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der französischen und der deutschen Behörden. Ueber die Art der Waffenablieferung ist Specielles noch nicht bekannt. Wahrscheinlich legten die Besatzungs⸗
truppen der Forts ihre Waffen in denselben nieder, während die in der Stadt befindlichen Truppen ihre Gewehre ausliefern dürften. Die Desar⸗ mirung der Enceinte beraubt endlich Paris des letzten Mittels des Widerstandes. Sollte daher, was kaum glaublich, der Wafsfenstillstand, ohne den Abschluß des Friedens zu bringen, verlaufen, so steht einer Besetzung auch der Stadt Paris nichts im Wege, da von den Forts und der gleich- falls besetzten Stadt St. Denis aus die französische Hauptstadt in concentrisches Feuer genommen und in einen Schutthaufen verwandelt werden kann.
— Die Berufung der Constituante nach Bor- deaux, welche eine Executivcommisston der pro— visorischen Regierung bestätigen wird, bereitet hauptsächlich die Friedenspräliminarien vor, deren Aanahme wahrscheinlich ist.
— Die französischen Verluste in dem letzten Ausfalle werden auf 9— 10,000 Mann an Todten, Verwundeten und Gefangenen geschätzt. Ueber 2000 französische Leichen wurden zwischen den Linien aufgelesen. Zwei Generale find verwundet. Ducrot liegt in kritischem Zustande zu Vincennes darnieder und man bezweifelt sein Wiederaufkommen.
— Der Rückzug der französischen Armee aus Le Mans war mit der Eile der Verzweiflung vor sich gegangen; bis kurz vor dem Einmarsch unserer Truppen war vom Bahnhof Zug um Zug abgelassen worden, um nur die Mannschaften fortzubringen, nicht aber den Train, die Muni⸗ tions⸗ und Proviantwagen, die Offiziersequipage. Dieselbe war beim Einrücken der Unsrigen noch in den Straßen der Stadt aufgefahren und eben zum Abgang fertig, als die Schüsse in der Vor⸗ stadt die Ankunft der Preußen verkündeten. Nun brach unter dieser Colonne eine Panik aus, welche dieselbe vollstäudig uns in die Hände litferte. Jeder Wagen wollte in rasender Eile vorwärts, dadurch verfuhren und verwickelten sie sich zu einem unentwirrbaren Knäuel, die Fahrer hieben auf die Pferde los, die Gäule bäumten sich, ein Wagen wollte den andern in Grund und Boden fahren, wüstes Geschrei erfüllte die Straßen, so suchte sich die Colonne fortzuwälzen, bis die An— kunft der Unsrigen ihr Halt gebot, und als dies in dem tobenden Lärm der verzweifelten Ueber— stürzung nicht beachtet wurde, einige Kugeln Still— stand in diese Massen brachten und so den ganzen Train aufhielten und als Beute uns überlieferten. Am Tage des Einzuges unserer Truppen und noch in den folgenden, bedeckten die Wagen des Trains die Straßen in und zumeist außerhalb der Stadt, die Pferde hatten sich von den Wagen losgemacht und irrten herrenlos umher, auf dem Schnee lagen Bürsten, Briefschaften, Dienstpapiere, Stiefel, Uniformstücke, Mitrailleusen, Cartouchen, ganze Kisten und Fässer mit Zwieback in buntesltem Durcheinander umher, die Munitionswagen waren geöffnet und die Granaten jedem der da kam, preisgegeben. Noch größer und für unsere augen- blicklichen Zwecke dienlicher stellten sich die Vor⸗ räthe auf dem Bahnhöfe heraus. Dieselben waren auf Güterwagen verpackt, und schienen eben im Abgange begriffen zu sein als unsere Soldaten die schützende Hand darauf legten. Da waren ganze Wagenladungen mit Stroh und Heu, Hafer, Mehl, Kaffee, Zucker, Reis, Cognac, Wein, mit
Schuhen und Uniformen, daß unsern Armee- Intendanten wohl das Herz im Leibe lachen konnte. Damit nicht genug, auch noch 200
Eisenbahnwagen und 6 Locomotiven waren unser. Le Mans war in dieser Beziehung, ein zweites Saargemünd.
— An der Herstellung der gesprengten Mosel⸗ brücke bei Toul wird Tag und Nacht gearbeitet. Die Brücke ist eine Meile vor Toul bei Fontenay, wo die Bahn von Nancy aus westwärts zunächst auf dem rechten Ufer der Mosel laufend, auf das linke Ufer übergeht.
— Einem ausführlichen Berichte über die Kämpfe bei Belfort⸗Montbeliard unter
die Vogesen hinein nach Belfort zurück, nahm rings um diese Festung seine Stellungen in einem gewaltigen Halbkreise ein, um hier festen Fußes den Anprall der dreifach stärkeren feindlichen Heer⸗ schaaren zu erwarten. Jeder einzelne Soldat wußte, worauf es ankam. Jeder wußte, daß Belfort entsetzt, die deutschen Gauen von den Horden des Feindes ernstlich bedroht waren, wenn es Bourbaki gelang, an irgend einem Punkte den Wall zu durchbrechen, welchen das 14. Corps um Belfort gezogen hatte. Vom Obercommando wurden, der Situation entsprechend, die gemessen⸗ sten Befehle gegeben, daß jede Truppenabtheilung bis zum letzten Manne in ihrer Stellung aus- harren müsse. Der Feind zog immer noch Ver- stärkungen von Besangon heran und ließ uns tinige Tage Zeit, unsere Stellungen zwischen Montbeliard und Herieourt mit leichten Befestigungen zu versehen. Das feste Schloß von Montbeliard wurde außerdem mit schwerem Geschütz armirt. Am 15. und 16. Januar stürmten die vier Corps der Franzosen ununterbrochen vom frühen Mergen bis zum späten Abend gegen unsere Positlonen von Delle bis Hericourt an. Unserer starken Artillerie, welche sich in vortrefflichen Aufstellungen befand, wurde vorzüglich die Aufgabe zu Theil, diese Angriffe zurückzuweisen und den Franzmännern zu zeigen, wie unbezwinglich deutsche Truppen in einer guten Defensivstellung sind. Es entwickelte sich da eine Kanonade, wie sie wohl selten gehört worden ist. Die Franzosen hatten gleichfalls eine zahlreiche gute Artillerie, sie brachten auch viele Mitrailleusenbatterien in das Feuer, vermochten aber gegen unsere Artillerie in ihren dominirenden Stellungen nicht aufzukommen. Die angreifenden feindlichen Regimenter wurden von unseren Gra- naten und Kartätschen geradezu zermalmt. In dieser Weise gelang es uns, während der zwei Tage alle unsere Positionen glänzend zu behaupten. Für uns war und blieb der Kampf hauptsächlich ein Artilleriekampf, die Infanterie, welche hinter den Batterien in geschützten Stellungen lag, kam nur an wenigen Punkten zur Verwendung, litt aber schwer durch die entsetzliche Kälte. Der Feind muß enorme Verluste gehabt haben, da seine Schaaren in zahlreichen Fällen tollkühn genug gegen unsere Batterien und gegen die in gedeckten Stellungen liegende Infanterie anstürmten. Dazu konnten die feindlichen Verwundeten, weil sie in unserer Feuerlinie lagen, zum größten Theil nicht fortgeschafft werden. Viele dieser Unglücklichen werden bei der furchtbaren Kälte erfroren sein. Gestern und heute schwieg die feindliche Artillerie. Die Franzosen arbeiteten nur noch mit ihren leichten Mitrailleusen-Batterien auf den Bergen umher, richteten damit indessen absolnt nichts aus. Hier und da machte auch die feindliche Infanterie noch einen Vorstoß, sie bemächtigte sich sogar in der Nacht vom 17. zum 18. d. M. durch Ueber- raschung eines Theiles des Fleckens Hericourt, wurde aber sofort wieder von den Badensern mit Kolben und Bajonnet hinausgejagt. Recognosti⸗ rungen von unserer Seite ergaben, daß sich die feindliche Hauptmacht im vollen Abzuge auf Besangon befand. Die schwachen Vorstöße am 17. und 18. sollten nur dazu dienen, den Rückzug zu maskiren und uns von zu eiliger Verfolgung abzuhalten. Das 14. Corps darf stolz darauf sein, daß es diese Gefahr allein, nur auf seine eigenen schwachen Kräfte angewiesen, beschworen hat. Jeder unserer Soldaten hat vierzehn Tage lang mindestens drei Franzosen in Schach gehalten; wir hatten, wie wir jetzt wissen, mit vier Corps und außerdem mit den Schaaren Garibaldi's, mindestens mit einet Armee von 100 120,000 Mann zu thun. Unser verehrter Führer, der General v. Werder, hat allen seinen Untergebenen als Muster ver Ausdauer und Unverza gtheit vor— angeleuchtet.
Basel, 29. Jan. Bourbaki suchte sich durch einen Pistolenschuß das Leben zu nehmen, hat sich aber nur eine schwere Verwundung beigebracht.
Bern, 29. Jan. Es bestätigt sich, daß die erste französische Armee unter dem Befehl von
General Werder entnehmen wir Folgendes: Bis Clinchamps ihren Rückzug auf Lyon über Pon—
zum 12. d. zog sich das Corps Werder weiter in
tarlier und Mouthe längs unserer Grenze zu be—
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werkstelligen sucht. Ein noch ziemlich gut organi⸗ sirtes Corps von 12,000 Mann ist schon in der Nähe von Mouthe angekommen; der Rest der Armee in der Zahl von etwa 100,000 Mann
ist in einem beklagenswerthen Zustand. In Pontarlier befindet sich das ganze 24. Corps mit mehr als 100 Kanonen.
Bern, 30. Jan., Abends. Laut offizieller Mittheilung ist hierselbst bis zur Stunde von einem Uebertritt französischer Truppen nicht das Mindeste bekannt.
Hessen. Mainz. Einige von den bei der Sprengung der Touler Brücke betheiligten Franc⸗ tireurs find hier eingebracht worden. Material zur sofortigen Herstellung der Brücke ist in einem Extrazug von hier abgegangen.— Zu den Armeen vor Paris sind wieder bedeutende Infanterie⸗ Munitionssendungen abgegangen, während der Südarmee über 100 schwere neue Belagerungs- geschütze(1865er Spandauer Production) zu⸗ geführt wurden.
Preußen. Berlin. Der Staatsan- zeiger schreibt: Der König nahm die Adresse des Abgeordnetenhauses mit lebhafter Genug— thuung entgegen und beantwortete dieselbe mit einer warmen Ansprache.— Auf Befehl des Königs wird nicht jetzt, sondern nach dem Friedensschlusse Victoria geschossen werden.— Ein Erlaß des Handelsministers anläßlich der wiederholt vorgekommenen Unglücksfälle auf den Eisenbahnen spricht die Erwartung aus, daß die Eisenbahnbeamten trotz der gegenwärtig größeren Inanspruchnahme die noͤthige Auf⸗ merksamkeit bewahren werden, und fuͤgt hinzu, jede Unachtsamkeit werde nach der ganzen Strenge des Gesetzes unnachsichtlich bestraft werden.
*— Der„Staatsanzeiger“ veröffentlicht den Wortlaut der Ehrenwort⸗Erklärungen der beiden französischen Generale Barral und
Cremer, woraus er dieselben der Ehrlosigkeit zeiht, der Kriegsgefangenschaft sich entzogen zu haben.
— Der„Schw. Merk.“ läßt sich von hier schreiben:„Die Bonapartisten arbeiten für Berufung der früheren kaiserlichen Kammer. General Fleury, aus der Schweiz kommend, besprach sich in Brüssel mit Parteimitgliedern.“ E Die Commission, welche in Berlin zu⸗ sammengetreten ist, um Vorschläge für das auf Kaiser und Reich bezügliche Ceremoniell auszuarbeiten, hat, nach dem„Nürnb. Corrsp.“ sich zu dem Antrag geeinigt, die deutsche Fahne vierfarbig zu machen und dabei folgende Ordnung festzuhalten: Schwarz, Silber, Roth, Gold. Es hängt nur von der Zustimmung des Kaisers ab, ob diese Farben als Reichsfarben erklärt werden.
Oesterreich. Wien. Die in Sachen des Hietzinger Hofes ofstciöse„Correspondenz Schweitzer“ kann nach verläßlicher Information erklären, daß König Georg von Hannover der Maßregel der französischen Regierung der Nationalvertheidigung, wonach in Algier aus dorthin geflüchteten Han⸗ noveranern eine Infanterie- Compagnie unter der Bezeichnung„Hanno ver'sche Hülfstruppen“ ge- bildet werden soll, durchaus fremd und in keiner Beziehung irgendwie dabei betheiligt ist.
Frankreich. Bordeaux, 29. Jan. Die Regierung bringt folgende Depesche Favre's, d. d. Versailles, 28 Jan., 11½ Uhr Abends, zur Kenntniß der Präfecten und Generale: Wir unterzeichnen heute einen Vertrag mit Bismarck. Ein Waffenstillstand auf 21 Tage ist abgeschlossen, die Nationalversammlung für den 15. Februar nach Bordeaux einberufen. Bringen Sie diese Mittheilung zur Kenntniß Frankreichs. Lassen Sie den Waffenstillstand vollstrecken. Schreiben Sie Wahlen für den 8. Februar aus. Ein Mit- glied der Regierung reist sofort nach Bordeaux ab. Diese Depesche wurde in Bordeaux öffentlich angeschlagen und war mit na ustehenden Worten eingeleitet:„Die Regierungsdelegation in Bordeaux, welche bisher über die Versailler Verhandlungen nur durch die auswärtige Presse Kenntniß erhielt,
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