Ausgabe 
2.3.1871
 
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schwarz geränderten Bande dem Major Schimpff, Vorstand der Divisions⸗Intendantur und dem Oberstabsarzt Dr. Faustmann im 1. Inf.-Regt. verliehen.

Darmstadt. Das Großberzogliche Regie rungsblatt Nr. 7 enthält:

I. Publikation des Vertrages vom 23. Nov. v. J. über den Beittin Bayerns zur Verfassung des Deutschen Bundes.

II. Abänderungen des Reglements zu dem Gesetz über das Postwesen des Norddeutschen Bundes.(Bereits in Wuksamkeit getreten.) f i

III. Abwesenbeitserktärung. Durch Urtheil Großy Bezirksgerichts Mainz 1. Section vom 28. Januar 1871 ist zur Constatirung der Abwesenheit des Mathias Hinkel, ohne Gewerbe, gebürtig aus Framersbeim, zuletzt in Hillesbeim wohnhaft gewesen, die im Art. 116 des Civil gesetzbuchs vorgeschriebene Zeugenvernehmung verordnet worden. 5

IV. Namensveränderung. S. K. H. der Großberzog haben allergnädigst gerubt: am 27. Jau. dem Salomon Jacobi von Klein⸗Hausen zu geslatten, daß derselbe in Zukunft statt des Vornamens Salomon den Vornamen Moses führe. 8 l

V. Dienstnachrichten. S. K. H. der Großherzog haben allergnädigst gerubt: am 25. Januar den von dem Herrn Fürsten zu Menburg und Büdingen auf die erledigte Lehrerstelle an dem Gymnasium zu Büdingen präsentirten Gymnasisillebramts-Accessisten Dr. Ferdinand Bender von Darmsiadt für diese Stelle zu bestäligen; dem Schul⸗ lehrer Ploch zu Heidelbach die evang. Schulstelle zu Ober⸗ Breidenbach, im Kreise Alsfeld, sowie am 28. Januar dem Schullehrer Götz zu Oppenrod die zweite evangelisch! Schulstelle zu Alsbach, im Kreise Bensbeim, zu üder⸗ tragen; am 4. Febr. den von dem Königl. Bayerischen Kammerherrn Maximilian Freiherrn von Günderode auf die evangelische Pfarrstelle zu Lehrbach, im Decanate Kirtors, präsentirten Pfartamtscandidaten Eisenmeuger aus Reichelsheim, im Kreise Lindenfels, sür diese Stelle zu bestätigen, und dem Schullebrer an der siebenien evangelischen Schulstelle zu Pfungstadt Heinrich Habn, die dritte Schulstelle daselbst zu übertragen; am 8. Febr. dem Steueraufseber Planz die Stelle eines Controlcurs bei dem Nedenzollamte 1. Classe Alsseld und Ortsein nehmers daselbst zu übertragen. i

VI. Versetzungen in den Rubestand. S. K. H. der Großherzog haben allergnädiast gerubt: am 1. Jan. den Hofgarten⸗Diener Cbristian Schnitzspan mit Rücksicht auf seine geschwächte Gesundheit, am 28. Jan, den Schul lehrer Heinrich Pfannmüller zu Lauterbach, auf sein Nach suchen und unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste, am 8. Februar den Schullehrer an der israelitischen Elementarschule zu Angerod, Meyer Bamberger, auf sein Nachsuchen, an demselben Tage den Brückenwärter bei der Rheinüberfabrt zu Gernsheim Jacob Grüll, in den Ruhestand zu vers tzen.

VII. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: 1) die zweite evangelische Pfarrstelle zu Michelsadt, im Dekanate Erbach, wit einem Gebalt von 1061 fl. 56 ke.; dem Herrn Grafen zu Erbach⸗Fürstenau stebt das Präsenta⸗ tonsrecht zu dieser Stelle zu; 2) die ersie evangel. Schulstelle zu Horrweiler, im Kreise Bingen, mit einem Gehalt von 300 fl. und einer Heizungsenischädigung von 35 fl.; die erste cvangel. Schulstelle zu Beuern, im Kreise Gießen, mit einem Gebalte von 476 fl. nebst einer Vergütung von 24 fl. für Heizung des Schullecals; die in der Concurrenzzusschreibung vom 17. Sept. 1870 Nr. 45 des Regierungsblaits eiwähnie Besolbdungsabgabe von 50 fl. ist nicht zu entrichten.

Mainz. Die Kriegsbeute entspricht voll⸗ kommen der beispiellosen Zahl von Gefangenen, welche in diesem Feldzuge von den Deutschen ge macht wurden. Nachdem nun von dem Pariser Heer 200,000 Gewebre und 1400 Geschütze ab⸗ geliefert worden, dürfte die Zahl der erbeuteten Handfeuerwaffen 800,000 übersteigen. Französische Geschützee werden gegen 7000 in deutsche Hände gefallen sein. Auf dem Mainzer Bahnhofe sah man dieser Tage ganze Bahnwagen voll der schönsten neuen Gewehre, aus denen noch kein Schuß abgefeuert worden. Manche befanden sich noch eingepackt in den Kisten, wie sie aus den Fabriken gekommen waren. Der größte Theil ist englischen und amerikanischen Ursprungs. In dem hitsigen Zeugbaus und auf der Citadelle liegen schon etwa 230,000 brauchbare französische Oewehre und täglich kommen noch mehr hir zu. Einige hundert Mann sind täglich zum Putzen und Einfetten derselben beschäftigt.

Berlin. Durch kaiserliche Verordnung vom 14. Febr. ist der Zusammentritt des Reichstags vom 9. März auf den 16. März verschoben worden.

Der Abschluß der Friedensprälimi⸗ narien wurden durch Englands Einmischungs⸗ bemühungen verzögert, welche der letzteTimes. Artikel bestätigt. Rußland, Oesterreich und Italien haben jede Intervention abgelehnt.

DieDeutsche Allg. Ztg. spricht anläß⸗ lich der Ankündigung, daß im Königreich Sachsen und im Fürstenthum Reuß ä. L. demnächst nach Eingang der Nachricht vom Friedensschlusse kirch- liche Dankfeste für die genannten Landestheile angeordnet werden sollen, den gewiß angemessenen Wunsch aus, daß ein solches kirchliches Dank⸗ fest für das ganze deutsche Reich an einem und demselben Tage von Reichs- wegen angeordnet werden möchte.

DerStaatsanzeiger veröffentlicht den Wortlaut des Circularschreibens des Grafen Bis- marck vom 17. d. an die Vertreter des nord deutschen Bundes, in welchem neuerdings der Nachweis geliefert wird, daß französische Truppen wiederholt Sprenggeschosse in Anwendung gebracht haben, und daß auch über anderweitige Ver letzungen der Genfer Convention neue Beispiele zur Anzeige gebracht worden sind.

DerN. fr. Pr. wird von hier gemeldet, daß folgende Reichstagsvorlagen in Aus- sicht stünden: Aufhebung des Zeitungsstempels und Besteuerung der fremden Börsen- Effekten, ferner für die norddeutschen Staaten die Ein- führung der Fabrikatsteuer don Branntwein, an Stelle der Maischsteuer. Auch soll die Tabak- steuer von fremdem importirten Tabak erhöht wer den; über die Einführung des Tabakmonopols, die von conservativer Seite sehr befürwortet wird, ist man noch nicht schlüssig. Endlich wird von verschiedenen Seiten die schon mehrmals beim Zollparlament beantragte, aber von diesem ab gelehnte Petroleumsteuerx auf's Neue in Anregung gebracht.

DemSchwäb. Merk. wird von hier officiös telegraphirt:Trotz aller Ableugnungen ist der Verlust Belforts für Deutschland eng⸗ lischer Einmischung zu verdanken, welche Frankreichs Widerstand unausgesetzt unterstützte, während die andern Staaten jede Intervention ablehnen. Auf deutscher Seite war augenscheinlich der Gesichts punkt maßgebend, daß nach der Uebergabe von Metz Frankreichs Unterwerfung durch Belforts Widerstand nicht verhindert wurde.

München. Sicherem Vernehmen nach wird der Kronprinz Feldmarschall von Preußen nach erfolgtem Friedensschlusse bierherkommen, um das Obercommando über die bayerischen Truppen in die Hände des Königs zurückzulegen.

Karlsruhe. Nach derN. Bad. Ldsztg. soll die allgemeine officielle Friedensfeier im ganzen Reiche am 22. März, dem Geburtstage des Kaiser-Königs, stattsinden.

Frankreich. Paris, 27. Februar. Dit Preugzen sind um Mitternacht, 40,000 Mann stark, in Paris eingezogen. Das Garde-Grenadier Regiment Augusta ist darunter.(Diese Nachricht ist bis jetzt deutscherseits nicht bestätigt, und steht auch im Wide spruche mit anderen Nach- richten aus Paris.)

Der Gesandte der schweizerischen Eidge nossenschaft Dr, Kern hat Thiers sein Beglaubi gungsschreiben überreicht. Die Sterblichkeit nimmt fortwährend ab; die Zahl der Sterbefälle beträgt ungefähr 4000 wöchentlich. An den Blattern starben 200 wöchentlich. An Lebens- mitteln ist Ueberfluß vorhanden.

27. Febr. Offizielle Bekanntmachung der Regierung. Die feindliche Armee wird in Paris keinerlei Requisitionen vornehmen und in Staats gebäuden einquartiert werden. Die französischen Truppen werden das linke Seine ⸗Ufer besetzen. Kein Franzose darf bewaffnet oder uniformirt die von den Deutschen occupirten Stadttheile betreten.

27. Febr. Die Regierung läßt amtlich bekannt machen, daß der Einzug der Dentschen in Paris am Mittwoch, den 1. März, erfolgen wird. Die Deutschen werden den Stadttheil zwischen der Seine, dem Faubourg St. Honore, der Place de la Concorde und Les Ternes be setzen. Die einmarschirenden deutschen Truppen werden 30,000 Mann nicht überschreiten. Die Wiederräumung der Hauptistadt folgt unmittelbar nach der Natisication der Friedenspräliminarien.

27. Februar. DasJournal offiziel enthält folgenden von Picard unterzeichneten Bericht: Die Friedeuspräliminarien sind unter zeichnet worden und werden der Nationalver sammlung unterbreitet werden. Der Waffen stillstand ist um vier Tage verlängert worden

und Requisitionen fortfallen.

in bestimmte Stadtviertel von Paris zu ver hindern. Wir haben nicht nöthig, den Empfin dungen Worte zu verleihen, welche diese neue Prüfung in uns erweckt. Die Regierung würde gern Paris geschont haben, indessen die deutschen Unterhändler machten den Vor schlag, auf das Einrücken in Paris nur zu verzichten, wenn ihnen der wichtige Platz Belfort abgetreten wurde. Es wurde ihnen darauf erwidert, daß, wenn es etwas gebe, was Paris in seinen Leiden trösten könnte, dies der Gedanke wäre, durch seine Leiden dem Lande eines seiner Bollwerke wieder ver

schaffen zu können, welches noch in jüngster

Zeit sich durch den Widerstand unserer Sol daten ausgezeichnet hat. Wir wenden uns an den Patriotismus der Einwohner von Paris und beschwören sie, sich ruhig zu ver⸗ halten. Für Diejenigen, welche das Geschick vertathen hat, bleibt immer noch die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Bordeaux. Die von der Regierung vor gelegte Militärreorganisation soll auf folgender Basis ausgeführt werden: Die ganze bisher be⸗ standene Armee wird aufgelöst. Offiziere aller Grade können nach stattgehabter Prüsung ihre Stellungen wieder erhalten. Die Altersklasse von 1871 bildet eine neue Armee. Das Avancement findet nicht mehr nach Anciennetät oder Gunst statt; alle Grade, vom höchssen bis niedrigsten, können nur nach einem öffentlichen Examen er langt werden. Alle Militärschulen werden in Lager verlegt. Auch wird eine vollständige Re organisation der Verwaltung beabsichtigt, durch welche das System vereinfacht, die Beamtenzahl verringert und die Sinccuren abgeschafft werden würden.

27. Febr.(Officiell.) Die Präliminarien sind unterzeichnet, alle Feindseligkeiten der Armee suependirt. Die Landesvertretung ist auf heute (Montag Mittags, 1 Uhr) zusammenderufen. Thiers wird erst am Abend eintreffen und des- halb eine Nachtsitzung stattfinden. Bordeaux und der ganze Süden sind vollkommen kubig.

In Bordeaux wird es gleich beim Friedens- schluß zu einer jedenfalls seltsamen Verhandlung kommen. Die Linke will nämlich verlangen, daß man ihr den Gefangenen von Wilhelmshöhe ausliefere, damit er wegen seines Benehmens als Obergeneral der Rheinarmee vor ein Kriegsgericht gestellt werde. f

27. Februar. Morgen Mittag wird die Nationalversammlung eine geheime Sitzung ab halten, welcher sich wahrscheinlich eine öffentliche anschließt.

Belgien. Brüssel, 26. Februar. Die Agence Havas-Bullier-Reuter erfährt aus Paris vom 25. Febr., Abends: Der Friede ist gesichert. Thiers, Favre und die 15 Friedenscommissäre nahmen die Friedensbedingungen an. Die Kriegs- kosten⸗Entschädigung soll 5 Milliarden Franes betragen. Die deulschen Truppen halten einen Theil des occupirten Gebiete, sowie die Festungen, namentlich Sedan, bis zur Erfüllung der Friedens- bedingungen besetzt. Die deutsche Armee zieht Montag in Paris ein. Die Friedenspräliminarien werden unterzeichnet, sobald die Naltonalver⸗ sammlung die Friedensbedingungen ratifitirt hat. Eine andere Nachricht fügt noch zu; daß auch Belfort und Mont Valerien besetzt gehalten würden bis zur Zahlung der Kriegscontribution.

27. Febr., Morgens. Da der Waffen- stillstand in der verflossenen Nacht um 12 Uhr ablief, und die Ratification der gestern unter- zeichneten Friedenspräliminarien Seitens der Na⸗ tionalversammlung in Bordeaux vorbehalten werden

und werden von jetzt ab alle Contributionen Trotz aller Be. mühungen ist es jedoch unmöglich gewesen, den Einzug eines Theiles der deutschen Armer

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