen Mächten gelingen wird, die Erweiterung der Conferenz zu einem Friedenstoncreß anzubahnen.

DieTimes meldet aus Pera vom 1. d.: Zwischen der Pforte und Aegypten sind neue Differenzen wegen der Ausführung des die Ent⸗ waffnung angeordneten Fermans entstanden.

DieTimes erfährt aus guter Quelle, daß die Capitulation von Paris baldigst bevor⸗ stebe. Auf die Reclamation der englischen Regierung, datirt 29. Dezember, betreffend die Versenkung englischer Schiffe bei Duclair, soll die Antwort Bismarck's eingegangen sein, welche den Vorfall bedauert und sofortige Untersuchung, sowie entsprechende Entschädigung verheißt.

Spanien. Madrid. Der König ick am 2. v. Nachmittags hier eingetroffen. Derselbe begab sich sogleich nach der Kirche Attocha, um Got für seine glückliche Ankunft zu danken und das Andenken Prim's zu ehren. Hlerauf erschien

lich in Folge der Besetzung des Stationspunctes

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