gebäudes. Das Haus beschließt darauf zweite Berathung in pleno. Es folgt zweite Berathung des von Lasker eingebrachten Gesetzentwurfes, be⸗ treffend die geschäftliche Behandlung eines unge- wöbnlich umfangreichen Gesetzentwurfes. Rach einer längeren Discussion, wird§. 1 abgelehnt, womit der Gegenstand erledigt ist. Die Petition des landwirthschaftlichen Clubs zu Frankfurt a. M. wegen Bildung eines Ausschusses im Bundesrathe zur Wahrung der landwirthschaftlichen Interessen wird durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung morgen.
— Der Berichterstatter der Speeialcommission für das Gesetz über die Vereinigung von Elsaß⸗ Lothringen mit dem Reiche, der Abg. Dr. Lamey, hat den Bericht über die neuesten Commisstons- beschlüsse bezüglich dieses Gegenstandes beendet; derselbe soll am 3. Juni in der Commission festgestellt werden und möchte also am 5. Juni die Plenarberathung zu erwarten sein.— Die Reise Moltke's nach Elsaß Lothringen wird hier als eine Inspectionsreise aufgefaßt. Vorzüglich werde der Graf die Frage wegen der Festungen zu untersuchen haben.— An Stelle des General lieutenants v. Ollech ist General v. Hartmann, Commandeur der 2. Division, zur Zeit Com- mandeur der 1. Cavalerie⸗Division, unter Ent⸗ bindung von diesen Stellungen, zum Gouverneur von Straßburg ernannt.
— Der„Elberf. Zig.“ wird von hier ge— schrieben: Die Dotation, welche dem Fürsten Bismarck nach dem deutsch⸗französischen Kriege ebenso zu Theil werden soll, wie im Jahre 1866, ist in der letzten Zeit verschiedentlich in den Zeitungen besprochen worden, ohne daß jedoch eine der umlaufenden Nachrichten der Wahrheit entspricht. Weder wird sich der Bundesrath auf Wunsch des Kaisers mit dieser Angelegenheit be— schäftigen und eine dahin zielende Vorlage für den Reichstag berathen, noch wird aus der Ini— tiative irgend einer Fraction des Reichstags heraus ein solcher Antrag im Reichstage zur Berathung gelangen. Die Verleihung der Dotation an den Fürst⸗ Kanzler wird diesmal im vollsten Sinne des Wortes ein persönlicher Act des Kaisers sein, und zwar wird die Dotation nicht in Geld, sondern in Gütern im Werthe von einer Million erfolgen. Bestimmt dazu ist ein Theil der Lauen⸗ burger Domänen, über welche der Kaiser vor der Vereinigung Lauenburgs mit Preußen ja noch selbstständig verfügen kann.
Berlin. Wie verlautet, würde die Reichs⸗ regierung der Einführung der Reichsverfassung in Elsaß⸗Lothringen am 1. Jan. 1873 in der Vor- aussetzung zustimmen, daß die Mitwirkung des Reichstages bei der Landesgesetzgebung späterer Festsetzung vorbehalten bleibe.
— Der„Spen. Ztg.“ zufolge erließ der Kaiser allen bei der Feldarmee oder im Garnisons— dienste verwendeten Militärpersonen, welche bis zum 24. Mai wegen eines vor dem 17. Juli 1870 oder bis zur Einrückung verübten gemeinen oder militärischen Vergehens verurtheilt worden sind — insoferne dasselbe nicht Waffenunfähigkeit her⸗ beigeführt hat— die betreffenden Strafen.
Saarburg. Auf dem höchsten Punkte der Vogesen, dem Donnon, über welchen die Grenz⸗ scheide zwischen Deutschland und Frankreich zieht. wird künftigen Frohnleichnamstag von einem in Saarburg gebildeten Comite eine Friedenseiche gepflanzt werden.
Wiesbaden. Etwa 100 Delegirte zur Hauptversammlung des deutschen Protestanten⸗ vereins sind aus allen Gauen Deutschlands hier eingetroffen und haben am 30. Mai eine Vor- versammlung gehalten, in welcher die Geschäfts— behandlung für die Haupiversammlung festgestellt wurde. Abends fand eine gesellige Zusammen⸗ kunft im Saalbau Schirmer statt, die sehr besucht war und der namentlich Viele beiwohnten, die nicht Mitglieder des Protestantenvereins sind. Prof. Fresenius von hier hielt die Begrüßungs⸗ rede und Prof. Bluntschli antwortete darauf. Prof. Baumgarten, Dr. Hase sen. aus Bilitz (Deutsch⸗Oesterreich), Prof. Schenkel und Hanne
der Hoffnung auf den Sieg der Bestrebungen des Protestantenvereins aus, und der Männer⸗Gesang⸗ verein trug einige auserlesene Lieder vor.
Ems. Hier ist die Meldung eingetroffen, daß bei der am 12. Juni erfolgenden Ankunft des Kaisers von Rußland auch der König und die Königin von Würtemberg hier anwesend sein werden. Ueber die Hierherkunft des Königs von Bayern, die auch schon in den Zeitungen gemel⸗ det wurde, verlautet bis jetzt nichts.
Dresden. Dem„Dr. J.“ zufolge hat die ständige Deputation des Juristentages gestern in
nach Stuttgart einzuberufen.
München. Unter der Escorte preußischer Soldaten ist wieder ein Theil der auf Bayern treffenden Kriegsbeute hier eingetroffen, bestehend aus 13 schweren Geschützen und 5 Gebirgskanonen. Davon führt ein laut Inschrift 1841 zu Straß⸗ burg gegossener Vierundzwanzigpfünder den Namen: „Anathema“!— Für den Empfang des 5, preu— ßischen Armee⸗Corps sind im Bahnhofe zu Bamberg festliche Vorkehrungen getroffen. Die Quartier⸗ macher(2 Offiziere und 62 Mann Soldaten) sind von Bamberg nach Hof weiter gereist.— Auch eine rheinische Adresse mit 1000 Unter- schriften ist Döllinger überreicht worden.
— In allen deutschen Diöcesen finden am 16. Juni, als am 25jährigen Regierungsjubiläum des Papstes, außerordentliche Kirchenfeierlichkeiten statt.
— Das Actionscomite der Altkatholiken wird einen Protest gegen den neuesten erzbischöflichen Excommunications-Erlaß in Betreff der Unter— zeichner der Adresse veröffentlichen. Die bereiis genannten Theologen aus Köln, Bonn, Breslau, Koblenz, Braunsberg ꝛc. berathen in nicht öffent⸗ lichen Sitzungen gemeinsaͤme weitere Schritte.
Karlsruhe. Es ist nun durchaus gewiß, daß vom 15. Juni an der Kaiser und die Kaiserin von Rußland einen mehrwöchentlichen Aufenthalt in Petersthal, dem bedeutendsten der Renchthal— bäder, nehmen werden.— Seit letztem Samstag dauert der Durchzug des 5. preußischen Armee— Corps durch unsern Bahnhof. Er wird im Ganzen stark 40,000 Mann in sich begreifen. Da der Durchzug meist zwischen 1 und ½8 Uhr Morgens geschieht, so mußte eine beabsichtigte Bewillkomm⸗ nung und Bewirthung unterbleiben.
— Am 30. Mai Nachts gegen 1 Uhr wurde unsere Stadt von einem bedeutenden Brandunglück heimgesucht. Das Feuer brach in der Kronen- straße in der Nähe der Synagoge aus; einige Hinterhäuser brannten gänzlich nieder und auch die Synagoge wurde ergriffen und im Innern so völlig zerstört, daß ein Neubau unumgänglich nöthig ist. Der Brand konnte erst Vormittags bewältigt werden. Gleich im Anfange des Brandes hatte sich der Großherzog auf der Brandstätte eingefunden und nicht ohne eigne Gefahr das Lösch— personal in seinen Anstrengungen ermuntert.
— Die Demobilisirungsordre für die badische Division ist ausgefertigt und hinausgegeben; die Demobilisirung tritt am 2. Juni ein.— Wie man jetzt vernimmt, wird Staatsminister Dr. Jolly in dieser Reichstagssession nicht mehr auf seine Stelle im Bundesrath zurückkehren.
Ausland.
Oesterreich. Wien. Das Abendblatt der„Neuen freien Presse“ meldet, daß die Adresse des Abgeordnetenhauses am 30. Mai durch das Präsidium überreicht worden sei, der Kaiser habe den Präsidenten sehr erregt empfangen und in seiner Antwort die Politik des Ministeriums ent- gegen dem Urtheile der Majorität des Reichs— rathes gebilligt. Der Präsident habe sich sodann zu dem Minister⸗Präsidenten begeben, behufs Ent— gegennahme einer Abschrift der Antwort des Kaisers, um dieselbe in der nächsten Sitzung authentisch mittheilen zu können.
— Aus Montenegro kommt eine nicht blos einfach interessante, sondern ohne Zweifel politisch bedeutsame Nachricht. In Cettinje, der Hauptstadt (gleichzeitig der einzigen Stadt) der Schwarzen
aus Kreisweiler brachten Toaste des Dankes und!
Leipzig beschlossen, den Juristentag zum 28. Aug.
Berge, wird ein österreichisches Consulat errichtet.
Schweiz. Bern. Der Bundesrath hielt am 30. Mai eine geheime Sitzung, veröffentlichte aber keine Bulletins. Es heißt, die Verhaftung Ppat's und Grousset'e, welche in Genf, weilen, sei anbefohlen worden. 1
Genf. Eine am 29. Mai hier stattgehabte zahlreich besuchte Volksversammlung zur Wahrung des schweizerischen Asylrechts beschloß, an den Bundesrath eine Adresse zu richten, in welcher der Wunsch ausgesprochen wird, daß die auf schweizerischen Boden gedrängten Mitglieder der Pariser Commune aufgenommen werden möchten. Wie es heißt, wäre Felix Pyat bereits in Carouge eingetroffen.
— Nach einem Telegramm der„N. Zür. Ztg.“ verlief die am 29. Mai hier stattgehabte Mani⸗ festation zu Gunsten der Commune ziemlich kühl. Der Hauptredner Grosselin hielt eine Lobrede auf die Commune. Ein Redner, der vorschlug, die Flüchtigen aufzunehmen, wurde ausgepfiffen. Maunoir schlägt im Vertrauen auf den Bundes— rath Tagesordnung vor. Der Vorschlag wird mit schwacher Mehrheit verworfen. Im Ganzen hat die Manifestation ihren Zweck verfehlt.
Frankreich. Paris. Der Aufstand ist vollständig unterdrückt, die meisten Mitglieder der Commune sind erschossen, wenigen nur glückte es zu entwischen und auch diese werden hoffentlich von den betr. Staaten nicht als politische Flücht⸗ linge behandelt, sondern als gemeine Verbrecher ausgeliefert werden.
— Milliere wurde im Luxembourg ⸗Garten verhaftet und sofort erschossen. Er war unter dem Kaiserreich Gerant der„Marseillaise“. Die Frau Millière's befindet sich unter den Gefangenen in Versailles. Billioray wurde von Matrosen er⸗ schossen. Dieselben nahmen ihn im Augenblick fest, wo er in eine Postkutsche steigen wollte. Er gehörte zu den blutdürstigsten Leuten der Commune. Vermorel ist in Montmartre erschoffen. Derselbe war einer der verachtetsten Journalisten von Paris. Razolla, Mitarbeiter am„Reveil“, ein wilder, roher Geselle, fiel auf einer Barrikade. Raoul Rigault wurde in einem Hause der Rue Gay Lussac verhaftet, nach dem Luxembourger Garten geführt und dort erschossen. Der Maler Courbet hat sich nach den Einen vergiftet, nach den Andern hatte er sich in einem Schrank des Marine— ministeriums(es liegt am Place Vendöme) ver⸗ steckt, und wurde ihm, da er, als man ihn dort entdeckte, Widerstand leistete, von einem Soldaten eine Kugel durch den Kopf gejagt. Meillet, Brunet(auf dem Place Vendöme) und Bosquet wurden erschossen. Ein gleiches Schicksal sollen La Cécilia(einer der Generale der Cemmune), Jacques Durand und Parisel gehabt Parisel war Apotheker. Er ist es gewesen, welcher die Anzündung von Paris vorbereitete. Lefrangais, Gambon und Amouroux wurden bereits am Don- nerstag in der Rue de la Banque erschossen. Die Execution von Vallss und Ferré fand am näm⸗ lichen Tage hinter dem Chatelet an der Ecke der Rue St. Denis statt. Gefangen sind: Assi, Mégy, Ranvier, Eudes, Cluseret, Clement, Mal- journal, Durassier, Okolowicz.
— Ueber die Gräuelthaten, der sich das Volk schuldig machte, schreibt man dem„Moniteur“: Am 25. Mai, um 4½ Uhr Nachmittags, hat das 101. Bataillon der Nationalgarde auf Be- fehl seines Obersten, des Bürgers Cerisier, das ganze Personal des College Albert le Grand (einer Dominicaner-Schule in Arcueil), im Ganzen 24 ꝗheils geistliche, theils weltliche Personen an der Thür des Disciplinar-Gefängnisses des Sectors der Gobeling erschossen.
— Paris ist„vollkommen ruhig“, so tele⸗ graphirt der Berichterstatter der„Times“ unterm 29. Mai. Wie es aber um diese Ruhe bestellt ist, geht aus dem weiteren Verlaufe des Tele⸗ grammes hervor, wo es heißt:„Eine ungeheure Anzahl von Hinrichtungen haben stattgefunden. Der Park der Buttes Chaumont war mit Leichen vollständig besäet. Die Truppen zeigten sich so erbittert, daß die Offiziere es für nöthig erachteten, Fremde vor der Gefahr der Verdächtigung zu warnen. Einige Einwohner von Belleville er-
haben.
——
an


