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Donnerstag den 2. Februar.
M 14.
berhessischer Anzeiger.
Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.
Friedberger Intelligenzblatt.
Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.
Kriegs nachrichten. Officielle militärische Nachrichten.
Versailles, 30. Jan. Der Kaiserin und Königin in Berlin. Die Uebergabe aller Forts hat incl. St. Denis im Laufe des gestrigen Tages ohne alle Widersetzlichkeiten und Störung stattgefunden. Von unsern Belagerungs⸗Batterien sah ich die preußische Fahne auf Issy flattern. Heute Schnee und Thauwetter.
Eben rückte das fünfte Jägerbataillon
ein, das seit dem 19. September auf Vor⸗
Grenze
posten stand und doch excellent aussah. Es verlor beim letzten Ausfalle 5 Offiziere und 80 Mann. Wilhelm.
Versailles, 30. Jan. Vor Paris nahm am 30. die Durchführung der Convention un- gestört ihren Fortgang. Bei Blois verbrannte Oberst v. Below am 28. die Brücke, da der Feind auf dem linken Ufer der Loire gegen die Stadt vordrang. Letzterer zog am 29. wie er in südlicher Richtung ab.— Das 2. Corps nahm am 28. bei Nozeroy einen feindlichen Wagen⸗ transport. Die 4. Reserve⸗Division war am 28. bis Passavant vorgedrungen und hatte wieder 200 Gefangene gemacht. Die Bourbaki'schen Corps befanden sich zwischen den Colonnen des Generals v. Manteuffel und der Schweizergrenze. (Nozeroy im Dep. Jura, Arr. Poligny; Passa⸗ vant im Dep. Doubs, Arr. Baume.)
v. Podbielsky.
Arbois, 30. Jam. Die Avantgarde
der Südarmee(14. Division) erreichte gestern
Nachmittags die abziehende Armee eine Meile westlich Pontarlier an der Schweizer Die Dörfer Sambacourt und Chaffois mit Sturm genommen, gegen
3000 Gefangene und 6 Geschütze genommen.
Graf Wartensleben.
An den Großherzog K. H. ist folgendes Telegramm gelangt: Blois, 29. Januar, Vormittags 10 Uhr 20 Minuten. Der Großherzogliche Lieutenant Karl Ferd. Becker aus Offenbach wurde am 28. Januar 1871 in dem Gefechte bei Viennes durch einen Schuß in die rechte Seite schwer verwundet und ist in feind⸗ liche Gesangenschaft gerathen. Daudistel, Major.
München. Telegraphische Nachricht an das Kertegsministerium. Chatenay, 29. Januar, Vormittags. Vom 28. an einundzwanzigtägiger Waffenstillstand mit Ausnahme Belforts und Bourbaki'scher Armee. Besatzung Paris kriegs- gesangen mit Ausnahme Nationalgarden. Sämmt⸗ liche Forts werden von deutschen Truppen besetzt; Montrouge und Vanvres vom 2., Charenton vom 1. bayerischen Corps. Die Stadt zahlt Millionen Francs.
(Der hier wiederholt mitgetheilten Nachricht bezüglich des Ausschlusses Belforts und der Bour⸗ bakischen Armet von dem Waffenstillstande ge- schah in den Depeschen aus dem kaiserlichen Haupt- quartier bis jetzt keine Erwähnung.)
Karlsruhe, 30. Jan. Die„Karlsruber Zig.“ brachte folgendes Telegramm:„Basel, 30. Jan. Der badische Polizei-Commissär am
Dar mstadt.
200
Bahnhof in Basel an das Ministerium des Innern in Karlsruhe. Bourbaki'sche Armee sammt Ka—
nonen ist bei Pruntrut und Neuenburg in die
Schweiz eingerückt. Selbstmordversuch Bour- baki's bestätigt.“ — Vom 31. meldet indessen dasselbe Blatt:
Das gestern mitgetheilte Telegramm des badischen Polizei-Commissärs im Baseler Bahnhof, welches den Uebertritt der Bourbaki'schen Armee meldete, beruhte, wie nähere Erkundigungen ergeben haben, nur auf einem in Basel verbreiteten Gerücht. Nach einem heute Vormittag 11 Uhr eingetroffenen weiteren Telegramme desselben Beamten hat sich jenes Gerücht nicht bestätigt.
Dresden, 29. Jan. Sächsisches Armee⸗ corps besetzte heute Vormittag 10 Uhr Romain⸗ ville, Noissy, Rosnp, Nogent.
— Der König hat weiter die nachstehenden Meldungen erhalten:„Margency, Sonntag, 29. Jan., Abends ¼7 Uhr. Diesen Nachmittag 4 Uhr an der Spitze der 14. Brigade in St. Denis eingerückt. wurden, soweit Meldungen eingegangen, Zwischenfälle von unsern Truppen besetzt. prinz Albert.“
Stuttgart, 30. Jan. Der„St.- Anz.“ meldet: Die würtembergische Division besetzte gestern die Redouten von Gravelle und Fraisanderie.
Breslau, 29. Jan. General Tümpling telegraphirt Morgens an stellvertretendes General⸗ commando: Waffenstillstand abgeschlossen. 6. Corps besetzt Forts Jury und Bicsctre.
Aus Versailles, 27. Jan., wird noch telegraphirt: Die französischen Truppen treffen zu Hunderten bei den sächsischen Vorposten ein,
ohne Kron⸗
Desertion anbietend. Versailles, 29. Jan. Das gesammte Frankreich soll die Constituante wählen. Ein
Theil der Pariser Regierungsmitglieder reist morgen nach Bordeaux ab.
Versailles, 30. Jau. Ueber den Haupt- inhalt der Capitulation der Forts von Paris wird Folgendes mitgetheilt: Der Waffenstillstand tritt bei Paris sofort ein, in den Departements beginnt derselbe in 3 Tagen und läuft am 19. Februar ab. Eine Demarcationslinie ist festgesetzt, dieselbe durchschneidet die Departements Calvados und Orne, sie läßt in deutscher Occupation die De— partements Sarthe, Indreset-Loire, Loir⸗et-Cher, Loret, Nonne und was davon nordöstlich, außer den Departements Pas de Calais und Nord. Die Entscheidung über den Beginn des Waffen— stillstandes in den Departements Cote d'Or, Doubs und Jura, sowie bei Belfort bleibt vorbehalten; bis dahin nehmen die dortigen Kriegsoperationen, einschließlich der Belagerung von Belfort, ihren Fortgang. Die Seekräfte sind in den Waffen-
stillstand mit einbegriffen mit dem Meridian von
Dünkirchen als Demarcationslinie. Die zwischen dem Abschluß des Waffenstillstandes und dem Benachrichtigungstermin gemachten Gefangenen und Prisen werden zurückgegeben. Die Wahlen für eine Nationalversammlung, welche sich über den Krieg oder die Friedensbedingungen zu er— klären haben soll, werden stattfindenz als ihr Versammlungsort ist Bordeaux bestimmt. Sämmt-⸗ liche Forts von Paris werden sofort übergeben, die Enceinte wird desarmirt, die Linie, die See— truppen und die Mobilgarden sind kriegsgefangen, außer 12,000 Mann für den inneren Sicherheits- dienst. Die Kriegsgefangenen bleiben während des Waffenstillstandes innerhalb der Thore der
Die Forts der Ost- und Nordfront
Stadt, ihre Waffen werden ausgeliefert. Die Nationalgarde und die Gendarmerie behalten ihre Waffen für den Sscherheitsdienst. Alle Franctireur-Corps sind aufzulösen. Deulscher Seits ist den französischen Commissarien die Ver⸗ proviantirung von Paris möglichst zu erleichtern. Zum Verlassen von Paris ist die Erlaubniß Seitens der französischen Behörden und das Visa der deutschen Behörden nöthig. Die Gemeinde von Paris zahlt als städtische Contribution den Betrag von 200 Millionen Francs innerhalb 14 Tagen. Oeffentliche Werthe dürfen während der Dauer des Waffenstillstandes nicht entfernt werden. Alle deutschen Kriegsgefangenen sollen sofort gegen eine entsprechende Anzahl französischer Gefangener ausgewechselt werden; deßgleichen die Schiffs⸗ capitäne und andere beiderseitige Gefangene vom Civil.
Aus Versailles vom 29. Jauuar wird gemeldet: Die Eisendbahn von Orleans nach Nemours und von Orleans nach Alengon, ebenso die Flüsse Seine und Marne und die südweftlichen Straßen wurden den Pariser Behörden behufs Verproviantirung geöffnet.
Versailles, 31. Jan. Aus Paris wird unterm Gestrigen hierher gemeldet: Die Central⸗ regierung in Paris hat auf telegraphischem Wege nach Bordeaux an die außerhalb Paris befindliche Delegation der Regierung die Erklärung gelangen lassen, daß deren Mandat erloschen sei und vom 29. d. ab alle ihre Beschlüsse nur dann Rechts⸗ verbindlichkeit hätten, wenn sie im Einvernehmen mit der Centralregierung gefaßt seien.
Aus Versailles, 30. Jan., wird nach
London gemeldet:„Die Noth in Paris ist sehr groß, die Herbeischaffung von Lebensmitteln wegen der Sprengungen an den Eisenbahnlinien durch die Franzosen sehr erschwert. Die deutsche Armee versieht einstweilen aus den eignen Vorräthen die Stadt mit dem Nothwendigsten.“ ö— Nach einer Versailler Mittheilung der Köln. Ztg.“ hätte der Kaiser-König Wilhelm sich persönlich„mit eherner Festigkeit“ für den Triumpheinzug in Paris ausgesprochen; diese Ansicht mußte indeß vor politischen Rücksichten zurücktreten. Genau dasselbe berichtet eit anderer Officiöser in der„Augsb. Allg. Ztg.“ und der „Nationalzeitung“.
— Zusolge Nachrichten aus Versailles werden die während des Krieges getroffenen Anordnungen über den Fremdenverkehr, insbesondere über die Legitimation Fremder und die Ausstellung von Legitimationspapieren auch während des Waffen- stillstands aus militärischen Rücksichten mit aller Strenge festgehalten.
— Die französische Regierung hates sich an- gelegen sein lassen, sofort für die Zufuhr des noth⸗ wendigen Proviants nach der Hauptstadt zu sorgen; sie veranlaßte schleunige Versendung des in Eng— land aufgespeicherten Getreides und Viebes nach Dieppe, von wo dasselbe mit der Eisenbahn nach St. Denis versandt wird; auf der andern Seite ist die Oeffnung der Eisenbahnlinie Alengon-
Orleans dazu bestimmt, die in Rennes gelegent- lich des Entsatzversuches durch General Chanzy aufgespeicherten Getreidelager nach Paris zu über⸗ führen; die in Bourges concentrirten Vorräaͤthe endlich sollen mittels der Bahn Orleans-Nemours nach Vincennes gebracht werden. Die deutschen Behörden unterstützen natürlich diese Bemühungen der provisorischen Regierung. Da aber die Cer- nirung aufrecht erhalten bleibt, bedarf es zum Passiren der deulschen Linten eines doppelten Visa's


