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Wohlfahrtsausschusses, dessen Mitglieder
Gambetta diese Beschlüsse mit.
* welches sie zur Kenntniß des Landes bringt.“
— 30. Jan. Das„Burtau Havas“ tele
graphirt von hier:„Eine Volks versammlung fand im großen Theater statt.
Dieselbe sprach sich gegen den Waffenstillstand aus, für das Verbleiben Gambetta's in der Regierung, für die Fortsetzung des Kampfes und die Zusammensetzung eines durch Acclamation in den vorzüglichsten Städten ge- wählt werden sollen. Eine Deputation theilte Vor der Präfectur fand eine Demonstration zu Ehren Gambetta's statt; derselbe ließ die Menge verständigen, daß er unwohl sei und nickt erscheinen könne. Die
Stadt ist erregt, doch fand keine Ruhestörung
statt.“— Ein Telegramm der Regierung in Paris vom 27. Januar beauftragt die hiesige Regierung, Vorkehrungen zu treffen, um aus den Hafenplätzen Lebensmittel, besonders Getreide und Mehl, nach Paris schaffen zu können.
— 30. Jan. Einer Mittheilung der Regierung zufolge haben die Minister des Innern und des Krieges eine Depesche an Jules Favre nach Ver- sailles gerichtet, worin Letzterer ersucht wird, aus dem bislang von der Pariser Regierung betreffs der Capitulation beobachteten Schweigen heraus- zutreten und den Namen desjenigen Regierungs- mitgliedes zu bezeichnen, dessen bevorstehende An- kunft in Bordeaux angekündigt wurde. Jules Favre wird ferner ersucht, die Motive, welche die Verzögerung der bezüglichen Mittheilungen veran— laßt hätten, darzulegen, sowie genau detaillirte Mit- theilungen über die allgemeine Lage, insbesondere über das Schicksal der Stadt Paris zu machen.
— 31. Jan. Das„Bureau Havas“ meldet: Die gestrige Depesche der Regierung über den Ab- schluß des Waffenstillstandes rief in mehreren Städten eine schmerzliche Erregung und große Bestürzung hervor. Es fanden Demonstrationen, welche die Fortsetzung des Krieges bis zum Aeußer⸗ sten verlangten, statt; in Livieux wurde der betr. Anschlag abgerissen.— Aus Lyon wird vom 29. gemeldet: Die Nachrichten aus Paris haben bier schmerzlich berührt. Die Municipalität wird eine aus Henon, Barodet und Vallur gebildete Dele— gation nach Bordeaux absenden.— Laut Nach- richten aus Dijon vom 29. fand in der Richtung gegen Gray und Pesmes ein Vorpostengefecht statt.
— Favre telegrapbirt an den Präfetten des Norddepartements Bert:„Bringen Sie Proviant zusammen, Mebl, Fleisch, Getreide, Brennmateria— lien und schaffen Sie dieselben nach Dürlirchen. Schaffen Sie Lebensmittel nach Dieppe— die Eisenbahr dorthin ist im Gange. Gruß!“ Paris soll noch diese Woche wieder frisch verproviantirt werden. Die Regierung gibt den Handel frei, und es ist keine Requisition zu bꝛfürchten.
— Vom 23. September bis Ende November gingen von Paris dreißig Luftballons, jeder durch- schnittlich mit zwei Passagieren, 200 oder 300 Kilogramm Briefen und ein Paar Tauben ab. Die größte Entfernung, welche diese Ballons durchliefen, mit Ausnahme dessen, der in Norwegen niederfitl, war ungefähr 200 Kilometres. Eine große Zahl der Tauben ist nicht zurückgekehrt und man weiß nicht, was aus der Hälfte dieser Ballons geworden ist.
Paris, 22. Jan. Die„Indep. belge“
8 meldet: Gestern Abend ging es in den Clubs
sehr erregt zu; eine große Menschenmenge be— wegte sich auf der Straße du Temple nach dem Stadthause zu, aber man beschränkte sich darauf in dichten lebhaften Gruppen auf dem Stadthausplatze sich zu unterhalten. Heute ging es nicht mehr so friedlich zu. Eine An—
zahl Nationalgarden von Belleville und Mont—
martre erschienen mit ihren Waffen und mit Patronen auf dem Platze, auf dem Wege schon: „Nieder mit Trochu, die Commune! Massen— ausfall!“ rufend. Sie fanden unterwegs nur wenig Anhang. Auf dem Greveplatz begann ihr Führer, Dereure, zu unterhandeln; die Re— gierung war aber nicht anwesend, nur der Adjunkt Chandey und der Generalsecretär der Mairie, M. Mahias, waren zugegen. Bei
der großen Erregung, in der sich die Massen befanden, dauerte die Ansammlung derselben fort; auch fielen Flintenschusse unter den Gruppen (in die Luft geschossen, wie die Agitatoren be— haupten). Die bretonischen Mobilen, welche die Wache am Stadthause bildeten, antworteten mit Gewehrschüssen und so fielen einzelne Leute, ein Nationalgardist wurde verwundet und mehrere Frauen und Kinder wurden verletzt. Sofort erfolgte der Befehl diesen traurigen Ruhestörungen ein Ziel zu setzen General Malleroff besetzte mit zwei soder drei Bataillonen Nationalgarde und einem Regiment republi— kanischer Garden den Platz und ließ ihn mit Gewalt räumen. Die Agitatoren mußten sich zurückziehen, sie schrien:„zu den Waffen“ und schäumten vor Rache, aber man achtete nicht auf sie. In Folge dessen herrscht eine gewisse Aufregung in Paris, wo man leider neuen Unordnungen entgegensehen muß; doch ist nicht zu fürchten, daß die Jusurrection siegen werde. Was diese Scenen des Bürgerkriegs noch viel herzzerreißender macht, ist, daß die Preußen, welche offenbar von denselben unter— richtet waren, das Bombardement gerade in diesem Augenblick verdoppelten. mation des Generals Thomas wurde darauf angeschlagen, welche die Nationalgarde auf— fordert, sofort gegen diese verbrecherischen Aufstandsversuche einzuschreiten. Der General theilte weiter den Bürgersoldaten mit, daß in der Nacht einige der Agitatoren sich nach Mazas begeben hatten, wo sie mehrere politische Verbrecher, unter Anderen Flourens, befreiten. Auch Herr Milliere wurde befreit. Es scheint, daß es bei Mazas zu gar keinem Widerstand kam; vielmehr ließ sich die Wache in Mazas durch eine falsche Patrouille überraschen, welche man nicht einmal nach der Losung gefragt hatte. Flourens begab sich mit seinen An- hängern nach der Mairie des 20. Arrondisse— ments, wo er, nach einer officiellen Kundgebung, ein Stückfaß Wein und zweitausend Rationen Brod weggenommen hat. Die Bevölkerung zeigt sich diesen Versuchen, Unruhen zu stiften, feindlich gesinnt. Gegen Abend konnte man einige der zusammenberufenen Bataillone wieder entlassen. Aber an verschiedenen Stellen schlug man noch Allarm und trotz des Regens bil— deten sich immer neue sehr aufgeregte Gruppen.
Lille, 30. Jan. In Folge der gemessensten Weisungen der Regierung von Bordeaux sollen alle unterbrochenen Eisenbahnrouten des Landes so schnell als möglich mit Aufbietung aller Kräfte hergestellt werden. Man hofft, bis Freitag schon direct bis Creil fahren zu können.
Lyon, 26. Jan. Der„Indep. belge“ gehen von hier aus Berichte über die Gefechte bei Dijon zu, denen wir folgendes Thatsäch— liche entnehmen. Cremer führte das Ober— commando; eine Brigade stand an den Aus— gaͤngen des Sichelgebirges, eine andere bei Valsucan, eine dritte bei Dijon; die Gesammt— macht der hier stehenden französischen Truppen wird auf 45—50 Mann geschätzt. Die Gefechte fanden theils längs der Straße von Gray nach Dijon, theils auf der Westseite von Dijon längs der Straße von Chatillon statt, die aus dem Seinethal in das Thal der Ouche führt. Am 23. Jan. erschien hier plötzlich eine preu— ßische Colonne, aus Infanterie, Artillerie und Cavalerie zusammengesetzt. Es gelang ihr bis nach Pouilly vorzudringen und dieses Gehöfte einen Augenblick zu besetzen. Doch die schnell von Dijon herangezogene 4. und 5. Brigade der Vogesenarmee gebot den Fortschritten der Deutschen Halt. In einem heftigen Wald— gefecht fiel hier die Fahne des 61. Regiments in die Hände der Garibaldianer, welche nament— lich eine starke Artillerie in Verwendung brachten und mehrfach Attaquen mit dem Bajounet machten. Andern Tags erhielten die Deutschen von Mirabeau und Is-sur-Tille her Ver— stärkungen; die Kämpfe beschränkten sich jedoch auf eine heftige Kanonade und der erwartete Angriff auf die Stadt Dijon blieb aus. Man
Eine Procla-
weiß, daß folgende preußische Truppenabthei⸗ lungen ins Gefecht eingriffen: das 61., 21. 49. und 2. Infanterie⸗Regiment., das 11. Dra⸗ goner⸗-Regiment und 24 Geschütze. Allgemein wird die Tapferkeit der Garibaldianer belobt, mehrere ihrer Führer sind verwundet, darunter der Brigade-Geueral Bossek.
Belgien. Brüssel. Die nordfranzösischen Zeitungen verlangen, daß vor der Berufung einer Abgeordnetenkammer eine Abstimmung des Volks über die Fortsetzung des Kriegs oder den Ab- schluß des Friedens stattfinde. An der Abstim— mung könnte Deutschland auch dit ostfranzösischen Departements gewiß ohne Gefahr Theil nehmen lassen, da sie gerade am Härtesten den Drangsalen des Kriegee ausgesetzt gewesen seien.
— Die„Etoile Belge“ sagt: Die Preußen sind am 25. d. in Abbeville eingerückt, baben 300,000 Fr. Contribution der Stadt auferlegt und bedeutende Requisitionen angestellt.
— Der„Nord“ erhielt auf Privatwegen die Nachricht aus Versailles, daß Jules Simon nach Bordeaux reist. Ebenso meldet der„Nord“ unter Reserve, ein Pariser General(Ducrot?) habe sich vergiftet.
Großbritannien. London. Sämmt⸗ liche Blätter begrüßen den Waffenkillstand und glauben, daß das Ende des Krieges gekommen ist. Die„Times“ sagt:„Die gegenwärtige Mäßigung Deutschlands gegen die gänzlich unter⸗ drückten Feinde ist ein gutes Vorzeichen für die weiteren Unterhandlungen. Frankreich hälte in seiner äußersten Noth freigiebigere Bedingungen niemals erwarten können. Frankreich wird die Bedingungen des Siegers annehmen, und der Letztere hat selbst ein Interesse daran, dit Be⸗ dingungen möglichst erträglich einzurichten.“— Die französische Botschaft fordert officiell zur Be⸗ förderung aller disponiblen Vorrälhe an Korn, Mehl und Kohlen nach Dieppe auf, wo die fran— zösische Regiecung Vorbereitungen zum Ankauf träfe.
» Friedberg. Die Freude über die Nachricht der Capitulation von Paris und die sich daran knüpfende Hoffnung auf einen nun bald zu erwartenden Frieden kam auch in unserer Stadt alsbald zum Ausdruck durch Glockengeläute, Victoriaschießen, kräftiges Hoch⸗ und Hutrahrusen und reichen Fahnenschmuck der Häuser, nach⸗ dem endlich am Sonntag Nachmittag der Telegraph die schon seit zwei Tagen mit steigender Ungeduld erwartete officielle Bestätigung des weltgeschichtlichen Ereignisses ge⸗ beacht haue. Am Abend wogte die Bevölkerung i! freudig erregter Stimmung der Breitenstraße entlang auf und ad, in welcher viele Häuser illuminirt und mehrete mii Transparanten der Germania geschmückt waren; auch vengalische Beleuchtung und Feuerwerk jehlte nicht. Großer Jubel herrschie bis spät in die Nacht und aus den um⸗ liegenden Orten vernahm man noch bis gegen Mitternacht Freudenschüsse, durch welche die frohe Funde sich rasch weiter verbreitete bis in die entlegeneren Ortschaften der Welterau.— Hoffen wir, daß der eingetretenen Wafsen⸗ ruhe der ersehnte Friede dals folgen werde, welcher wie dem neuen deutschen Reiche zum Ruhme, so dem deutschen 2 zum Segen gereichen möge. Deulschland über Alles!
Frankfurt. Aus verschiedenen norddeutschen Festungen sind etwa 80 Kriegsgefangene, meistens Elsäasser, nach der Heimath beurlaubt worden. Sie haben sich diese Ver— günstigung durch die Verpfändung ihres Grundvoesitzes verschafft, das sosort dem Staate als Eigenthum verfällt, wenn sie in der Heimath oder auf seanzösischem Boden überhaupt etdas Strasbares gegen Dcutschtand und seine Heere unternehmen.
Darmstadt. Das bier auf dem Marienplatze zune Gedächtmisse an die Rheinbundsfeldzüge errichtete Veteranen Monument wird auf dem Friedhose aufgestellt und an seiner Stelle wahrscheinlich ein Monument für die in diesem Kriege gefallenen Hessen erbaut werden.— Die neulich gemeldete Nachricht, zwischen bier und Aschaffen⸗ burg sei ein aus einem Eisendahnzug flüchtender franzoͤsi⸗ scher Offizier von der Bewachungsmaunschast erschossen worden, beruht auf einer Erfindung. Es ist überhaupt noch kein derartiger Fall bier vorgekommen.
Darmstadt. Die hier internirten Franzosen, wenigstens die gemeinen Soldaten, nahmen die Nachricht von dem Fall von Paris mit großer Freude auf und fralernisirten dteselben in den Wirthschaften mit den Deutschen, da, wie sie meinten, der Krieg jetzt beendet und sie bald wieder in ihr Vaterland zurückkehren könnten.
Kassel. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag bat der Zusammenstoß eines Güterzuges miteinem Personen⸗ zug auf der Magdeburg-Halbersiädter Bahn bei Blomberg saltgesunden. Todt auf der Unglücksstatte blieb der Maschinenführer, ein Hekzer ist schwer verwundet, einige Zugsbeamte utrugen leichte Verletzungen davonz von den Passagieren sind nur einige wenige sehr leicht verletzt.


