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Italien 200,000 Mann. In wenigen Jahren aber schon wird Frankreich eine reguläre Feld ⸗ armee von mindestens 500,000 Mann wieder ausgerüstet haben, die aus 30 Divistonen besteht, von denen jede Division allein an Infanterie 13,000 Mann in 4 Regimentern à 3 Bataillonen und 1 Jägerbataillon stark sein wird.— Ruß- land verfügt nach dem neuesten Organisationsplan über 47 Infanterie- Divistonen mit 188 Regi- mentern und 40 Jägerbataillonen; es wird davon schon in 5 Jahren immerhin mindestens 32 Di— vistionen zur Operation im Felde verwenden können, jede Division etwa 16,000 Mann stark, also in runder Summe eine halbe Million.— Italien hat gegenwärtig die Durchführung einer Heeres⸗ organisation beschlossen, welche es der Regierung Victor Emanuel's ermöglichen wird, im Falle eines Krieges 400,000 Mann an seinen Grenzen zu concentriren.— Oesterreich hat, es läßt sich das nicht verkennen, seit dem Jahre 1866, zumal in der letzten Zeit, außerordentliche Anstrengungen gemacht, um in weit kürzerer Frist als früher eine zahlreiche und schlagfertige Armee im Felde auf ⸗ zustellen; seine Landwehren werden allerdings, auch in späterer Zeit, niemals den Vergleich mit den deutschen aushalten können, es fehlt ihnen besonders gegenwärtig auch an allem nöthigen Kriegsmaterial dazu— immerhin aber darf man mit Sicherheit behaupten, daß die österreichisch— ungarische Monarchie schon in den nächsten drei Jahren im Stande ist, mit 400,000 Mann activ auftreten zu können.— Dazu kommt das deutsche Reich mit seiner weit über eine halbe Million zählenden Armee, von der unter allen Umständen 800,000 Mann außerhalb der Grenzen Deutsch⸗ lands verwendet werden können.
— Der„Reichsanzeiger“ veröffentlicht eine Bekanntmachung des Reichskanzlers, betreffend die Kündigung der fünfjährigen§proc. Schatzanwei— sungen des norddeutschen Bundes erster Emission im Betrage von 51 Millionen Thaler. Die Ein— lösung erfolgt gegen Zahlung des Nennwerthes vom 1. Januar 1872 ab. Die Verzinsung hört von diesem Tage ab auf.
— Am Freitag reist der Kaiser Morgens 8½ Uhr per Extrazug über Magdeburg, Braun- schweig zunächst nach Hannover und trifft Nach; mittags 2 Uhr daselbst ein. Am Samstag früh 8½ Uhr ist die Besichtigung der Truppen und der Vorbeimarsch derselben am Ständegarten. Um 11 Uhr Vormittags erfolgt die Abreise über Kassel, Gießen und Wetzlar nach Bad Ems zu einer mehrwöchentlichen Kur. Der Kaiser wird in Ems noch mit dem Kaiser von Rußland zusammen⸗ treffen, welcher am 3. Juli von dort abzureisen gedenkt.
— Prinz Ludwig von Hessen und bei Rhein, welcher während des Feldzuges die damals dem 9. Armee⸗Corps zugetheilte Großh. hessische Di⸗ vision befehligte, ist zum Chef des 1. hess. Inf.⸗ Regts. Nr. 81 ernannt. Das zum preußischen 11. Armee⸗Corps gehörige Regiment stand vor dem Kriege in Mainz und erhält nach der neuen Friedens⸗Dislocation Frankfurt a. M. und Hanau zu Garnisonsorten.
— Die„Bresl. Ztg.“ meldet in Betreff von Arbeiterunruhen, welche in Königshütte stattge⸗ habt, Folgendes: Der Strike und die Tumulte haben eine erhöhte Ausdehnung angenommen. Nach der Demolirung der Berginspection ver⸗ wüsteten die Horden das Stadtgefängniß und requirirten Bier, Schnaps und Cigarren in der nächsten Restauration. Einzelne Rotten versuchten Requisitionen in den Vorstädten und begannen zu plündern, namentlich bei den Juden. Am Abend trasen 60 Ulanen aus Gleiwitz ein und säuberten bis 10 Uhr den Platz. 7 Anführer wurden ge— tödtet, 20 verwundet. Heute traf ein Bataillon des 10. Regté. hier ein. 60 Personen, darunter die Rädelsführer, wurden verhaftet. Die Königs- hütte bat wegen Kohlenmangel den Waljzbettieb eingestellt. Der Oberpräsident ist dortselbst ein⸗ getroffen und wurde der Belagerungszustand pro⸗ clamirt.
Frankfurt. Die ersten kgl. sächs. Truppen sind auf ihrem Rückmarsche aus Frankreich am
28. d. dahier eingetroffen. Nach einem Rasttage werden dieselben per Bahn über Hanau nach der Heimath befördert. Bis zum 9. Juli werden täglich sächsische Truppen unsere Stadt passiren.
München. Die Nachricht, daß die Do— tationssumme für die bayerischen Generale dem König Ludwig zu freier Verfägung überlassen werden solle, wird in Münchener unterrichteten Kreisen bestätigt. Dotirt werden natürlich die Corpsgenerale v. d. Tann und Hartmann, der Kriegsminister Frhr. v. Pranckh und vielleicht der an der Loire schwerverwundete Divisionär Stephan.
Stuttgart. Der Einzug der Truppen in die festlich geschmückte Stadt hat am 29. Juni unter großem Enthusiasmus und bei günstigem Wetter stattgefunden. Der Fremdenzufluß war enorm.
Straßburg. Die Entschädigungen für die zerstörten Häuser werden seit dem 21. d. ausbe · zahlt, bis jetzt schon etwa 375,000 Fes., wie ein Mitglied der Commission dem„Niederrh. Kur.“ mittheilt. In etwa 14 Tagen hofft man die Verificationen der 1400 Eingaben zu vollenden.
— Die„Str. Zig.“ veröffentlicht einen aller- höchsten Gnadenerlaß vom 24. Juni, durch welchen denjenigen Einwohnern Elsaß-Lothringens, die bis zum 24. d. wegen politischer oder militärischer Handlungen rechtskräftig verurtheilt wurden, sofern mit letzteren nicht gemeine Vergehen oder Ver— brechen verbunden waren, die noch rückständige Strafe erlassen und die Ausübung der bürger— lichen Ehrenrechte wieder verliehen wird, auch die rückständigen Kosten niedergeschlagen werden.— Der Präfect des Niederrheins erinnert daran, daß das Reichsgesetz über die Entschädigungen den Elsaß Lothringern nur als Reichsangehörigen und nur aus Liberalität Kriegsentschädigungen gewährt; eine Verpflichtung dazu sei nicht vor— handen.
— Aus Mülhausen meldet man der„Str. Ztg.“:„Da es schon zu häufigen Klagen Ver— anlassung gegeben, daß junge Fabrikarbeiter ihren Wochenlohn, statt ihn ihren Angehörigen zu Gute kommen zu lassen, in der Nacht vom Samstag zum Sonntag bei Wein, Spiel und Tanz mit lüderlichen Frauenzimmern verpraßten, sah sich die Polizei veranlaßt, diesem Treiben ein Ende zu machen, und veranstaltete am verflossenen Samstag zur Nacht eine Razzia, die nicht erfolglos war.
Ausland.
Frankreich. Paris, 28. Juni. In Betreff der Subscription auf die Anleihe wird gemeldet, daß viele Personen gestern in Paris nicht subscribiren konnten. Mehrere Journale be haupten, die Zeichnungen hätten die Höhe von 4 Milliarden erreicht; in Frankreich allein seien 2 Milliarden gezeichnet worden. Die Majorität der Budgetcommission hat den Antrag in Betreff der Einkommenstener verworfen. Soeben wird eine Bekanntmachung des Finanzministeriums an- geschlagen, welche erklärt, daß die Subscription auf die Anleihe geschlossen ist.
— Die polytechnische Schule in Paris soll eingehen, die Kriegsschule von St. Cyr allein als Militärschule bestehen bleiben. Wie es heißt, soll die Festung Besangon geschleift werden. Die Re⸗ gierung hat bis jetzt 47 Kriegsschiffe außer Dienst gesetzt und 12000 Matrosen entlassen. Ein in Paris wohnender Engländer, Privatmann, soll auf die neue Anleihe ein Capital von 30 Mil- lionen, ca. 1½ Million Rente gezeichnet haben.
— Man versichert, die Zeichnungen auf die neue Anleihe überstiegen 5 Milliarden. Die Stadt Metz hat sich an der Zeichnung mit 20 Millionen betheiligt.
— Nach officiellen Angaben über den Erfolg der Anleihe haben gezeichnet: Deutschland, Ruß- land, Oesterreich, Belgien, zusammen fast 1 Milliarde.
— Das schöne Wetter begünstigte die für den 29. Juni anberaumte Abhaltung der Revue. Eine ungeheuere Menschenmenge hatte sich eingefunden.
Versailles, 28. Juni. In der National- versammlung theilte Pouyer-Quertier das Resultat der Zeichnungen auf die neue Anleihe mit. Er
erklärte, es seien gestern in weniger als sechs
Stunden 4 Milliarden 500 Millionen Francs ge⸗ zeichnet worden. Paris habe 2 Milliarden 500 Millionen, die Provinz mehr als eine halbe Milliarde gezeichnet; im Ausland seien circa eine Milliarde suberibirt worden; einige Resultate seien bis jetzt noch nicht bekannt. Der Finanzminister fügt hinzu, diese Lage erlaube Frankreich, seinen Verpflichtungen Deutschland gegenüber nachzukommen und be⸗ schleunige die Befreiung der occupirten Provinzen. Frankreich brauche die festgesetzten Zahlungster⸗
mine nicht abzuwarten.— In derselben Sitzung
sagt Audiffret⸗Pasquier, indem er über die Lage der Commission spricht, welche die im Kriege ge— machten Ankäufe zu untersuchen hat, daß mehr als 84,000 Actienhefte vorliegen. Man habe gesehen,
wie ein hoher Beamter das Zutrauen des Landes
getärscht habe. In dem Berichte werden als be sonders schlimme Beispiele die in Newyork von dem französischen Consul gemachten Ankäufe her— vorgehoben. g
— In Toulon werden noch immer Truppen nach Algerlen eingeschifft. Die Regierung soll die Absicht haben, alle Gefangenen, welche sie bei dem letzten Aufstand in Algerien gemacht, nach Cochin-⸗China zu deportiren. Unter denselben sind viele arabische Häuptlinge
Spanien. Die spanische Ministerkrisis ist noch nicht entschieden. Der König wollte die Demission der Minister nicht annehmen, da sie nicht durch eine parlamentarische Niederlage mo⸗ tivirt erscheine. Die Minister beschlossen jedoch in einem am Montag gehaltenen Rathe, noch einmal ihre Demission einzureichen, weil Tags zuvor neue aufregende Scenen in der Depu⸗ tirtenkammer vorgekommen waren.
Italien. Florenz. Der König ist nach Neapel und Rom abgereist. Die Behörden und die Gemeindevertretung befanden sich am Bahnhofe. Die zahlreich versammelte Volksmenge rief:„Es lebe der König! Es lebe Italien!“ In Neapel wurde der König mit großem Entbustasmus empfangen.
Türkei. Die Pforte sieht sich durch die Anarchie in Tunis, wie durch die Zerwürfnisse des dortigen Herrschers veranlaßt, zu ernsten Maß⸗ regeln zu schreiten. Die türkische Panzerflotte hat Befehl, sich sofort vor Tunis zu legen, und nimmt einen Pforten⸗Commissär an Bord, der mit un⸗ umschränktet Vollmacht zur Untersuchung der dor⸗ tigen Zustände und zur Verfügung derjenigen Maßregeln versehen ist, welche an Ort und Stelle zur Sicherstellung sowohl der Autorität des Großherrn als der friedlichen Beziehungen zu den fremden Mächten geboten erscheinen möchten.
N In Nieder⸗Mörlen soll eine junge Frau von einer gewöhnlichen Mücke gestochen worden sein. Der Arm schwoll an und in 2 Tagen war die Arme eine Leiche. Frankfurt. In der am 3. Juli stattfindenden Sitzung des landwirtihschaftlichen Monats⸗Clubs wird die Frage der Vertretung der landwirthschaftlichen Interessen
deim Bundesrathe einen Gegenstand der Besprechung bilden.
Darmstadt. Falsches Großh. Hess. Papiergeld. Es sind in neuerer Zeit in Stuttgart und in der Umgegend Falsifikate des Großh. Hessischen Staatspapiergeldes vom 1. Juli 1865, und zwar in Scheinen 3 10 fl., im Ver⸗ kehr vorgekommen, welche auf photographischem Wege her⸗ gestellt und auf welche die verschiedenen Farbentöne nach⸗ träglich aufgetragen worden sind. Die bis jetzt präsentirten Scheine sind eine photographische Nachbildung des echten Scheines Lit. E Nr. 179607 à 10 fl., welcher auf der Rückseite den Namen des Controlbeamten„Schloßer“ zeigt. Am leichiesten wird die Unechtheit dieser Scheine, auch ohne Vergleichung mit einem echten Scheine, an der violettgrauen Farbe und daran erkannt, daß dort die auf die Photographie aufgetragenen Druckfarben, namentlich aber die blaue Farbe auf der Werthbezeichnung„10“ ohne alle Schwierigkeit abgewaschen werden können.
Heidelberg. Die reiche, 3000 Bände umfassende Büchersammlung Friedrich Christoph Schlosser's wurde von ihrem jetzigen Besitzer der hiesigen Universitätsbib⸗ liothek zum Geschenk gemacht.
Wiesbaden. Redaction der„Deutschen Badezeitung“ eingegangenen Kurlisten beträgt die Zahl der Kurgäste in Baden-Baden bis zum 15. Juni 9314 Personen, Karlsbad bis zum 11. Juni 6932 Pers., Franzensbad bis zum 14. Juni 1616 Personen, Homburg bis zum 15, Juni 4478 Per⸗ sonen, Kissingen bis zum 12. Juni 2299 Pers., Kösen
bis zum 11. Juni 487 Personen, Nauheim bis zum
23. Juni 1463 Personen, Neuenahr bis zum 4. Juni 399 Pers., Pyrmont bis zum 9. Juni 985 Pers., Ragaz⸗ Pfäffers bis zum 13. Juni 252 Pers., Reichenhall bis zum 10. Juni 764 Personen, Reinerz bis zum 11. Juni 237 Pers., Schandau bis zum 7. Juni 200 Personen,
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