Ausgabe 
3.10.1871
 
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eine bereits erfolgte Immediateingabe der preu ßischen Bischöse an den König wird von compe⸗ tenter Seite für unrichtig erklärt.

Frankfurt. Am 29. d. traf der Kronprinz mit Gemahlin, von Wilhelmshöhe kommend, dahier ein. Beide begaben sich nach einem in der West endhalle eingenommenen Dejeuner nach Sachsen⸗ hausen in Dr. Bockenbeimers Klinik, woselbst noch mehrere verwundete Officiere, u. A. Graf Wartens leben, in Behandlung liegen. Von dort fuhren die Herrschaften direkt zum 1 Uhr⸗Zug nach dem Neckarbahnhof und setzten die Reise nach Baden Baden fort zur Geburtstagsfeier der Kaiserin.

Hamburg. Der biesige Gesundheitsratb hat die Erklärung abgegeben, daß die hier nur schwach aufgetretene Cholera jetzt erloschen sei.

Dresden. DasDresdener Journal be stätigt, daß die preußische Infanteriebesatzung der Festung Königstein am 1. Oct. durch sächsische Truppen abgelöst wird. Festungs Commandant bleibt der preußische General v. Beeren.

München. Dem Landtage wurde durch den Finanzminister das Budget, welches durch die Verträge von Versailles und durch den Frankfurter Frieden wesentlich beeinflußt ist, vorgelegt. Durch erstere sind Ausfälle in den Einnahmen entstanden, da die Zölle und Steuern auf Rübenzucker, Salz und Tabak künftig in die Reichskasse fließen. Der Antheil an der französischen Kriegsentschädigung wird die Rückzahlung der ganzen Kriegsanleihe, eines ansehnlichen Theiles der übrigen Staats- schulden und die erhebliche Besserung der Lage der Schullehrer ermöglichen, doch ist zu letzterem Behufe ein Steuerzuschlag von 1,103,800 fl. er forderlich, was die Erhöhung der Steuern von 10 pCt. nöthig macht.

Das Comite der Altkatholiken hat beschlossen, regelmäßige sonntägliche Gottesdienste abzuhalten, und wird bei der Regierung und den Gemeinde behörden die Einräumung von Simultankirchen nachsuchen.

DerVerein zur Unterstützung der katho lischen Bewegung durch Förderung des auf dem Katholikencongresse vom 22. bis 24. September angenommenen Programms hat sich eonstituirt. Derselbe wil seine Zwecke erreichen: 1) durch Förderung der Gründung altkatholischer Kirchen⸗ gemeinden, Unterstützung bedürftiger, wegen ihres Widerstandes gegen die neuen Glaubenssätze des vatikanischen Concils excommunicirter Geistlichen; 2) durch Volks versammlungen, öffentliche Vorträge, Flugschriften und die Presse. Die erforderlichen Geldmittel werden durch Beiträge der Mitglieder aufgebracht, welche sich zur Zahlung eines Jahres- beitrags von mindestens einem Gulden verpflichten. Sowohl über die vorberathenden Verhandlungen als die öffentlichen Sitzungen des Katholikencon gresses werden die stenographischen Berichte im Druck erscheinen und zwar in deutscher, englischer und russischer Sprache.

Heidelberg. Geh.-Rath Bluntschli wird auf dem Protestantentag in Darmstadt den An- trag einbringen einen allgemeinen deutschen Verein zur Vertreibung der Jesuiten zu gründen.

Straßburg. Der neue deutsche Präfett von Straßburg hat nach demImpartlal de l'Est ein Circular an die katholische Geistlichkeit im Elsaß gerichtet folgenden Inhalts:Die kaiserl. Regierung hat sich die Ueberzeugung verschafft, daß die katholische Geistlichkeit die Hauptschuld an der Agitation im Elsaß trägt; sie hetzt im Privatgespräch und von der Kanzel die Bevölke- rung gegen die gegenwärtige Lage der Dinge auf. Die Regierung wird daher von nun an den Klerus streng überwachen lassen, um mit dem ganzen Ernst des Gesetzes gegen Die zu verfahren, welche ihre staatsbürgerlichen Pflichten verletzen. Die meisten der kürzlich ernannten richterlichen Personen sind, wie dieSchweizer Grenzpost meldet, bereits an ihren Bestimmungsorten ange⸗ langt. Die Gehalte dieser Justizbeamten sind be deutend höher gestellt als in Norddeutschland. Der Präsident des Appellationsgerichts in Kolmar bezieht 5000 Thlr., die Präsidenten der Landge⸗ richte 3000 Thlr. und die Räthe zwischen 1200 bis 2000 Thlr.

Am 10. Oktober wird außer in den 3 Lyceen in Straßburg, Metz und Colmar in folgen- den 16 Colleges der Unterricht wieder beginnen! Altkirch, Buchsweiler, Forbach, Gebweiler, Ha genau, Markirch, Mühlhausen, Münster, Ober- ehnheim, Pfalzburg, Saarburg, Saargemünd, Schlettstadt, Thaun, Weißenburg, Zabern. Die neuberufenen Direktoren sind mit einer Ausnahme sämmtlich Deutsche und zwar Männer, welche sich nicht blos durch wissenschaftliche Tüchtigkeit aus- zeichnen, sondern auch in pädagogischer Hinsicht vollständig bewährt sind. Unter den übrigen Lehrern sind fast die Hälfte Elsässer; die andere Hälfte besteht aus Deutschen, welche ebenso wie die Di rektoren, eine genügende Kenntniß der französischen Sprache besitzen. Die beiden christlichen Haupt- konfessionen sind ohne Unterschied und ziemlich gleichnäßig vertreten; auch israelitische Lehrer haben Anstellung gefunden und sind in Aussicht genommen. f

Ausland.

Desterreich. Wien. In gut unterrichteten Kreisen wird die vomTemps veröffentlichte Analyse der angeblichen Depesche des Grafen Beust über die Gasteiner Verhandlungen als un acht bezeichnet.

Auf deßfallsiges Ersuchen der hiesigen Alt- katholiken hat die evangelische Gemeinde in der Vorstadt Gumpendorf denselben ihre schöne Kirche zur Abhaltung des Gottes dienstes eingeräumt.

Schweiz. Aus Lausanne wird vom 29. Sept. über den weiteren Verlauf der Sitzungen der Friedens- und Freiheits-Liga berichtet: An der Debatte nahmen Simon(Trier), Gögg, Lemonnier Theil. Es kam zu sehr ernsten Auftritten. Der Antrag auf Schluß der Sitzung wird angenommen. Das Publikum entfernte sich unter dem Rufe: Nach Cayenne mit der Commune! Abends findet Festbanket statt.

Frankreich. Paris.Temps veröffent- licht einen Auszug aus der Cireulardepesche des Grafen Beust, betreffend die Zusammenkünfte von Gastein und Salzburg. Die Depesche bestätigt, daß keinerlei Vertrag oder Convention unter zeichnet worden, und sagt alsdann: Die Erfah⸗ rung der letzten Jahre hat gezeigt, wie ohnmächtig diese papierenen Wälle sind, den Frieden und die Sicherheit des Staates zu vertheidigen. Die Conferenz der beiden Reichskanzler hat die auf⸗ richtige Annäherung zwischen Berlin und Wien besiegelt. Der Kaiser von Oesterreich hat die Ueberzeugung zurückgebracht, daß Preußen nicht weniger als Oesterreich das Bedürfniß eines all⸗ gemeinen Friedens empfindet. In Folge dessen wurde der Beschluß gefaßt, inskünftig vor Allem ein Einvernehmen zwischen Deutschland und Oester⸗ reich über jede auftauchende Frage herbeizuführen. Graf Beust erklärt sich als einen aufrichtigen Freund Frankreichs und als solcher drückt er die Hoffnung aus, daß die verständigen französischen Patrioten alle hoffnungslosen Rachegedanken auf- geben werden. Die Depesche läßt schließlich durch blicken, daß Beschlüsse gegen die anarchistischen Umtriebe gefaßt seien. DerTempe bemerkt zu dem Passus, welcher sich auf Frankreich be zieht:Diese Warnung scheint vom Fürsten Bis marck selbst geschrieben zu sein, von Wien hätten solche Worte nicht zu uns gelangen sollen. Wir haben Niemanden nöthig, den Grafen Beust weniger als jeden Anderen, um die Mittel zu erfahren, durch welche wir uns wieder erheben können, und wer weiß ob an dem Tage, da wir uns wieder aufrecht finden werden, mit Oesterreich dasselbe der Fall ist.(Die oben erwähnte Depesche wird bereits als unächt bezeichnet. Siehe Wien.)

DemStandard zufolge hat der Kaiser von Oesterreich der Stadt Nanch als Beitrag zum Wiederaufbau des abgebrannten Museums 100,000 Fres. übersandt. Die lokale Presse fließt in Betheuerungen ihrer Dankbarkeit für dieses großmüthige Geschenk über. Das österreichische Kaiserhaus stammt bekanntlich aus Lothringen.

DasIcural officiel veröffentlicht einen Circular-Erlaß des Unterrichtsministers, welcher

innert, ihren Einfluß auf die Einwirkung de Generalrathswahlen zu benutzen.

Die angekündigte Anleihe der Stadt Paris soll nach Pariser Blättern um das 15fache über zeichnet sein. Dieselber berichten: Belgien hal den doppelten Betrag, Oesterreich, Italien und die Schweiz je den einfachen Betrag gezeichnes Die Zeichnungen in Paris betragen 9 Millionen Obligationen. Das Syndicat der Wechselagenten zeichnete allein den dreifachen Betrag. Bei der Stadtcasse sind 850 Millionen Anzahlungen deponirt,

Aus Algier wird vom 27. Sept. gemeldet: Die Lage von Kabplien ist zufriedenstellend. Dir Einzahlung der Kriegscontributionen in Dellys, Tizi⸗Ouzou und Fort⸗National erreicht Mil lionen. Nachrichten, die von der tunesischen Grenz

hinreichen, die Ruhe herzustellen. Die Journale von Constantine beschuldigen den Obristen Flogny, den Erfolg der mit dem General Saussier combi nirten Expedition compromittirt zu haben, weil er zu eilig die Unterwerfung der Mestaona annahm.

Italien. DemTempo zufolge erhielt der f König letzter Tage ein eigenhändiges Schreiben

des Papstes, worin sich dieser mit dem Gesuch an ihn wendet, die Regierung möchte darauf verzichten, der Kammer den die Abschaffung der religiösen Genossenschaften in der Stadt Rom betreffenden Gesetzesvorschlag vorzulegen.

Rußland. Petersburg. Wie bhiesige officiöse Blätter melden, hat der russische Gesandie beim italiegischen Hofe, Graf Uexküll, von seiner Regierung die Weisung erhalten, seinen Wohnsitz dauernd von Florenz nach Rom zu verlegen. Dieser Schritt des Petersburger Cabinets, der Seitens der übrigen Cabinete bald Nachahmung finden wird, ist insofern von weitreichender poli tischer Bedeutung, als er die rechtliche Anerkennung Roms als Haupt- und Residenzstadt Italiens vor⸗ aussetzt. DerKronst. Bote theilt mit, daß Rußland im Laufe der letzten acht Jahre auf seinen Werften 24 Panzerfahrzeuge erbaut und der Bau eiserner Fahrzeuge von großen Dimen sionen sich ungemein entwickelt hat.

Nach derTimes wird Rußland seine Reserven einberufen, um zu sehen, wie rasch es im Stande ist, die ganze Armee zu mobilistren.

Asien. Nach den dem russischen Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten neuerdings von den russischen Consuln in Teheran, Täbris, Erzerum und Konstantinopel zugegangenen Nachrichten hat die seit Anfang d. J. im Lande herrschende Hungers⸗ noth mit der größten Heftigkeit in denjenigen Provinzen gewüthet, deren Einwohner mit ihrer Nahrung fast ausschließlich auf Reis angewiesen sind, dessen Ernte gänzlich mißrathen war. So sind z. B. in der Provinz Chorasan über 40,000 Menschen dem Hunger als Opfer gefallen, und mindestens ebenso viele haben die Provinz verlassen. Auch jetzt noch wüthet die Hungersnoth in vielen Gegenden mit kaum geschwächter Kraft fort und in ihrem Gefolge sind verschiedene epidemische Krankheiten aufgetreten, die sich immer weiter ver breiten und die unglückliche Bevölkerung aufs Neue deeimiren.

In Staden brach in vergangener Nacht in der Hof⸗ raithe des Oekonomen Nungesser Feuer aus. Es sollen zwei Scheunen niedergebrannt sein..

In Steinbach Kr. Vilbel wurde dieser Tage von Frankfurter Jägern ein weißer Hase geschossen.

Gießen. Mit der vom 1. Okt. an in Gießen statt⸗ findenden Ausstellung von Zeichnungen aus inländi⸗ schen Handwerkerschulen ist auch eine Ausstellung von Zeichnungen der Schüler aus sämmtlichen inländischen Gymnasien und Realschulen verbunden. g

Soden. Die Frequenz unseres Bades war in dieser Saison stärker als je zuvor. Die letzte dießjährigeKur⸗ liste bringt 3474 Nummern. Die höchste bisher erreichte Ziffer war in 1858 3336. 5

Worms. Die Lutherdenkmalstiftung hat vom Jahre 1872 an von 3 zu 3 Jahren je 4 Slipendien à 500 fl. zu vergeben. Alle Pfacramts⸗Candidaten deutscher Nationalität, welche ihr erstes theologisches Examenmit Auszeichnung bestanden haben, sind zur Bewerbung um diese Stipendien berechtigt. Die Gesuche, mit amtlichen Zeugnissen begleitet, sind spätestens bis zum 1. Juli bel der Verwaltungscommission der Lutherdenkmalstiftung in

die Lehrer bei Disciplinarstrafe an das Verbot er

Vorlage zu bringen.

kommen, melden Aufregung in diesen Landstrichen. Man glaubt, die Gegenwart von Truppen werde

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