zu den Westmächten und zu Italien als befriedi⸗ gend bezeichnet. Gegenüber Preußen halte Oester⸗ reich an dem Prinzip der Nichtwiedervergeltung fest, allein Oesterreich erfreue sich nicht immer gleicher Rücksicht von Seiten Preußens. Auch mit Rußland versuche Oesterreich die Unterhaltung freundschaftlicher Beziehungen. Aber in den Augen Vieler sei der unverzeihlichste Fehler Oesterreichs, daß es überhaupt wage, zu existiren. Im Falle eines preußisch⸗französischen Conflicts müsse Oester⸗ reich gerüstet sein. Im weiteren Verlauf seiner Rede habe Beust als bekannte Thatsache erwähnt, daß die Donaufürstenthümer nur ein großes Arsenal seien.
— die erste Sitzung der Delegationen soll mit besonderem Glanze eröffnet werden. Um den Nationalstolz der Magyaren zu befriedigen, wird die ungarische Garde wieder hergestellt. Nur „ältere gediente Offiziere der Armee, geborene Ungarn adeliger Abkunft“, werden in dieses Corps aufgennommen, welches bei großen Feierlichkeiten in den glänzendsten Unisormen zu Pferd ausrücken wird. Sonst hat die kostspielige Affaire weiter keinen Zweck. Wenn für die Volksschulen eine bescheidene Summe verlangt wird, so hat der ungarische Finanzminister regelmäßig kein Geld. aber für aristokratische Spielereien fehlt es nie.
— Dem Minister des Innern hat der un- garische Reichstag 100,000 fl. zur Ausrottung der Käuberbanden bewilligt, welche in den letzten Monaten immer frecher geworden sind; wenn sie in einem Comitat von den ungarischen Panduren und österreichischen Jägern zu sehr bedrängt wurden, so wanderten sie rechtzeitig in ein anderes aus. Ein ungarisches Witzblatt fordert nun den Minister des Innern auf, wohl Acht zu geben, daß ihm die Räuber nicht die zu ihrer Ausrottung be⸗ stimmten 100,000 fl. stehlen. Wenn man hört, daß jüngst in Syngedin, einer Stadt von 70,000 Einwohnern, der Postwagen auf dem Wege vom Bahnhofe zur Stadt von„armen Burschen“ (transleithanischer Volksausdruck für Straßen- Räuber) überfallen worden ist— der Postillon wurde durch einen Schuß schwer verwundet— so findet man jene Aufforderung ganz zeitgemäß.
— Das„Oesterr. Correspondenzbureau“ meldet: Von competenter Seite wird versichert, daß Herr v. Beust im Wehrausschusse die bekannte gegen⸗ wärtige Lage Europa's lediglich zur Begründung des Umstandes heranzog, daß die Wehrkraft Oester⸗ reichs nicht hinter der anderer Staaten zurück bleiben dürfe. Die Rede sei rein objektiv gehalten und die Zeitungs⸗Commentare bezüglich eventueller Parteinahme für oder gegen eine fremde Macht beruhten lediglich auf Entstellung der Erklärung des Hrn. v. Beust.
— Aus dem südlichen Tyrol und aus dem nördlichen Ungarn wird die Ankunft spanischer Jesuiten gemeldet. Die Collegien der österreichischen Ordensprovinz müssen selbstverständlich den Wei⸗ sungen des Ordensgenerals Beckr in Rom folgen und den aus Spanien verjagten Brüdern ein Asyl gewähren.
Frankreich. Paris. Der„Gazette de France“ zufolge hätte die Königin Isabella die ehemalige Villa Furtado bei Roquencourt an- gekauft.
— Mit Bitterkeit und Malice spricht der „Siecle“ von dem neuesten Tagesereigniß, der kaiserlichen Kartographie:„Wir sind,“ sagt er, „also weit stärker als vor zehn Jahren, weit einflußreicher, als vor drei Jahren; unser Ansehen, weit davon entfernt, abzunehmen, hat zugenommen; unsere Nachbarn sind geschwächt; wir zählen in Europa nur noch Verbündete; der einzige Neben⸗ buhler, der für uns etwa noch bestünde, ist isolirt, ohnmächtig. Was bedeuten aber alsdann die fieberhaften Rüstungen, die seit zwei Jahren ausgeführt werden? Welcher Grund für das Militärgesetz? Warum sich mit Chassepots und Mitrailleusen versehen? In welchem Interesse die Mobil⸗Garde? Wozu die neun Jahre Dienstzeit? Wozu die zwölfhunderttausend Bajonette, die wir fortan in der Reihe neben einander hinlegen können? und die Hunderte von Millionen, die zu diesem Zwecke aus gegeben werden? Von zwei
Sachen die eine: entweder hat man das Land getäuscht, indem man behauptete, es bedürfe, um seine Sicherheit zu garantiren einer Verdoppelung seiner Militärmacht, oder man täuscht es heute, wenn man ihm sagt, daß die letzten europäischen Ereignisse, seiner Macht und seinem Ansehen einen Zuwachs gegeben haben.“
— Der„Moniteur“ veröffentlicht einen Vor⸗ trag des Kriegsministers Marschall Niel an den Kaiser und im Anschluß an denselben ein kaiserl. Dekret, durch welches eine speeificirte Liste von subalternen Aemtern in allen Zweigen der Ver⸗ waltung ausschließlich für die Civilversorgung vou Unteroffizieren, Corporalen, Brigadiers und gemeinen Soldaten vorbehalten wird, die 1) nach Zurücklegung ihres fünfjährigen Dienstes sich für eine zweite Periode von fünf Jahren hatten an⸗ werben lassen und während dieser Zeit sich gut aufgeführt hatten, oder 2) in Folge von im Kriege zugezogenen Wunden oder Körperschwäche ausgereiht werden mußten.
— Der„Constitutionnel“ bespricht den Enthu⸗ siasmus, mit welchem das Institut der National- garde in den Departements aufgenommen worden sei, und sagt, man könne sich des Gefühls gerechten Stolzes nicht erwehren, wenn man sehe, wie so viele gute Bürger einen Theil ihrer Unabhängig; keit der Ehre opfern, die jungen Bataillone zu unterrichten, und der noch größeren, sie an die Gränze zu führen, wenn Krieg ausbrechen sollte Das Gefühl der Pflicht und der Hingebung für das Vaterland sei in Frankreich noch nicht erstorben.
— Die Blätter melden die Abreise des Artillerie⸗Offiziers Mirbel, welcher als Vertreter Frankreichs bei der Petersburger Conferenz wegen Abschaffung der Explosionsgeschosse fungiren wird.
— Der„Patrie“ geht in einem Privatbrief aus Lima die traurige Nachricht zu, daß ein neuer Unglücksfall zu denen, die das Erdbeben in Peru verursacht hat, hinzugekommen ist. Man hatte in Lima durch Subscription namhafte Summen für die Unterstützung der vom Erdbeben Heim⸗ gesuchten aufgebracht und ein Schiff, mit einem zahlreichen Contingent an Aerzten, barmherzigen Schwestern und freiwilligen Krankenwärtern aus⸗ gerüstet, mit einer ersten Summe von 3 Mill. Frs. abgesandt. Das Schiff hat Schiffbruch gelitten und ist mit allen Passagieren und Allem, was an Bord war, vollständig zu Grunde gegangen. Nur drei Matrosen wurden gerettet.
Großbritannien. London. Der Cor⸗ respondent der„Pall Mall Gazette“ in Rom erklärt, aus sonst gut unterrichtetler Quelle die Nachricht zu haben, General Dumont habe von Seiten des französischen Kaisers an Cardinal Antonelli die Botschaft gebracht, die Unabhängig⸗ keit Roms und eine französische Besatzung in Civitavecchia sei nur um den Preis der Abtretung der Provinzen Velletri und Frosinone an Italien fernerhin zu erhalten. Antonelli habe gegen ein derartiges Uebereinkommen nicht viel einzuwenden gehabt; es sei indessen an dem non possumus des Papstes gescheitert.
— In der Nähe von Mallon(Irland) ist ein heftiges Erdbeben verspürt worden. Die Häuser zitterten und viele Möbel wurden zer⸗ trümmert.
— Eingetroffenen telegraphischen Nachrichten aus Newyork zufolge haben am vergangenen Sonntag in New⸗ Orleans Ruhestörungen statt⸗ gefunden, wobei 10 Personen getödtet wurden.
Spanien. Madrid. Das Volk von Madrid hat das Schaffot auf dem Platze ver⸗ brannt, wo die Hinrichtungen stattfinden, als Kundgebung gegen die Todesstrafe. 5
— Die„Madrider Ztg.“ vom 24. publicirt das Decret des Ministers des Innern, die Preß⸗ freiheit betreffend.
— Die Madrider„Epoca“ vom 25. meldet: „Heute früh fanden sich im Secretariat der aus⸗ wärtigen Angelegenheiten die Gesandten von Por⸗ tugal, England und Preußen ein und ließen dort eine Note ihrer respectiven Regierungen zurück, welche Herrn Lorenzana von der Absicht dieser
Cabinette, mit der provisorischen Regierung von
Madrid in diplomatische Beziehungen zu treten,
in Kenntniß setzt. Der französische Botschafter schickte dann eine Note, welche in demselben Sinne gehalten war.“
— Es ist das Gerücht in Umlauf, daß die Königin Isabella zu Gunsten des Infanten Don Carlos abdanken werde.— Die Corteswahlen werden am 9. November beginnen.
— Die Nachricht bestätigt sich, daß der päpstliche Nuntius in einer Conferenz mit Lorenzana die Anerkennung der neuen spanischen Regierung Seitens der päpstlichen in Aussicht gestellt habe.
— Die Unruhen in Malaga sind recht ernst gewesen. Sie waren zwar zunächst Arbeiterunruhen, aber ein Kampf von einer halben Stunde, nach anderen Gerüchten noch viel länger, ist doch ein Beweis, daß die Sache tiefer lag und es wird
behauptet, daß Frauen, die Geld verlangten,
gewaltsam auseinandergetrieben wurden, worauf erst das Volk eine förmliche Revolte begann und die Waffen gebrauchte.
— Es bestätigt sich, daß die Exkönigin, Marfori und der Pater Claret ihre Residenz in einem Palast der Elysäischen Felder in Paris nehmen werden, während Don Paco, Schwester Patrocinio und Meneses nach Rom gehen.
— Der„Correspondencia“ zufolge haben mehrere von den reactionären Generalen, welche in den baskischen Provinzen zusammengekommen sind, den Befehl erhalten, sich nach andern Punkten zurückzuziehen, und einige von ihnen erhielten sogar den Befehl, sich ins Ausland zu begeben.
— Der Pfarrer von Esposa hat, im Moment, wo er nach der Messe den Segen ertheilte, aus- gerufen:„Meine Brüder, die Jungfrau von Pilar bittet Euch darum, vertheidigt die Religion, die man uns rauben will, vertheidigt auch die mild⸗ thätige Isabella von Bourbon und glaubt nicht ein Wort von Dem, was die Revolutionäre sagen!“
— Die aus Lissabon eingetroffenen Nachrichten lauten dahin, daß der Herzog und die Herzogin von Montpenster von ihrem heftigen Wunsche, den Boden des Vaterlandes wieder zu betreten, zurück⸗ gekommen sind. Nachdem sie der Regierung er⸗ klärt haben, daß sie das Verdict der Nation respectiren und immer respettiren werden, wollen sie ihre Abreise um einige Tage zurückstellen, damit man nicht sagen könne, daß sie direct oder indirett auf den Gang der Ereignisse einwirken wollten.
Rußland. Petersburg. Das„Journ. de St. Petersbourg“ weist in einem Artikel mit der Ueberschrist:„Frieden oder Krieg“ die Mög ⸗ lichkeit der Erhaltung des Friedens in Europa trotz der allgemeinen Rüstungen nach.
— Bezüglich der Bildung bulgarischer Banden in Rumänien sagt der„Russische Invalide“: „Wir sind überzeugt, daß der Fürst von Rumänien Alles vermeidet, was zur Störung des europäischen Friedens beitragen könnte. Die Friedensstörer in Rumänien finden an Rußland keine Hülfe und mögen dort Unterstützung suchen, wo die orienta⸗ lische Frage künstlich wieder aufgerührt wird.“
Amerika. Newyork. Der Präsident hat durch den General Grant eine Ordre erlassen, in welcher er die Offiziere auf den Abschnitt „über die Präsidentenwahl“ in der Constitution aufmerksam macht und dringend die darin ent⸗ haltene Bestimmung hervorhebt, daß alle Offiziere des Heeres und der Flotte sich jedweder Ein⸗ mischung in die Wahlen zu enthalten haben.
— Der französische Gesandte in Washington hat seinen daselbst ansässigen Landsleuten bekannt gemacht, daß sie durch den Beitritt zu politischen Clubs ihre Nationalität verwirken und keinen Anspruch mehr auf den Schutz der französischen Regierung haben.
1 Nauheim. Bei dem neulichen Brande in dem hiesigen Stationshause hat sich wieder deutlich gezeigt, was sich leider gar zu oft, auch bei sonstigen hiesigen Verhältnissen, nur zu sehr fühlbar macht, nämlich: daß Nauheim vor 15 Jahren noch ein schlichtes Dorf war und bis jetzt leider noch nicht allen Anforderungen und Wünschen zu genügen vermag, die man unter den jetzigen so sehr veränderten Verhältnissen an dasselbe, als eine neben stets wachsender Bevölkerung noch eines lebhaften Fremdenverkehrs sich erfreuende Badestabt, wohl zu stellen berechtigt sein


